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Beiträge 2016

Weihnachtsgrüße

Hamburg, 21.12.2016

Bevor es nun in eine kleine Pause bis Anfang des Jahres geht, wollte ich noch die Gelegenheit nutzen, allen meinen Lesern wunderbare, entspannte, fröhliche und besinnliche Feiertage zu wünschen.

Ich hoffe, ihr genießt die Zeit mit euren Lieben, verwöhnt euch gegenseitig mit schönen Dingen und verbringt einfach eine gute Zeit miteinander. 

Im nächsten Jahr werden wir dann hoffentlich noch viele weitere schöne musikalische Momente miteinander erleben. In erster Linie natürlich die Welt der Oper betreffend. Ich freue mich darauf, dass diese spannende Reise weitergeht und wünsche mir, dass mich noch mehr Opernfreunde und Opernneulinge auf dieser Reise begleiten werden. Eine kleine Vorschau auf das Kommende gibt es zu Beginn des neuen Jahres. Ich kann nur sagen, es bleibt spannend, aufregend und einfach nur wunderschön.

Bis dahin wünsche ich euch allen nochmals frohe Festtage und natürlich einen guten Start in ein traumhaftes Jahr 2017!

Alles Liebe und Gute, Hannah


Drei Fernseh-Tipps zu den Feiertagen

Hamburg, 21.12.2016

Hier kommen noch drei Empfehlungen bezüglich Oper und Festtage. 

Zum einen zeigt Arte am Heiligabend von 17:30-18:45 Uhr einen Gala-Abend an der Opera Bastille unter der Leitung von Chefdirigent Philippe Jordan aus Paris (Konzert Frankreich 2016).

Zum anderen gibt es ebenfalls auf Arte an Neujahr aus dem Teatro La Fenice das Neujahrskonzert 2017 unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Von 18:10-19:15 Uhr kann man dieses Konzert mitverfolgen und genießen. Es singen in Venedig unter anderem die Sopranistin Rosa Feola und der Tenor John Osborn. 

Den dritten Tipp gibt es auf 3SAT zu sehen: am 24.12. von 20:15-22:05 Uhr eine Aufzeichnung aus der Wiener Staatsoper von Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel aus dem Jahre 2015. In den Hauptrollen zu erleben sind Daniela Sindram und Ileana Tonca. 

Viel Freude beim Anschauen. Für einen schönen musikalischen Ausklang aus dem Jahr 2016 und einen ebenso schönen Start ins Jahr 2017. 

Gala-Abend

Neujahrskonzert 2017

Hänsel und Gretel


Krankmeldung

Hamburg, 20.12.2016

Eigentlich sollte an dieser Stelle noch mein Bericht zu meinem Besuch der La Bohème-Vorstellung am 16.12. in der Staatsoper Hamburg stehen, aber leider musste ich aufgrund eines grippalen Infektes, der mich auch schon daran gehindert hatte, am Advents-Benefizkonzert 6 Tage zuvor teilzunehmen, zu Hause bleiben und das Bett bzw. das Sofa hüten. So gibt es nun bedauerlicherweise keinen Eindruck von meiner ersten La Bohème live auf einer Opernbühne. Das werde ich dann hoffentlich im Laufe der Zeit nachholen, vielleicht nicht in Hamburg, dafür aber irgendwo anders in Europa oder auch in New York. In der Zwischenzeit gibt es mit Sicherheit noch viele andere Opern-Erlebnisse, von denen ich hier sehr gerne erzählen werde.

Ganz liebe Grüße, Hannah


Ein Münchner in Hamburg oder Jonas Kaufmann in der NDR-Talkshow

Hamburg, 20.12.2016

Während ich auf die Vorstellung der La Bohème in der Staatsoper Hamburg aus gesundheitlichen Gründen verzichten musste, konnte ich mir die NDR-Talkshow am gleichen Abend des 16.12. gemütlich von meinem Sofa aus anschauen. Eingekuschelt unter eine dicke Decke und versorgt mit Wärmflasche und einer heißen Tasse Tee, wartete nicht nur ich darauf, ob ein gewisser Tenor aus München wie angekündigt auftreten würde. Und tatsächlich, als die Talkshow begann, saß Jonas Kaufmann in der Runde der illustren Gäste und strahlte in die Kamera. Da der Opernsänger gleich zu Beginn mit seinem Interview an der Reihe war, hatte er danach genügend Zeit, den Gesprächen der anderen Beteiligten zu folgen.

Aber zunächst war der beliebte Opernsänger selber an der Reihe Fragen zu beantworten. So plauderte Jonas Kaufmann gut gelaunt und entspannt in seiner sympathischen Art und ließ zwischendurch immer wieder sein ansteckendes und herzliches Lachen erklingen. Zur Sprache kamen die neue CD Dolce Vita, die weiter die Klassik-Charts anführt (eine zusätzliche DVD-Aufnahme erschien Anfang Dezember), seine Liebe zu Italien und seine große Leidenschaft für guten Kaffee, insbesondere für eine Tasse perfekt aufgebrühten Espresso. Mit seiner schönen Sprechstimme, die eine sehr angenehme tiefe Stimmlage hat, berichtete er auch von seinem jetzigen Gesundheitszustand und erklärte die Gründe für seine bedauerliche Absage der Eröffnungskonzerte in der Elbphilharmonie am 11. & 12. Januar 2017. Er sei noch in der Trainingsphase und dürfe einfach nicht riskieren, seine über lange Zeit angeschlagene Stimme zu früh wieder zu belasten, vor allem falsch zu belasten. So sei der nächste von ihm geplante Auftritt der in Paris als Lohengrin am 18. Januar. Das klang wie immer sehr vernünftig und gut durchdacht. Der 47-jährige Münchner wirkte  insgesamt sehr gelöst und man hatte das Gefühl, dass er froh war,  endlich einmal wieder in der Öffentlichkeit aufzutauchen und zu zeigen, dass es ihm gut geht und der Weg der Besserung längst eingeschlagen ist. Das gibt Anlass zur Freude und Hoffnung für alle Fans von Jonas Kaufmann. 

Zum Abschluss seines Gesprächs gab es für den Opernsänger, der zur Zeit neben Juan Diego Florez als der beste seines Fachs gilt, noch eine wunderbare und unerwartete(?) Überraschung: für seine CD-Einspielung „Du bist die Welt für mich“ gab es für 100.000 verkaufte Alben die Goldene Schallplatte! Was für ein großartiges Ergebnis in der heutigen Zeit und ganz besonders für den Bereich Klassik & Co. Ganz herzliche Glückwünsche dazu! 

Zum Abschluss sei noch gesagt, was selbstverständlich klar ist, die Runde der Talkgäste bestand noch aus einer Reihe anderer interessanter Menschen aus Film, Fernsehen und Theater. Ich persönlich hatte mein Vergnügen bis zum Schluss und freue mich jetzt schon auf die erste Sendung im neuen Jahr. 

In der Mediathek gibt es die Sendung oder die einzelnen Ausschnitte noch für ein paar Tage zu sehen und auf der Facebookseite des NDR gibt es zusätzlich zwei oder drei Fotos von diesem Abend anzuschauen.

Die Links:

ardmediathek.de

NDR-Talk-Show/Jonas-Kaufmann

Facebook

musikwoche.de


Das 21. Advents-Benefizkonzert der BMW-Niederlassung München

Hamburg, 18.12.2016

Ich würde hier gerne noch ein paar Worte zu dieser wunderbaren Veranstaltung sagen, die am Samstag, den 10. Dezember 2016 zum 21. Mal in München stattfand. Auch dieses Jahr gab es beim jährlichen Advents-Benefizkonzert in St. Michael Musik vom Allerfeinsten, reichlich prominente Gäste und eine riesige Spendenbereitschaft für hilfsbedürftige Kinder. Um die tausend Zuhörer lauschten dem Konzert, zu dem die BMW-Niederlassung auch dieses Jahr geladen hatte. Das hochkarätige Ensemble, bestehend aus dem GMD der Bayerischen Staatsoper Maestro Kirill Petrenko, Pavol Breslik, weltweit gefeierter Tenor, dem Hornisten Johannes Dengler sowie dem Orchester und Kinderchor der Bayerischen Staatsoper begeisterten das Publikum mit ihrer wunderbaren Kunst.

Das Programm dieses nachmittäglichen Adventskonzerts ist auf der der BMW-Seite nochmals nachzulesen. Der Link erscheint im Anschluss an diesen Text.

Leider hatte ich krankheitsbedingt nicht die Chance, diesem musikalischen Leckerbissen beizuwohnen. Trotzdem ist es mir sehr wichtig, die überaus bedeutsame und ehrenvolle Veranstaltung auf meinem Blog zu erwähnen. Die notwendigen Informationen wurden mir freundlicherweise von der BMW-Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür. 

Dem Konzert vorausgegangen war ab 12.45 Uhr schon der Weihnachtsmarkt im Innenhof der Jesuitenkirche, auf dem Prominente verschiedene Leckereien aus dem Hause Dallmayr für einen guten Zweck verkauften. Ein paar Eindrücke davon liefern auch die Fotos auf den verschiedenen Online-Medien, die hautnah über diese Benefiz-Veranstaltung berichtet haben.

Die unglaubliche Spendensumme von 158.000 Euro, die bei der diesjährigen BMW-Benefizveranstaltung zusammenkam (Eintrittskarten & Lebkuchenverkauf), kommt in vollem Umfang der Lebenshilfe München e.V. für Menschen mit geistiger Behinderung und der SchlaU-Schule („Schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge“) zugute. 

So kann man nur herzlich gratulieren zu diesem wunderbaren Erfolg und Danke sagen für diesen musikalischen Hochgenuss. 

Ich freue mich jetzt schon, nächstes Jahr dabei sein zu können, und bin froh, dass ich zumindest durch den Kauf meiner leider nicht genutzten Eintrittskarte ein klein wenig zu diesem großartigen Erfolg beitragen konnte, dessen finanzielles Ergebnis wieder Hilfe und Unterstützung bringen wird, wo sie notwendig ist. 

bmw-muenchen.de

exklusiv-muenchen.de


Anna Netrebko kommt!

Hamburg, 18.12.2016

Signierstunde bei Ludwig Beck

Aufgepasst, liebe Münchner Opernfans, vier Tage vor Heiligabend gibt es ein wunderbares vorgezogenes Weihnachtsgeschenk! Anna Netrebko, die russische Operndiva mit österreichischer Staatsbürgerschaft und einem Wohnsitz in Wien, kommt zusammen mit ihrem Ehemann, dem kasachischen Tenor Yusif Eyvazov für eine offizielle Signierstunde ins Luxuskaufhaus Ludwig Beck nach München. Wer also so kurz vor den Feiertagen noch etwas Zeit aufbringen kann, um sich in eine vermutlich lange Schlange von Menschen einzureihen, der sollte am 20.12.2016 möglichst mindestens eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn am Ort sein und kann so einen der größten Opernstars unserer Zeit persönlich treffen. 

Beginn der Signierstunde mit Anna Netrebko und Yusif Eyvazov ist um 17 Uhr. Die Autogrammstunde findet auf der Musikbühne in der 5. Etage des Kaufhauses Ludwig Beck statt. 

Wem noch ein schönes Weihnachtsgeschenk fehlt oder das passende Objekt für die Autogramme, der findet hier im Anschluss nicht nur den Link zur Website von Ludwig Beck, sondern auch die entsprechenden CD-Tipps der russischen Opernsängerin und ihres Ehemannes. Selbstverständlich sind diese auch direkt in der Musikabteilung in der 5. Etage zu finden. 

Anna-Netrebko-Signierstunde

kaufhaus.ludwigbeck.de

Verismo bei amazon.de und jpc.de

Manon Lescaut bei amazon.de und jpc.de


Campus Freunde Bayerische Staatsoper – Eine Organisation mit Herz

Hamburg, 17.12.2016

Heute möchte ich euch eine Organisation vorstellen, die mir sehr am Herzen liegt und die das ganze Jahr über eine großartige Arbeit leistet bezüglich der Förderung von Kindern und Jugendlichen in Sachen Musik, Tanz und Theater. Es geht darum, Freude und Neugierde zu wecken, Wissen weiterzugeben und Talente zu entdecken und zu fördern. Das Ziel von Campus Freunde Bayerische Staatsoper ist es, jungen Menschen mit den verschiedensten sozialen und kulturellen Hintergründen die wunderbare Welt der Oper aber auch des Tanzes und des Orchesters behutsam näherzubringen und auf lange Sicht dafür zu begeistern. Sei es nur zum Vergnügen oder auch in späterer beruflicher Hinsicht. 

Das entsprechende Programm ist ausgesprochen vielseitig und lohnt in jeder Hinsicht unterstützt zu werden. Mitglied der Campus Freunde können Privatpersonen ab einem Jahresbeitrag von 75 Euro werden, Firmenmitglieder zahlen einen Beitrag von mindestens 1000 Euro. Mitglieder erhalten immer die neusten Informationen und ab einem Beitrag von 250 Euro gibt es einmal im Jahr zwei Freikarten für ein Konzert des Opernstudios, der Orchesterakademie oder des Jugendorchesters ATTACCA. 

Einer der Künstler, der sich seit der Gründung für die Campus Freunde als Botschafter einsetzt, ist der dreifache Vater und Münchner Opernsänger Jonas Kaufmann. Der genaue Wortlaut seiner Grußworte ist unten im Anschluss über den entsprechenden Link zur Website der Bayerischen Staatsoper nachzulesen. 

Worum es sich genau bei den zahlreichen Projekten dieser großartigen Organisation handelt, lässt sich hier nur kurz anreißen. Wer mehr über die Campus Freunde und eine entsprechende Mitgliedschaft wissen möchte, der kann sich direkt auf der Website der Bayerischen Staatsoper darüber informieren. Der Link ist derselbe wie der zum Grußwort des sympathischen Bayern, der seit vielen Jahren dieses Opernhaus als seine musikalische und künstlerische Heimat ansieht.

Ein besonders schönes Projekt, an dem ich mir auch selbst gut vorstellen könnte in näherer Zukunft teilzunehmen, ist das sogenannte Patenschaftsprojekt. Opern- und Ballettkenner gehen mit absoluten Neulingen zusammen in eine Vorstellung, über das Jahr verteilt zwei- oder dreimal. Die Patenpaare wählen gemeinsam aus dem Spielplan aus und der Pate begleitet seinen zugeteilten Schützling die gesamte Spielzeit über. Für die meisten jungen Menschen, die an diesem Projekt teilnehmen, ist es das erste Mal, dass sie eine Opern- und Ballettvorstellung besuchen, sie haben dadurch einen festen Ansprechpartner, an den sie sich wenden können und der sie langsam einführt in diese aufregende und schöne Welt. Die jungen Frauen und Männer im Alter von 16-30 Jahren bezahlen für ihre Karte 10 Euro; die Differenz zum Vollpreis übernimmt der Sponsorenkreis des Inner Circle der Bayerischen Staatsoper. Vorweg gibt es noch ein Treffen, in dem sich Pate und Patenkind kennenlernen können und der zudem eine Führung durchs Nationaltheater und ein erstes kleines Konzert enthält. 

Des weiteren gibt es die unterschiedlichsten Workshops, zum Beispiel im Vorfeld von Familienvorstellungen, unterteilt in Kinder-Workshops und Familien-Workshops. Beide haben die Aufgabe auf die geplante Vorstellung vorzubereiten und spielerisch die Welt der Oper zu entdecken. 

Dann gibt es noch die Kinderführungen durchs Nationaltheater; eingeteilt in zwei verschiedene Altersklassen, für 5- bis 7-Jährige bzw. 7- bis 12-Jährige, oder mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Mehr zu lesen gibt es auf der Website darüber. 

Die Familienvorstellungen habe ich schon kurz erwähnt, dazu gibt es noch spezielle Kindereinführungen 45 Minuten vor Aufführungsbeginn. Für diese Einführungen sind nur die Kinder zugelassen; die Tickets dafür sind im Vorverkauf der Bayerischen Staatsoper zu erhalten. Die Familienvorstellungen sind im Spielplan entsprechend gekennzeichnet.  

Fehlen noch die Schülervorführungen, Workshops und Schülerprojekte. Die Schüler haben zusammen mit ihrer Klasse und der zuständigen Lehrkraft die Möglichkeit eine Aufführung oder Generalprobe zu besuchen; entweder für eine der Neuinszenierungen oder für ausgewählte Repertoirevorstellungen. Entsprechend der Vorstellung oder Generalprobe werden die Schüler auf diese Aufführung und das Werk vorbereitet. Das geschieht in einem Workshop, der für alle Schultypen gestaltet werden kann. In einem Nachgespräch können die Kinder und Jugendlichen dann ihre Eindrücke wiedergeben und darüber diskutieren und sich austauschen. Bei den Premierenklassen, im Vorfeld einer Neuproduktion, gibt es für die Schüler die Möglichkeit, am kreativen Entstehungsprozess einer solchen Neuinszenierung teilzunehmen und einen ausführlichen Einblick hinter die Kulissen zu erhalten. Dieses Projekt beginnt etwa drei Wochen vor der Premiere und endet eben mit dem Besuch einer solchen oder der entsprechenden Generalprobe. 

Auch wenn die Oper im Vordergrund steht, gibt es ebenfalls das Projekt mit dem Schwerpunkt Tanz einer entsprechenden Produktion des Bayerischen Staatsballetts inklusive Vorstellung oder Generalprobe. 

Die Bayerische Staatsoper betreibt noch zwei weitere Projekte, die ich hier noch nennen möchte; zum einen die Schülerakademie und zum anderen die Studentenakademie für Studenten unter 30 Jahren. In diesen Projekten werden besonders begabte Schülerinnen und Schüler gefördert. Ziel ist die Vermittlung eines tieferen und intensiveren Zugangs zur Welt der Oper bzw. die vertiefte Beschäftigung mit einzelnen Werken. Diese Projekte enthalten unter anderem Probenbesuche, Künstlergespräche und am Ende den Besuch einer Vorstellung oder Generalprobe. Die Studenten haben die Möglichkeit, zu mindestens fünf Stücken pro Spielzeit diese Workshops zu nutzen, die jeweils mit einer Nachbesprechung zur entsprechenden Vorstellung abschließen. 

Ich hoffe ich konnte gut und übersichtlich zusammenfassen, was die die Campus Freunde Bayerische Staatsoper Großartiges leisten und wie unglaublich wertvoll diese Tätigkeit ist. Die Aufgabe, jungen Menschen, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die wunderbare Welt der Musik, der Oper und des Tanzes näherzubringen, ist wohl eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Das Interesse wecken, neugierig machen, Leidenschaft entfachen für eine der schönsten Sachen der Welt. 

So bekommen auch weniger privilegierte Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, diese Kunstformen näher kennen und lieben zu lernen. Diese jungen Menschen sind die Zukunft, auch die der Kunst und Kultur, der Musik und speziell der Oper. Wir brauchen sie, damit diese wunderbare Kunstform weiterlebt und die Opernhäuser und Konzertsäle gut gefüllt sind. Dafür setzt Campus sich ein und dafür steht auch ein Stück weit mein Blog; deshalb ist es auch mir so wichtig für die Campus Freunde der Bayerischen Staatsoper zu werben, und ich hoffe, dass viele neue Mitgliedschaften geschlossen werden und viele Paten mit ihren Schützlingen das Nationaltheater und die Institution Oper entdecken werden und all die wunderbare Musik, die jedem dort begegnet, der bereit ist, sich darauf einzulassen. 

Danke fürs Zuhören. Über den Link gelangt man auf die Website der Bayerischen Staatsoper; dort kann man Mitglied werden, unterstützen, fördern und Freude geben und letztendlich ganz viel zurück bekommen.

Förderprogramme und Projekte der Campus Freunde

Grußwort von Jonas Kaufmann

Ansprechpartner Mitgliedschaft Campus Freunde


Eine schöne Überraschung kurz vor Weihnachten!

Hamburg, 16.12.2016

Ich muss gestehen, dass ich diesen Tipp nicht selbst entdeckt, sondern auf der Internetseite von Marion Tung, der inoffiziellen Jonas-Kaufmann-Website, gefunden habe. Den Link stelle ich dann natürlich auch im Anschluss zur Verfügung, für diejenigen, die diese Seite noch nicht kennen.
Demzufolge geht es in diesem Fernsehtipp kurz vor dem zweiten Advent auch um den Münchner Opernsänger, den seine Fans zur Zeit aufgrund von zwei verschiedenen Krankheitsverläufen schmerzlich vermissen. Also drücken wir fest die Daumen, dass der sympathische Bayer in der NDR-Talkshow am 16.12.2016 um 22:00 Uhr gesund und munter bei den zwei wunderbaren Gastgebern Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burkhardt und in illustrer Runde der anderen großartigen Talkgäste zugegen sein wird. Der Opernsänger wird dort selbstverständlich auch über sein seines Album Dolce Vita sprechen, das im September dieses Jahres erschien, sowie seine passend dazu gerade auf den Markt gekommene DVD/Blue-ray inklusive Dokumentation und Konzertaufnahme vom Juli 2016. Als Höhepunkt war noch ein Duett mit Barbara Schöneberger geplant!
Auf das gemeinsame Duett mit Gastgeberin Schöneberger werden wir leider verzichten müssen, da der Münchner Opernsänger seine Stimme weiter schonen muss. Gerade hat er schweren Herzens, so heißt es, die Eröffnungskonzerte in der Elbphilharmonie abgesagt.
Alles weitere ist der Seite des NDR zu entnehmen, deren Link gleich im Anschluss zu finden ist. Das sollte auf jeden Fall eine recht unterhaltsame und lustige Sendung werden, natürlich nicht nur wegen Jonas Kaufmann. Für mich ist die NDR-Talkshow, zusammen mit DAS, die beste Sendung dieses Formats im deutschen Fernsehen. Ich würde sagen, da muss ich nach der hoffentlich genauso schönen Vorstellung von La Bohème am 16. Dezember gleich nach Hause, auch wenn der Festplattenrekorder selbstverständlich programmiert ist! 

NDR-Talkshow
Jkaufmann.info
Jkaufmann.com
Facebook

Rollendebüt:
Christian Gerhaher

Hamburg, 16.12.2016

Am 15. Januar 2017 gibt der im Juli 1969 in Straubing geborene Bariton Christian Gerhaher sein Rollendebüt als Rodrigo, Marquis des Posa in Verdis Don Carlo. Insgesamt dreimal wird der Opernsänger, der eine Professur für Gesang und Oratorium an der Hochschule für Musik und Theater in München hat, in dieser Produktion der Bayerischen Staatsoper zu sehen sein. Eine seltene Gelegenheit, den Bariton zu erleben, da Christian Gerhaher in erster Linie im Bereich Liedgesang unterwegs ist. Auftritte auf der Opernbühne sind insgesamt nicht allzu häufig in seinem Programm enthalten.

Gerade hat er in seiner Geburtsstadt Straubing einen ausverkauften Liederabend gegeben, u.a. mit Mahlers Lied von der Erde. Selbst meine liebe Freundin Elisabeth, die sich, wenn sie wählen müsste, immer für die Opernvorstellung entscheiden würde, war sehr angetan von dieser besonders intimen Form der Kunst und der feinen Gestaltung Gerhahers. Ja, Elisabeth ist eine große Bewunderin des bayerischen Opernsängers, der auch noch ganz in der Nähe ihrer eigenen Heimat aufgewachsen ist, aber ich bin sicher, dass war nicht der ausschlaggebende Punkt. Ich bin bedauerlicherweise zu diesen Terminen nicht in München und muss auf diesen musikalischen Genuss leider verzichten. Aber allen, die die Gelegenheit haben, Christian Gerhaher in diesem Rollendebüt und auch noch in dieser großartigen Inszenierung in München zu erleben, wünsche ich ganz viel Freude dabei. 

Ein paar Seiten, die ich im Netz gefunden habe, zu diesem wunderbaren Sänger und Künstler seht ihr hier. Natürlich auch die offizielle Website der Bayerischen Staatsoper. 

Staatsoper.de/Stückinfo

Staatsoper.de/biographien

wikipedia.de

gerhaher.de


Ein Stück Italien und ganz viel Sonne:
Die neue DVD-Aufnahme Dolce Vita von Jonas Kaufmann

Hamburg, 16.12.2016

Seit dem 2. Dezember 2016 ist sie nun endlich auf dem Markt, die DVD/Blue-ray Dolce Vita als Ergänzung zur bereits sehr erfolgreichen CD-Aufnahme von Jonas Kaufmann. Es handelt sich dabei um die Dokumentation, die bereits am 28.10.2016 im ZDF zu sehen war, und die Konzertaufnahme aus dem Theater in Turin unter der Leitung von Jochen Rieder. Das Konzert wurde im Sommer am 4. Juli dort live aufgezeichnet. Diese beiden Aufnahmen, Konzert und Dokumentation, sind separat auf zwei DVDs anzuschauen. Im beiliegenden Heft gibt es noch das eine oder andere sehenswerte Foto des Münchner Tenors. 

Trotzdem ist diese DVD/Blue-ray sicher nicht nur etwas für den enthusiastischen Kaufmann-Fan, sondern auch für jeden Liebhaber der italienischen Lieder und der Lebensfreude und Melancholie, die diese Musik vermittelt. Und natürlich auch für die Menschen, die einfach schöne Stimmen lieben wie die des sympathischen Opernsängers, dessen zweite Heimat Italien ist und der auf eine wunderbare leichte Art das Lebensgefühl dieses Landes vermittelt und seine Zuhörer mitnimmt auf eine wunderschöne Reise ins Land, wo die Zitronen blühen. 

Da auch die Sprechstimme von Jonas Kaufmann sehr angenehm anzuhören ist, macht es großen Spaß ihm zuzuhören, wenn er in der Dokumentation von seinen Kindheitserlebnissen und seiner heutigen Beziehung zu Italien erzählt. Dazu gibt es die bezaubernden Einspieler der alten Filmaufnahmen seines Vaters und wunderbare Bilder von der ligurischen Küste, die der Tenor in seinem roten Cabriolet entlangfährt.

Beim Konzert aus Turin heißt es dann einfach nur: zurücklehnen und genießen. Beschwingt, fröhlich, traurig, melancholisch, kraftvoll, leise, leicht und zart, so ertönt die Stimme des Opernsängers, wenn er die unterschiedlichen italienischen Weisen interpretiert mit seiner eigenen unvergleichlichen Note. Man merkt, wie sehr er nicht nur mit dem Land, sondern auch mit der Musik tief verbunden ist und wie viel ihm das alles bedeutet. Genau das macht diese Einspielung so persönlich.

Erwähnt seien natürlich auch noch Jochen Rieder, der die musikalische Leitung beim Konzert in Turin innehatte und der Jonas Kaufmann schon auf so vielen neuen Wegen begleitet hat; die Verbundenheit und Freundschaft, die diese beiden Musiker verbindet, ist auch hier jederzeit zu spüren. Es herrscht eine angenehme und entspannte Atmosphäre, die auch das Publikum spürt und dankbar annimmt. 

Zuletzt sei auch noch kurz die Aufmerksamkeit auf das wunderschöne Teatro Carignano gelenkt, das ein großartige Kulisse bot für dieses ganz besondere Konzert. 

So bietet Dolce Vita wahrhaftig ein Stück Sommer und Leichtigkeit, gerade jetzt, wo Dunkelheit und Kälte vorherrschen und eine kleine Aufmunterung zwischendurch so richtig gut tut.

Selbstverständlich eignet sich diese DVD-Aufnahme auch hervorragend als Weihnachtsgeschenk. Die Freude in den Augen des Beschenkten dürfte jetzt schon sicher sein. 

Ich wünsche allen viel Freude beim Anschauen und Verschenken. 

Die Links zur DVD, die es selbstverständlich auch als Blue-ray gibt: 

amazon.de  -  jpc.de  -  saturn.de

Die Dezemberausgaben meiner Lieblingsopernmagazine

Hamburg, 16.12.2016

Seit Anfang Dezember sind sie auf dem Markt, die neuen Ausgaben von Das Opernglas und Oper! Das Magazin. Es sind die letzten Ausgaben in diesem Jahr und daher steckt noch einmal einiges drin.

Im Opernglas gibt es u.a. ein sehr schönes Interview mit Elīna Garanča sowie eine ausführliche Premierenkritik zu La Favorite an der Bayerischen Staatsoper in München, wo die Mezzosopranistin ihr Rollendebüt als Léonor gab. Auch bei Oper! Das Magazin ist über diese gefeierte Neuinszenierung zu lesen, zusätzlich gibt es noch ein ausführliches Gespräch mit Bariton Mariusz Kwiecień, der in der bereits erwähnten Oper von Donizetti die Partie des Alfons XI. singt. Ein weiteres Interview gibt es dort mit Sopranistin Anja Kampe, die gerade am vergangenen Sonntag (4.12.) das erste Mal in ihrer Karriere die Rolle der Katerina Ismailova in Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk unter der musikalischen Leitung von GMD Kirill Petrenko in München sang. Die Regie bei dieser Neuinszenierung hatte Altmeister Harry Kupfer inne. 

Ansonsten gibt es wie immer in beiden Magazinen diverse weitere Berichte von den Opernhäusern Europas und der Welt. Dazu kommen die Vorschauen verschiedener Opernsänger, CD- und DVD-Kritiken und das Programm für den Monat Dezember. Reinschauen lohnt also auf jeden Fall! 

