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Beiträge 2017
Januar – Juni

GREEK – Ein überraschendes Musiktheater-Event
Münchner Opernfestspiele 27.06.2017

München, 28.06.2017

Manchmal muss man sich auf neue Dinge einlassen, um überrascht zu werden. Daher möchte ich mich ganz herzlich bei einem Menschen bedanken, dem ich letztendlich das gestrige Erlebnis zu verdanken habe: Stephanie Korte, Pressesprecherin bei der Bayerischen Staatsoper. Sie hat mir empfohlen, ich solle bekannte Pfade verlassen und mich auf Unbekanntes einlassen. Das habe ich getan und gestern Abend im Postpalast in München ein ganz besonderes und ein ganz besonders intensives Musikerlebnis gehabt.

Zur Aufführung kam Greek, eine Oper in zwei Akten mit dem Libretto von Steven Berkhoff, nach dem gleichnamigen Theaterstück und in einer Adaption von Mark-Anthony Turnage und Jonathan Moore. Uraufführung war der 17. Juni 1988 im Karl-Orff-Saal im Gasteig im Rahmen der Münchner Biennale. Premiere dieser Neuinszenierung war einen Tag zuvor, am 26. Juni. Die musikalische Leitung hatte Oksana Lyniv, es spielte das Bayerische Staatsorchester. Solisten des Abends waren Tim Kuypers in der Partie des Eddy, Okka von der Damerau (Ehefrau, Kellnerin 1, Sphinx), Miranda Keys (Mutter, Kellnerin 2, Sphinx 2) und Robert Bok (Dad, Café-Manager, Polizeichef). Das ganz Besondere an dieser Vorstellung war der Ort der Aufführung: Eine runde Halle, die von oben durch eine Glaskuppel mit Licht erfüllt wurde, die Zuschauerränge waren in mehreren Blöcken halbkreisförmig um das Bühnengeschehen herum angeordnet. Abgeschlossen wurde dieser Halbkreis durch das Orchester, welches am Kopfende zu finden war. Diese Anordnung machte das Spiel der Sänger noch intensiver, die Verbindung zwischen Künstlern und Publikum wurde um ein Vielfaches verstärkt. Manches Mal waren die Darsteller kaum einen Meter oder weniger entfernt. Außerdem erlebten die Zuschauer wirklich alles mit, die Bühne und das ganze Set verwandelten sich vor aller Augen; alles unter Mitarbeit der Sänger, die zusätzlich auch noch ihre Kostüme wechselten. Ein interaktives Geschehen, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe.

Bevor ich zur Geschichte komme, ein paar Worte zur Dirigentin des Abends, die ich mit großer Faszination und Freude immer wieder beobachtet habe: Oksana Lyniv. Ich habe selten jemanden gesehen, der so elegant, fast tänzerisch und dabei so kraftvoll und präzise dirigiert. Die zierliche Künstlerin hatte jederzeit eine enge Verbindung zu ihren Musikern, die ihr mit offensichtlicher Freude folgten und auch wie sie selbst mit ganzem Körpereinsatz agierten. Ansteckend war diese Freude und jederzeit zu spüren. Oksana Lyniv, die seit der Saison 2016/17 die musikalische Leitung der Oper in Graz übernommen hat, war über mehrere Jahre die rechte Hand des noch amtierenden Generalmusikdirektors an der Bayerischen Staatsoper, Kirill Petrenko. 

Und nun zum Geschehen auf der Bühne. Wer eine Oper im klassische Sinne erwartet hatte, wurde entweder enttäuscht oder unglaublich positiv überrascht. Das war ein großartiger Musiktheater-Abend, der durchaus sehr aufwühlende Momente hatte, und Augenblicke intensiver Gefühle. Das lag zum einen an der Musik selbst, die ebenfalls sehr extrem war oder einfach nicht der üblichen Form von Arien und Rezitativen entsprach. In Kombination mit den ebenfalls extremen gesungenen Worten bildete sie eine harmonische Einheit und vermochte bestens zu vermitteln, was die Darsteller in und mit ihren Figuren auf der Bühne erlebten. Und genau diese Künstler, Sänger und Darsteller waren in der Lage, diese Extreme, Musik, Worte, Gefühle, Geschehen mit einer großen Authentizität zu vermitteln. Zu Grunde liegt dieser Oper ein Theaterstück, das wiederum die antike Sage des Ödipus von Sophokles zum Thema hat, transferiert in die englische Gegenwart der Thatcher-Ära.