Die Links für die zwei Opernmagazine:

Gastro-Tipp für München

Hamburg, 15.12.2016

Vor einem Jahr eröffnete in München am Viktualienmarkt eine weitere Filiale des Feinkostlabels Eataly. Die Heimat von Eataly ist die Schrannenhalle, die von 1851-1853 von Karl Muffat am Viktualienmarkt als Getreidehalle erbaut wurde. Sie war der erste Bau in München, der aus einer Eisenkonstruktion bestand. In dieser Halle fand früher der Getreidemarkt statt, der zu dieser Zeit als Schranne bezeichnet wurde.

Vor einem Jahr also, genau gesagt am 26.11.2015, zog dort die Münchner Filiale des Eataly ein. Es gibt die unterschiedlichsten Bereiche zu entdecken; es gibt Restaurants, wo frisch zubereitete italienische Speisen angeboten werden, es gibt verschiedene Cafés und Weinbars, eine Metzgerei, einen Bäcker, den Markt mit frischen Obst- und Gemüsesorten und unzählig herrlich gefüllte Kühltheken und Regale mit den schönsten italienischen Köstlichkeiten. Im Untergeschoss ist unter anderem die hauseigene Kochschule beheimatet, in der man lernen kann, all diese Leckereien in wunderbare Gerichte zu verwandeln, um z.B. die Familie, den Liebsten oder die Liebste oder auch nur die beste Freundin einfach mal so richtig zu verwöhnen. Des weiteren gibt es dort noch eine Weinhandlung und eine Konditorei. Auch Weinverkostungen werden im Eataly angeboten. Wer qualitativ hochwertiges Essen und gute Weine liebt, der ist hier sicher bestens aufgehoben. Außerdem lässt sich auch das eine oder andere schöne Geschenk dort finden, für seine Lieben, aber auch für die eigene Küche. Einziger Wermutstropfen: diese Qualität hat durchaus ihren Preis. 

Auf jeden Fall macht es große Freude, dort einfach nur zu schauen, zu stöbern und sich inspirieren zu lassen. 

Willkommen im Reich der Sinne! 

Auf der Internetseite, deren passender Link natürlich wie immer bereit steht, könnt Ihr Euch genau vor Eurem nächsten oder auch ersten Besuch in München informieren. Ich war übrigens letztes Jahr im Juni bei meinem Trip nach Mailand das erste Mal in einer Filiale von Eataly. Das war schon ein Erlebnis! 

Das Leben ist zu kurz, um schlecht zu essen und zu trinken.

Das ist das Motto oder der Wahlspruch dieser italienischen Feinkostkette. Eine sehr treffende Aussage, die im Alltag sicher manchmal etwas untergeht. Auf italienisch hört sich dieser Satz dann noch ein wenig klangvoller und auch ein wenig poetisch an und das passt letztendlich sehr gut, auch zu meinem Blog. Die Welt der Oper, der Genuss von Speisen und Getränken der besonderen Art und die Lebensfreude Italiens verbinden sich so zu einer großen wunderbaren Sinfonie der Sinne. 

La vita è troppo breve per mangiare e bere male!


Einkaufstipp für Münchner

Hamburg, 15.12.2016

Anlässlich meines aktuellen Aufenthalts (dieses Mal rein beruflich!) in München habe ich auch der wunderbaren Musikabteilung mit dem Schwerpunkt klassische Musik bei Ludwig Beck einen Besuch abgestattet. Und da lagen auf einem der Verkaufstische vier meiner Buch-Tipps aus der letzten Zeit. 

1. Die weltbesten Tenöre (35,50 Euro)

2. Das Handbuch der Oper (39,95 Euro)

3. Die Oper kocht (29,80 Euro)

4. Oper aber wie? (24,95 Euro)

Dazu habe ich noch ein weiteres schönes Exemplar gefunden: Die schönsten Opernhäuser der Welt, ein wunderschöner Bildband, der nur einen kleinen Fehler hat; warum in aller Welt ist dort das wunderschöne Nationaltheater in München und eines der führenden Opernhäuser weltweit nicht enthalten? (Der Preis für diesen Bildband beträgt 49,95 Euro) 

Hier sind die Links zu diesem kleinen Einkaufsparadies mitten in München. 

ludwigbeck.de  -  ludwigbeck.de/musik

Also viel Freude beim Stöbern, Verschenken und selber Schenken!


Eine der romantischsten Geschichten der Opernwelt:
Giacomo Puccinis Oper La Bohème

Hamburg, 14.12.2016

Es ist kaum zu glauben, aber am 16. Dezember 2016 werde ich doch tatsächlich Puccinis Liebesdrama zum ersten Mal auf der Bühne erleben. Die Staatsoper Hamburg bietet mir zwei Tage vor dem 4. Advent die Gelegenheit, dieses Werk einmal live zu genießen.

Ich vermute, dass zumindest den meisten Lesern dieses Blogs der Inhalt von Puccinis Oper, die am 1. Februar 1896 im Teatro Regio in Turin zur Uraufführung kam, bekannt ist. Hier kommen trotzdem ein paar Worte zum Inhalt einer der bekanntesten und meistgespielten Opern der Welt. Den gesamten Inhalt könnt ihr wie immer im mittlerweile sicher bekannten Opera Guide nachlesen und auch Wikipedia liefert weitere Hintergrundinformationen. Die Links gibt es im Anschluss an diesen Einführungstext.

Die literarische Vorlage für das Libretto von Luigi Illica und Guiseppe Giacosa lieferte Henri Murger mit seinen Scènes de la vie de bohème

Die Dauer dieser Oper beträgt ca 1:50 Minuten, der Ort der Handlung ist Paris um 1830.

Dieses Werk von Puccini hat eine Unterteilung in vier Bilder, die in der folgenden Reihenfolge an diesen vier Orten spielen: In einer Mansarde, im Quartier Latin im Café Momus, am Stadtrand im Gasthaus nahe einer Zollschranke und zum Schluss wieder in der Mansarde. Am erst- und zuletzt genannten Ort beginnt und endet diese tragische Liebesgeschichte zwischen dem Dichter Rodolfo und Mimi. 

Gleich im ersten Akt, in dem Augenblick, wo die beiden Liebenden das erste Mal alleine sind, gibt es eine der sicherlich schönsten Arien für das Stimmfach Sopran: „Mi chiamano Mimi“, mit der sie sich Rodolfo vorstellt, „Man nennt mich Mimi“. Die Arie für den Tenor steht dem in nichts nach: „Che gelida manina“. Abgeschlossen und gekrönt wird der erste Akt vom Liebesduett „O soave fanciulla“. Einfach zum Dahinschmelzen. Der erste Akt ist also von der ersten Begegnung des Dichters und seiner neuen Muse geprägt. Insbesondere die zweite Hälfte des ersten Bildes ist besonders zart und voll Liebe. Der zweite Akt/das zweite Bild ist sicher am leichtesten, fröhlich, unbeschwert; alles scheint machbar und ein gutes Ende in greifbarer Nähe. Die Verliebten verbringen frohe Stunden mit ihren Freunden am Weihnachtsabend im Café Momus. Es wird gefeiert und das Leben genossen, zumindest für eine kurze Zeit. Musetta hat hier ihren ersten Auftritt und versucht ihren ehemaligen Geliebten, den Maler Marcello, einen der drei Freunde und Mitbewohner Rodolfos, eifersüchtig zu machen, was ihr auch hinlänglich gelingt. Marcello tobt innerlich und würde Musettas Gönner, dem Stadtrat Alcindoro, am liebsten eins über den Schädel ziehen. Allerdings vermisst auch die Musetta ihren ehemaligen Geliebten und so kommen die beiden schließlich wieder zusammen. Der geprellte Stadtrat muss am Ende die Zeche bezahlen.

Wie man fast vermuten kann, bleibt natürlich nicht alles so schön und unbeschwert, das Schicksal hält bereits harte Prüfungen für die Liebenden bereit. Die Harmonie ist verschwunden, stattdessen herrschen Eifersucht und Misstrauen vor bei Rodolfo und eine übermächtige Leidenschaft, die ein Andauern der Beziehung fast unmöglich machen. Zudem hat sich der gesundheitliche Zustand von Mimi drastisch verschlechtert, die junge Frau ist mittlerweile stark geschwächt und sie hustet Tag und Nacht. Der harte Winter macht die Situation noch gefährlicher. Beide, Mimi und Rodolfo, suchen Rat bei ihrem gemeinsamen Freund Marcello. Dieser meint, dass es besser sei sich zu trennen; schweren Herzens nehmen die beiden Liebenden voneinander Abschied, versprechen sich aber, die Trennung erst ganz zu vollziehen, wenn die ersten Blumen wieder blühen. Vermutlich ist beiden aber klar, dass aufgrund von Mimis Erkrankung das Lebewohl jetzt schon für immer sein wird. „D´onde lieta usci“ heißt dieses bewegende Duett vom Ende des dritten Aktes/Bildes. 

Auch Musetta und Marcello haben sich an diesem Tage getrennt. Nachdem im Auftakt zum vierten Akt/Bild die zwei Freunde Rodolfo und Marcello sich ihrem Liebeskummer hingeben, gibt es noch einen kurzen Augenblick der Freude und Unbeschwertheit, wenn die vier Künstler sich einen Spaß daraus machen, sich ihr übersichtliches Mahl als großes Bankett mit feinen Speisen und Getränken ausmalen und bei Tanz und einem gespielten Duell für einen kurzen Augenblick ihren Kummer und ihre Sorgen vergessen. 

Dann endet mit einem Schlag jede Fröhlichkeit; Musetta bringt die todkranke Mimi, die sich kaum noch auf den Beinen halten kann, in die Mansarde der vier Freunde. Rodolfo bettet seine Geliebte zärtlich und alle um ihn herum versuchen irgendwie ein wenig Geld aufzutreiben für Medikamente und einen Arzt, obwohl schon zu erahnen ist, dass die Hilfe zu spät kommt. Ein besonders rührender Moment ist die Arie von Colline, wenn der schweren Herzens beschließt, sich von seinem geliebten Mantel zu trennen: „Vecchia zimarra, senti“. 

Nachdem die Freunde gegangen sind, bleiben die beiden Liebenden alleine zurück, um sich in einem kurzen Moment der Träumerei ihre Liebe zu versichern, „Sono andati? Fingevo di dormire“. 

Danach kehren Musetta und die drei Freunde zurück; Musetta hat Mimi den Muff gekauft, den sie sich so sehnlichst gewünscht hat und den sie kurz vor dem Erlöschen ihrer Lebensgeister für einen kurzen Augenblick glücklich wahrnimmt. Jede weitere Hilfe kommt zu spät; Mimi stirbt und der verzweifelte Rodolfo muss zusehen, wie er seine große Liebe für immer verliert. 

Das ist der ungefähre Inhalt von Puccinis bewegendem Liebesdrama, seiner vierten von zwölf Opern und einem der weltweit am häufigsten gespielten Werke. 

Die Entstehung dieser Oper beschrieb der Komponist folgendermaßen: „Die Geburtsstunde war an einem Regentag, als ich nichts zu tun hatte und mich daran machte, ein Buch zu lesen, das ich nicht kannte. Der Titel lautete Scènes de la vie de bohème. Das Buch nahm mich mit einem Schlag gefangen. In jener Umgebung von Studenten und Künstlern fühlte ich mich sofort zu Hause. In dem Buch war alles, was ich suchte und liebe: die Frische, die Jugend, die Leidenschaft, die Fröhlichkeit, die schweigend vergossenen Tränen, die Liebe mit ihren Freuden und Leiden. Das ist Menschlichkeit, das ist Empfindung, das ist Herz. Und das ist vor allem Poesie, die göttliche Poesie. Sofort sagte ich mir: das ist der ideale Stoff für eine Oper.“

Dieses Werk von Puccini steht dem Verismo nahe, es geht um Leben, Leiden und Lieben von gewöhnlichen Menschen. 

Was die Inszenierung an der Staatsoper angeht, werde ich mich von den dort aufgeführten Fotos nicht beeinflussen lassen, sondern möglichst unvoreingenommen in die Vorstellung am 16. Dezember gehen. Die offiziellen Bühnenfotos sind dann, eingebettet in meinem Bericht über diese Inszenierung, auch einige Tage später auf meinem Blog zu sehen. Wer mag, kann sich selbstverständlich schon im Voraus auf der Website der Staatsoper Hamburg informieren. Aber manchmal ist es ja auch schön sich einfach überraschen zu lassen. Auch den Link zur Staatsoper Hamburg gibt es hier gleich im Anschluss. 

Was die Sänger dieser La Bohème-Serie angeht, lese ich mit Absicht, um einen möglichst unverbauten Eindruck am Tage der Aufführung zu bekommen. Ich muss gestehen, dass mir die Namen an sich erst einmal nichts sagen, ich aber genau auf diesem Wege schon einige großartige Entdeckungen gemacht habe. Junge, talentierte, frische und unverbrauchte Künstler, die die ganze Karriere noch vor sich haben und denen die Opernwelt hoffentlich irgendwann zu Füßen liegt. 

Manchmal waren es aber auch schon erfahrenere Künstler, die eventuell „nur“ an deutschen Opernhäusern singen oder insgesamt an kleineren Häusern tätig sind. Was aber über die Qualität der Stimme und des künstlerischen Ausdrucks überhaupt keine Auskunft gibt. Die ganz große Weltkarriere ist, besonders auf die freischaffenden Sänger bezogen, sicher nur einer kleinen Anzahl vorbehalten. So bin ich gespannt und werde hoffentlich wieder einmal positiv überrascht, wenn ich am 16. Dezember meine erste La Bohème auf der Bühne sehe. 


Wir hören uns dann also vermutlich schon am 4. Adventswochenende wieder, wenn ich berichten werde, wie es mir ergangen ist. Bis dahin wünsche ich allen eine schöne, entspannte und natürlich musikalisch geprägte Vorweihnachtszeit. Ein paar kleine Texte gibt es ja zusätzlich vorher trotzdem noch. Nach der Bohème gibt es eine kleine Pause; Anfang des neuen Jahres geht es dann mit viel Freude an der Musik und vor allem an der Welt der Oper weiter. 

opera-guide

Wikipedia

staatsoper-hamburg.de

Videos: La Bohème in RehearsalVittorio Grigolo sings "Che gelida manina"Why they love La Bohème


Buch-Tipps für das bevorstehende Weihnachtsfest

Hamburg, 23.11.2016

So langsam nähern wir uns dem 1. Advent und somit auch dem bevorstehenden Weihnachtsfest und ein paar Tipps für schöne Geschenkideen sind sicher nicht verkehrt. 

Drei von den vier Büchern, die ich euch ans Herz legen möchte, sind in gebundener Ausgabe erschienen und, zum Teil auch schon länger, auf dem Buchmarkt erhältlich. Ich würde mich über jedes einzelne Exemplar freuen und glaube daher, dass es auch anderen Freunden dieses wunderbaren Musikgenres so gehen wird. 

Beim ersten Buch handelt es sich um eine Sammlung von ausgewählten kleinen Porträts inklusive einiger schöner Fotoaufnahmen der bekanntesten und erfolgreichsten Tenöre der Welt. Daher auch der Titel dieses Buches: „Die weltbesten Tenöre“.

Wer gerne kocht und auf der Suche nach neuen Rezepten ist, kann dies zusammen mit seinen Lieblingsstars der Opernszene tun, und dann heißt es: „Die Oper kocht“ .

Bereits erwähnt habe ich die nächsten zwei Bücher; eine nähere Beschreibung von beiden Ausgaben findet ihr hier auf meinem Blog. Die Titel dieser Empfehlungen lauten: „Das Handbuch der Oper“ & „Oper! Aber wie?“.

Als letztes habe ich noch einen Tipp bezüglich der Oper und der italienischen Sprache. Beides verbinden kann man in diesem Sprachkurs für musikalische Profis und Liebhaber. So macht Sprachenlernen besonders viel Spaß: „L'italiano musicale“.

Alle vier Bücher sind unter anderem bei Amazon, Bartels Noten und jedem anderen gut sortierten Buchladen erhältlich. 

Viel Freude beim Verschenken und selber lesen!

Hier kommen einige Links mit den entsprechenden Informationen, wo man diese Bücher unter anderem käuflich erwerben kann:

Die weltbesten Tenöre

Die Oper kocht (ravensbuch.de und amazon.de)

Das Handbuch der Oper

L'italiano musicale


Lohengrin an der Staatsoper Hamburg am 18.11.2016

Hamburg, 22.11.2016

Wenn vor dem Beginn der Vorstellung ein Mitarbeiter des Opernhauses die Bühne betritt, hat das in der Regel nichts Gutes zu bedeuten; so auch am Abend der 42. Vorstellung dieser Inszenierung. Um elf Uhr hatte sich der bayerische Bass-Bariton Wolfgang Koch krank melden müssen, da ihn eine starke Erkältung erwischt und sein Arzt ihm das Singen strengstens untersagt hatte. Wirklich ein sehr bedauerlicher Ausfall. Als Vertretung konnte Thomas J. Mayer engagiert werden, der gerade in Paris probte und an diesem Tage zur Verfügung stand. Unglücklicherweise hatte sein Flieger Verspätung, und so erreichte der Opernsänger die Staatsoper in Hamburg erst zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung. So beschloss man, dass Thomas Mayer die Partie des Telramund an der Seite der Bühne singen und Spielleiter Heiko Hentschel, der die Produktion genau kannte, die szenische Darstellung übernehmen würde. Es war also schon deshalb eine ganz besondere Vorstellung. 

Kommen wir nun zum Abend dieser Aufführung am 18. November 2016. Dass die Musik von Wagners Musikdrama wunderschön ist, fesselnd, kraftvoll, stark, aber auch so zart und sehr leicht und italienisch, ist wohl bekannt und keine Überraschung. Am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg stand Generalmusikdirektor Maestro Kent Nagano persönlich und brachte zusammen mit seinen Musikern eine erwartet starke Leistung. Der Chor der Staatsoper unter der Leitung von Erberhard Friedrich war auch an diesem Abend sehr überzeugend und zeigte stimmgewaltig, welch wichtige Stellung er in dieser Produktion einnimmt. Es ist jedes Mal eine Freude, diese großartigen Sänger auf der Bühne zu erleben. Gerade bei Wagner, so auch in seiner Oper Lohengrin, nehmen die Chorpartien einen großen Platz ein und unterstreichen das Geschehen auf eindrückliche Weise. 

Was ist zur Inszenierung von Peter Konwitschny zu sagen? Mich persönlich hat sie nicht wirklich überzeugt. Das Thema Klassenzimmer: König und Heerrufer als Lehrkräfte, der Chor als eine Horde pubertierender Schüler, Schuluniformen als Kostüme auch für Telramund, Ortrud und Elsa. Insbesondere Ann Petersen in der Rolle der Elsa konnte einem ein wenig Leid tun; mit dem dunkelblauen Faltenrock, der weißen Bluse, weißen Söckchen und den schwarzen Ballerinas wirkte sie sehr unvorteilhaft gekleidet und vermittelte eine Mischung aus braver Hausfrau und schüchternem Schulmädchen. Dass ihre stark gelockten Haare zu zwei Zöpfen hochgebunden waren, machte das Ganze nicht besser. Ihr Bühnenpartner Roberto Sacca in der Titelpartie hatte es da deutlich besser getroffen: weißes Oberhemd, weißes T-Shirt, dunkelgraue Hose, hellbraune Schuhe, Trenchcoat. Im Laufe der Inszenierung änderte sich das Bühnenbild immer ein wenig, es blieb aber bis auf das letzte Bild im dritten Akt immer das Klassenzimmer, mit dem diese Produktion begann. 

Genau dieses letzte Bild habe ich am stärksten empfunden. Eine fast leere Bühne, darauf nur die Solisten und der Chor, Künstler und Musik im Mittelpunkt, keine weitere Ablenkung. Diese Momente waren mit am stärksten. Auch die Szene im Brautgemach zuvor vermittelte nur durch die zwei Sänger Roberto Sacca und Ann Petersen eine starke Athmosphäre und intensive Gefühle. Der Tenor zeigte überhaupt im ganzen dritten Akt seine beste Leistung des gesamten Abends, gesanglich und darstellerisch. Auch die Sopranistin zeigte im ersten Akt noch einige Schwächen, konnte sich aber im zweiten Akt schon deutlich steigern und baute diese Steigerung im dritten Akt noch weiter aus. 

Gesanglich am stärksten stellte sich für mich an diesem Abend Tanja Ariane Baumgartner in der Rolle der Ortrud dar. Ihre Stimme war unglaublich intensiv, ausdrucksstark, kraftvoll und mit einer sehr angenehmen Stimmfärbung. Sie war für mich die Entdeckung dieses Abends und ich werde mir diesen Namen ganz sicher merken.

Das zweite gesangliche Highlight der Vorstellung war eindeutig der Auftritt von Bass-Bariton Thomas J. Mayer in der Partie des Telramund als Vertretung für den erkrankten Wolfgang Koch. Es war nur bedauerlich, dass man den überragenden Opernsänger nicht auf der Bühne erleben durfte. Diese Stimmgewalt und die Ausdruckskraft, die Thomas J. Mayer seitlich neben der Hauptbühne vermittelte, war beeindruckend, und manches Mal konnte man beobachten, wie der Sänger sich disziplinieren musste, um sich nur auf den Gesang zu konzentrieren und nicht seine sicher enorme Darstellungskraft auszuspielen. Auch auf diesen Künstler werde ich mich freuen, sollte ich einmal das Glück haben, ihn direkt auf der Bühne in Aktion zu erleben. Die Kombination von Stimme und Spiel muss gewaltig sein. 

Als letztes möchte ich noch die Darsteller des Königs, Wilhelm Schwinghammer, und des Heerrufers, Vladimir Baykov, erwähnen, die ebenfalls durch starke, kraftvolle Stimmen und eine überzeugende Darstellung einen beachtlichen Teil zum Erfolg dieses Abends beitragen konnten. 

Und so gab es nicht nur einen wirklich verdienten begeisterten Schlussapplaus, sondern auch bereits nach dem ersten und zweiten Akt ein große Begeisterung des Publikums. Insgesamt war es, vor allem in musikalischer Hinsicht, ein schöner Abend, der positiv in Erinnerung bleiben wird. 

Wir sehen uns zur La Bohème am 16. Dezember ebenfalls in der Staatsoper Hamburg. 

Vorneweg gibt es wieder ein paar Informationen und Gedanken zu einer von Puccinis bekanntesten Opern. Ansonsten werde ich mich noch mit zwei DVD-Erscheinungen, einigen Buch- und TV-Tipps melden sowie mit den aktuellen Ausgaben meiner zwei Lieblingsmagazine aus der Welt der Oper. Für den 10. Dezember gibt es noch eine kleine Adventsüberraschung, die ich jetzt noch nicht verraten werde. 

Vielen Dank fürs Zuhören und bis ganz bald auf diesem Blog.


Ein wunderbarer Opernabend im Kino: Hoffmanns Erzählungen

Hamburg, 21.11.2016

Auch wenn ich mich im Vorwege mit dieser Oper von Jacques Offenbach natürlich schon beschäftigt habe, war es dieses Mal doch eine spannendere Angelegenheit als sonst. Diese Oper ist mir doch wesentlich unbekannter als die meisten Werke von Verdi, Puccini, Wagner oder Mozart, und um sie wirklich zu entdecken und kennenzulernen, muss ich Hoffmanns Erzählungen sicher noch ein paar mal gehört haben. 

So saß ich also am letzten Dienstag gespannt in meinem Kinosessel und wartete auf den Beginn der Vorstellung und der Übertragung aus dem Royal Opera House, in dem ich selbst schon einige wunderbare Opernabende erleben durfte. Die Besetzung versprach große Kunst auf der Bühne und ein Feuerwerk der Stimmen. Und es gab noch einen besonderen Punkt an diesem Abend: die Produktion nach der Regie vom leider im Jahre 2003 bereits verstorbenen Regisseur John Schlesinger feiert nun, nach 36 Jahren, Abschied von der Bühne des königlichen Opernhauses in London. Eine Kultinszenierung, die sowohl von den Zuschauern wie auch von den Künstlern geliebt wurde. 

Die Regiearbeit von John Schlesinger ist wirklich wunderbar, sie ist kreativ, bunt, fantasievoll, aber niemals überzogen, vereint sich wunderschön mit der Geschichte von Hoffmann und der Musik von Jacques Offenbach, ist jederzeit stimmig und hat alles, was es für einen unvergesslichen Opernabend braucht. 

Dazu beigetragen haben auch die großartigen Sänger und Künstler auf der Bühne, die den Figuren von Hoffmanns Erzählungen ein Gesicht gaben und ihnen Leben einhauchten. In der Titelrolle war der italienische Startenor Vittorio Grigolo zu erleben, der an diesem Abend eine überragende Vorstellung  gab, gesanglich und darstellerisch; er füllte diese Rolle aus, demonstrierte die Vielseitigkeit seiner Stimme und besonders im ersten und fünften Akt seine Wandlungsfähigkeit und Fähigkeit zur Charakterdarstellung. Er sang sich die Seele aus dem Leib, sein Spiel war intensiv, authentisch und berührend. Ein gebrochener und verzweifelter Mensch, der sich selbst verloren hat. Und in den Akten 2-4 die Erzählung seiner tragischen Liebesgeschichten, in denen er, auf der Suche nach seinem Glück, immer wieder erleben muss, wie es ihm entrinnt und am Ende nichts bleibt außer Trauer und Schmerz.

Die ganze Zeit an seiner Seite ist Nicklausse; Begleiter, treuer Gefährte, Schutzengel, Muse, das Gewissen, die innere Stimme durch alle Akte durch und in allen Lebensphasen an seiner Seite. In dieser Rolle meine persönliche Entdeckung des Abends: die Sopranistin Kate Lindsey. Diese bezaubernde, bildhübsche junge Sängerin mit der wunderbaren klaren Stimme nahm jeden Zuhörer sofort in ihren Bann. Leicht, unbeschwert, witzig, elegant; Kate Lindsay füllte diese Rolle aus und trug maßgeblich zu einem unvergesslichen Abend bei. Auf diesen Namen werde ich ganz sicherlich in Zukunft ein besonderes Augenmerk haben. 

Als nächstes möchte ich über die großartige Leistung von Thomas Hampson und seiner Verkörperung der vier Schurken berichten; der amerikanische Bariton, der schon so lange Zeit auf den Opernbühnen der Welt auftritt, zeigte auch am letzten Dienstag sein Können und seine Wandlungsfähigkeit, nicht nur bedingt durch die fantasievoll und wunderschön gearbeiteten Kostüme. Er verkörperte in der Rolle des Stadtrats Lindorf nicht nur den ärgsten Gegner Hoffmanns, was die Liebe um Stella angeht, sondern auch das Böse, die dunkle Seite, vielleicht auch die Abgründe in uns selbst, das Dämonische, den Teufel und zuletzt den Tod. Er verhindert in den unterschiedlichen Rollen immer wieder, dass die Träume und das Glück Hoffmanns sich erfüllen. Thomas Hampson legt dabei eine unglaubliche Spielfreude an den Tag und man merkt ihm an, wie viel Spaß es ihm bereitet, in die verschiedenen bösen Charaktere zu schlüpfen und sich auch optisch immer wieder zu verwandeln. Für mich persönlich war der Höhepunkt die Darstellung des Dr. Miracle im vierten Akt, unheimlich, böse, Angst einflößend. Auch stimmlich konnte der Opernsänger überzeugen und bewies, dass man auch mit über sechzig noch lange nicht zum alten Eisen gehört, sondern noch problemlos mithalten kann mit all den jüngeren Kollegen. 

Kommen wir nun noch zu den weiblichen Hauptdarstellerinnen der Akte 2-4, in denen Hoffmann über seine drei größten Liebesgeschichten berichtet. 

Sofia Fomina in der Rolle der Olympia lieferte eine fantastische Leistung ab und sang eine der schwierigsten Sopranarien, nicht nur an diesem Abend, und beeindruckte zudem durch eine außergewöhnliche Darstellung ihrer Partie. Perfekt in Gestik und Mimik, gestaltete sie jede Sekunde bis ins Detail und vermittelte so jederzeit den Eindruck einer lebensgroßen, mechanischen Puppe. So wurde auch den Zuschauern immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Als Giulietta war zu erleben die Mezzosopranistin Christine Rice, die durch großen Ausdruck und eine wunderbare Stimme verzauberte. Auch sie konnte den Charakter ihrer Figur nachvollziebar gestalten und steuerte so zu einer gelungenen Aufführung bei. In der etwas geänderten Reihenfolge der Akte war somit die Starsopranistin in der schönsten und tragischsten Partie der Antonia an dritter Stelle zu erleben. Auf ihr lagen wohl, neben Tenor Vittorio Grigolo und Thomas Hampson, die höchsten Erwartungen, und sie erfüllte sie mit Bravour. Ihre Stimme erklang leicht, klar, wunderschön, ihr Spiel auf der Bühne war berührend und entführte die Zuschauer in das Seelenleben ihrer Figur, die hin- und hergerissen ist zwischen der Liebe zu Hoffmann und der unbändigen Sehnsucht zu singen. Das Singen, das sie ihrer verstorbenen Mutter näherbringt, sie aber selbst auch das Leben kosten wird. 

Dieser Akt ist für mich von den drei Erzählungen und zusammen mit dem Vor- und dem Nachspiel einer der stärksten. Einer der dramatischsten Momente ist das Terzett am Ende des dritten Aktes. Antonia sieht darin die von Miracle herbeigezauberte Mutter, die sie auffordert, ihre Kunst nicht aufzugeben. Antonia kann sich nicht mehr beherrschen und fängt, von Miracle auf der Geige begleitet, zu singen an. Immer begeisterter wird ihr Lied, bis sie zusammenbricht. Während Miracle sich davonmacht, eilt ihr Vater herbei und sieht seine Tochter sterben. Hoffmann kehrt in dem Augenblick zurück und schließt die verstorbene Geliebte verzweifelt in seine Arme.

Nach dem dritten Akt erlebt man im Nachspiel den völlig am Boden zerstörten Hoffmann, nachdem er seine drei unglücklichen Liebesgeschichten erzählt hat. In Wahrheit waren es die drei Seiten seiner Liebe zur Opernsängerin Stella, die gerade einen großen Triumph in Don Giovanni feiert und zurückkehrt, nur um den vollkommen betrunkenen Geliebten vorzufinden, der nicht in der Lage ist, seine Gefühle zu äußern, sondern in seiner selbst erschaffenen Fantasiewelt lebt. Für sie kein ebenbürtiger Gefährte, mit dem sie etwas anfangen kann und den sie nicht wirklich versteht. Stadtrat Lindorf triumphiert, als Stella ihn nach seiner Aufforderung aus dem Wirtshaus begleitet. Im Nachspiel gibt es noch einmal für Vittorio Grigolo große Momente auf der Bühne. Schmerzvoll erlebt man den Opernsänger in seinem Spiel in den letzten Minuten dieser Übertragung in seiner Rolle, aber auch mit einem Hauch Hoffnung am Ende, wenn Hoffmann für immer dem Alkohol entsagt und vielleicht auch der Liebe und sich für immer der Kunst widmet. Ganz zauberhaft der Auftritt von Kate Lindsay, die nun, in ein zartes Gewand gekleidet und mit offenen Haaren, ihn als seine Muse beschwört, sich vollkommen seiner Kunst zu widmen. 

Leider kann ich nicht jeden einzelnen Sänger benennen, und so habe ich mich in meinem Bericht auf die Hauptprotagonisten konzentriert. Ich kann aber sagen, dass mir das gesamte Team auf der Bühne des Royal Opera House an diesem Abend gut gefallen hat und bis in die kleinste Partie hervorragend besetzt war. So war es ein außergewöhnlich schöner Abend und eine neue Entdeckung aus der Opernwelt. 

Am Ende wurde das gesamte Ensemble mit großem Applaus und stürmischer Begeisterung gefeiert und war immer wieder bereit, noch ein weiteres Mal vor den Vorhang zu treten. Alle Beteiligten strahlten große Freude und Begeisterung aus und Startenor Vittorio Grigolo, der sich als erster nach dem Ende der Vorstellung beim Publikum bedankte, sank gerührt auf die Knie.

Soweit meine Eindrücke zur Übertragung von Hoffmanns Erzählungen aus dem Royal Opera House in London. Heute Abend geht es bereits weiter, dann werde ich mir in der Staatsoper Hamburg die Vorstellung von Lohengrin anschauen und in den nächsten Tagen darüber berichten. Begleiten wird mich dabei meine Mutter und ich bin sicher, es wird zumindest musikalisch ein  wunderbarer Abend für uns. 

Vielen Dank fürs Zuhören und bis in ein paar Tagen auf diesem Blog. 


Opern-Gala Baden-Baden
(DVD-Rezension)

Hamburg, 20.11.2016

Über diese DVD-Neuerscheinung habe ich ja schon im Vorwege auf meinem Blog berichtet. Nun ist am Freitag die Einspielung auf dem Markt erschienen. Es gab bereits am 24.7.2016 im ZDF eine Zusammenfassung dieses Abends zu sehen und dann noch einmal das komplette Konzert am 13.8.2016 auf 3SAT.

Die DVD ist also die dritte Version der hochkarätig besetzten Opern-Gala aus dem Festspielhaus in Baden-Baden. Und es gibt tatsächlich ein paar kleine Unterschiede, insbesondere was die Kameraführung angeht, genauer gesagt, die Nahaufnahmen der Sänger betreffend. Es sind auf dieser Aufnahme ausnahmslos alle Gesangsstücke, Arien und Duette enthalten, die instrumentalen Stücke wurden alle gestrichen, was ich persönlich schon ein wenig bedauere, da auch die Orchesteranteile wirklich sehr schön ausgewählt und zusammengestellt waren und den Abend wunderbar ergänzten. Das ist aber auch mein einziger kleiner Kritikpunkt. Ansonsten bereitet das Anschauen der DVD-Aufnahme, die natürlich auch als Blue-ray erhältlich ist, eine große Freude. Das ist wirklich Operngesang auf allerhöchstem Niveau mit vier der besten Opernsänger, die die Welt zur Zeit zu bieten hat. Großartig auch die darstellerische Leistung der vier Künstler, die jedes Gesangsstück mit Leben und Energie füllen und auch ohne Bühnenbild und Kostüme das Seelenleben ihrer Figuren intensiv vermitteln können. 

Eines der Highlights der Einspielung und ganz sicher auch am Abend des 22.7. & 24.7. 2016 ist das Liebesduett aus Otello, vorgetragen von Anja Harteros und Jonas Kaufmann. Die beiden haben schon viele Male zusammen in den verschiedensten Produktionen auf der Opernbühne gestanden, dieses Duett war und ist eine Premiere. Das heiß ersehnte Debüt des Münchner Startenors in der Titelpartie der Oper im Juni 2017 am Royal Opera House in London rückt auch hiermit ein Stück näher. Und mit diesem wunderschönen kleinen Ausschnitt aus Verdis Meisterwerk steigt die Vorfreude, für Sänger und Zuschauer gleichermaßen, noch ein wenig mehr.

Auch für seine großartige Bühnenpartnerin Anja Harteros, die zur Zeit als beste Verdi-Sopranistin der Welt gilt, stehen in 2017 weitere Rollendebüts an. Als erstes die Partie der Maddalena in Umberto Giordanos Oper Andrea Chénier, zusammen mit Jonas Kaufmann, der die Titelpartie singen wird, und dann das ebenfalls mit Spannung erwartete Debüt als Elisabeth in Richard Wagners Musikdrama Tannhäuser, dann an ihrer Seite Tenor Klaus Florian Vogt. Beide Rollendebüts werden an der Bayerischen Staatsoper in München stattfinden. 

Bryn Terfel auf der Bühne zu erleben ist jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis. Gefesselt von seiner ausdrucksstarken Stimme und seiner unglaublichen Bühnenpräsenz, zieht er jeden Zuschauer im Saal in seinen Bann und erzeugt wohlige Schauer bei der Darstellung seiner Bösewichte, wie der Figur des Scarpia, die sicher eine seiner Paraderollen ist. Der sympathische Waliser und sein unverwechselbarer Bass-Bariton sind eine Bereicherung für jede Opernvorstellung und jedes Konzert, so zum Beispiel in Baden-Baden. 

Das hochkarätige Gesangsquartett vervollständigt die russische Opernsängerin Ekaterina Gubanova. Mit ihrem schönen Mezzosopran vermag sie zu verführen und mit viel Ausdrucksstärke, auch in Gestik und Mimik, das zu vermitteln, was die Figuren, die sie verkörpert, empfinden und denken. Sie harmonierte insbesondere wunderbar in den Duetten mit Jonas Kaufmann. Zwei energiegeladene Künstler auf der Bühne, die ihr großes Temperament und ihre Spielfreude miteinander vereinen und so gemeinsam eine Geschichte erzählen, die alle Zuschauer in ihren Sitzen gefangenhalten und somit die gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Das Gleiche gilt natürlich auch für Anja Harteros und Jonas Kaufmann, genau wie für Anja Harteros und Bryn Terfel. 

Die musikalische Leitung an diesem Abend hatte der italienische Dirigent Marco Armiliato, der zusammen mit der Badischen Staatskapelle die vier Opernstars gefühlvoll durch den Abend begleitete und auf leichte und entspannte Art Gesangs- und Orchesterstücke miteinander verband. Bereits beim Festspielgalaabend am 20.7.2016 im Münchner Nationaltheater hatte er gezeigt, wie viel Freude ihm die Zusammenarbeit mit den Sängern bereitet und wie viel Herzblut er in seine musikalische Arbeit investiert. Ein ausgesprochen sympathischer Künstler mit einer sehr angenehmen natürlichen und offenen Art.

Jetzt habe ich doch wieder mehr geschrieben als eigentlich geplant, aber so ist das, wenn man solch wunderbare Sänger und Künstler zu hören und zu sehen bekommt. Es kann also nur eine Reaktion geben, sollte man die DVD genießen: Freude, Glück und die pure Begeisterung für die wunderbare Musik und die fantastischen Sänger und Musiker. 

Diese DVD/Blue-ray ist natürlich auch gerade jetzt ein wunderschöner Geschenk-Tipp zu Weihnachten! 

So wünsche ich nun allen viel Freude und einen genussvollen Opernabend mit den vier Opernstars Anja Harteros, Jonas Kaufmann, Bryn Terfel und Ekaterina Gubanova. 

Hier wie gewohnt entsprechende Links zu den Seiten, wo es dieses Juwel der Konzert- und Opernaufnahmen zu kaufen gibt: 

amazon.de   -   jpc.de   -   saturn.de


Lohengrin, Richard Wagners italienischste Oper

Hamburg, 16.11.2016

Diese, so sagt man, italienischste Oper von Richard Wagner gehört neben Tannhäuser, Tristan und Isolde, Parsifal und den Meistersingern zu meinen persönlichen Lieblingswerken des Komponisten. Es ist meiner Meinung nach eine seiner schönsten Opern und für Wagner-Neueinsteiger neben den Meistersingern am besten geeignet, um sich mit dieser Musik vertraut zu machen und sich darauf einzulassen. Auch die Geschichte dieses Musikdramas ist sehr gut nachzuvollziehen, die Wertevorstellungen und Inhalte keine Unbekannten: Liebe, Vertrauen, Hoffnung, Glaube, Neid, Missgunst, Eifersucht, Machtgier... Jeder hat davon schon etwas erlebt, von den guten und von den schlechten Dingen. Es fällt nicht schwer, sich in die Charaktere dieser Oper hineinzuversetzen, besonders in die Figur der Elsa, die hier am menschlichsten dargestellt wird mit all ihren Sehnsüchten, Gefühlen und Schwächen. Man könnte fast sagen, dass es um Elsa und ihre Geschichte geht, auch wenn die Oper den Namen ihres Helden trägt.

Lohengrin ist der strahlende Retter, der Elsa zuerst im Traum erscheint und dann wie aus dem Nichts auftaucht und sie errettet, indem er gegen Graf von Telramund kämpft, um ihre Unschuld zu beweisen; ein sogenanntes Gottesurteil. Telramund, dessen Mündel sie ist, hat sie des Mordes an ihrem Bruder beschuldigt, um zusammen mit seiner Frau an die Macht in Brabant zu gelangen. In Wahrheit hat Ortrud, seine Frau, Elsas unmündigen Bruder mit einem bösen Zauber belegt, der seitdem spurlos verschwunden ist, und spinnt nun zusammen mit ihrem Mann eine bösartige Intrige gegen Elsa. Lohengrin gelingt es aber, den Kampf gegen den Grafen zu gewinnen, der daraufhin nach den Regeln des Gottesgerichts durch die Niederlage im Kampf geächtet ist. Bevor der Kampf stattfindet und beim ersten Augenblick mit Elsa, stellt Lohengrin ihr eine einzige Bedingung: niemals darf sie die Frage nach seinem Namen und seiner Herkunft stellen. Sollte sie diese verbotene Frage an ihn richten, muss er ihr und allen anderen Antwort geben und dann für immer fortziehen und sie verlassen. Eine der bekanntesten Arien, nicht nur von Wagner, sondern auch in der Opernliteratur: „Nie sollst Du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen; woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam' und Art.“ Die beiden gestehen sich ihre Liebe und die junge Frau verspricht ihrem Retter, sich an das Versprechen zu halten und ihn niemals nach seinem Namen und seiner Herkunft zu fragen. Es ist ein großer Vertrauensbeweis, den der Gralsritter von seiner Angetrauten fordert und den sie zunächst auch erfüllen kann. In der Zwischenzeit sinnen Telramund und seine Frau auf Rache und vor allem die der Zauberei kundige Ortrud spinnt weiter ihre Intrige, um zu erreichen, dass Elsa die verbotene Frage stellt und so den von Gott gesandten Ritter dazu zwingt, sie und Brabant zu verlassen und niemals wieder zurückzukehren. 

Das Ziel, an die Macht zu kommen und sich für immer aller Feinde zu entledigen, wäre dann problemlos möglich. Und Elsa wäre ihnen schutzlos ausgeliefert und ihres Lebens nicht mehr sicher. Ortrud gelingt es zunächst, das Vertrauen der jungen Frau zu gewinnen, indem sie ihr Reue vorheuchelt, und beginnt langsam ein gewisses Misstrauen gegen den unbekannten Retter zu säen. 

Am Tage der geplanten Hochzeit zwischen Elsa und Lohengrin provoziert Ortrud die junge Frau aufs Äußerste, indem sie nach dem Namen und der Herkunft ihres zukünftigen Gatten fragt, warum er ihr nicht vertraue und wer er denn in Wirklichkeit sei, möglicherweise sei er kein Ritter und auch nicht von Gott gesandt. Beruhigen können Elsa nur der König und Lohengrin selbst. Allerdings ist der Keim des Bösen und des Misstrauens, den Ortrud in ihr Herz gestreut hat, weiter still am Keimen und wird größer. Zuerst einmal ist sie aber bereit, ihrem zukünftigen Ehemann zu vertrauen und sich an das gegebene Versprechen zu halten. Friedrich von Telramund, der Geächtete, bezichtigt in der Zwischenzeit Lohengrin der Zauberei und zweifelt das entstandene Gottesurteil an. Der Ritter kann diese Vorwürfe aber mühelos entkräften und schreitet mit seiner zukünftigen Frau zur Trauung. Im Anschluss wird das Paar feierlich in ihr Brautgemach geleitet; das erste Mal sind die beiden jungen Menschen alleine und gestehen sich ihre Liebe: „Das süße Lied verhallt - Fühl ich zu Dir so süß mein Herz entbrennen.“

Zuerst scheint alles wunderschön, harmonisch und von großer Liebe erfüllt, ein Happyend scheint möglich. Doch in Elsa keimt weiter das Misstrauen und vor allem der unbändige Wunsch, den Namen ihres Gatten zu erfahren. Lohengrin versucht sie zunächst durch liebevolle Worte davon abzulenken und mahnt sie ernst („Höchstes Vertrauen“), als ihr Drängen und ihre Ungeduld immer größer werden. Als sie wie in einer Vision ihren Geliebten mit dem Schwan, der ihn zu ihr brachte, entschwinden sieht, kann sie nicht anders und stellt ihm die verbotene Frage nach seinem Namen und seiner Herkunft. 

Einen Augenblick später stürzt Graf Telramund ins Brautgemach, um den Ritter zu verletzen oder gar zu töten; Lohengrin aber reagiert blitzschnell auf den Angriff und streckt den Angreifer nieder. Im Anschluss lässt er den Leichnam des Grafen abtransportieren und vor des Königs Gericht bringen; dort will er auch Elsas Frage vor dem König und dem ganzen Volk von Brabant beantworten.

Nachdem der Ritter seine Tat gerechtfertigt und Klage gegen Friedrich von Telramund erhoben hat, gibt er das Geheimnis seiner Herkunft preis vor Elsa, dem König und dem versammelten Volk von Brabant; die Gralserzählung erklingt, einer der berührendsten Momente der Opernliteratur („In fernem Land“).

Nachdem der Gralsritter und Sohn Parsifals seine Erzählung beendet hat, ruft ihn der Gral zurück, denn nur unerkannt darf er unter den Menschen weilen; wird er erkannt oder muss seine Herkunft bekanntgeben, muss er auf der Stelle zurückkehren und darf niemals wiederkommen. Als der Schwan mit dem Nachen naht, um Lohengrin mit sich fortzuziehen, nimmt der Gralsritter traurig Abschied („Mein lieber Schwan“) und die verzweifelte Elsa versucht ihn am Fortgehen zu hindern, ohne Chance, ihr Geliebter muss sie verlassen, so steht es geschrieben. Während Ortrud triumphiert und zugibt, dass der Schwan Herzog Gottfried sei, Elsas verschwundener Bruder, geschieht etwas Wunderbares: der Schwan verwandelt sich in Gottfried und kehrt zurück zu seinem Volk. Lohengrin aber wird hinfortgezogen in dem Nachen mit der Taube und seine geliebte Elsa sinkt im gleichen Moment tot zu Boden. 

Nach diesen Inhaltsangaben von Wagners Musikdrama, hier noch ein paar Gedanken, die ich mir zu dieser Oper gemacht habe. Es sei noch einmal vorweggenommen, dass ich weder eine promovierte Musikwissenschaftlerin, noch eine ausgewiesene Expertin für Richard Wagner und seine Werke bin. Ich gehe daher viel über meine Gefühle und Empfindungen, lasse mich von ihnen leiten und manchmal auch ein wenig treiben. Ich schreibe auf, was mir durch den Kopf geht, was mich beschäftigt und was ich persönlich mit der Musik verbinde, mit den Figuren in der Geschichte und ihren Schicksalen. Es geht um die Leidenschaft für diese Musik und Kunstform, darum, Neugier zu wecken und die Lust, sich auf Neues einzulassen. 

Ich möchte zeigen, wie sehr Musik die Seele berühren kann, wie sie bis in unsere Herzen vordringt und Gefühle in uns weckt, die wir vorher vielleicht nicht kannten. Sich hineinziehen zu lassen in eine andere wunderschöne Welt und dort einzutauchen und mit allen Sinnen zu genießen.

Die Oper Lohengrin dürfte eine ganz besondere Erfahrung sein und man sollte sich nicht „verschrecken“ lassen von dem Namen Wagner, genauso wenig wie von der Länge dieser Oper. Wie anfangs bereits erwähnt, enthält dieses Werk viele menschliche Themen, die uns zumindest in Teilen vertraut sein dürften. Besonders das Vertrauen stellt für mich einen zentralen Punkt dar. Im ersten Akt, bei der ersten Begegnung stellt Lohengrin die Bedingung an Elsa,  dass sie ihn niemals nach seinem Namen und seiner Herkunft fragen darf, sie ist gezwungen ihm zu vertrauen und tut dies zuerst auch noch bereitwillig und voller Überzeugung. Im Laufe der Zeit schwindet dieses Gefühl und im letzten Akt, wenn die beiden alleine in ihrem Brautgemach sind und Lohengrin sie ein letztes Mal an ihr Versprechen erinnert hat, bricht sie zusammen und stellt ihm die verbotene Frage. Jetzt kann man sich fragen, war Elsas Urvertrauen bereits vor ihrer Begegnung gebrochen durch die Erfahrungen mit ihrem Vormund Friedrich von Telramund, durch den Verlust von Eltern und zuletzt von ihrem geliebten Bruder? Ist das, was an Vertrauen noch übrig war, dann von Ortrud restlos zerstört, ist unwiederbringlich verloren gegangen? Hatte sie und ihr Retter jemals eine Chance? War ihr Elsas Glaube nicht groß genug? Oder war auch dieser bereits nicht mehr wahrhaftig in ihrem Herzen? 

Weiter könnte man auch diese Oper in zwei Seiten einteilen: Gut gegen Böse, Licht gegen Schatten. Die zwei Lichtgestalten Elsa und Lohengrin, die verbunden durch ihre Liebe eigentlich nichts trennen sollte, die das Dunkle besiegen; die unschuldige Jungfrau und ihr unbekannter Retter, von Gott gesandt und einstehend für Wahrheit und Gerechtigkeit. Auf der anderen Seite Friedrich von Telramund und seine Frau Ortrud, die Zauberei im Gepäck, ausgestattet mit der Macht des Bösen. Ihre Leitmotive sind nicht Liebe, Güte und Selbstlosigkeit, sondern Machtgier, Hass, Zerstörung und Eitelkeit. Trotzdem sind selbst sie innerhalb ihrer Gemeinschaft eine Einheit, stark beeinflusst von Ortrud und ihrer Zauberei. Für ihre Ziele würden sie alles tun, sie kennen keine Gnade dabei. Sie sind trotzdem geschickt in ihrer Vorgehensweise, insbesondere Ortrud, und wissen, wie sie die Schwächen ihrer Mitmenschen für sich nutzen können, und verschaffen sich so immer wieder Vorteile, die sie ihrem Ziel erst einmal näherbringen.

Die Grundlage von Wagners Musikdrama ist die Sage um den heiligen Gral; Lohengrin ist der Gralsritter und der Sohn des Parsival, dem Hüter des heiligen Grals. Und natürlich ist klar, dass Lohengrin von Gott gesandt ist, dass er eine unbestimmte Macht hat. Er erkennt die Unschuldigen, so auch Elsa, und kommt, um sie zu retten. Und es gibt den Kampf mit dem Gottesurteil, in dem der Ritter für seine zukünftige Frau den Sieg erstreitet und sie somit unter seinen Schutz stellt. Ich würde aber sagen, dass es trotz alledem nicht in erster Linie so sehr um die Kirche, die Religion und den Glauben im herkömmlichen Sinne geht. Es geht um Menschlichkeit, um unsere Stärken und Schwächen. Niemand ist unfehlbar und jeder von uns hat gewisse Unzulänglichkeiten in sich. Und selbst oder gerade das Göttliche, der mit der Macht Gottes ausgestattete Gralsritter Lohengrin zeigt uns seine menschlichen Schwächen, seine menschlichen Seiten: eine tiefe Zuneigung, als er seiner Schutzbefohlenen das erste Mal begegnet, Sorge, dass sie die verbotene Frage stellt, Zorn über die Arglist und Manipulation, die Ortrud, tiefe Liebe zu seiner Elsa als sie das erste Mal alleine im Brautgemach sind, Schmerz und Trauer in dem Moment, wenn ihm bewusst wird, dass er alles verloren hat und seine geliebte Frau für immer verlassen muss. Möglicherweise auch Beschämung, dass es ihm nicht gelungen ist, seine Mission zu erfüllen, und gekränkte Eitelkeit über das fehlende Vertrauen von Elsa, Stolz und Gedankenlosigkeit, wenn er seiner Angetrauten seine hohe und edle Herkunft andeutet und genau das Gegenteil damit auslöst. 

Elsa fühlt sich unter Druck gesetzt und stellt letztendlich in Panik die Frage nach seinem Namen und seiner Herkunft. Am Ende ist Elsas Bruder der einzige, der übrig bleibt und dem etwas Gutes erwächst aus den Geschehnissen. Alle anderen Hauptprotagonisten verlieren nicht zuletzt durch ihr Handeln Liebe, Glück und Leben. 

Noch einige Worte zur Musik in Wagners Drama um Liebe, Glaube und Vertrauen. Natürlich ist diese Musik wunderschön, hat auch viele zarte und leise Momente, ist sehr melodisch, leicht, sehr italienisch. Aber sie hat auch dramatische Momente, ist emotional und bindet das Geschehen wunderbar ein. Diese Musik berührt, besonders in den ganz leisen Momenten. So ist es einer der zartesten Momente, der die ganze Zerbrechlichkeit der menschlichen Seele zeigt und die des Helden, der eigentlich keiner ist, keiner sein will. In dem Augenblick, als der Schwan kommt, um Lohengrin zu holen, in dem Moment des Abschieds konzentriert sich alles auf diesen unglaublichen Schmerz, den Lohengrin empfindet, als ihm bewusst wird, dass er für immer alles verloren hat.

Zur Inszenierung an der Staatsoper Hamburg werde ich mich erst äußern, wenn ich die Vorstellung am 18. November gesehen habe. Ich habe schon von einer Kollegin einige Worte darüber gehört und würde mir lieber unbeeinflusst einen Eindruck davon machen. Den Link zur offiziellen Website stelle ich aber sehr gerne trotzdem im Anschluss an diesen Text rein. Jeder mag dann selbst entscheiden, wie viele Informationen er sich beschaffen möchte. Zusätzlich gibt es noch einige weitere interessante Quellen zu lesen, bekannte und unbekannte. Eine ausführliche und gute Vorbereitung auf dieses Werk sollte so gewährleistet sein. 

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Besetzung in Hamburg in dieser Produktion. Die Regie ist von Altmeister Peter Konwitschny, in der Titelpartie ist der italienisch-deutsche Tenor Roberto Sacca zu hören und zu sehen, seine Elsa wird gesungen von Ann Petersen. In der Rolle des Friedrich von Telramund ist der bayerische Bassbariton Wolfgang Koch (siehe Die Meistersinger, Bayerische Staatsoper München auf diesem Blog) zu erleben, der im selben Monat auch noch die Partie des Jochanaan in Richard Strauss' Salome übernimmt. Die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Kent Nagano höchstpersönlich. 

Wir hören uns dann spätestens nach der Vorstellung von Lohengrin am 18. November. Wer will, auch schon früher – nach der Übertragung von Hoffmanns Erzählungen aus dem Royal Opera House in London am 15. November.

Opera-Guide

Wikipedia

Amazon

Les Contes d´Hoffmann von Jacques Offenbach

Hamburg, 15.11.2016

Am 7. November 2016 war es soweit: die Premiere von Jacques Offenbachs Les Contes d'Hoffmann stand im Royal Opera House in London an. In der Titelrolle war der italienische Startenor Vittorio Grigolo zu erleben, an seiner Seite unter anderem der amerikanische Bariton Thomas Hampson in der Partie der vier Bösewichte und die wunderbare Sopranistin Sonya Yoncheva in der Rolle der Antonia. Die musikalische Leitung an diesem Abend und in dieser Aufführungsserie hat der italienische Dirigent Evelino Pido. 

Die Premiere war ein riesiger Erfolg und das ganze Ensemble sowie Orchester, Dirigent und die Inszenierung wurden groß gefeiert.Wer die Möglichkeit hat nach London zu fahren, dürfte Glück haben, laut der offiziellen Website des ROH gibt es noch Tickets für diese Inszenierung zu erwerben.

Den genauen Inhalt dieser Oper findet ihr wie immer sowohl im Opera Guide wie bei Wikipedia. Die entsprechenden Links sowie einige weitere, passend zu dieser Inszenierung, findet ihr im Anschluss an diesen Text. Am 15. November wird die Produktion aus London live auf den Kinoleinwänden der Welt zu erleben sein. Um 19:15 Uhr beginnt die Übertragung und endet 3,5 Stunden später um ca. 22:45 Uhr. Es wird zwei Pausen während dieser Vorstellung geben; Zeit für einen kleinen Snack, ein leckeres Getränk und ein paar anregende Gespräche über die Inszenierung, die im Anschluss gerne fortgeführt werden dürfen. 

Ich bin schon sehr gespannt auf diese Oper, die ich bisher nur einmal in einer Aufzeichnung und Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper aus München gesehen habe und ein weiteres Mal in der Produktion aus Paris, ebenfalls als Aufzeichnung im Fernsehen. Genau diese 16 Jahre alte Produktion wird ebenso wie die aus London am 15. November als Cinema-HD-Übertragung zu sehen sein. Eigentlich sollte Startenor Jonas Kaufmann in diesem Monat sein Rollendebüt als Hoffmann geben, musste aber bedauerlicherweise aus Krankheitsgründen diese Produktion an der Opera Bastille absagen. Er wird nun vertreten durch seinen Kollegen Ramon Vargas. Mittlerweile ist der Münchner Opernsänger zur Freude aller wieder genesen und nimmt seine Konzerttätigkeit am 13.11. mit einem Liederabend in Gütersloh wieder auf. Ich habe mich zwischenzeitlich für die Version aus dem Royal Opera House entschieden und freue mich nun schon sehr, diese Inszenierung von John Schlesinger aus London mit der exzellenten Besetzung am kommenden Dienstag zu erleben.

Dieses Werk und sein Libretto liegt einem Stück zugrunde, das Jules Barbier und Michel Carré verfassten. Es wurde 1851 uraufgeführt und basiert auf verschiedenen Erzählungen von E.T.A. Hoffmann wie Der Sandmann, Rat Krespel und Die Abenteuer der Silvester-Nacht. Aus diesem Schauspiel entwickelte Jules Barbier auf Wunsch von Jacques Offenbach das Opernlibretto. 

Hoffmann ist in der Oper selbst der Held der Erzählungen – im Gegensatz zu den literarischen Werken Hoffmanns, in denen die männlichen Helden andere Namen tragen oder fiktive Ich-Erzähler sind. Les Contes d´Hoffmann wurde 1881 in der Opéra-Comique Paris uraufgeführt. Je nach Fassung oder Bearbeitung beträgt die Dauer 2,5 oder 3,5 Stunden.

Während der erste und fünfte Akt quasi ineinander übergehen, sind die drei mittleren Akte und Hoffmanns Erzählungen über seine große Liebe Olympia, die Liebe zu Antonia und der Begegnung mit der Kurtisane Giulietta in sich geschlossen. Insgesamt ist diese Oper eine Mischung aus Fantasie und Wirklichkeit; sie handelt von der Liebe und ihren Tücken und auch ein wenig gruseln kann man sich. Es ist eine tragisch-komische Oper, die den Darstellern viele Möglichkeiten bietet sich auszuleben und ihr Können sowohl in darstellerischer wie auch in gesanglicher Hinsicht zu zeigen. Mit Thomas Hampson in der Rolle der vier Bösewichte und Vittorio Grigolo in der Titelrolle ist da schon einmal viel Spielraum sich auf allen Ebenen auszuleben. Sonya Yoncheva kann durch ihre wunderschöne Sopranstimme und ihre Ausstrahlung und die Zerbrechlichkeit in ihrer Rolle bezaubern. Dieses Werk von Offenbach, das über lange Zeit nicht sehr populär war, hat in den letzten Jahren den Weg an die Opernhäuser, vor allem in Europa, zurückgefunden.

Einen kleinen Einblick über das, was Euch musikalisch am 15. November erwartet, gibt es in einigen Videos auf Youtube. Aktuelle Versionen der Produktion aus London habe ich leider nicht gefunden, es lohnt aber ein Blick auf die Seite des Royal Opera House. Es gibt zudem eine Aufnahme auf DVD mit Placido Domingo in der Titelpartie, die als Vorbereitung sicher sehr gut geeignet ist. In Verbindung mit dem, was auf der Seite von Opera Guide und Wikipedia nachzulesen ist, sollte man ganz entspannt in die Vorstellung gehen können, in der Lage sein, alles mitzuverfolgen und den Abend ganz einfach zu genießen. 

So wünsche ich allen Lesern, die an einer der kommenden Vorstellungen direkt vor Ort sind, und allen, die wie ich auch am 15. November im Kinosaal diese Produktion live miterleben werden, ganz viel Freude an der Geschichte, der Musik und den herausragenden Darstellern und Sängern auf der Bühne des Londoner Opernhauses. 

Wir hören uns dann wieder nach der Übertragung am kommenden Dienstag mit meinen persönlichen Eindrücken und vielleicht auch ein paar Stimmen, die ich an dem Abend einfangen kann. 

Hier im Anschluss findet Ihr jetzt wie gewohnt alle interessanten Links zur Produktion, zum Werk selbst und was sonst noch so weiterhelfen könnte, um sich näher mit dieser Oper und ihren Hintergründen zu beschäftigen. 

Opera-Guide

Wikipedia

amazon.de

roh.org.uk

cinemaxx.de


Livestream La Favorite,
Bayerische Staatsoper München

Hamburg, 02.11.2016

Allen Opernfans, die keine Gelegenheit haben, die Neuinszenierung von Gaetano Donizettis Oper La Favorite mit Elina Garanca in der Titelrolle am Nationaltheater in München live zu erleben, bietet die Bayerische Staatsoper am 6. November die Möglichkeit, trotzdem in diesen musikalischen Hochgenuss zu kommen!

Der Livestream im Internet, der, genau wie die Radioübertragungen der Premieren auf BR Klassik, eine schöne Tradition bildet, bietet so auch jetzt wieder einem großen Publikum die Chance, einer weiteren Neuinszenierung aus dem Münchner Nationaltheater beizuwohnen. Auch ich muss so nicht erst bis zum nächsten Sommer warten, zumal es bei den Festspielen nur zwei Vorstellungen gibt, sondern freue mich jetzt schon sehr, diese Übertragung miterleben zu können. Die Musik und die Stimmen habe ich in meiner Rubrik Gehört! ja schon ausführlich beschrieben, nun gibt es auch noch die optischen Eindrücke dazu, die das Bild dieser Opernübertragung mit seiner hochkarätigen Besetzung an Sängern, Chor und Orchester vervollständigen. 

Alle Informationen zu diesem Livestream am 6. November findet ihr auf der Website der Bayerischen Staatsoper: Live-Übertragung - Stück-Info;  alle weiteren in meinem Text Gehört! zum Anlass der Premiere am 23.10. auf BR Klassik. 


Opernmagazine (Novemberausgabe)

Hamburg, 01.11.2016

Es ist wieder soweit: die aktuellen Ausgaben vom Opernglas und Oper! Das Magazin sind auf dem Markt.

Unter anderem gibt es Berichte über die wunderbare La Traviata aus Rom in der Regie von Sophia Coppola und den Kostümen in einer Kreation von Stardesigner Valentino. Und auch die Neuinszenierung der Zauberflöte an der Staatsoper Hamburg kommt zur Sprache.

Ein Blick hinein ist wie immer lohnenswert und ein Muss für jeden Opernfan, wie ich finde. Für mich die zwei besten Magazine bezüglich dieses Musikgenres. 

Die zwei Links, die euch direkt zu den entsprechenden Websites führen:

CD- und DVD-Tipp für November

Hamburg, 01.11.2016

Die erste Empfehlung gilt der neuen CD Revive von Elina Garanca, die am 4. November auf dem Markt erscheint und so auch diesbezüglich den Rollenwandel ins dramatische Fach einläutet, den die großartige Opernsängerin kurz nach ihrem 40. Geburtstag vollzieht. Gerade erst hat sie an der Bayerischen Staatsoper in München ihr Rollendebüt als Leonor de Guzman in Gaetano Donizettis La Favorite gegeben und wurde dafür von Publikum und Presse hochgelobt und gefeiert. Am 3.11., 6.11., 9.11.2016 sowie am 26.11. und 29.11.2017 ist die lettische Mezzosopranistin dort in weiteren Vorstellungen zu erleben. 

Diese CD enthält eine großartige und spannende Mischung mit Arien aus Opern des dramatischen Rollenfachs, die die sympathische Künstlerin für die nächsten Jahre geplant hat; u.a. die Santuzza aus Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana, die Eboli aus Verdis Oper Don Carlo oder die Dalila aus Camille Saint-Saëns Samson et Dalila

Ich werde, sobald ich mir einen persönlichen Eindruck von dieser mit Sicherheit wunderschönen und hörenswerten CD verschafft habe, diesen hier wiedergeben. 

Der Link zu dieser Einspielung auf amazon, die mit großer Wahrscheinlichkeit für einen Klassik-Echo nächstes Jahr gut ist: amazon.de

Die zweite Empfehlung betrifft die bereits mit einem Klassik-Echo ausgezeichnete Opern-DVD von La Traviata mit einer der vielseitigsten und großartigsten Sopranistinnen der heutigen Zeit in der Titelrolle: Diana Damrau! 

Die Opernsängerin, die in ihre Rollen schlüpft, sich mit ihren Charakteren verbindet und jede einzelne Sekunde wahrhaft lebt, macht auch diese DVD-Aufnahme zu einem Erlebnis, das zu Herzen geht. Ihre virtuose Stimme und die Darstellung ihrer Figuren auf der Opernbühne, die jederzeit authentisch ist, fühlbar, spürbar, echt, macht sie derzeit zu einer der Ausnahmesängerinnen ihres Fachs. Diese Operneinspielung auf DVD gehört ganz sicher in die häusliche Sammlung. 

Der Link zum Kauf dieser Aufnahme: amazon.de

Viel Freude beim Anschauen und Anhören dieser zwei Opernerlebnisse auf höchstem Niveau! 


TV-Tipp November

Hamburg, 01.11.2016

Für den Monat November gibt es noch einen TV-Tipp für alle Fans von Erwin Schrott; am 20.11. wird um 23:15 Uhr (wie immer bei Kunst und Kultur leider recht spät!) auf Arte der Mefistofile von Arrigo Boito aus dem Festspielhaus und in einer Neuinszenierung von Philipp Himmelmann gezeigt. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit, auf Arte Concert diese Inszenierung noch für einige Zeit in der Wiederholung anzuschauen. Die Besetzung vespricht einen sehr schönen und spannenden Opernabend, was die Regie angeht, bin ich gespannt und werde mir erst eine eigene Meinung bilden, wenn ich die Aufzeichnung gesehen habe. 

Der Link zur Arte-Website: www.arte.tv


Gehört! 

Hamburg, 29.10.2016

Die Übertragung der Premiere von Gaetano Donizettis Oper La Favorite aus dem Münchner Nationaltheater am 23.10.2016 auf BR Klassik:

Am Abend des 23.10.2016 um 19:00 Uhr wurde nun die erste Premiere der neuen Saison 2016/17 aus dem Nationaltheater München auf BR Klassik übertragen: La Favorite von Gaetano Donizetti. Verantwortlich für diese Neuinszenierung zeichnete die Theaterregisseurin Amelie Niemayer. Einen kleinen optischen Eindruck findet ihr unten in den Links zum Trailer und vor allem zum Making of Video der Bayerischen Staatsoper. Den Inhalt dieser Oper sowie Hintergründe zu diesem Werk gibt es wie immer im Opera Guide und auf Wikipedia nachzulesen. 

Da es sich bei dieser Übertragung um ein reines Hörerlebnis handelt, kann ich mich so natürlich auch nicht zu der Inszenierung äußern. Das wird hoffentlich nächstes Jahr im Juli bei den Opernfestspielen in München anders sein; ich werde ganz sicher mein Glück versuchen, um für die zwei Vorstellungen am 26.07. und 29.07. ein Ticket zu erstehen. Erst dann kann und werde ich mich auch zu Inszenierung, Bühnenbild und Kostümen äußern.

Nun aber zu den akustischen Eindrücken dieses großartigen Opernabends, den ich voller Freude am Radio miterlebte. Um 19 Uhr begann die Übertragung von Donizettis Oper und einem der großen Werke der Grand Opera. In der Titelpartie ist die wunderbare Mezzosopranistin Elina Garanca zu hören, die gerade einen Wechsel ihres Rollenfachs vollzieht von den Hosenrollen hin zu den dramatischen Partien ihres Stimmfachs. In La Favorite gibt sie nun ihr Debüt als Leonor de Guzmann und Mätresse des spanischen Königs Alfons XI. von Kastilien.

In der Rolle des Königs ist der polnische Bariton Mariusz Kwiecien zu hören und die Partie des Fernand, der großen Liebe von Leonor, übernimmt in dieser Neuproduktion in München der amerikanische Tenor Matthew Polenzani. Die anderen Rollen werden übernommen von Mika Kares (Balthasar), Elsa Benoit (Ines) und Joshua Owen Mills (Don Gaspard). Es sang der Chor der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Sören Eckhoff. Die musikalische Gesamtleitung hatte Maestro Karel Mark Chichon. 

Dieses Werk von Donizetti kannte ich bisher nicht und wurde wieder einmal auf wunderbare Weise überrascht von einer weiteren Neuentdeckung aus der Welt der Oper. Diese Musik ist kraftvoll, dramatisch, berührend. Die Kombination aus dieser italienischen Musik, in französischer Sprache gesungen, ist sehr besonders und ausgesprochen angenehm anzuhören. Alleine durch diese ausdrucksstarke Musik und das ausgezeichnete Sängerensemble wurde eine dichte und intensive Atmosphäre geschaffen und der Inhalt der Oper und die mit ihm verbundenen starken Gefühle auf unmittelbare Weise übertragen, auch an die Hörer am Radio.

Ich persönlich empfinde es mittlerweile als eine ganz besondere Erfahrung und ein großes Erlebnis, Opern- und Konzertabende einfach nur zu hören; insbesondere bei solch hochkarätig besetzten Ensembles oder auch Soloabenden. Man kann sich ohne eine optische Ablenkung voll und ganz auf die Musik konzentrieren und die einzelnen Feinheiten sind viel intensiver erspürbar.

So auch am letzten Sonntag; eine festliche aber entspannte Atmosphäre geschaffen, Kerzenlicht, ausgestreckt auf der Rattanliege, eingekuschelt unter einer Wolldecke, die Augen geschlossen und dann einfach nur den wundervollen Stimmen lauschen und genießen. Ich wurde gefangen genommen vom ersten Moment und entführt in eine andere Welt. Einfach nur Musik zu hören hat einen besonderen Vorteil, die eigene Fantasie wird angeregt, Bilder entstehen vor dem inneren Auge, eigene Bilder, nichts ist vorgegeben. Und das macht dieses Erlebnis so außergewöhnlich. Wenn man sich darauf einlässt, wird man in die Tiefen der eigenen Seele geführt und lernt die Musik besser zu verstehen. 

Ein Werk wie La Favorite von Gaetano Donizetti eignet sich dafür besonders gut und die wunderschönen und ausdrucksstarken Stimmen der Sänger, allen voran Elina Garanca und Matthew Polenzani in den Rollen des tragischen Paares Leonor und Fernand, die am Ende keine Chance auf ein Leben in Liebe und Glück haben. Gefühlvoll und ganz bei den Sängern und seinem Orchester, dirigierte Karel Mark Chichon durch dieses Werk und gestaltete Töne und Klänge in intensiven Farben. Elina Garanca in der Titelrolle zeigt, dass sie den Rollenwechsel ins dramatische Fach erfolgreich gemeistert hat und begeistert durch unglaublich viel Gefühl und Sensibilität in ihrer Stimme und auf der anderen Seite durch eine großartige Dramatik und Kraft. Sie ist in der Lage, tiefe Gefühle mittels ihrer warmen und ausdrucksstarken Stimme direkt in die Herzen ihrer Zuhörer zu tragen. Diese Rolle könnte zu einer ihrer großen Partien werden. 

Matthew Polenzanis wunderbarer lyrischer Tenor ist genau richtig für die Partie des Fernand. Auch der amerikanische Opernsänger schafft es ohne viel Anstrengung, den Charakter seiner Figur, die Zerrissenheit und Gefühle nur durch seine Stimme zu vermitteln. Beide zusammen bilden eine Einheit, die die Schönheit und Klarheit beider Stimmen miteinander vereint.

Als Dritter im Bunde der drei Hauptprotagonisten brachte Mariusz Kwiecien in der Partie des Königs noch eine weitere gesangliche Note an diesem Abend ein. Mit seinem etwas abgedunkelten Bariton verlieh er seiner Rolle eine gewisse Arroganz und bildete damit einen deutlichen Kontrast zu der sanften und verzweifelten Gestaltung von Elina Garanca und Matthew Polenzani.

So war es an diesem Abend ein Fest der Stimmen, der Musik, der Klänge und Farben, ein Genuss pur. Nachzuhören ist dieser musikalische Leckerbissen auf BR Klassik im Podcast genau wie auch die Interviews mit Elina Garanca und Regisseurin Amelie Niermeyer. Den entsprechenden Link wie auch die für den Opera Guide oder zum Youtube-Kanal der Bayerischen Staatsoper mit dem Making of Video und dem Trailer gibt es gleich im Anschluss an diesen Text.

Zum Abschluss lässt sich sagen, dass man auch immer wieder einmal nur hören sollte, Zuhören alleine eröffnet ganz neue Welten und gibt der eigenen Vorstellungskraft eine Chance, sich mit der Musik zu verbinden. Aber nichtsdestotrotz bin auch ich ein Mensch, der die Verbindung von Hören und Sehen liebt, und ich freue mich somit auf das Live-Erlebnis nächstes Jahr im Nationaltheater in München. 

Links:

opera-guide.ch

Wikipedia: Oper, Donizetti

staatsoper.de

br-klassik.de

Ein TV-Tipp für alle London-Fans

Hamburg, 29.10.2016

...  und die, die es noch werden wollen!

Am Samstag, den 29.Oktober, gibt es auf Servus TV Deutschland (ist in der Regel frei zu empfangen) um 17:25 Uhr im Rahmen der Sendung kulTour mit Holender das Thema: London-Oper an der Themse (UK/A2016), Wiederholung am 30. Oktober um 17:28 Uhr.

Die Intendantin der English National Opera, Cressida Polok, empfängt Ioan Holender und spricht mit ihm über das Repertoire ihres Hauses. Unter anderem auch über Lulu und die Madama Butterfly, die beide für die ausgezeichnete Koproduktion mit der Metropolitan Opera in New York stehen. 

Im Royal Opera House trifft Ioan Holender mit dem Direktor Kaspar Holten zusammen und lässt sich von ihm durch das königliche Opernhaus führen. Sir Antonio Pappano, der Musikdirektor von Covent Garden, lädt Ioan Holender in seine Londoner Residenz und schwelgt angeregt in Erinnerungen. 

Ich habe die Empfehlung für diese sehenswerte Sendung von einer lieben Freundin aus Bayern erhalten und bin begeistert von diesem Format. Und diese Folge hat nun ein besonders schönes Thema und Gäste und Orte, die ich sehr bewundere und liebe. Viel Freude beim Anschauen! 

Auch ein Teil der vorangegangenen Sendungen ist auf der Website noch zu sehen. Die Links: 

Sendungen/kulTOUR-mit-Holender,  Medien/kulTOUR-mit-Holender70.


ZDF-Mediathek

Hamburg, 29.10.2016

Am Freitag, den 28.Oktober, lief im ZDF das Roadmovie inklusive Konzertmitschnitt mit Startenor Jonas Kaufmann: Jonas Kaufmann - Mein Italien.

Diese Sendung mit dem sympathischen Münchner Opernsänger ist nicht nur etwas für eingefleischte Kaufmann-Fans, sondern ebenso für Freunde der wunderschönen italienischen Canzoni und natürlich auch für Liebhaber des Landes, in dem die Zitronen blühen, und dem Dolce Vita mit all seinen Genüssen. 

Die DVD dazu wird vermutlich Anfang Dezember erscheinen!

Wer die Sendung verpasst hat, kann sie noch bis zum 27.11.2016 in der ZDF-Mediathek anschauen. Hier noch zwei Links mit entsprechenden Informationen: teleschau.demusik-im-zdf.


Ein Juwel unter den Operneinspielungen

Hamburg, 29.10.2016

Die CD-Aufnahme der Aida aus Rom unter der Leitung von Sir Antonio Pappano mit seinem wunderbaren Orchester und Chor Orchestra e Coro Dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia und einem außergewöhnlichen Sängerensemble: eingespielt im Februar 2015 und veröffentlicht im Herbst desselben Jahres. 

Diese CD-Aufnahme von Giuseppe Verdis Werk Aida in dieser ganz speziellen Einspielung ist etwas ganz Besonderes und außergewöhnlich in Bezug auf die Sängerbesetzung, ebenso wie auf das Orchester, den Chor und den Dirigenten. Sir Antonio Pappano, der zur Zeit führende Dirigent, was das Repertoire der italienischen Opern angeht, und sein Orchestra e Coro dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia verbanden sich für diese Aufnahme mit einer Reihe der weltbesten Opernsänger, von denen einige auch ihr Rollendebüt gaben; allen voran Startenor Jonas Kaufmann als Radames und Anja Harteros in der Titelpartie. Dazu Ludovic Tézier als Amonasro, Erwin Schrott als Ramfis und Ekaterina Semenchuk als Amneris. 

Erwähnt sei noch der Ort dieser Operneinspielung, der optimale Voraussetzungen für diese erstklassige Aufnahme bot: der Sala Santa Cecilia im Auditorium Parco della musica in Rom. In genau diesem Raum fand auch die passende konzertante Aufführung von Verdis Aida statt. Ich hatte das kaum beschreibbare Glück und die große Ehre, dieser Aufführung ebenfalls beiwohnen zu dürfen. Das war ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis, das ich ganz sicher niemals mehr vergessen werde. 

Für diese CD-Einspielung sollte man sich Zeit und Muße nehmen, um jede Feinheit erfassen und alle Schönheit dieser Musik und ihrer Interpreten in vollen Zügen genießen zu können. Dass diese Feinheiten so unglaublich differenziert herausgearbeitet werden, ist wieder einmal einem der Meister seines Faches zu verdanken, Sir Antonio Pappano. Er geleitet sein Orchestra Dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia und das erstklassige Ensemble an Sängern jederzeit sicher und gefühlvoll. Er ist erfüllt von der Musik, von ihren Klängen und Farben. Wer dieses sympathische Genie kennenlernen und verstehen will, der kann dieses vor allem durch genau die Musik erfahren, die Sir Antonio so liebt. Das großartige Ensemble an Opernsängern der absoluten Weltklasse habe ich schon mehrfach erwähnt. Jonas Kaufmann und Anja Harteros als Radames und Aida bringen mit ihren ausdrucksstarken und außergewöhnlichen Stimmen alles mit, was man für die Darstellung dieser Rollen braucht. 

Anja Harteros, die als eine der zur Zeit besten Verdi-Interpretinnen unserer Zeit gilt, berührt auch in ihrem Rollendebüt durch eine feine, zarte und gefühlvolle Interpretation. Ihr wunderschöner Sopran erfüllt den Raum und sofort ist man gefangengenommen von der Stimme dieser ganz besonderen Sängerin. Sie braucht kein Drumherum, alleine sie zu hören ist ein Erlebnis, das tief die Seele und das Herz trifft. Anja Harteros als Aida auf der Opernbühne zu erleben, wäre mit Sicherheit wunderbar und unvergesslich.

Ihr Radames, der zur Zeit vermutlich vielseitigste und beste Tenor der Welt, Jonas Kaufmann, überzeugt ebenfalls in seinem Rollendebüt. Er gab letztes Jahr im Oktober in München auch sein szenisches Debüt in dieser Partie. Während Anja Harteros ihre Rolle als Aida als ausgesprochen lyrisch bezeichnet, braucht es laut Jonas Kaufmann für den Radames verschiedene Tenorstimmen; zum einen ebenfalls sehr lyrisch, dann wieder sehr dramatisch und vielleicht auch etwas heldisch. Und so kann er hier die ganze Bandbreite seiner Stimme nutzen und damit die verschiedenen Gefühlslagen und Lebenssituationen seiner Rolle zum Ausdruck bringen. Dies gelingt ihm auf ganzer Linie und genau wie Anja Harteros vermag er die Herzen seiner Zuhörer auf besondere Weise zu bezaubern und zu berühren. Einer der schönsten aber auch traurigsten Momente ist sicher das Schlussduett der beiden unglücklich Liebenden oder vielmehr die gesamte Schluss-Szene des vierten und letzten Aktes. Wen dieser bewegende Abschied vom Leben nicht berührt...

Ich muss gestehen, dass es ein weiterer großer Wunsch wäre, die beiden Weltstars zusammen auch szenisch auf der Bühne zu erleben, am liebsten mit Sir Antonio Pappano als Dirigenten. Aber natürlich waren zusammen mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros noch weitere großartige Sänger an dieser Aufnahme beteiligt und am Abend der konzertanten Aufführung dabei: Ludovic Tézier als Amonasro, Erwin Schrott als Ramfis und, nicht zu vergessen, Ekaterina Semenchuk als Amneris. Sie alle machen diese Einspielung zu einem Fest der Stimmen und begeistern durch Kraft, Dramatik und starken Ausdruck in ihren Interpretationen. Und es sind genau die richtigen Künstler, die es für dieses Werk braucht, das trotz der vermutlich den meisten Menschen bekannten Szene des Triumphmarsches den Ausdruck eines sehr intimen Kammerspiels vermittelt. Im Mittelpunkt stehen die Schicksale der einzelnen Figuren und ihre zum Teil verhängnisvollen Verbindungen zueinander. Es zeigt die Zerrissenheit der einzelnen Charaktere, ihren inneren und äußeren Kampf um Liebe, Glück, Macht und Freiheit und die Bewahrung der eigenen Identität. In den einzelnen Szenen werden die Gefühle und Sehnsüchte der Protagonisten auf eindringliche Weise dargestellt sowie die unterschiedlichen Beweggründe für ihr Handeln. Genau diese tiefe Vielschichtigkeit und Lebendigkeit vermögen die großartigen Sänger auf dieser CD und auf der Bühne so glaubhaft an die Menschen heranzutragen. Ihre Kraft und Stärke, aber vor allem auch ihre zerbrechlichen Seiten, ihre Verzweiflung, ihre Verletzlichkeit und ihre Hilflosigkeit den Geschehnissen gegenüber sowie dem eigenen manchmal unausweichlichen Schicksal. Die entsprechend dichte und intensive Atmosphäre, die notwendig ist, um all das in Einklang zu bringen, um alles miteinander zu verbinden und um den Ausdruck dieses musikalischen Kammerstücks auf der CD und im Konzertsaal nach außen zu transportieren, kreiert Maestro Pappano auf sensible Weise zusammen mit seinem wunderbaren Orchester und seiner Hingabe zur Musik. 

So entstand eine mitreißende, fesselnde und zugleich auch sehr berührende Operneinspielung von Verdis Aida, die zur Zeit sicher einzigartig ist und ein ausgesprochen schönes Hörerlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die entsprechenden Links zu dieser wunderbaren Aufnahme, für die Sir Antonio Pappano gerade den Klassik Echo als bester Dirigent erhalten hat, gibt es hier: 

opera-guide.ch 

Wikipedia:  Aida_(Oper)   Giuseppe_Verdi

amazon.de   -   jpc.de

Die Pique Dame am 19.10.2016 in der Staatsoper Hamburg

Hamburg, 23.10.2016

Hier kommt nun mein Bericht über die Vorstellung der Pique Dame vom 19.10. an der Staatsoper Hamburg. Auch wenn ich mich im voraus, nicht nur in meinem Bericht hier auf meinem Blog, mit der Inszenierung und dieser Oper von Tschaikowsky beschäftigt habe, so ist das Erlebnis live vor Ort immer noch etwas anderes.

Diese Inszenierung von Willy Decker ist bereits 13 Jahre alt und hat wohl immer noch nichts von ihrer Intensität verloren. Das Regiekonzept ist schlüssig und nachvollziehbar und hält sich eng an die Synopsis, ist also auch für jemanden, der die Oper nicht kennt, gut mitzuverfolgen. Die einzelnen Figuren sind klar herausgearbeitet und ihre unterschiedlichen Handlungsweisen gut erkennbar. Die Einsamkeit der Protagonisten und der verzweifelte Versuch, dem eigenen Schicksal zu entkommen, steht im Mittelpunkt. Sie kämpfen um ihr Glück, treffen Entscheidungen, die sie letztendlich meilenweit von ihren erhofften Zielen entfernen, und am Ende bleiben nur noch Tod und Verzweiflung und die Erkenntnis, dass einerseits jede Entscheidung eine Konsequenz nach sich zieht und dass wir andererseits nicht alles beeinflussen können, auch nicht oder besonders das, was in uns selbst steckt. Und schon gar nicht haben wir immer Einfluss auf das Handeln der anderen. Auch die Hauptfiguren in Tschaikowskys Pique Dame müssen diese schmerzhafte Erfahrung machen.

Alle Fotos © Thilo Beu

Hermann, der Spieler, der von Beginn an gefangen ist in seiner Welt und dem unstillbaren Wunsch, durch die Karten zu Reichtum und Ehre zu gelangen und somit auch eine reelle Chance zu erhalten, die Frau, in die er sich unsterblich verliebt hat, zur Frau zu nehmen. Zugleich herrscht eine tiefe Todessehnsucht in ihm; für ihn gibt es nur entweder – oder. Entweder gelangt er zu dem Reichtum, den er benötigt, um Lisa, seine große Liebe, zu heiraten oder er will nicht mehr leben und selbst Hand an sich legen. So ist das Schicksal von Hermann eigentlich von Anfang an ohne Hoffnung auf ein gutes Ende. Er ist einfach zu zerrissen, seine Seele ständig in Aufruhr, seine Gedanken düster, und dann ist da immer die Sucht nach dem Spiel und nach Gewinn. Ob es wirklich die Liebe zu dieser Frau ist oder doch nur seine Seele als Spieler, die ihn dazu antreibt, an die drei magischen Karten zu kommen, würde ich für mich offenlassen. Am Ende bringen ihm die Karten kein Glück und er verliert alles: das Spiel, die Frau, die er liebt oder zu lieben glaubt, und letztendlich sein Leben.

In der Rolle des Hermann zu erleben war der deutsche Opern- und Konzertsänger Torsten Kerl, der Bekanntheit erlangte mit seiner Paraderolle, dem Paul aus Erich Wolfgang Korngolds Die tote Stadt. Torsten Kerl feiert heute seinen 49. Geburtstag. Gesanglich überzeugte der Tenor auf ganzer Linie. Mit seiner angenehm anzuhörenden ausdrucksstarken Stimme war der Sänger in der Lage, die Vielschichtigkeit dieser Rolle und die Zerrissenheit des Hermann sehr gut zu transportieren und die Seelenabgründe des von ihm verkörperten Charakters spürbar zu machen. Was die Darstellung auf der Bühne angeht, war er mir persönlich streckenweise zu eindimensional, es fehlte doch immer wieder ein dynamischeres Spiel, um den Eindruck, den er mit seiner Stimme vermitteln konnte, noch weiter zu unterstreichen. Nichtsdestotrotz war es für mich eine überzeugende Leistung des deutschen Tenors und ich würde ihn gerne in seiner Paraderolle als Paul in Erich Korngolds Die tote Stadt erleben.

Bevor ich zur zweiten Hauptprotagonistin des Abends komme, Barbara Haveman in der Rolle der Lisa, möchte ich noch ein paar Worte zum Bühnenbild sagen, das mir ausgesprochen gut gefallen hat. Ich persönlich bin ein großer Befürworter von dezenten und reduzierten Bühnenbildern. Genau das ist hier bei der Inszenierung der Pique Dame an der Staatsoper Hamburg der Fall. So schwer und emotional die Musik und düster die ganze Handlung ist, so gut passt sich das ganz in Schwarz- und Grautönen gehaltene Bühnenkonzept ein. Im Mittelpunkt steht ein riesiger Spieltisch, der nicht nur Hermann, sondern auch der alten Gräfin zu letzten Ruhestätte wird. Die Spielkarten, die hier auch zum Symbol des Schicksals werden, tauchen in verschiedenen Größen und Situationen immer wieder auf. Außerdem teilen aus quadratischen Elementen zusammengesetzte Wände die Bühne in verschiedene Räume; das mag sehr unruhig wirken, war aber in keiner Weise störend, es unterstützte im Gegenteil manche Szene und machte das Geschehen noch intensiver. Noch drei weitere Elemente tauchten während der Vorstellung immer wieder auf: zwei große Ledersessel, das überdimensional große Porträt der Gräfin aus den Zeiten ihrer jungen Jahre und ein ebenso großes Bild zweier riesiger Augen, aus denen der Wahnsinn spricht. Regiekonzept, Bühnenbild und Kostüme (ebenfalls in Grau- und Schwarztönen gehalten und sehr klassisch) fügen sich nahtlos ineinander und unterstreichen so die wunderbare Musik und diese überaus tragische und düstere Geschichte.

Noch ein paar Worte zu der Musik von Tschaikowsky; diese Musik ist extrem aufwühlend, von Gefühlen beladen, schwer, düster, mitreißend und fesselnd. Es ist ein Erlebnis, das man nicht wieder vergisst und dem man noch lange nachspürt. 

Jetzt möchte ich aber noch etwas zu den anderen Mitwirkenden an dem Abend des 19.10. sagen, insbesondere zu Barbara Haveman als Lisa. Die niederländische Sopranistin, geboren 1968 in Groningen, hat mich auf voller Linie überzeugt. Ihr wunderschöner Sopran hat vom ersten Ton an die Seele von Lisa offenbart und ihren verzweifelten Kampf ums Glück und ihr überaus tragisches Ende. Sie hat tief berührt, nicht nur durch ihre Stimme, sondern auch durch ihr eindringliches und authentisches Spiel auf der Bühne. Sie hat den Menschen im Zuschauerraum diese verzweifelte junge Frau behutsam näher gebracht und ihre Angst und Zerrissenheit sichtbar gemacht. Es war wirklich eine große Freude und ein großes Glück, diese wunderbare Sängerin auf der Opernbühne zu erleben. 

Die dritte entscheidende Partie kam sicher Renate Behle in der Rolle der Gräfin zu. Die Opernsängerin, gebürtig aus Österreich und seit 1971 in ihrer Wahlheimat Hamburg lebend, steht seit über vierzig Jahren auf den großen Opern- und Konzertbühnen dieser Welt. Sie hatte für mich an diesem Abend die stärkste Ausstrahlung und ihre Bühnenpräsenz ist einfach großartig. Allein durch das Betreten der Bühne zieht sie die Menschen in ihren Bann. Ihr wunderbare und ausdrucksvolle Mezzosopranstimme lässt sie alle Facetten ihrer Figuren, die sie verkörpert, bis ins kleinste Detail nachempfinden. Die Darstellung der Gräfin war vielschichtig und zeigte auf berührende Weise auch die tiefe Sehnsucht nach Liebe und Glück und die Trauer um die verlorene Jugend und die verlorene Zeit, die nie wieder zurückkehrt. Sie versucht letztendlich ihr Leben zu retten und ihre Enkelin zu beschützen, auch wenn sie sehr streng erscheint. Als ihr nichts dergleichen gelingt, nimmt sie am Ende Rache für sich und Lisa und nimmt auch den dem Wahnsinn verfallenen Hermann mit.

Nachdem die Gräfin vor Schreck gestorben ist und Lisa und Hermann sich das Leben genommen haben, bleibt Lisas ehemaliger Verlobter allein zurück: Fürst Jeletzky, an diesem Abend verkörpert vom jungen russischen Bariton Alexey Bogdanchikov. Der Opernsänger, 1985 in Taschkent (Usbekistan) geboren, war eine angenehme Überraschung. Die warme Stimme von Alexey Bogdanchikov war ein Genuss und macht Lust darauf, mehr von diesem jungen Sänger zu hören und zu sehen, und auch seine Bühnenpräsenz war überzeugend und jederzeit authentisch und unaufgeregt.

Als letzten Sänger möchte ich noch Vladimir Baykov in der Rolle von Graf Tomsky erwähnen. Der russische Bassbariton, der sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen als eines der vielversprechendsten neuen Talente im dramatischen Fach gemacht hat, ist in der Saison 2016/17 Ensemblemitglied an der Staatsoper Hamburg. Sein voller, warmer Bassbariton weiß zu überzeugen und wirkt kraftvoll und ausdrucksstark. Auch von diesem jungen Opernsänger wird man, genau wie von seinem Kollegen Alexey Bogdanchikov, in der Zukunft sicher noch eine Menge hören. 

Hinzugefügt sei aber, dass auch das restliche Ensemble durch große Qualität punktete und sich nahtlos einfügte. Ganz besonders erwähnen möchte ich den fantastischen Chor, der in dieser Oper, in dieser Inszenierung eine entscheidende Rolle innehat und dem Ganzen eine zusätzliche Dichte und Intensität verleiht.

Das Orchesterspiel unter der Leitung von Gregor Bühl habe ich als angenehm und ausgewogen empfunden und hatte das Gefühl einer sehr homogenen Zusammenarbeit zwischen Sängern, Chor, Orchester und Dirigenten. Obwohl ich schon viele Opernvorstellungen unterschiedlichster Art und in unterschiedlichsten Opernhäusern gesehen habe, muss ich fairerweise sagen, dass ich mich nicht als Expertin bezeichnen möchte. Auch wenn ich sagen würde, im Besitz eines feinen Gehörs zu sein und zusätzlich einiges an persönlichen Erfahrungen in Bezug auf Gesang mitzubringen, folge ich zum großen Teil meinen Empfindungen, die mir während der Vorstellung begegnen.

So schließe ich nun mit der Feststellung, dass es für mich ein wunderbarer musikalischer Abend war und ich mich bereits auf das nächste Mal freue; das wird nach der Kino-Übertragung von Hoffmanns Erzählungen am 15.11. aus London der Lohengrin am 18.11. sein. In der Titelpartie ist der deutsch-italienische Tenor Roberto Sacca zu sehen. Der Opernsänger, der seit mehr als 20 Jahren auf den großen Opernbühnen der Welt steht, wird ebenso bei der Frau ohne Schatten im April nächsten Jahres in Hamburg zu erleben sein. Wolfgang Koch, der hier im Lohnegrin als Telramund zu erleben sein wird, hat dann weitere Auftritte in Hamburg als Jochanaan in Salome von Richard Strauss, ebenfalls im November und sozusagen parallel zum Lohengrin

Und wie immer sage ich nun Danke fürs Zuhören, Tschüss und bis bald. Wir sehen uns, in den Opernhäusern Europas und der Welt …


Pique Dame an der Staatsoper Hamburg

Hamburg, 16.10.2016

Aus dem Repertoire der Staatsoper Hamburg (Oktober 2016)

Nun wird es Zeit, dass ich auch endlich einmal aus meiner Heimatstadt Hamburg von der wunderbaren Welt der Oper berichte. Das tue ich am 19. Oktober mit einer Vorstellung von Pique Dame, einem Stück aus dem Repertoire der Staatsoper Hamburg.

Mit dieser Oper von Peter Tschaikowsky habe ich mich bisher kaum beschäftigt und kannte nur ganz vage den Inhalt. Auch über den Komponisten selbst wusste ich bisher nur ein paar wenige Fakten und kannte, abgesehen von Eugen Onegin und natürlich Schwanensee, keine weiteren Werke. Jetzt wird es Zeit, sich mit dieser doch recht düsteren Handlung, die sich mit der wunderschönen Musik von Tschaikowsky eindrücklich verbindet, näher auseinanderzusetzen.

Zugrunde liegt dieser Oper eine Novelle von Alexander Puschkin aus dem Jahr 1833. Das Libretto von Pique Dame stammt aus der Feder vom Bruder des Komponisten, Modest Tschaikowsky. Man muss allerdings erwähnen, dass die Brüder die Vorlage von Puschkin gemeinsam ein „wenig“ verändert haben. Tschaikowsky war nämlich zunächst gar nicht daran interessiert, den seiner Meinung nach nüchternen und analytisch scheinenden Erzählstil für einen Opernstoff zu verwenden. Es erschien ihm ungeeignet, passte so gar nicht zu seiner eigenen intensiven Gefühlslage. Tschaikowsky war ein sehr emotionaler Mensch, der Zeit seines Lebens mit seinen eigenen Dämonen kämpfte. Besonders Puschkins Distanz zu seinen Figuren vertrug sich nicht mit Tschaikowskys Vorliebe für sensible, gefühlsbetonte Seelenprofile: „Mich können nur solche Sujets erwärmen, in denen echte lebendige Menschen handeln, die fühlen wie ich.“ 

Bei intensiver Beschäftigung mit dem Stoff von Puschkins Novelle wurde dem  Komponisten die große emotionale Spannweite bewusst, die in diesem Werk steckt. Während er daran arbeitete, identifizierte er sich nach und nach immer mehr mit dem unseligen Helden dieser Erzählung. Diese Tatsache ist in zahlreichen Briefen überliefert: „Als ich an Hermanns Tod gelangte, überkam mich ein solches Mitleid mit meinem Helden, dass ich in Tränen ausbrach. Niemals zuvor hat mich einer meiner Charaktere so leidenschaftlich zum Weinen gebracht... Ich erkannte, dass Hermann nicht bloß ein Vorwand war, um Musik zu komponieren, sondern ein Mensch, der lebte und Sympathie verdiente.“ (Quelle: Staatsoper Hamburg)

Und so steckt in diesem Werk von Tschaikowsky besonders viel Drama, es ist voll von Leidenschaft und unerfüllten Sehnsüchten und dem Kampf mit den eigenen Dämonen und Unzulänglichkeiten. Von Beginn an ist das tragische Ende der Hauptprotagonisten zu erahnen, die durch ihre eigene Entscheidungsweise in hohem Maße dazu beitragen. So können sie ihrem schlimmen Schicksal nicht entrinnen und schaufeln sich bewusst oder unbewusst ihr eigenes Grab oder auch das der anderen Menschen in ihrem Leben. Jeder bekommt am Ende nicht das, was er sich wünschte oder begehrte: Liebe, Reichtum, Macht. Die unglaublich leidenschaftliche und emotionale Musik Tschaikowskys verbindet sich intensiv mit dem Inhalt der Geschichte, der Puschkins Novelle zugrunde liegt, und ihren tragischen Figuren, in deren Mittelpunkt sicher der Charakter des unseligen Helden Hermann steht. Ihm fühlte sich der Komponist wohl ganz besonders verbunden. „Die Vermutung liegt nahe, dass Tschaikowsky in Hermanns Besessenheit ihm verwandte Charakterzüge entdecken konnte und ihn mit dieser von Ehrgeiz und Berechnung getriebenen Figur (im Original von Puschkins Novelle) das subjektive Gefühl verband, einem übermächtigen Schicksal ausgeliefert und in der ihm umgebenden Gesellschaft isoliert zu sein.“ (Quelle: Staatsoper Hamburg)

Der Charakter des Hermann ist in dieser Oper von Tschaikowsky sicher der vielschichtigste; ein zerrissener Mensch, der gegen seine Dämonen kämpft, hin- und hergerissen zwischen seiner Sehnsucht nach Glück und der Liebe zu der Frau, die er so begehrte und der er Reichtum und Unabhängigkeit bieten wollte, um mit ihr gleichgestellt zu sein, und der Sucht nach dem Glücksspiel, das ihm diesen Wunsch erfüllen sollte und ihn doch ins Verderben zog. Hermann ist ein Spieler, ein Süchtiger, den nicht einmal die wahre Liebe zu retten vermag und der sich am Ende, verzweifelt und dem Wahnsinn verfallen, das Leben nimmt.

Lisa, seine große Liebe, die genau aus dieser bedingungslosen Liebe heraus eine fatale Entscheidung fällt und so ungewollt eine schicksalhafte Wende einleitet, die am Ende für sich, ihren Geliebten und ihre Großmutter den Tod bedeutet; ist sie das Opfer in dieser Geschichte, das naiv daran glaubte, so Einfluss nehmen zu können auf das, was sie sich so sehr wünschte? Oder wollte sie wie ihr Geliebter einfach zu viel vom Schicksal? Liebe, Glück, Reichtum … 

Und ihre Großmutter, die reiche Gräfin, die mit Hilfe dreier geheimnisvoller Karten zu unermesslichem Reichtum gekommen war? Ist sie das eigentliche Opfer in dieser fatalen Konstellation? Bestraft sie am Ende den Mann, der ihr aus seiner Sucht heraus das Leben raubte? Hat sie ihre Hand im Spiel, wenn Hermann am Ende die Pique Dame zieht und sich, im Glauben, die tote Gräfin zu sehen, mit der Pistole selbst richtet? Rächt sie auf diese Weise nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Enkelin? Vielleicht war ihr aber auch am Ende der Tod vorausbestimmt als Preis für den Reichtum, den sie durch die magischen Karten einst erlangte. Sicher ist, dass am Schluss jeder der drei Hauptdarsteller – Hermann, Lisa und die Gräfin – ein tragisches und brutales Ende nehmen muss und dem vorherbestimmten Schicksal nicht entrinnen kann. Wie auch in fast jeder Oper von Verdi und Puccini, um nur zwei der größten Komponisten ihrer Zeit zu nennen. 

Ich bin schon sehr gespannt, wie es mir während und auch nach der Vorstellung ergehen wird. Der Bericht mit meinen Eindrücken von diesem Opernabend erscheint dann nach dem Besuch der Staatsoper Hamburg am 19. Oktober. Hoffentlich mit ein paar schönen Bühnenfotos und einigen Aufnahmen von der Bühnentür. 

Als Einstimmung und auch zum Nachvollziehen meiner Gedanken und Eindrücke gibt es wieder nützliche Links wie den zum Opera Guide oder zur offiziellen Website der Staatsoper Hamburg, eine Zeitungskritik aus dem Jahr der Premiere 2003, zu Wikipedia (Tschaikowsky, die Erzählung und die Oper) und ein paar Videos aus Youtube mit dem wunderbaren Placido Domingo in der Rolle des Hermann (ein Best of). 


Dolce Vita

Hamburg, 16.10.2016

Auch wenn dieses ein Opern Blog ist, muss ich doch meine Gedanken mitteilen, die mir durch den Kopf gingen, als ich die neue CD von einem meiner Lieblingssänger und einem der besten Tenöre und größten Opernstars unserer Zeit anhörte: Dolce Vita von Jonas Kaufmann

Aufgenommen wurde diese CD im letzten Jahr im Teatro Massimo in Palermo mit dem Orchestra del Teatro Massimo unter der musikalischen Leitung von Asher Fish. Die Hommage des Münchner Startenors an sein geliebtes Italien, in dem er bereits als Kind so viel Zeit verbrachte und das zu seiner zweiten Heimat wurde, ist seit dem 7.10.2016 auf dem Markt und ist ganz sicher eine Herzensangelegenheit des sympathischen Opernsängers. Diese ganze Leidenschaft und tief empfundene Liebe zu diesem wunderbaren Land spürt man in jeder einzelnen Note, in jedem gesungenen Wort. Kaum hat man die ersten Töne vernommen, kann man bereits nicht mehr aufhören zu lächeln, sofort stellt sich ein Gefühl der Leichtigkeit und Glückseligkeit ein und man wird verzaubert von dieser wunderbaren, ausdrucksstarken Stimme und dieser zugleich leichten und doch so emotionalen Musik. Kraftvoll, intensiv, leidenschaftlich, leicht, schwer, traurig, fröhlich. Mit seiner Stimme, einem perfekten Italienisch und seiner ganz persönlichen Interpretation dieser Zusammenstellung italienischer Canzone spiegelt Jonas Kaufmann das ganze Lebensgefühl dieses Landes wieder, nimmt einen mit auf eine Reise in den Süden, lässt ihn uns spüren, den Zauber Italiens und das La Dolce Vita. Blauer Himmel, blaues Meer, das Leben genießen, sich treiben lassen, lieben, lachen, glücklich sein.

Ein Kurzurlaub in den Süden, nach Bella Italia, Kraft tanken, die Sonne aufs Gesicht scheinen lassen. All die Gefühle gehen mir durch den Kopf, wenn ich diese CD höre. Mal kraftvoll, fast opernhaft,  mal ganz leise und zart erklingen die Töne, aber immer sind sie erfüllt von der unendlichen Liebe zur Musik und zu diesem Land. Und langsam gleitet man hinüber in eine Welt aus Freude und Leichtigkeit, und ein wohliges Glücksgefühl macht sich breit im ganzen Körper. Und es gibt nur einen Wunsch: die Koffer zu packen, den Liebsten, die Familie zu nehmen und sich aufzumachen in das Land, wo die Zitronen blühen, und diese unendliche Sehnsucht, die mit dieser Musik geweckt wurde, sofort zu stillen. Genauso geht es mir in dem Augenblick, wo ich diese Musik höre und all diese Gefühle tief in mir spüre. Da hilft wohl nur eines, die CD einlegen und von vorne anhören, immer und immer wieder ...

Ich weiß, es gibt sicher den einen oder die andere, die dieser Aufnahme des Münchner Opernstars mit Skepsis gegenüberstehen. Natürlich muss man nicht alles mögen, aber neugierig und aufgeschlossen sollte man in jedem Fall bleiben. Man wird immer wieder überrascht werden! Ich bin mir sicher, dass diese Aufnahme ein großer Erfolg werden wird, denn sie trifft direkt ins Herz und weckt die Sehnsüchte der Menschen auf eine sanfte und wunderschöne Art und Weise, der man sich nur schwer entziehen kann. 

Also rasch auf in den Klassik-CD-Laden des Vertrauens oder eine Bestellung im Internet aufgeben und schon hat man das uneingeschränkte Vergnügen, diese wunderschöne Neuproduktion zu hören und sich den Zauber Italiens in die eigenen vier Wände zu holen und die trüben Herbsttage, die dunklen Wintertage ein wenig zu vertreiben. Und dann ist er plötzlich wieder da, der Frühling erwacht von neuem ...

Meine Top 5: 

1. Caruso

2. Non ti scordar di me

3. Parla piu piano

4. Il libro dell´amore

5. Parlami d´amore, mariu


Nun wie gewohnt einige Links, die sicher schon dem einen oder anderen bekannt sein dürften, aber meine Eindrücke immer wieder schön abrunden und ergänzen. 

Die CD von Jonas Kaufmann bei Sony Classical:  Amazon  -  JPC.

Hier kommt noch eine wunderbare Nachricht: Am 25.11.2016 erscheint passend zur gerade erschienenen neuen Dolce Vita-CD von Jonas Kaufmann noch eine DVD. Zumindest habe ich einen Eintrag auf der Seite von Saturn gefunden! Auf Amazon habe ich noch nichts sichten können. Wenn die DVD nächsten Monat erscheinen soll, dann wird es sicher in den nächsten Tagen einen entsprechenden Hinweis darauf geben... Und hier nun auch der Amazon-Link.

Ein Foto des vermutlichen DVD-Covers gibt es übrigens auf der Seite von Marion Tung zu sehen! Dort wird es ganz sicher auch entsprechende Informationen geben, wenn es soweit ist. Und natürlich auch alle weiteren News über den Münchner Startenor.

So lässt sich die Zeit ohne den Startenor live auf der Bühne doch recht angenehm und gut überbrücken. Viel Freude beim Anhören und hoffentlich demnächst auch Anschauen! 


DVD-Tipp:
Liebe, Poesie und ein gemeinsamer Tod

Hamburg, 16.10.2016

Dieses sind meine Eindrücke, die ich im letzten Jahr nach dem Besuch der Vorstellung von Andrea Chénier am 06.02.2015 in London niedergeschrieben habe. Ich habe zwar einige Änderungen vorgenommen, aber im Grunde sind es meine Originalworte. Dieses war die letzte Vorstellung in dieser Serie und der Saison 2014/15. Eine Wiederaufnahme ist laut meinen Informationen für die Spielzeit 2017/18 geplant.

Freitag Abend um 19:30 Uhr Londoner Zeitrechnung war es soweit und ein letzter wunderschöner Opernabend begann und nahm die Zuschauer mit auf eine Reise in die Zeiten der französischen Revolution. In eine Welt voll von Hass, Eifersucht, Intrigen, Verrat, Blut und Tränen, aber auch voll von Liebe, Zärtlichkeit und Poesie. Es wurde auf berührende Weise die Geschichte erzählt vom jungen Poeten Andrea Chénier und seiner großen Liebe Maddalena di Coigny. In den Wirren der französischen Revolution versuchen die beiden jungen Menschen ihre wunderbare und zerbrechliche Liebe zu beschützen und sehen am Ende nur einen Ausweg, um dieses kostbare Gut zu bewahren: den Gang in den gemeinsamen Tod. Maddalena folgt ihrem Geliebten und opfert ihr Leben für das Leben einer jungen Mutter. 

In der Titelrolle zu sehen war der Ausnahmesänger und Startenor Jonas Kaufmann. Der Münchner Opernsänger gab in dieser Neuproduktion am ROH im Jahre 2015 ein weiteres Rollendebüt nach dem Des Grieux in Puccinis Manon Lescaut ein Jahr zuvor im Juni/Juli. Es war sein insgesamt viertes Rollendebüt in London Covent Garden, wiederum unter der Leitung von Generalmusikdirektor und Chefdirigent Sir Antonio Pappano. Jonas Kaufmann ist wohl unbestreitbar zur Zeit nicht nur der beste, wandelbarste und vielseitigste Opernsänger im Fach Tenor, sondern auch die Idealbesetzung für die Rolle des jungen Poeten und tragischen Helden Andrea Chénier. Das gilt auch insbesondere für jede andere Rolle des Lyrico Spinto Fachs. Jonas Kaufmann verkörpert in dieser Neuinszenierung den jungen Poeten auf eine berührende und einfühlsame Art und Weise und hat seine ganz persönliche Interpretation für diese Rolle und ihre Darstellung gefunden. Er ist nicht der strahlende Held, sondern der sensible und nachdenkliche liebende junge Mann, der mit der Kraft der Worte gegen Unrecht, Hunger und Gewalt kämpft und bereit ist, für seine Überzeugungen Folter und Tod zu erleiden. 

An der Seite des sympathischen Münchners, in der Rolle der jungen und bezaubernden Aristokratin Maddalena di Coigny, ist in dieser Inszenierung die niederländische Sopranistin Eva Maria Westbroeck zu erleben. Zusammen mit ihr hatte der 47-jährige Opernsänger bereits 2011 an der Met die Walküre gesungen. 

Eva Maria Westbroeck war Jonas Kaufmann eine wunderbare Bühnenpartnerin und harmonierte perfekt mit seiner Stimme. Ihre Darstellung als junge Frau, die in den Zeiten des Umbruchs lebt, bereit, sich für ihre große Liebe zu opfern, ist überzeugend und berührend. In ihrer wunderschönen Arie „La mamma morta“ und in den zwei Duetten mit Jonas Kaufmann kam und kommt die ganze Ausdruckskraft und große Strahlkraft ihrer Stimme voll zur Geltung. 

Die dritte Hauptpartie, die Rolle des Carlo Gerad, wird in dieser Neuproduktion verkörpert vom großartigen Bariton Zeljko Lucic. Eine Traumbesetzung für diese Partie, stimmlich und darstellerisch. Der serbische Opernstar vermittelt hier in seiner Rolle als Carlo Gerad auf eindrucksvolle, mitreißende und zugleich erschreckende Weise den Zwiespalt, der in seinem Herzen und seiner Seele herrscht. Intensiv ist sein Spiel, seine Darstellung auf der Bühne und kraftvoll sowie ausdrucksstark seine wunderbare Baritonstimme. Es ist eine große Freude und ein unvergessliches Erlebnis, ihn auf der Opernbühne zu erleben. 

Die musikalische Leitung hatte Generalmusikdirektor Sir Antonio Pappano auch in dieser Neuproduktion inne. Er begleitete somit auch das vierte Rollendebüt von Jonas Kaufmann am ROH. Der Ausnahmedirigent mit den italienischen Wurzeln dirigierte auch dieses wundervolle Werk mit großer Leidenschaft und durch und durch erfüllt von der Musik. Mit seinem wunderbaren Orchester war er jederzeit bei jedem einzelnen Sänger auf der Bühne, bei jedem Musiker im Orchestergraben und führte sie sicher und gefühlvoll durch alle Höhen und Tiefen dieser Inszenierung. Antonio Pappano ist unbestreitbar einer der zur Zeit besten und führenden Dirigenten, insbesondere im dramatischen italienischen Opernrepertoire. 

Für die Neuproduktion dieser seit 30 Jahren wieder aufgeführten Oper von Umberto Giordano zeichnete Erfolgsregisseur David McVicar verantwortlich. Es ist eine eine sehr schöne, liebevolle und detailgenaue Inszenierung. Alles wirkt frisch und zugleich fühlt man sich auf eine sanfte Art in eine andere Zeit versetzt. Das Regiekonzept von David McVicar beweist, dass eine klassische Auslegung nicht zwangsläufig angestaubt oder gar langweilig sein muss. 

Und was ist zur Oper selbst und der Musik von Umberto Giordano zu sagen? Es ist eine unglaublich starke und kraftvolle Musik, aufgeladen mit Gefühlen, die, wie andere Werke des Verismo auch, unmittelbar Zugang findet zu den Herzen der Menschen. Und auch die Sänger auf der Bühne werden, wenn sie nicht acht geben, mitgerissen von dieser emotionsgeladenen Musik und dem dramatischen Score. 

Die Höhepunkte dieser Oper und besonders an diesem Abend und in dieser herausragenden Besetzung waren sicher die mitreißenden und berührenden Arien und Duette. Die Arie „La mamma morta“ von Eva Maria Westbroeck habe ich ja schon erwähnt. Einer der emotionalsten Soloauftritte ist sicher der von Zeljko Lucic, wenn er als Carlo Gerad in seiner großen Arie „Nemico della partria“ den Zwiespalt und die ganze Zerrissenheit seiner Seele eindrucksvoll zum Ausdruck bringt. Die mit Abstand meisten Solostücke hat aber, wie auch z.B. in Puccinis Manon Lescaut, der Tenor in der Titelrolle des Andrea Chénier zu singen. Seine vier großen Arien sind wunderschön, mitreißend, berührend, voll von Liebe, Leidenschaft und Schmerz. „Un di all´azzuro spazio“, „Credi al destino“, „Si fui soldato“ und „Un bel di di maggio“ verteilen sich auf jeweils einen der vier Akte und spiegeln sehr gut nachvollziehbar die jeweilige Gefühlslage des Titelhelden wider, in der er sich gerade befindet. Ergänzt werden die wunderbaren Arien der drei Hauptakteure noch von den zwei großartigen Duetten im zweiten und vierten Akt, die Jonas Kaufmann und seine Bühnenpartnerin Eva Maria Westbroeck miteinander singen. Das „Vicino a te“ im letzten Akt ist dabei besonders bewegend; wenn diese beiden jungen Menschen noch wenige kostbare Augenblicke miteinander verbringen dürfen, Abschied vom Leben nehmen und im Wissen, dass ihre kostbare Liebe niemals enden wird, gemeinsam den Weg in den Tod beschreiten. In diesem Moment spürt man all die Zärtlichkeit und Leidenschaft der Liebenden und die Kraft ihrer Gefühle, die durch die Stimmen der beiden großartigen Künstler den Raum des gesamten Opernhauses erfüllen. 

Nach knapp drei Stunden endete ein wunderschöner und himmlischer Abend im Royal Opera House. Das gesamte Ensemble, das Orchester und der Dirigent wurden ausführlich gefeiert und bejubelt. Es gab Standing Ovations, was gerade in diesem Opernhaus eine ganz besondere Auszeichnung ist. Alle Künstler nahmen auch nach dieser letzten Vorstellung verdientermaßen den begeisternden Schlussapplaus entgegen. Und auch das Publikum im Saal strahlte an diesem Abend und verließ mit einem Lächeln im Herzen und auf den Lippen noch ein wenig entrückt die Oper, um sich auf den Weg nach Hause zu machen oder zusammen mit Freunden und Familie diesem Abend noch ein wenig nachzuspüren. Etwas von diesem außergewöhnlichen Erlebnis, von der Musik, den Emotionen und den wundervollen Stimmen hat hoffentlich jeder mit in den Alltag hinübergenommen. 

Nun gibt es die Möglichkeit, dieses Erlebnis zu Hause nachzuempfinden und vom Sofa aus alleine oder mit Gleichgesinnten diese wunderbare Musik zu genießen. Ich wünsche allen ganz viel Freude dabei und kann immer wieder aus vollem Herzen sagen: es lohnt sich in jeder Sekunde. 

Danke fürs Zuhören und bis bald in den schönsten Opern- und Konzerthäusern Europas und der Welt. 

Den Link zum Erwerb dieser wunderbaren DVD findet ihr hier.

Weitere vermutlich bekannte Videos von Youtube: 

An introduction to Andrea Chénier (The Royal Opera)

Andrea Chénier Vocal Masterclass with Antonio Pappano

Andrea Chénier - Jonas Kaufmann singt sich die Seele aus dem Leib

Zum Schluss noch ein Hinweis für ein Wiedersehen mit dem Münchner Startenor in der Titelrolle des Andrea Chénier: Nächstes Jahr im März wird der Opernsänger in der Neuinszenierung von Phillip Stölzel an der Bayerischen Staatsoper München in der Titelpartie zu erleben sein. Dieses Mal an seiner Seite als Maddalena di Coigny die wunderbare und großartige Sopranistin Anja Harteros, mit der Jonas Kaufmann schon so oft auf den großen Opernbühnen Europas gestanden hat und die mit Sicherheit zu den herausragenden und wunderbarsten Sopranistinnen unserer Zeit zählt. In der Rolle des Carlo Gerad wird der 41-jährige Bariton Luca Salsi zu sehen sein, der letztes Jahr extrem spontan für den erkrankten Placido Domingo an der Met einsprang und so einen denkwürdigen Doppelauftritt am legendären Opernhaus absolvierte. Die musikalische Leitung in dieser Neuproduktion wird der 34-jährige israelische Dirigent Omer Meir Welber übernehmen.

Die weiteren Informationen zu dieser fürs nächste Jahr geplanten Inszenierung gibt es dann rechtzeitig vorher. 


Buch- und TV-Empfehlungen

Hamburg, 16.10.2016

TV-Empfehlung für Oktober:

Als meine Empfehlung für den Monat Oktober sei hier eine Dokumentation/ein Portrait am 28.10.2016 um 23:30 im ZDF genannt.

Dort gibt es ein Wiedersehen mit dem Münchner Startenor Jonas Kaufmann, dessen neue CD Dolce Vita am 7.10. auf dem Markt erschienen ist. Diese Sendung trägt den Titel Jonas Kaufmann - „Mein Italien“. Sicher nicht nur für Fans von Jonas Kaufmann, sondern für jeden Liebhaber ausgezeichneter Musik und wunderschöner Stimmen sowie für alle, die die Sehnsucht nach dem Süden und die Liebe zu Italien im Herzen tragen.  

Der sympathische Opernsänger erzählt in dieser Dokumentation über seine Liebe zu Italien und von seinen Erinnerungen an Sommerurlaube mit den Eltern und seiner Schwester aus Kindertagen. Untermalt wird alles von Ausschnitten seiner CD und einem Konzert, das er im Juli in Turin gegeben hat. Mit Jonas Kaufmann im Cabrio unterwegs entlang der ligurischen Küste...

Der Link für diese Fernsehempfehlung:  Teleschau


Meine zwei Buch-Empfehlungen

Handbuch der Oper von Rudolf Kloiber, Wulf Konold und Robert Maschka

Dieses ist die 14. grundlegend überarbeitete und aktualisierte Ausgabe, jetzt in einer hochwertigen gebundenen Ausstattung und mit über 100 neuen Opernporträts. Erschienen ist es im Verlag Bärenreiter und Metzler.

Oper – aber wie?

Die zweite Empfehlung, ebenfalls in einer schönen gebundenen Ausgabe im Verlag Bärenreiter und Metzler 2016 neu erschienen. Verfasst hat das Buch Richard Lorber, seit 1988 Musikredakteur beim WDR, der als Produzent, Autor und Moderator die Gebiete Oper und Alte Musik im Kulturradio WDR3 vertritt. Dieses Jahr war er außerdem noch der zuständige Dramaturg bei der Neuinszenierung von Parsifal bei den Salzburger Festspielen. Weiterhin ist er noch in der aktuellen Berichterstattung für verschiedene Medien tätig. 1990 wurde er mit einer Arbeit über die Musikgeschichte am Dresdner Hof in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts promoviert (Quelle für diese und die folgenden Informationen ist das Buch selbst). 

Oper ist die Bühne für Leidenschaft und Dramatik, für große Stimmen und intime Momente. Aber wie wird Oper „gemacht“, komponiert, gesungen, dirigiert, inszeniert? In diesem Buch schildern prominente Sänger, Dirigenten, Komponisten und Regisseure im Gespräch mit Richard Lorber ihre persönlichen Erlebnisse bei der Opernarbeit. Sie erklären ihre künstlerischen Anschauungen, verraten ihre musikalischen Vorlieben und berichten von ihrer Arbeitsweise. Das Buch bietet Einblicke in das Musiktheater von heute: hintergründig, lebendig, aktuell. Zu Wort kommen in diesem Buch u.a. folgende Künstler: Jonas Kaufmann, Cecilia Bartoli, Thomas Hampson, Christian Gerhaher, Nikolaus Harnoncourt, Hans Neuenfels, Wolfgang Rihm und Christian Thielemann.


Ein Blick in diese beide Bücher lohnt sich! Erhältlich sind beide Ausgaben im Buchhandel, insbesondere in bestimmten Fachbuchhandlungen/Fachabteilungen, aber genauso auch über Amazon.

Den Link zur aktuellen Ausgabe vom Handbuch der Oper konnte ich auf Amazon leider nicht finden, deshalb gibt es hier den Link zur letzten Ausgabe als Taschenbuch.


DVD-Tipp für November

Hamburg, 15.10.2016

Neben der DVD-Empfehlung für die Dolce Vita-Aufnahme von Jonas Kaufmann, die ja vermutlich Ende November dieses Jahres erscheinen soll, gibt es hier noch einen weiteren Tipp für einen DVD-Kauf. Laut Saturn und ebenso Amazon erscheint am 18.11.2016 eine Aufnahme der Gala aus Baden-Baden vom 24.07.2016 auf dem Musikmarkt. Das ist sicher eine ganz besonders lohnenswerte Anschaffung!

Bei der Abschlussgala in Baden-Baden trafen im Sommer dieses Jahres vier außergewöhnliche Stars der Opernwelt aufeinander, um Arien, Duette und andere Schmankerl aus der Welt der Klassik zum Besten zu geben. Im Fernsehen war bereits eine Zusammenfassung anzuschauen und jetzt erscheint diese wunderbare Gala auch auf DVD.

Hier die Links: Amazon und Saturn.


Opernmagazine (Oktoberausgabe)

Hamburg, 15.10.2016

Die Oktoberausgaben von Opernglas und Oper! Das Magazin sind da.

Wie immer informativ, angenehm anzuschauen und gut zu lesen. Reinschauen lohnt sich! 

Die passenden Links zu den aktuellen Ausgaben:

Von Dauerhustern, Bronchialkatarrh und Asthmatikertagungen

Hamburg, 14.10.2016

Nun ist sie wieder angebrochen, die Zeit von Grippe und Co. Seufz! Wer kennt diese Probleme nicht, hat darunter nicht schon vielfach gelitten und hätte um ein Haar seine gute Erziehung vergessen, wenn sie loslegen, die Asthmatiker und Lungenkranken mit ihren minutenlangen Hustenattacken? Natürlich immer während der zartesten, berührenden und leisesten Augenblicke, die eine Oper, ein Theaterstück oder ein Konzert (besonders gerne Solokonzerte oder Liedgesang mit Pianobegleitung) zu bieten hat.

Dann, wenn es eigentlich mucksmäuschenstill sein sollte, wenn man eine Stecknadel fallen hören könnte, wenn man tief ergriffen den Sängern, Schauspielern und Musikern auf der Bühne lauscht, genau dann geht es los. Meistens fängt es ganz leise an, nach und nach gerät das eigentliche Werk in den Hintergrund und wie ein Lauffeuer frisst sich diese Flamme durch das Opern- oder Konzerthaus und binnen weniger Minuten vermischen sich die Töne der Interpreten mit denen der Lungenkranken, die sich nun gnadenlos ihren Hustenanfällen hingeben. Dazu gesellt sich das Rascheln von Bonbonpapier – es ist ja auch kompliziert, sich von Beginn an richtig zu präparieren – und die an den Nachbarn geflüsterte Frage, ob er/sie nicht noch ein Hustenbonbon übrig hätte oder möglicherweise ein Taschentuch. 

Für jeden disziplinierten Opern-und Konzertbesucher ist das wirklich die reine Qual, und es gab Momente, in denen man kurz darüber nachdachte, dem am nächsten greifbaren Dauerhuster sein Taschentuch in den Rachen zu ..., um wenigstens für ein paar Augenblicke wieder die Musik genießen zu können, um die es ja eigentlich an solch einem Abend geht. 

Was mögen wohl die Künstler, die Musiker und Sänger auf der Bühne denken? Der eine oder andere würde vermutlich gerne mal unterbrechen, um ein paar deutliche Worte loszuwerden oder um im schlimmsten Fall die Opern- und Konzertbühne zu verlassen. Zu den Dauerhustern, den Asthmatikern und Lungenkranken gesellen sich ja nebenbei auch noch diejenigen, die respektlos und gelangweilt mit ihrem Smartphone im Internet surfen, versuchen ein Gespräch mit dem Nachbarn zu beginnen oder in ihren Programmheften blättern, um sich erst einmal darüber zu informieren, was denn heute gegeben wird. Schließlich will man nicht wie der letzte Depp wirken, wenn in der Pause beim Prosecco oder im Anschluss beim Dinner wortgewaltig über den Abend diskutiert wird. 

Wenn man das alles zusammenrechnet, könnte man an dem einen oder anderen Abend das Gefühl haben, man befände sich in der Wartehalle eines großen Bahnhofs oder an irgendeinem internationalen Flughafen. Leider wird diese Problematik auch in Zukunft vorhanden sein, wobei ich dafür plädiere, zumindest einige Störeffekte zu beseitigen. Hier ein paar Vorschläge dazu:

▸ An der Gardrobe ist bei Ankunft das Handy abzugeben, nach dem Ende der Vorstellung gibt es das geliebte Spielzeug zurück.

▸ Um das ständige Blättern in den Programmheften während der Vorstellung zu vermeiden, muss jeder Besucher beim Betreten des Opern- und Konzerthauses ein paar Fragen beantworten zum Komponisten, zum Werk und seinem Inhalt. Die Besetzungsliste ist ja schnell überflogen. 

▸ Am Eingang stehen ein HNO-Arzt und ein Lungenfachspezialist bereit, um bei auffälligen Symptomen eine kleine Untersuchung durchzuführen und notfalls die notwendigen Maßnahmen einzuleiten, wenn nötig auch eine ärztlich verordnete Bettruhe! 

▸ Möglicherweise sollte man, insbesondere in den Herbst-und Wintermonaten, anbieten, an geeigneter Stelle eine Inhalation durchzuführen und in den Erfrischungsräumen Gurgellösungen für Hals und Rachen bereitstellen. 

▸ Ferner sollten gleich zu Beginn an jeden Besucher entsprechende Husten- und Hals-Pastillen verteilt werden, um sicherzugehen, dass jeder ausreichend versorgt ist. Natürlich ohne das nervtötende raschelnde Bonbonpapier! Zusätzlich könnte man an jedem Tisch und Tresen die lindernden Helfer zur Verfügung stellen. 

Diese Vorschläge dürften vermutlich im Großen und Ganzen nicht umgesetzt werden können, obwohl der Gedanke geradezu verlockend ist. Vielleicht hilft die ein oder andere Anregung z.B. bei der Überlegung, ob es nicht besser wäre im Bett zu bleiben und so den Künstlern und den anderen Besuchern im Opernhaus oder Konzertsaal einen entspannten und schönen Abend zu ermöglichen und dafür beim nächsten Mal alles besonders zu genießen, gesund und erholt. Denn mal ganz ehrlich: was bitte hat man davon, sich krank durch eine eigentlich wunderbare Vorstellung zu quälen, in der man sich mehr darauf konzentrieren muss nicht zu husten, als dass man das Geschehen auf der Bühne genießen kann.

Zu guter Letzt wünsche ich allen und auch mir, dass wir gesund bleiben und jede Vorstellung zu einem besonderen, im positiven Sinne unvergesslichen Erlebnis wird! 

Ich bitte diesen Text nicht zu ernst zu nehmen, aber ich bin ein gebranntes Kind und weiß, dass ich vielen Freunden und Bekannten damit aus der Seele spreche, genauso wie vermutlich auch dem einen oder anderen Künstler!


Die Eröffnung der neuen Opern-Saison 2016/17

Hamburg, 13.10.2016

Nach einer längeren Pause begrüße ich euch nun alle ganz herzlich zur neuen Spielzeit 2016/17. Es wird sicher spannend und sehr vielseitig – soviel kann ich schon versprechen. Ich möchte wieder alle dazu einladen, mich auf eine wunderbare Reise in die Welt der Oper und die schönsten Opernhäuser, insbesondere Europas, zu begleiten.

Ich werde versuchen das Spektrum möglichst breit zu gestalten und alles mit den entsprechenden interessanten Hintergrundinformationen zu versehen und mit vielen unterschiedlichen privaten und offiziellen Video- und Fotodokumenten noch weiter zu verschönern. Mein Ziel ist es auch weiterhin, diesen Blog und die wunderbare Kunstform, die er zum Thema hat, einem möglichst breiten Publikum zuzuführen. Ich möchte neugierig machen, Leidenschaft entfachen und meine eigene große Liebe für dieses wundervolle Musikgenre vermitteln. 

So werde ich von den von mir besuchten Vorstellungen berichten sowie meine Eindrücke wiedergeben von den Live-Übertragungen im Kino, den Ausstrahlungen im Fernsehen und den Neuerscheinungen auf DVD und CD.

Lasst Euch einfach überraschen, mitnehmen und verzaubern von der wunderbaren Welt der Oper. So wünsche ich uns allen nun eine spannende und wunderschöne Saison 2016/17! 


Hier kommt doch noch ein kleiner Vorgeschmack auf das, was die nächsten Wochen und Monate so geplant ist:

+++ Die DVD-Rezension zur Neuerscheinung von Andrea Chénier, London ROH 2015 +++

+++ Pique Dame, Staatsoper Hamburg, am 19.10.2016 +++

+++ Lohengrin und eine Neuinszenierung der Zauberflöte an der Staatsoper in Hamburg im November und Dezember 2016 +++

+++ Aus dem Royal Opera House in London oder aus Paris gibt es jeweils eine Live-Übertragung im Kino von Hoffmanns Erzählungen; einmal mit Vittorio Grigolo in London und Ramon Vargas, der für den leider erkrankten Jonas Kaufmann einspringt, aus Paris. Link: Cinemaxx +++

+++ Auch in Berlin gibt es u.a. einige Vorstellungen der Zauberflöte und eine Neuinszenierung von Manon Lescaut – Premiere ist am 4.12.2016 +++


Was die Kino-Übertragung aus der MET betrifft, habe ich noch mindestens drei Vorstellungen, die ich mir anschauen werde. Die da wären:

+++ Am 21.01.2017 Romeo et Juliette mit der unglaublichen, wunderbaren Diana Damrau, an ihrer Seite der italienische Startenor Vittorio Grigolo +++

+++ Am 25.02.2017 Rusalka mit der bezaubernden Kristine Opolais, an ihrer Seite der amerikanische Tenor Brandon Jovanovic, der wie die lettische Sopranistin schon einige Male an der Bayerischen Staatsoper zu sehen war. +++

+++ Am 11.03.2017 La Traviata mit der großartigen, wunderbaren Sonya Yoncheva und Thomas Hampson in einer seiner Paraderollen als Giorgio Germont. +++

+++ Zuletzt am 22.04.2017 Eugen Onegin mit der gerade beim Klassik Echo in Berlin ausgezeichneten Starsopranistin Anna Netrebko und dem fantastischen, zur großen Freude wiedergenesenen russischen Bariton Dimitri Hvorostovsky! +++


Ich verrate Euch jetzt noch meine ganz persönlichen Höhepunkte der neuen Saison: 

▸ Die Neuinszenierung der Zauberflöte an der Hamburger Staatsoper von Jette Steckel; nach über 30 Jahren gibt es nun einen Wechsel. Ein großartig besetztes Sängerensemble verspricht einen großen Erfolg.

▸ Die schon oben erwähnte Neuinszenierung von Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper.

▸ Eine weitere Neuinszenierung in München: Tannhäuser; in Szene gesetzt von Kultregisseur Romeo Castellucci und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko. In den Hauptpartien werden gleich mehrere Superstars der Opernszene zu sehen sein, allen voran Klaus Florian Voigt, Anja Harteros und Christian Gerhaher. In der Rolle des Landgrafen von Thüringen vervollständigt Georg Zeppenfeld die hochkarätige Besetzung. Premiere ist am 21.05.2017. 

▸ Nich zuletzt ist selbstverständlich (!!!) noch die Neuinszenierung von Otello am Royal Opera House im Sommer 2017 in London zu erwähnen. Alles unter der Leitung von Musikdirektor und Chefdirigent Sir Antonio Pappano. Und das Ganze wird gekrönt vom lang ersehnten Rollendebüt des Münchner Startenors Jonas Kaufmann! Lang ersehnt nicht nur von seinen Fans, sondern vermutlich auch von ihm selbst. An seiner Seite, in der Rolle der Desdemona, wird dann die wunderbare Sopranistin Maria Agresta zu sehen sein, die gerade noch bei den Salzburger Festspielen für ihre herausragende Gesangsleistung und Darstellung in der Neuproduktion von Gounods Oper Faust gefeiert wurde. Überaus glücklich bin ich auch über die fantastische Besetzung des Jago, der nächstes Jahr in London von einem der zur Zeit besten Verdi-Baritone verkörpert wird: von dem französischen Opernsänger Ludovic Tézier, der diese Rolle mit all seinen Facetten auf beeindruckende Weise zum Leben erwecken wird.

Das sind wirklich wunderbare Aussichten, die uns im Laufe der nächsten Saison erwarten. Und dieses hier ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt!


DVD-Rezension:
Fidelio von den Salzburger Festspielen 2015

Hamburg, 18.07.2016

Bei den Salzburger Festspielen am 13.08.2015 konnte man das erste Mal den Fidelio in der Neuinszenierung von Claus Guth genießen, die jetzt auf DVD erschienen ist. Diese zum Teil ungewöhnliche oder vielmehr nicht unbedingt klassische Produktion hatte vor knapp einem Jahr schon zu reichlich Diskussionsstoff geführt und musste auch einige Buhrufe bei der Premiere über sich ergehen lassen. Die Pressekritiken waren insgesamt sehr unterschiedlich, von Zustimmung und Begeisterung bis hin zu nicht immer ganz freundlichen Beschreibungen. Das galt aber zu keiner Zeit für das herausragende Solistenteam und das wunderbare Orchester der Wiener Philharmoniker unter der Leitung ihres Dirigenten Franz Welser-Möst. Sie wurden durchgehend bejubelt und mit Lobeshymnen bedacht. Ich würde hier gerne die Gedanken anbringen, die mir durch den Kopf gingen, als ich diese Operninszenierung live aus dem großen Festspielhaus in Salzburg miterlebt habe.


„Wenn Freiheit eine Utopie ist“ oder „Aufschrei der gequälten Seelen“

Wer glaubt, dass es sich bei der Oper Fidelio oder auch deren Inszenierung in Salzburg um ein Stück fernab der Realität handelt, der irrt gewaltig. Auch heute ist der Inhalt von Fidelio und sein im Mittelpunkt stehender Gedanke von Freiheit immer noch hoch aktuell. Täglich werden auf unserer Welt Menschen, die für ihre Überzeugungen einstehen und für ihre Rechte kämpfen, ohne Prozess inhaftiert, gefoltert und getötet. Körperliche und seelische Folter, Hunger, Durst, Isolationshaft und die tägliche Angst bestimmen ihren Alltag. Die Angehörigen wissen oft nicht, ob sie ihre geliebten Menschen jemals wieder sehen oder ob sie überhaupt noch am Leben sind. Keiner von uns musste diese Qualen hoffentlich jemals erleben. Und trotzdem ist es die bittere Realität für so viele Menschen und keine gruselige Geschichte ohne Hintergrund. Seine Meinung frei zu äußern ist auch heute auf der Welt noch lange nicht überall ein Grundrecht. Und somit ist auch diese Inszenierung und Interpretation von Claus Guth in Salzburg ganz besonders schlüssig und nachvollziehbar. Dieses sind meine Gedanken und Eindrücke zu diesem Fidelio.

Alle Fotos © Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus

Bis auf die Schlussszene wirkt die Kulisse kalt und düster, ein Ort ohne Hoffnung. Die Lichteffekte sind gezielt und sehr gut eingesetzt, unterstreichen jede Szene, jeden Augenblick. Die Geräusche: Atmen, Flüstern, Donnern etc., die in dieser Inszenierung die oftmals etwas hölzernen Dialoge ersetzen, wirken auf ihre eigene Weise und lassen die gesprochenen Worte schnell vergessen. Viel intensiver werden so die verschiedenen Situationen empfunden. Ansonsten ist alles in Beethovens und in den gesungenen Worten enthalten. Im Zusammenspiel mit den wunderschönen Stimmen und der Ausdruckskraft seiner Darsteller braucht es nicht mehr. Franz Welser-Möst, der die musikalische Leitung inne hatte, nahm das Opernpublikum mit auf eine intensive Reise, und sein grandios aufspielendes Orchester, die Wiener Philharmoniker, vermittelten mit jeder Note, was Beethoven mit seiner Musik ausdrücken wollte. Das Solistenteam war wirklich großartig besetzt, allen voran die wunderbare kanadische Sopranistin Adrianne Pieczonka in der Titelrolle und natürlich Startenor Jonas Kaufmann in der Rolle des Florestan. Vermutlich war der Münchner Publikumsliebling der Hauptgrund für die lange im voraus ausverkauften Vorstellungen in Salzburg. Und so widme ich mich in meinem persönlichen Resümee vorrangig diesen beiden Künstlern und Sängern.

Beginnen will ich mit Jonas Kaufmann der mich nicht zum ersten Mal mit seiner intensiven Darstellung und einer unglaublich starken Bühnenpräsenz beeindruckte. Eindringlich und tief berührend vermittelt uns der sympathische Sänger seine Figur Florestan, diesen schwerst traumatisierten und gebrochenen Menschen. Gefoltert, hungernd, durstend, in Isolationshaft und Dunkelheit verbannt, so lebt Florestan seit Jahren im Gefängnis. Für Freiheit und Gerechtigkeit hatte er gekämpft und war von Pizzaro dafür eingekerkert worden. Seine Frau Leonore war zurückgeblieben und nun auf der Suche nach ihm mit dem sehnsüchtigen Wunsch, ihren geliebten Mann zu befreien. Florestan ahnt nichts von dieser Rettungsaktion seiner Ehefrau. Er ist innerlich längst gestorben, seine Seele gequält, sein Wille gebrochen, seine Hoffnung zerstört; eine menschliche Hülle ohne Inhalt, ein körperliches und psychisches Wrack. Florestan flüchtet sich in seine eigene Welt, schließt sich darin ein, um sich mit letzter Kraft vor der grauenvollen Außenwelt zu schützen. Er hat sich seine eigene Traumwelt geschaffen, die ihn am Leben erhält, ihn seine Qualen vergessen lässt. Es ist einer von vielen Schutzmechanismen, die er über die Jahre im Gefängnis aufgebaut hat, um das Erlebte zu verkraften. Hoffnung auf Befreiung gibt es für ihn nicht mehr; vielleicht noch Hoffnung auf die Freiheit seiner Seele und seines Geistes.

Die Bühnenpartnerin an der Seite von Jonas Kaufmann war in dieser Neuproduktion die kanadische Sopranistin Adrianne Pieczonka. Ihre Figur der Leonore ist eine wundervolle, gütige, mutige und zutiefst liebende Frau. Ein Engel, der aufgebrochen ist, den Menschen zu retten, der in ihrem Leben am wertvollsten ist. Stimme und Spiel der großartigen Sängerin sind ein Genuss und die Harmonie und das Zusammenspiel mit ihren Kollegen, insbesondere mit dem Münchner Tenor, sind eine Freude und rühren zu Tränen. Sie ist die Beschützerin, die Retterin in höchster Not, die dafür bereit ist ihr eigenes Leben zu riskieren und für ihre einzig wahre Liebe zu sterben, wenn er nur die Freiheit wieder erlangen möge. Jeder Mensch sollte in seinem Leben so einen Engel haben, der einen auffängt, tröstet, liebt und beschützt. An der Seite von Adrianne Pieczonka ist immer wieder die Tänzerin und Gebärdendolmetscherin Nadia Kichler zu sehen als Versinnbildlichung ihrer verletzlichen und weiblichen Seite. Eine schöne Ergänzung mit großer symbolischer Kraft. Einzig und allein am Ende des Schlussaktes rückt ihre Figur ein wenig zu stark in den Vordergrund; die Szene wirkt dadurch etwas unruhig und die eigentlichen Hauptpersonen dieser Oper rücken damit etwas in den Hintergrund.

Thomas Konieczny in der Rolle des hier ein wenig zwiegespaltenen Bösewichts Pizarro (mit seinem tanzenden Schatten an seiner Seite, dargestellt von dem Tänzer Paul Lorenger), der für das ertragene Leid von Florestan verantwortlich ist und ihn so schnell wie möglich für immer beseitigen möchte, war ein starker Gegenpol und die glaubhafte Verkörperung von Dunkelheit und Sadismus und dem Bösen in menschlicher Gestalt. Ihn treibt nur eins an, sein Macht weiter zu festigen und die einzige Person, die ihn zur Zeit in Gefahr bringen könnte, endgültig aus dem Weg zu räumen. Es fehlen noch Rocco, der Gefängnisdirektor, verkörpert von Hans-Peter König, Marzellina, seine Tochter, verkörpert von Olga Bezsmertna und Jaquino, der Pförtner, dargestellt von Norbert Ernst. Sie vervollständigten das hervorragende Ensemble. Besonders gut gefallen hat mir Hans-Peter König als Rocco; er hat etwas Gütiges an sich und vermittelt den Eindruck, das sein Posten als Gefängnisdirektor nicht immer seine Vorstellungen von Gerechtigkeit erfüllt und er sich manchmal einfach beugen muss. Er weiß außerdem um den armen gefangenen Florestan und den Grund, warum er seit Jahren unschuldig inhaftiert ist. Er ist der Mensch, der nun das Grab schaufeln soll für den Gefangenen, und gleichzeitig hat er vielleicht den Wunsch ihn zu befreien und ihn so vor dem Tode zu bewahren. So verbündet er sich letztendlich mit Leonore, die er zuerst als Mann unter dem Namen Fidelio kennenlernt und die versucht, beim Kerkermeister eine Anstellung zu erhalten, um so zu ihrem Mann zu gelangen, den sie irgendwo im Gefängnis vermutet. Als sie sich im Verlauf als Florestans Ehefrau zu erkennen gibt, ist Rocco sehr beeindruckt von ihrem Mut und der großen und wunderbaren Kraft der Liebe. 

Hier sind noch einige Gedanken und Eindrücke zum Geschehen auf der Bühne der Vorstellung des Fidelio aus Salzburg am 13. August 2015: 

Dem ersten Akt fehlte insgesamt ein wenig die Spannung und Dramatik, er plätschert ein wenig dahin, die notwendige Bühnenpräsenz und Stimmkraft bieten vor allem Adrianne Pieczonka und Thomas Konieczny. Die dazu gehörigen Schatten unterstreichen nicht nur im ersten Akt die Stärke der beiden Sänger. Die Atmosphäre ist sehr kühl, der Kubus in der Mitte hebt und senkt sich, trennt und verbindet die Darsteller auf der Bühne. Man sieht sich, findet sich und verliert sich wieder, man hat das Gefühl das die Figuren dieser Oper und in dieser Inszenierung für sich sind, ihr Schicksal mit sich selbst ausmachen und trotzdem den Wunsch nach Nähe und Geborgenheit haben. Franz Welser-Möst leitet sein wunderbares Orchester durch den Abend, die größte Spannung entsteht aber auch erst diesbezüglich im zweiten Akt, dann aber auch mit aller Macht, intensiv und kraftvoll. Die Figuren von Marzellina und Jaquino wirken in dieser Inszenierung insgesamt ein wenig spröde, das liegt vermutlich u.a. auch an den etwas biederen Kostümen. Aber auch sonst kommt im Spiel nicht immer die notwendige Spannung zustande. Wirklich interessant wird es nun mal, besonders in dieser Inszenierung von Claus Guth in Salzburg, im zweiten Akt. Das lag natürlich auch nicht zuletzt an Startenor Jonas Kaufmann, der ab dem Zeitpunkt in seiner Rolle als Fidelio mit in das Geschehen eingriff. Und das von Beginn an in eindrucksvoller Art und Weise. Manch ein Opernbesucher würde jetzt behaupten, dass mit dem zweiten Akt dieser Abend erst wirklich begann, zumindest was die Dramatik anging. Auch die Personenführung wurde im zweiten Teil noch verstärkt und intensiviert. Eine insgesamt sehr psychologische Herangehensweise an das Thema dieser Oper und deren Figuren, ohne aber den Bezug zur Realität zu verlieren. Kein Kitsch, kein hohes Pathos der Gattenliebe und der Rettung, die einfach nicht wirklich möglich ist, kein jubelnder Schlusschor im letzten Bild. 

Das Ende, das uns die Oper in dieser Inszenierung offenbart, schonungslos aufzeigt, das deutet sich bereits in den ersten Minuten an, ist zu spüren in jedem Takt, in jedem Ton. 

Als Jonas Kaufmann das erste Mal an diesem Abend seine Stimme erklingen ließ, war es sehr eindringlich und intensiv. Das Wort „Gott“ ertönte erst als leises Stöhnen, um dann in ein wunderschönes Crescendo überzugehen und in einem Aufschrei der Verzweiflung und des Schmerzes zu enden. Man spürt schon gleich am Anfang in seiner Stimme die Qualen, die sein Florestan erlebt hat und erleidet. Im Halbdunkel sieht man, wie eine Hand ganz vorsichtig um die Ecke des schwarzen Kubus tastet, dann werden langsam das Gesicht und schließlich der ganze Körper sichtbar. Florestan wagt sich ängstlich und unsicher einige Schritte nach vorne, um dann wieder verängstigt zurückzuweichen. Er drückt sich fest gegen die Wand, wirft sich voller Verzweiflung auf den Boden und ergibt sich seinem unausweichlichen Schicksal, weil er weiß, dass er keinen Einfluss darauf hat. Er flüchtet sich schließlich in seine geschützte Traumwelt, sieht in einer Vision seine geliebte Frau Leonore als eine Art Engel erscheinen. Für ihn der Engel der Erlösung, der Befreiung. Mehr und mehr steigert sich Florestan, wie in Trance, in diesen Wunsch, diese Sehnsucht hinein und muss schließlich traurig erkennen, dass alles nur ein Traum war. Es war sehr berührend, den Münchner Opernsänger so auf dieser Bühne, in dieser Rolle zu erleben; gebrochen, verstört, verängstigt, schwer traumatisiert, ohne Chance, jemals wieder Normalität zu empfinden. Seine Mimik und Gestik waren wie immer intensiv, ausdrucksstark und erschreckend realistisch. Sein Florestan ist ein lebender Toter, eine zutiefst gequälte und gepeinigte Seele. Der sensible Künstler lässt uns tief in diese menschlichen Abgründe schauen und führt uns erbarmungslos vor Augen, wie der Mensch, den er verkörpert, leidet und dass eine Hoffnung für ihn nicht existiert.

Bei jedem Geräusch, jeder Bewegung schreckt sein armer Gefangener auf, zuckt zusammen, hält sich die Ohren zu, reißt die Arme hoch und legt sie schützend vor sein Gesicht. Er wirft sich auf den Boden, schlägt um sich, rollt sich zusammen. Und immer wieder diese pure Angst im Gesicht, die Augen weit aufgerissen, Panik, ständige Fluchtgedanken, das Urvertrauen für immer zerstört. All das sind die schlimmen Folgen dessen, was Florestan im Gefängnis die Jahre über erlebt hat. Folter, Hunger, Durst, Dunkelheit und die ständige Einsamkeit durch Isolation haben ihn gebrochen. Die ganzen Bewegungsabläufe wirken unnatürlich, extrem auffällig, unkoordiniert, hektisch, panisch, unbeholfen, abgehackt; dann wieder wie in Trance, erstarrt und wie gelähmt. Er ist mit jeder einzelnen Situation überfordert und kaum in der Lage, angemessen zu reagieren. Seine größte Qual ist die Sehnsucht nach menschlicher Nähe, Liebe und Geborgenheit. Aber Florestan ist nach Jahren der Folter und der seelischen und körperlichen Schmerzen nicht mehr fähig, diese Nähe länger als einen Augenblick zu ertragen. Eine sanfte Berührung, eine kurze Umarmung, ein flüchtiger Kuss, ein kleiner Moment der Geborgenheit und er flieht. Dieser arme Mensch erträgt die Nähe kaum und sehnt sich verzweifelt doch so sehr danach. Kraft, alles zu ertragen, geben ihm nur sein Glaube, seine eigens von ihm erschaffene Welt und die tiefe Sehnsucht nach der Erlösung durch den Tod. Für ihn gibt es keine Hoffnung auf Freiheit, nur eine Hoffnung auf die Freiheit seiner Seele. Es ist fast beängstigend, wie Jonas Kaufmann sich mit dieser Rolle so tief verbunden hat, und erschütternd, wie er das Seelenleben dieses schwer traumatisierten Menschen vermittelt. 

Weitere Eindrücke von der Fidelio-Inszenierung aus Salzburg: 

Bei der ersten Begegnung mit Leonore und Rocco reagiert Florestan panisch, abgesehen von seinen Peinigern und dem Gefängnisaufseher, hat er vermutlich seit Jahren keinen Menschen mehr gesehen. Das Zusammentreffen löst eine erneute Panikattacke in dem Gefangenen aus, er ist nicht in der Lage, diese Situation richtig einzuschätzen; insbesondere, nachdem er kurz zuvor eine alptraumhafte Vision von seinem größten Feind und Peiniger Pizzaro und seiner eigenen Ermordung hatte. Als Leonore auf ihn zukommt, um ihm eine Flasche mit Wasser zu reichen, ist Florestan vollkommen überfordert. Er reagiert auf die Begegnung verschreckt und verängstigt wie ein scheues, gehetztes und verwundetes Tier. Er erkennt in diesem Moment nicht einmal seine eigene Frau. Während Florestan am Boden kauert, zappelt er unkontrolliert mit den Beinen hin und her und weiß nicht, was er tun soll. Schließlich greift er mühsam und äußerst vorsichtig nach der Flasche und bringt schließlich mit gehetzter Miene auf beiden Knien über den Boden krabbelnd sein kostbares Gut in Sicherheit, verbirgt die Flasche unter seinem geöffneten Hemd. Eine weitere Bewegung von Leonore lässt ihn so schnell wie möglich den Abstand noch mehr vergrößern, der ihm Sicherheit bieten soll. Während seine Frau mit Rocco spricht, tastet sich Florestan vorsichtig durch den Raum, er sieht etwas, das ihn beängstigt, schreckt zurück und im Zurücklaufen kippt er versehentlich mit dem Fuß die Flasche selbst um und verschüttet den Inhalt. Verzweifelt versucht er, unbeholfen mit den Händen das Wasser vom Boden aufzusammeln und zu trinken. Leonore kommt freudig auf ihn zu, um ihm ein Stück Brot zu reichen. Florestan reagiert angstvoll auf ein mögliches Entwenden des Wassers, wie er es vermutlich immer wieder erlebt hat. Das Gefühl zu dursten oder noch schlimmer zu verdursten ist zu präsent. Den Kopf gesenkt, den Oberkörper nach vorne gebeugt, die Hände schützend ausgestreckt. Einen Augenblick greift er nach dem Handgelenk seiner Frau und dankt ihr mit untertänigem Blick. Dann wird es zu viel, er ergreift die Flucht, begibt sich in seiner Hilflosigkeit freiwillig in das für ihn geschaufelte Grab. Leonore ist tief ergriffen, schockiert, als sie, noch inkognito, das erste Mal seit Jahren ihrem schon tot geglaubten Mann im Gefängnis begegnet. Die Folgen hatte sie in diesem Maße nicht erwartet. Sie hatte sich möglicherweise ebenfalls in ihre eigene Traumwelt von Liebe und Glück geflüchtet und auf eine wunderbare und strahlende Wiedervereinigung mit ihrem geliebten und so lange vermissten Mann gehofft. Aber der Mensch, den sie dort antrifft, ist so vollkommen anders als in ihrer Erinnerung; ein psychisches Wrack, auffällig in seinem Verhalten, ängstlich, verstört, gebrochen und schwer traumatisiert. Es war wirklich tief erschütternd, wie Jonas Kaufmann diese Momente, diese Situation vermittelte. Es war ausgesprochen schmerzlich, ihn so in seiner Rolle zu erleben. Tief hinab getaucht in die zerstörte und gequälte Seele von Florestan. 

Nachdem der arme Gefangene sich in sein Grab geflüchtet hat, taucht Pizzaro mit seinem Gefolge auf. Sein Plan und größter Wunsch ist es, Rache an dem Gefangenen zu nehmen und ihn für immer aus dem Weg zu schaffen. Als Pizzaros Leute ihn greifen, ist Florestan nicht in der Lage sich zu wehren. Ohne Gegenwehr lässt er sich packen und herausziehen. 

Dann erkennt er seinen Peiniger, Panik ergreift ihn, er versucht vor seinen Angreifern zu fliehen. In dem Augenblick gibt sich seine Frau zu erkennen. Leonore ist gekommen, ihren Mann zu befreien, zu beschützen. Heldenhaft stellt sie sich vor ihren Mann, der nicht begreift, was gerade geschieht. Parallel dazu gibt es auch eine optische Verwandlung von Leonore durch ihr zweites Ich, die Tänzerin und Gebärdendolmetscherin Nadia Kichler. 

Auch Rocco und Don Pizzaro sind von der Wendung überrascht worden und versuchen sich darauf einzustellen, insbesondere der Gouverneur, der seine Gelegenheit schwinden sieht, sich des lästigen und verhassten Gefangenen für immer zu entledigen. Florestan ist unterdessen auf die Knie gesunken, hat die Hände schützend auf die Ohren gepresst, hat den Kopf zwischen den Armen verborgen. So in sich zusammen gekauert, bewegt er sich, fast autistisch wirkend, erst langsam und dann immer schneller werdend vor und zurück. Es wirkt so, als hätte er sich in seine eigene Welt zurückgezogen und darin verschlossen, um sich vor der für ihn so bedrohlichen Außenwelt zu schützen. Als Leonore erleichtert auf den Geretteten zukommt, schreckt dieser auf aus seiner Welt, wieder Panik im Blick, und ergreift die Flucht. Leonore, die froh und glücklich ist, den tot geglaubten Mann befreit zu haben, will diese Freude mit ihm teilen. Für sie beide wird jetzt alles gut werden, sie haben einander wieder. Die Liebe wird das Erlebte leicht und erträglich machen, sie überdauert alle Zeit. Florestan versucht sich darauf einzulassen, doch es ist für ihn fast unmöglich; zu surreal ist für ihn der Gedanke von seiner plötzlichen Freiheit. Für ihn kommt sie zu spät. Auch die Nähe und jede Berührung sind für ihn fast unerträglich geworden. Er steht vor seinem Grab, in seinem Gesicht ist zu lesen, wie sehr er sich nach der unendlichen Ruhe sehnt. Es zieht ihn hinunter, hinein in die Dunkelheit. Nachdem er Leonore noch einmal begegnen durfte, ihr noch einmal in die Augen blicken konnte, sie berühren durfte, hält ihn nichts mehr in dieser Welt, in der es für ihn keine Zukunft gibt. Seine Frau fängt ihn auf, hält ihn fest in ihren Armen, drückt ihn fest an ihre Brust. Florestan ist hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen, seiner Sehnsucht nach Nähe und dem Drang sich zu entwinden. Es gelingt ihm Leonore ganz vorsichtig zu berühren. Sie will ihn fortziehen von diesem Ort des Schreckens, hinaus ins Licht, in die Freiheit. Florestan aber zieht es wieder zurück. Schmerz und Verzweiflung sind in seinem Gesicht abzulesen. Dann geht er einen Schritt auf seine Frau zu, drückt ihr einen sanften, flüchtigen Kuss auf die Lippen und entzieht sich ihr erneut. Eine Rückkehr in die Außenwelt ist für ihn nicht mehr möglich. Das zeigt sich vor allem am Ende dieser Inszenierung. Beim Duett „Oh namenlose Freude“ ist wohl der deutlichste Unterschied zwischen Darstellung, Spiel und Gesang für Jonas Kaufmann in dieser Inszenierung zu bewältigen. Diese kraftvolle, leuchtende Musik voller Hoffnung und die strahlende Stimme des Münchner Startenors stehen im starken Kontrast zu dem schwer traumatisierten Menschen mit seiner Todessehnsucht und dem Wunsch nach Erlösung, den er hier so eindringlich verkörpert. 

Im Schlussbild ändert sich dann plötzlich diese ganze düstere Stimmung. Alles wirkt so leicht und voller Frieden. Florestan geht vorsichtig einen Schritt auf Leonore zu. Alles scheint möglich zu sein. Als dann der Freudenchor ertönt, zuckt er voller Angst und Schmerzen zusammen, fällt auf die Knie, drückt sich ganz fest die Hände auf die Ohren, Panik, vor Angst geweitete Augen. Leonore versucht ihren Mann daraus zu befreien. Dieser verbirgt schützend sein Gesicht zwischen den Armen, den Oberkörper weit nach vorne gebeugt. Seine Frau schließt den in sich zusammen gesunkenen Mann fest in die Arme und wiegt ihn sanft wie ein Kind hin und her, beruhigend, und streicht ihm tröstend über sein Haar. Florestan hat sich wieder in seiner Welt eingeschlossen. Hier fühlt er sich sicher und geborgen. Eine Szene, die mich persönlich ganz besonders tief berührt hat. Der stumme Aufschrei einer gequälten Seele. Unglaublich bewegend und menschlich. Momente, die zu Tränen rühren. Der sympathische Ausnahmetenor zeigt sich ohne Angst von seiner sehr verletzlichen Seite. 

Leonore verlässt ihren Mann für einen kurzen Augenblick, um neue Kraft zu schöpfen. Als sie zu ihrem am Boden zusammengekauerten, einst so starken und mutigen Mann hinüber blickt, wird ihr plötzlich bewusst, dass es niemals wieder so sein wird wie früher. Der Schmerz dieser Erkenntnis ist deutlich in ihrem Gesicht abzulesen. Den Menschen, den sie einst liebte, bevor er in den Tiefen des Gefängnisses verschwand, gibt es nicht mehr, er ist dort schon vor Jahren gestorben. Wenn in der Schlussszene die Kulisse in ein seltsam erscheinendes, sphärisches Licht getaucht wird, gibt es einen kurzen wunderschönen Augenblick. Frieden, Glück und Geborgenheit scheinen den ganzen Raum zu erfüllen. Dieser Moment gehört ganz dem geretteten Paar. Und das erste Mal sieht man Florestan mit einem glücklichen, sanften Lächeln auf dem Gesicht. In diesem Augenblick scheint einfach alles möglich zu sein. Das gesegnete Paar wird vom Minister nach vorne geführt.

Großer Jubel, große Freude über das vermeintlich gute Ende; aber der Schlusschor ist nicht sichtbar, ein Omen? Florestan dankt seiner Retterin, seiner geliebten Frau, sinkt vor ihr nieder auf die Knie. Und dann ertönt erneut der Freudenchor, Florestan flieht panisch auf allen Vieren, rennt gehetzt und kopflos hin und her, hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Ohren zu, verbirgt nach vorne gebeugt den Kopf zwischen den Armen. Es hat sich nichts geändert in der kurzen Zeit. Das Trauma bleibt. 

Leonores geliebter Mann hat versucht, an den Gedanken von Freiheit zu glauben. Er hat sich bemüht, für seine Frau daran zu glauben und sich darauf einzulassen. Keine Chance. Im letzten Moment geht der Gerettete noch einmal auf seine Leonore zu, ein Lächeln, ein kleiner hoffnungsvoller Augenblick. Zu spät. Vor den entsetzten Augen seiner Frau bricht Florestan, die Augen gen Himmel gerichtet, völlig entkräftet tot zusammen. Zu schwer waren die körperlichen, psychischen und seelischen Folgen seiner erlittenen Qualen. Alle anderen Menschen bleiben zurück, müssen begreifen, dass die Hoffnung auf Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit nur ein unerfüllter Traum bleibt. 

Und so ist es auch heute und ich schlage nun den Bogen zurück zur Gegenwart; auch heute sind leider genau diese Werte immer noch in vielen Ländern der Erde eine Utopie. Und die Menschen, die zurückkehren, sind wie Florestan schwer traumatisiert und für immer gezeichnet von dem Erlebten. Genau wie auch ihre Familienangehörigen und Freunde. Ein normales Leben wie vorher kann es nicht mehr geben. Zu schwer ist das Trauma der Gefangenschaft. Freiheit, Gleichheit, Frieden und Gerechtigkeit gehören auch heute noch immer nicht zum Alltag auf dieser Welt. 

Und so ist auch Beethovens einzige Oper keine romantische Geschichte mit Happy End. Zurück bleibt eine merkwürdige Stimmung, eine Mischung aus den unterschiedlichsten Gefühlen und einer tiefen Ergriffenheit in der Seele. 

So wünsche ich nun allen Menschen, die sich diese intensive und bewegende Inszenierung von Claus Guth noch einmal oder zum ersten Mal anschauen, viel Freude und einige wunderbare musikalische Stunden in der Welt der Oper. 

Diese Gedanken zum Fidelio sind natürlich meine ganz persönlichen, aber ich hoffe, ich spreche dem einen oder anderen damit aus dem Herzen. 

Danke fürs Zuhören und bis ganz bald hier auf meinem Blog oder persönlich beim nächsten Opern-Highlight in München, Wien, London oder wo auch immer auf der Welt. 


Links für den DVD-Erwerb: amazon.de,  jpc.de,  ludwigbeck.de

Videos auf youtube: www.youtube.com/watch?v=Pg4xzeNdhjs,  www.youtube.com/watch?v=QZYOCJKI1i8,  www.youtube.com/watch?v=5pmQiW6KNlU


Fernsehtipps für Juli − August 2016

Hamburg, 10.07.2016

Sonntag, 10. Juli 2016 / ARD-alpha / 20:15 Uhr

Eine Reise durch die Welt der Oper

Münchner Herkulessaal 2016, Jubiläumskonzert 

BR-Chor (M. Jansons) 


Freitag, 15. Juli 2016 / ZDF / 22:30 Uhr

Die Nacht der Klassik aus Paris, Konzertaufzeichnung 2016

Gatti; Florez, Garifulina, Petibon, Abdrazakov


Samstag, 16. Juli 2016

Wozzeck

Oper Frankfurt 2016

Weigle, Loy; Iversen, Mahnke, Wolfsteiner, Bronder


Sonntag, 17. Juli 2016 / BR / 20:15 Uhr 

Klassik am Odeonsplatz − Opernfestspiele München 2016

Harding; Dasch, Kulmann, Staples, Finley


Sonntag, 24. Juli 2016 / WDR / 9:55 Uhr

Operngala für die deutsche Aids-Stiftung − Bonn 2016

Blunier; Kermes, Prudenskaya, Johannsen, Salsi, Novikova


Sonntag, 24. Juli 2016 / WDR / 10:55 Uhr

Der Meistersinger

Ein Film über den Tenor Klaus Florian Vogt


Sonntag, 24. Juli 2016 / Arte / 22:00 Uhr

Klassik-Gala aus Baden-Baden

Konzert aus dem Festspielhaus 2016

Armiliato; Kaufmann, Harteros, Terfel, Garanca


Samstag, 30. Juli 2016 / 3SAT / 20:15 Uhr

Parsifal

Bayreuther Festspiele 2016 

Nelsons; Laufenberg, Vogt, Pankratova, Grochowski, Zeppenfeld


Montag, 1. August 2016 / Arte / 2:15 Uhr

Saul

Glyndebourne Opera Festival 2015

Bolton, Kosky; Purves, Davies, Crowe, Hulett


Samstag, 13. August 2016 / 3SAT / 20:15 Uhr

Gala aus dem Festspielhaus Baden-Baden

Konzertaufzeichnung 2016

Armiliato; Kaufmann, Harteros, Terfel, Garanca


Sonntag, 14. August 2016 / 3SAT / 11:35 Uhr

Kuss der Tosca

Film über das von Giuseppe Verdi gegründete Künstleraltersheim „Casa Verdi“ in Mailand 


Sonntag, 27. August 2016 / 3SAT / 20:15 Uhr

Faust

Salzburger Festspiele 2016

Perez, von der Thannen; Beczala, Agresta, Abdrazakov, Erraught


Das sind natürlich nur einige der zahlreichen TV-Tipps für die Monate Juli und August und meine ganz persönliche Auswahl. Ich hoffe, ich habe die ein oder andere Anregung geben können und wünsche allen mit der ausgewählten Sendung einen wunderschönen musikalischen Abend. 


Lieblingslesestoff aus der Welt der Oper

Hamburg, 07.07.2016

Meine Leseempfehlung dieses Monats lautet auch jetzt wieder, unbedingt die zwei Magazine Opernglas und Oper! Das Magazin zu kaufen. 

Es gibt viel zu entdecken, die Kritiken zu den aktuellen Produktionen an den Opernhäusern, interessante Artikel und lesenswerte Interviews mit den Stars der Opernwelt. Dazu ergänzend schöne und sehenswerte Fotostrecken mit den Publikumslieblingen und Informationen über das, was uns insbesondere in der Saison 2016/17 an den Bühnen in Europa und der Welt erwartet. 

Hier sind die zwei entsprechenden Links zu den Websites der zwei Magazine: opernglas.de und oper-magazin.de.

Ich wünsche allen viel Spaß beim Stöbern und Nachlesen, es lohnt sich! 


Die TOSCA an der Bayerischen Staatsoper am 25.6.2016

Hamburg, 30.06.2016

Am 25. Juni 2016 um 19 Uhr war es endlich soweit; der Vorhang zu der diesjährigen Eröffnungsvorstellung der Münchner Opernfestspiele hob sich und gab den Blick auf die Bühne frei. Der Abend war auch aus anderen Gründen ein ganz besonderer; das erste Mal stand eines der Traumpaare der Opernszene gemeinsam in der Tosca auf der Bühne. Jonas Kaufmann, Münchner Startenor und der zur Zeit vermutlich beste und vielseitigste Tenor der Welt, und Anja Harteros, die zur Zeit wohl beste Verdi-Sopranistin, vereinten ihr Können, ihre atemberaubenden Stimmen und ihre intensive Darstellungskraft auf der Bühne miteinander. Nie zuvor hatten die beiden wunderbaren Opernsänger in der Tosca zusammen gesungen. Anders als beim dritten Star in der Runde, dem Waliser Bass-Bariton Bryn Terfel. Er hatte ja gerade erst mit Jonas Kaufmann in den zwei Vorstellungen an der Wiener Staatsoper am 9. und 16. April wieder einmal seine Stimmgewalt und unglaubliche Bühnenpräsenz zur Schau gestellt. Diese drei Sänger der Extraklasse jetzt alle gemeinsam und auch noch bei der Münchener Inszenierung von Luc Bondy zu erleben, war schon etwas ganz Besonderes und wird in dieser Kombination nicht so schnell wieder zu erleben sein.

Gekrönt wurde das herrausragende Sängerensemble noch vom Dirigat des Generalmusikdirektors Kirill Petrenko. Das muss man als Zuhörer schon erst einmal, natürlich im positiven Sinne, verarbeiten. Es konnte also nur ein hochkarätiger und sehr emotionaler Abend mit Puccini, Harteros, Kaufmann, Terfel und Petrenko werden. Und genauso war es auch. 

Bevor ich nun zu meinem eigentlichen Erlebnisbericht komme, schnell noch ein paar Informationen zum Inhalt der Tosca, auch wenn sie die meisten begeisterten Opernfans ganz sicher kennen, und zur wunderbaren Inszenierung von Luc Bondy. Meine Gedanken zur Tosca und ihrem Schöpfer Giacchomo Puccini sind im Archiv dieses Blogs zu finden, Stichwort: Tosca Wien 2016. So setzte ich an diese Stelle noch einmal den Link zum Opera Guide und zur Website der Bayrischen Staatsoper

Bryn Terfel und Jonas Kaufmann habe ich schon ausführlicher im Zuge der Wiener Tosca vorgestellt. Anja Harteros möchte ich mich dann im Zuge von Verdis Maskenball gesondert widmen. Das hängt leider etwas davon ab, ob ich spontan noch ein Ticket für eine der zwei Vorstellungen Ende Juli bekomme. 

Wer einen Eindruck von der Inszenierung gewinnen will, der werfe auf jeden Fall einen Blick in die Mediathek auf der Seite der Bayerischen Staatsoper. Auch auf Youtube gibt es sicher noch einige Ausschnitte z.B. von der Übertragung im TV zu sehen. So werde ich nicht immer ganz ins Detail gehen, obwohl sich seit der letzten Vorstellung einiges geändert hat. Das hat sicher auch seine Berechtigung; kleine Veränderungen halten auch lange bestehende Regiekonzepte frisch und lebendig, die Sänger auf der Bühne können kleine persönliche Nuancen mit einbringen und gerade wenn sich auch noch die Besetzung ändert, dann macht das ganz besonders viel Sinn. Ich finde es gerade besonders schön und spannend, diese kleinen Feinheiten zu entdecken und zu beobachten, wie sich manche Blickwinkel ändern und eine neue Gestaltung gewinnen. 

Auf der offiziellen Facebookseite der Bayerischen Staatsoper gibt es noch ein Foto vom Abend des 25. Juni zu sehen. Die drei Hauptdarsteller und der Dirigent beim Schlussapplaus nach der ersten Tosca.

Fotos © W. Hösl

Nun aber zu den Eindrücken des gestrigen Abends. Die ersten beiden szenischen Auftritte hatten wie immer in der Tosca, so schreibt es die Geschichte vor, der verfolgte Cesare Angelotti und gleich im Anschluss der fromme und eifernde Mesner der Kathedrale San Andrea ohne Namen. An diesem Abend übernommen von den beiden Ensemblemitgliedern Goran Jurić und Christoph Stephinger. 

Und dann betrat der erste der drei Opernstars dieses Abends die Bühne. Jonas Kaufmann als Maler, Adliger, Revolutionär und Geliebter Floria Toscas hatte seinen ersten Auftritt an diesem Abend. Mit deutlich frisch gestutztem Lockenkopf und fast glatt rasiert, betrat der Münchner Publikumsliebling die Bühne und hatte sofort den Zuschauerraum für sich gewonnen. Schon die erste Arie Recondita armonia war ein musikalischer Hörgenuss, der sympathische Sänger, der seine Heimat zur Zeit sehr regelmäßig und großzügig mit seiner Anwesenheit beehrt, war definitiv großartig bei Stimme. Die Töne, die er seiner begnadeten Kehle entlockte, waren kraftvoll, klar und ausdrucksstark. Und genauso ausdrucksstark und voller Leidenschaft war auch die Darstellung auf der Bühne, die ihn immer wieder zu einer Ausnahmeerscheinung in der Opernszene macht. Aber das war ja erst der Einstieg, die weiteren Höhepunkte sollten in kurzen Abständen hintereinander folgen. 

Als nächstes hatte Kammersängerin Anja Harteros ihren ersten Auftritt; sie gehört sicher nicht nur für mich zur Zeit zu den besten Verdi-Sopranistinnen der Welt. Aber auch Strauss, Wagner und seit zwei Jahren Puccini gehören zu ihrem Repertoire. Ich kann nur sagen, dass mich keine Stimme von jetzt auf gleich so tief in meiner Seele berührt wie die von Anja Harteros. Sie hat etwas Magisches in ihrer Stimme, das die Zuhörer auf direktem Wege ins Herz trifft und nie wieder los lässt. So war es auch an diesem Abend des 25. Juni 2016. Sofort als sie die Bühne des Nationaltheaters betrat und die ersten Töne ihrem Mund entströmten, hingen die Menschen im Zuschauerrraum gebannt an ihren Lippen. Niemand kann sich dem Zauber ihrer Stimme entziehen. Und nun standen diese beiden außergewöhnlichen Künstler, die als Traumpaar der Opernwelt gelten, gemeinsam in München in der Tosca auf der Bühne. Damit ging nicht nur für mich persönlich ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung. Das tiefe Vertrauen und die Freundschaft, die beide Sänger verbindet, ist auch an diesem Abend jederzeit zu spüren. Und das kreiert eine ganz besondere Atmosphäre. Während Anja Harteros im ersten Akt einfach traumhaft schön die zugleich eifersüchtige, temperamentvolle und zutiefst liebende Sängerin und Diva glaubhaft verkörpert, gab Jonas Kaufmann den äußerst charmanten und wortgewandten italienischen Künstler und Lebemann, der seine Floria zwar liebt und verehrt, sie aber auch gerne ein wenig aufzieht mit ihrer Eifersucht. Die Spielfreude nicht nur zwischen diesen beiden Sängern war in jedem Moment des Abends präsent. Und als die beiden Opernstars das erste Mal gemeinsam ihre Stimmen erhoben, konnte man sie fühlen, die Magie des Augenblicks.

Nachdem Mario Cavaradossi seine Tosca endlich dazu bewegen konnte, die Kirche zu verlassen und letztendlich mit dem gesuchten Angelotti geflohen ist, folgte der Auftritt und Einstand des dritten Starsolisten dieser Vorstellung: der Waliser Bass-Bariton Bryn Terfel betrat in seiner Rolle als Polizeichef Baron Scarpia die Bühne des Nationaltheaters. Was für eine Bühnenpräsenz und was für eine Stimmgewalt. Es gibt, finde ich, zur Zeit drei Sänger, die in dieser Rolle so präsent sind und sie bis ins Detail authentisch verkörpern, eben Bryn Terfel, dann Thomas Hampson und Dimitri H. Am Abend des 25. Juni war es also der im wahren Leben sehr sympathische und charmante Sänger aus Wales, der uns in seinen Bann zog.

Wie seine Sängerkollegen Jonas Kaufmann und Anja Harteros gestaltete der Bass-Bariton seine Rolle intensiv und authentisch und lebte seine Figur auf der Bühne aus, dass einem die Schauer über den Rücken liefen. Sein Baron Scarpia ist vom ersten Moment an sadistisch, brutal und verschlagen. Dieser Mann geht über Leichen, besonders gerne über die seiner Feinde und über die aller, die seinen Machenschaften und Plänen im Wege stehen. Dazu gehört auch der geflohene Konsul der Stadt Rom und ganz besonders Mario Cavaradossi, Geliebter der Frau, die er mit aller Macht und Gier besitzen will. Mit einer perfiden Intrige gelingt es ihm zunächst, Toscas Eifersucht zu wecken und er gibt außerdem den Befehl, Jagd zu machen auf seine zwei größten Rivalen in Sachen Macht und Liebe. Einer der Höhepunkte im ersten Akt war unbestritten Scarpias Arie „Va Tosca“, in der der Polizeichef seinem ganzen Begehren nach der Sängerin Ausdruck verleiht und dem Wunsch, sie alleine zu besitzen und zu unterwerfen und ihren Geliebten tot zu wissen. „Ihn am Galgen, sie in meinen Armen…“ Einfach großartig widerlich und erschreckend glaubwürdig von Bryn Terfel dargebracht. Gänsehaut pur. 

Während der erste Akt noch recht sanft und mit Leichtigkeit versehen ist, kann der zweite Akt von Puccinis Meisterwerk an Dramatik kaum überboten werden, ein Thriller auf allerhöchstem Niveau. Und als ob das nicht genug wäre, vereinen sich die drei Traumsolisten dieses Abends und entfachen ein Feuer der Leidenschaft und vermitteln eine Spielfreude auf der Bühne, der sich niemand im Publikum entziehen kann. Während der brutale Polizeichef weiterhin seine perfide Intrige spinnt und sich am Leid und der Angst der anderen ergötzt, versucht Cavaradossi, so gut es geht seinen Freund zu schützen und die Sache, an die er so fest glaubt. Dieses ungleiche Wortgefecht zwischen den beiden Männern vermittelten die zwei männlichen Hauptdarsteller des Abends intensiv und fesselnd. Bryn Terfel, der eine Freude hatte, als Scarpia seinen verhassten Gegner massiv unter Druck zu setzen und dabei allzeit die Oberhand zu behalten. Wie eine Raubkatze, die zum Sprung ansetzt, schlich er mit einem extrem fiesen Lächeln im Gesicht um seinen Widersacher herum. Jonas Kaufmann als Cavaradossi hin- und hergerissen zwischen Kampfgeist und der schlimmen Ahnung, was ihm geschehen wird, wenn er nicht kooperiert, spiegelte diesen inneren Konflikt eindrucksvoll in Gestik, Mimik und Stimme wieder. Stark und zerbrechlich gleichzeitig wirkt der Münchner in diesem Augenblick. Nach der kurzen Begegnung mit seiner Geliebten und dem Betreten der Folterkammer, ist er gezwungen, sie mit dem sadistischen Polizeichef alleine zu lassen. Scarpia beginnt Tosca verbal zu quälen, versucht sie zu brechen und ein Geständnis zu erzwingen. Während immer wieder erschreckend echt wirkende Schmerzensschreie des Malers durch Jonas Kaufmann zu hören sind, kommt es zum nächsten ungleichen Kampf zwischen der Sängerin und ihrem schlimmsten Feind. Anja Harteros kämpft nun als Floria Tosca mit dem Mut der Verzweiflung darum, das Versprechen ihrem Geliebten gegenüber einzuhalten und seinen Freund und die Sache nicht zu verraten. Immer wieder muss sie die gequälten Schreie ihres Mario hören, der in der Folterkammer schlimmsten Schmerz erleiden muss. Irgendwann bricht sie vor der Tür der Folterkammer zusammen, fleht und bettelt darum, Antwort geben zu dürfen, was ihr Geliebter ihr untersagt. Erst als ein markerschütternder Schrei des Malers den Raum durchdringt, bricht sie ein und verrät das Versteck des Geflohenen. Scarpia triumphiert über diesen weiteren Sieg und lässt auf Flehen von Tosca den schwer verwundeten Cavaradossi hereinbringen. Erschüttert, ihre große Liebe so zu sehen, sinkt sie auf die Knie und schließt ihn fest in ihre Arme. Mit erschöpfter Stimme erkundigt sich der Maler, ob seine Floria standhaft war und muss kurz darauf erfahren, dass sie nicht durchgehalten hat. Mit einem Ausdruck von Entsetzen, Verzweiflung und Schmerz reißt Cavaradossi sich von seiner Geliebten los, taumelt, fällt auf die Knie, schlägt die Hände vor das Gesicht, um dann schließlich nach der Nachricht vom Sieg der Truppen Napoleons mit letzter Kraft mühsam taumelnd aufzustehen und sein triumphales „Vittoria, Vittoria“ erschallen zu lassen und Scarpia all seinen Hass und seine Verachtung entgegenzuschleudern. Die entsetzte Tosca muss verzweifelt zusehen, wie ihr Mario brutal abgeführt wird von Scarpias Männern. Alleine diese wenigen Minuten hatten es an Dramatik nur so in sich und fesselten die Zuhörer in ihre Sitze. Und kaum einer vermag gerade Gefühle wie Schmerz, Entsetzen und Verzweiflung so unmittelbar, intensiv und direkt zu transportieren wie der gebürtige Münchner. Allein durch Gestik und vor allem Mimik gelingt es ihm, ohne eine Spur der Übertreibung die emotionalen Achterbahnen seiner Charaktere authentisch zu vermitteln. Wenn sich beides noch mit seiner außergewöhnlichen und ausdrucksstarken Stimme verbindet, ist es einfach überwältigend, das zu erleben. 

Nach dem Abgang des Malers bleibt Floria alleine mit dem sadistischen Scheusal zurück und es beginnt der letzte Kampf zwischen den beiden ungleichen Menschen. Anja Harteros und Bryn Terfel lieferten sich im letzten Aufzug des zweiten Aktes ein Finale, das an Dramatik den Höhepunkt lieferte. Floria versuchte alles, um ihre große Liebe vor dem Tod zu bewahren, und Scarpia alles, um seine Gier nach dieser Frau endlich zu befriedigen und sich selbstverständlich auf besonders miese Art und Weise seines Rivalen zu entledigen. Brutal, widerlich und hinterhältig der Polizeichef und verzweifelt, mutig und bezaubernd schön die Sängerin und Diva, die hier gar nicht divenhaft erschien. Und trotzdem ist diese wunderbare Künstlerin zur Zeit für mich die herausragende Darstellerin der Tosca. Auch stimmlich liegt ihr diese Partie so perfekt. Sie kann all ihr Können zum Ausdruck bringen; ihre Zartheit und Intimität, die die Menschen so tief berührt und zu Tränen rührt, die Strahlkraft ihrer Stimme, die alles zum Leuchten bringt und die Welt um sich herum einfach verzaubert. Mein ganz persönlicher Höhepunkt in diesem zweiten Akt war ganz sicher das „Vissi d'arte“, das ich so schön und zart noch niemals gehört habe. Es war, als wäre die Welt zum Stillstand gekommen, als diese wunderbare Künstlerin ihre Stimme erhob, ein magischer Augenblick. Es war so ruhig im ganzen Zuschauerraum, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Im Anschluss gab es den einzigen Zwischenapplaus des Abends und das absolut zu recht. Bryn Terfel durfte im Gegenzug noch einmal die ganze Bösartigkeit seiner Figur ausleben und tat dies mit einer Ausdruckskraft in Darstellung und Stimme, dass man das Gefühl hatte, ein Orkan würde über die Bühne fegen. Bei dem ein oder anderen Besucher bestand eventuell der Wunsch, auf die Bühne zu stürmen und die Diva von dem Scheusal zu befreien. Das erledigt dann aber bekanntermaßen Tosca selbst. „Stirb,Verdammter! Stirb! Stirb! Er ist tot... Nun vergebe ich ihm!“ So steht sie über Scarpia, beugt sich zu ihm hinunter, nachdem sie seine Schreckensherrschaft beendet hat. So endet der zweite, höchst dramatische Akt von Puccinis Meisterwerk.

Nach einer kleinen Umbaupause folgte der dritte und wohl emotionalste Akt der Tosca. Zu Beginn ist wunderbar zart und so traurig das Lied des Hirten zu hören, das den Zuhörer vorbereitet auf den unabwendbaren und tragischen Ausgang dieser Geschichte. Wenig später wird schwer gezeichnet Cavaradossi von den Soldaten hereingeführt, bittet um den letzten Gefallen, seiner großen Liebe noch ein paar Zeilen des Abschieds schreiben zu dürfen, und kniet nieder, um kurze Zeit später, überwältigt vom Schmerz und den Erinnerungen, abzubrechen und in Gedanken seiner geliebten Tosca Lebewohl zu sagen und verzweifelt zu begreifen, dass all sein Glück verloren ist und er sterben wird, ohne seine große Liebe noch einmal wiederzusehen. „E lucevan le stelle“ – und es leuchten die Sterne... Eine der traurigsten und schönsten Arien, gesungen von Jonas Kaufmann. Unglaublich zart und zerbrechlich und erfüllt von purer Verzweiflung und dem unbändigen Wunsch nach Leben, so erlebte man den Tenor auf der Bühne. Und dann noch die “Dolci baci“; zwei kleine Worte, die für einen Moment die Welt anhalten und für die es sich – so gesungen – lohnt, tausend km weit zu fahren. Keiner vermag zur Zeit das Seelenleben seiner Figuren so intensiv und authentisch zu vermitteln wie der Münchner Opernstar, so auch in der Rolle des zum Tode verurteilten Malers. Man spürt seinen Schmerz, seine Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit in den letzten Stunden seines Lebens in jeder Sekunde. Seine Stimme und seine darstellerische Ausdruckskraft berühren auf direktem Wege und ungefiltert die Herzen seiner Zuhörer. 

Das Gleiche kann man auch bei der wunderbaren Anja Harteros anführen. Ich habe weiter oben schon geschrieben über die Magie ihrer Stimme und den unglaublichen Sog, mit dem sie ihre Zuhörer in die Geschichte hineinzieht, sie die Gefühle ihrer Figuren spüren lässt und so einen unmittelbaren Weg in die Herzen der Menschen findet. Im bewegenden letzten Aufzug von Puccinis Oper vereinen sich noch einmal die Stimmen dieser beiden Ausnahmekünstler und nehmen uns mit auf den letzten Teil einer emotionalen Reise an diesem Abend. 

Als Floria Tosca hereinstürmt, um ihrem Mario überglücklich von dem Passierschein zu berichten und der Möglichkeit, miteinander irgendwo ein gemeinsames Leben zu beginnen, findet sie ihn verzweifelt und weinend in sich zusammengesunken am Boden vor. Eine wirklich ergreifende Szene, die das fortsetzt, was die Sternenarie beendet hatte. Wenn nachfolgend Tosca von ihrer Tat berichtet, um sich und ihren Geliebten zu retten, und beide von einer wunderschönen und gemeinsamen Zukunft träumen, dann dürfte das niemanden kalt lassen. Besonders nicht, wenn Anja Harteros und Jonas Kaufmann zusammen auf der Bühne stehen. Ein Traumpaar der Opernszene nicht nur in diesem Werk von Puccini. Beide strahlen etwas so Vertrautes und Harmonisches aus, eine Einheit der Stimmen und der Seelen. Am Ende wird alle Hoffnung der Liebenden zerstört; Cavaradossi stirbt im Kugelhagel und Tosca stürzt sich mit den Worten „Oh Scarpia, avanti a dio“, „Oh Scarpia, vor Gottes Thron“ von der Engelsburg in den Tod. 

Das Licht erlöscht, der Vorhang fällt und der Applaus brandet auf. Als der Vorhang sich wieder hob und den Blick auf das Liebespaar der Tosca vom Abend freigab, gab es kein Halten mehr. Die Begeisterungstürme des Publikums waren gewaltig. Bravo-Bravo-Rufe, Standing Ovations und lautes Klatschen fluteten den Hauptdarstellern entgegen. Selbstverständlich galt das nicht nur Anja Harteros und Jonas Kaufmann, sondern auch dem wunderbaren und großartigen Bass-Bariton Bryn Terfel, der den Menschen im Saal wieder einmal seine stimmlichen und darstellerischen Qualitäten präsentieren konnte und als einer der herrausragenden Sänger seines Stimmfachs gilt. Auch das restliche Ensemble erntete seinen verdienten Applaus. Nur einem Menschen an diesem Abend war der Jubel und der anschließende Auftritt auf der Bühne fast unangenehm, Maestro Kirill Petrenko, der als Generalmusikdirektor an diesem Abend die musikalische Leitung inne hatte. Ich habe wirklich noch niemanden erlebt, der ein solches Musikgenie ist und sich dabei so unglaublich bescheiden und zurückhaltend zeigt. Vor ihm kann sich die Musikwelt einfach nur verneigen, er ist einer der ganz großen Dirigenten unserer Zeit. Ich fühle mich jedes Mal geehrt, wenn ich das Glück habe, ihn am Dirigentenpult zu erleben. 

Also sage ich nun danke allen Beteiligten dieser wunderschönen Tosca-Vorstellung, den großartigen Solisten, dem gesamten Ensemble und dem Orchester der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung ihres GMD. 

Am Abend des 25. Juni ging nun ein sehnlich gewünschter Traum in Erfüllung; Jonas Kaufmann und Anja Harteros gemeinsam in der Inszenierung von Luc Bondy mit dem Dirigat von Kirill Petrenko. Das Mitwirken von Bryn Terfel perfektioniert dieses Erlebnis noch auf unbeschreibliche Art und Weise. 

Ich werde diesen Abend im Münchner Nationaltheater niemals mehr vergessen. 


Die Eröffnung der Münchner Opernfestspiele am 25.06.2016

Hamburg, 26.06.2016

Es ist schon eine ganz besondere Stimmung wenn die Münchner Opernfestspiele am Abend mit der ersten Vorstellung eröffnen. 

Eine wirklich schöne und festliche Atmosphäre macht sich breit; so auch an dem Abend des 25. Juni 2016. Alles duftete wunderbar, die Eingangshalle war mit frischen Blumen geschmückt, die Teppiche blütenrein und die Holzböden waren allesamt frisch gebohnert. Gestern Nachmittag sind wir bei der Führung noch barfuß oder in Socken durch den Ionischen Saal und den Königssaal gelaufen, um keinen Schmutz zu hinterlassen und die gerade geleistete Reinigungsarbeit wieder zunichte zu machen. Die Sache mit dem roten Teppich, der zur Feier des Tages auf den Stufen des Nationaltheaters ausgelegt war, hatte einen kleinen Haken; kurz vor dem Einlass hatte es leider angefangen zu regnen, so dass jeder (insbesondere die Damen), der sich für diesen Abend hübsch zurecht gemacht hatte, zusah, schnell einen trockenen Platz unter dem Dach des Nationaltheaters zu finden.

Um 18 Uhr war dann endlich Einlass und die Glücklichen, die mit einer Eintrittskarte für diesen Abend gesegnet waren, durften endlich den Innenraum der Oper betreten. Festlich gewandet, strömten die Besucher der diesjährigen Eröffnungsvorstellung ein und verteilten sich in den verschiedenen Bereichen des Opernhauses. Für die gestrige erste Vorstellung der Tosca in absoluter Starbesetzung gab es, wenig überraschend, kein Ticket mehr zu ergattern; es sei denn, man hatte das große Glück, direkt vor der Oper noch jemanden anzutreffen, der eine Eintrittskarte zu vergeben hatte. Während man noch auf den Abend anstieß, sich ein Programm kaufte (die Fotos sind genau wie im Max Joseph der Festspiele immer noch die von der Premiere aus dem Jahr 2010), seine Garderobe abgab, Freunde traf oder einfach etwas in den Räumen des Nationaltheaters wandelte, warteten alle gespannt auf den Beginn der Vorstellung und einen wunderbaren Opernabend mit einer der schönsten Opern der Welt. Als um 19:00 endlich die Lichter im Zuschauerraum erlöschten, GMD Kirill Petrenko sein Pult im Orchestergraben betrat, die ersten Klänge ertönten und der Vorhang sich hob, war im ganzen Saal kein einziger Platz mehr frei. 

Über diesen grandiosen Opernabend, an dem für mich ein großer Wunsch in Erfüllung ging, nämlich Jonas Kaufmann und Anja Harteros gemeinsam in der (Münchner) Tosca auf der Bühne zu erleben, werde ich gesondert berichten.

Die Opernfestspiele 2016 in München

Hamburg, 25.06.2016

Nun ist es wieder soweit: Am 25. Juni eröffnen die diesjährigen Opernfestspiele in München mit der ersten Opernvorstellung, die gleich ein Highlight ist, besonders was die Besetzung angeht. Es wird zu sehen sein die Tosca in der wunderbaren Inszenierung ihres leider viel zu früh verstorbenen Schöpfers Luc Bondy. 

In den drei Hauptpartien ist ein Solistenteam der Extraklasse zu erleben, das sicher auch der Grund dafür ist, dass es für keine der drei Vorstellungen mehr Karten zu kaufen gibt; Jonas Kaufmann als Maler Cavaradossi, Anja Harteros als seine Geliebte und Muse Floria Tosca und Bryn Terfel als despotischer und sadistischer Polizeichef Baron Scarpia. Die drei Künstler werden am 25.6., 28.6. und 1.7. ihre atemberaubenden Stimmen erklingen lassen und durch ihre Bühnenpräsenz und die intensive Darstellung die Opernbesucher in ihren Bann ziehen. 

Das ist aber nur der Auftakt zu einer Reihe von wunderbaren Vorstellungen und Konzerten und ihren großartigen Interpreten. Gleich am nächsten Tag folgt z.B. die erste Festspielpremiere, die auch live im Staatsopern TV übertragen wird. La Juive kommt zur Aufführung, leider ohne die geplante lettische Sopranistin Kristine Opolais. Besonders eine junge, bezaubernde Studentin aus Graz ist darüber sehr traurig. Trotzdem bin ich sicher: es wird ein sehr emotional berührender und musikalisch hochkarätiger Abend werden. Ich persönlich werde diese Premiere am 26.6. „nur“ im Internet mitverfolgen können. 

Auf der Probe von La Juive

La Juive - Stückinfo

Die zweite Festspielpremiere findet am 24.7. im Prinzregententheater statt: Les Indes Galantes von Jean Phillipe Rameau. Als Phani/Fatime wird die wunderbare junge Sopranistin Anna Prohaska zu hören und zu erleben sein. 

Aber es gibt noch so viele weitere musikalische Leckerbissen zu hören und zu sehen mit vielen Superstars der Opernszene und großartigen Nachwuchstalenten, die sich in München die Klinke in die Hand geben.

Das Programm umfasst insgesamt 37 Opern- und Ballettabende, vier hochkarätig besetzte Liederabende (Dorothea Röschmann, Diana Damrau, Christian Gerhaher, Rene Pape), und einen mit großer Freude erwarteten Gala-Abend mit Jonas Kaufmann und Ludovic Tezier, in der die beiden wunderbaren Sänger Arien und Duette u.a. von Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini und Georges Bizet zum Besten geben werden. Zusätzlich werden noch diverse Festspielkammer-Konzerte an verschiedenen Orten in München zur Aufführung kommen. Es wird natürlich auch wieder die Möglichkeit geben, an der Oper für Alle kostenfrei teilzunehmen, die am 31.7. mit den Meistersingern von Nürnberg die diesjährigen Festspiele abschließt. Ein weiterer Tipp ist das ebenfalls kostenlos zu besuchende Festspielkonzert am 9.7., das genau wie die Oper für Alle am 31.7. auf dem Max-Joseph-Platz, also direkt gegenüber dem Münchner Nationaltheater stattfindet. Der tschechische Startenor Pavol Breslik singt zusammen mit dem Bayerischen Staatsorchester unter der Leitung von Constantinos Carydis italienische Arien und Canzoni. 

Schon einen Abend vor dem offiziellen Beginn der Festspiele gibt es bei der seit bereits 15 Jahren bestehenden UniCredit Festspiel-Nacht Gelegenheit, sich auf fünf Wochen Oper und klassische Musik auf höchstem Niveau entspannt einzustimmen. Die UniCredit Festspiel-Nacht bietet auf verschiedenen Bühnen Höhepunkte aus Oper, Konzert, Tanz, Lied und Literatur. Die Veranstaltungen finden in den fünf Höfen und der Altstadtfiliale der Hypovereinsbank statt. Zusätzlich wird es auch Aufführungen auf einer Open-Air-Bühne geben. Ein wunderbarer Auftakt in hoffentlich warme und sommerliche Festspielwochen in Bayerns Hauptstadt. Auf jeden Fall sollte für jeden Opern- und Klassik-Liebhaber mehr als eine Veranstaltung dabei sein. 

So wünsche ich jetzt allen Besuchern, den ganzen wunderbaren Künstlern und dem gesamten Veranstaltungsteam eine wunderbare, genussvolle, friedliche und erfolgreiche Festspielzeit. 

Hier noch einmal der Link zur offiziellen Website der Bayerischen Staatsoper mit allen notwendigen Informationen, um auch ja nichts Wichtiges zu versäumen. 

Mit den herzlichsten Grüßen, Hannah 


Eine bezaubernde Neuigkeit aus München von der Bayerischen Staatsoper und den Meistersingern 2016

Hamburg, 25.06.2016

Gestern habe ich gleich von zwei Freundinnen erfahren, Andrea aus München und Andrea aus Graz, dass es eine wunderbare kleine Überraschung anlässlich der neuen Meistersinger-Inszenierung an der Bayrischen Staatsoper gibt: Ab Mitte Juli ist in limitierter Auflage der erste inoffizielle Fanartikel von Startenor Jonas Kaufmann zu erwerben. So könnte man es mit einem Augenzwinkern ausdrücken. Es handelt sich um das T-Shirt, das Jonas Kaufmann bei der aktuellen Neuproduktion der Meistersinger in München als junger, rebellischer Ritter Walther von Stolzing trägt, das T-Shirt mit der Zielscheibe vorne drauf. Im entsprechenden Link zum Artikel ist Näheres nachzulesen, er enthält u.a. auch die Information, wo genau dieses heißbegehrte Objekt zu erwerben ist. 

Im Artikel ist auch ein Foto mit dem sympathischen Sänger und seinem T-Shirt zu sehen, falls sich der ein oder andere gerade nicht genau an das Design erinnern kann. Es könnte also ein ziemlicher Spaß werden, wenn die halbe Jonas-Kaufmann-Fangemeinde nach der nächsten Vorstellung, entweder am 28. oder 31.7. bei den Festspielen oder im Herbst Ende September, Anfang Oktober, mit dem T-Shirt an der Bühnentür erscheint! 

Also viel Glück bei der Bestellung! Wenn Ihr mögt, sendet mir doch per Mail Fotos mit dem Meistersinger T-Shirt zu und schreibt ein paar Worte dazu. Die kreativsten Fotos würde ich dann sehr gerne in den Blog stellen und veröffentlichen. Viel Spaß also und ich warte gespannt auf Eure Einsendungen.

Los geht’s ! 


Der fulminante Abschluss der Meistersinger-Premierenserie an der Bayerischen Staatsoper in München

Hamburg, 10.06.2016

Für mich persönlich gehört (zeitlich gesehen) neben der Premiere die letzte Vorstellung einer Opern-Neuinszenierung zu den spannendsten und interessantesten. Das liegt unter anderem daran, dass man so wunderbar die Entwicklung beobachten kann; die Entwicklung der Sänger und Künstler im einzelnen und auch im Zusammenspiel miteinander. Was hat sich getan in der Darstellung, wie wurden die verschiedenen Rollen weiterentwickelt? Oft sind es einfach nur viele kleine Details, die ins Auge fallen, aber trotzdem den Gesamteindruck sehr positiv beeinflussen können. Gerade in einer solchen Premierenserie, in der zudem mindestens drei der Hauptdarsteller ihr Debüt hatten, ist dies besonders interessant zu verfolgen.  mehr...

Lektüre-Hinweis

Hamburg, 10.06.2016

Hier noch ein kleiner Hinweis für die Lektüre von zwei meiner Lieblingsmagazine; Das Opernglas und Oper - Das Magazin.

Es gibt unter anderm etwas über die heute schon legendäre Tosca-Vorstellung am 16.4.16 in Wien zu lesen, zum Künstlergespräch von Jonas Kaufmann und Dominique Meyer am 17.4.17 in Wien und viele weitere Artikel und auch Interviews. Da sei besonders das Interview mit dem großartigen Bassbariton Bryn Terfel erwähnt. Viel Spaß beim Lesen! 

Hier sind die Links zu diesen beiden Opernmagazinen: 

Das Opernglas und Oper-Das Magazin.


Vorschau auf den Festspielsommer 2016

Hamburg, 27.05.2016

Nachdem die Premierenserie der Meistersinger in München mit der letzten Vorstellung am 04. Juni, über die hier noch einmal zu lesen sein wird, abgeschlossen ist, warten als nächstes Highlight die Opernfestspiele in München. Eröffnet werden sie am 25. Juni mit der wunderbaren Inszenierung der Tosca des leider viel zu früh verstorbenen Schweizer Theater- und Opernregisseurs Luc Bondy.

Es wird mir eine Freude und Ehre sein darüber zu berichten. Ich werde auch sonst versuchen, mir so viele unterschiedliche Inszenierungen wie möglich anzuschauen, um einen möglichst großen Querschnitt dieser Festspiele in München aufzuzeigen. Außerdem werde ich das erste Mal bei der Oper für alle dabei sein und ausführlich darüber berichten und die Eindrücke zusätzlich mit den entsprechenden Fotos unterstreichen. Wer sich schon informiert hat über das Programm, weiß, dass es sich dabei um die letzte Vorstellung am 31.7. handelt, mit der die Münchner Opernfestspiele jedes Jahr abschließen und die laufende Saison beenden. Im Jahr 2016 schließen die Meistersinger die Opernsaison 2015/16 und die Festspiele ab. Wer nicht in München sein kann, hat - wie schon mehrfach erwähnt - per Livestream im Internet die Gelegenheit diese Vorstellung mitzuerleben. Und das, genau wie bei der Oper für alle, vollkommen gratis.

Ansonsten heißt es sich überraschen lassen, was es sonst noch im Laufe des Sommers zu sehen und zu lesen geben wird. Die Salzburger Festspiele sind für mich leider nicht möglich, zu teuer und zu aufwendig von Hamburg aus, dafür werde ich mal schauen, was die Hamburger Staatsoper oder auch Berlin zu bieten hat. Ich wünsche allen meinen Lesern auch weiterhin viel Freude beim Stöbern und Entdecken und viele weitere spannende und großartige Augenblicke in der wunderbaren Welt der Oper.

Die neue Opernsaison 2016/17 beginnt auf meinem Blog am 30. September mit den letzten drei Vorstellungen der Meistersinger von Nürnberg am Nationaltheater in München. Ich werde versuchen, eine kleine Zusammenfassung zu schreiben und mein ganz persönliches Resümee abzugeben von der zwölften Neuinszenierung dieser Wagner-Oper in Bayerns Landeshauptstadt. Möglicherweise gibt es vorweg noch eine kleine aber feine Überraschung. Wir werden es sehen! 


Alles Liebe, Hannah


Wie schon gewohnt, kommen hier noch interessante Links für die kommenden Wochen:

www.staatsoper.de/stueckinfo/die-meistersinger

www.staatsoper.de/opernfestspiele

www.staatsoper.de/operfueralle

Staatsoper.tv

Staatsoper Hamburg

Wiener Staatsoper



DVD-Neuerscheinung

Hamburg, 27.05.2016

Hier kommt noch ein Tipp für eine DVD-Neuerscheinung: am 8. Juli kommt auf den Markt die Aufzeichnung des Fidelio von den Salzburger Festspielen 2015. Diese viel diskutierte Inszenierung von Claus Guth mit Starbesetzung kam im August letzten Jahres zur Aufführung und erscheint jetzt endlich auch auf DVD/Blu-ray. Wer keine Chance hatte, live vor Ort zur sein oder die Übertragung im Fernsehen mitzuverfolgen, hat nun die Gelegenheit, das jetzt nachzuholen. Ich selbst habe diese Vorstellung zu Hause am Bildschirm genossen und mich mitreißen lassen von der Musik, der Handlung, dem Weltklasseorchester unter der Leitung von Franz Welser-Möst und einem herausragenden Solistenensemble, allen voran der Münchner Startenor Jonas Kaufmann und die wunderbare kanadische Sopranistin Adrianne Pieczonka. Meine persönliche Rezension wird hier zum entsprechenden Zeitpunkt zu lesen sein. 

Hier findet Ihr einige Links, wo diese DVD u.a. käuflich zu erwerben sein wird: 

www.amazon.de

kaufhaus.ludwigbeck.de

hanse-cd.de

Hier ist noch der Link zur Seite der Salzburger Festspiele 2015 und drei weitere für einen intensiveren Vorgeschmack: 

www.salzburgerfestspiele.at

euronews.com/jonas-kaufmann

Leonore Overture No 3 from Fidelio Salzburg 2015

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