Auf der Bühne zu erleben ist wie Eddy, die moderne Version des Ödipus, ausbricht aus der biederen und spießigen Welt, in der er aufgewachsen ist: die Mutter eine brave Hausfrau, der Vater ein Trinker und Rassist. Alles wird nur durch ein karges Bühnenbild angedeutet, einige Bilder innerhalb dieses Beitrages geben einen kleinen Eindruck davon. Eddy verlässt also die Welt seiner Kindheit, erlebt soziale Unruhen, den Verfall der Industriegesellschaft, Ölkrise etc. In dieser als Plage bezeichneten Zeit geschehen seine Abenteuer. Zusehends wird er dieser Abenteuer überdrüssig und sehnt sich nach Frieden, Ruhe und Geborgenheit. In einem Café ändert sich sein Leben, er lernt die Besitzerin kennen, deren Ehemann er versehentlich tötet.

Plötzlich findet er sich in der kleinbürgerlichen Situation wieder, der er vor Jahren entflohen ist. Er nimmt sogar wieder Kontakt zu seinen Eltern auf und muss feststellen, dass sein Leben nicht viel anders ist als früher und er die alten Verhaltensmuster, die ihm vorgelebt wurden, übernommen hat. Und noch etwas bewahrheitet sich am Ende, nämlich die Geschichte einer Wahrsagerin, die seine Eltern vor langer Zeit immer wieder erzählten: Eddy würde seinen Vater töten und mit seiner Mutter das Bett teilen. Als ihm bewusst wird, was geschehen ist, was er getan hat, fällt zunächst eine Welt für ihn zusammen, der Wunsch nach einer grausamen Selbstbestrafung bricht sich Bahn. Aber im Gegensatz zum antiken Ödipus entscheidet sich Eddy dagegen sich zu blenden. 

Den Inhalt dieser Oper, dieses Musiktheaterstücks in wenige Worte zu fassen, ist fast unmöglich, zumal durchaus unterschiedliche Reaktionen, Empfindungen und Gedanken in den Zuschauern ausgelöst werden. Ich weiß nicht, ob ich beim ersten Mal den Inhalt, die Hintergründe bis ins Detail begriffen habe, aber vielleicht muss ich das ja auch gar nicht. Möglicherweise sollte auch jeder seine eigene Deutung und Interpretation dieser Geschichte finden. Die Musik, die Darstellung, die Künstler auf der Bühne haben mich trotzdem sehr berührt, aufgewühlt und auf eine intensive Reise mitgenommen. Am Ende des Abends gab es langen und verdientermaßen begeisterten Applaus für das gesamte Ensemble dieses Abends.

Auf jeden Fall habe ich gelernt, dass sich auf etwas Neues einzulassen auch heißt, neue Seiten in sich selbst zu entdecken. Eine spannende Reise auch in die eigene Seele. Und so kann ich diese Oper und diese Inszenierung nur jedem ans Herz legen, der sich auf unbekanntes Terrain begeben und andere Welten entdecken möchte. Es gibt noch zwei Gelegenheiten, dieses Stück im Rahmen der Opernfestspiele in München zu erleben: am 3. & 4. Juli 2017. 

Als nächstes kommt der Bericht zur Live-Übertragung des Otello aus dem Royal Opera House in London. Am 29. Juni besuche ich die zweite Festspiel-Werkstatt (catarsi) und am 30. Juni werde ich von der Uni Credit Festspielnacht berichten.


Otello – Täter oder Opfer?

München, 26.06.2017

Am Ende der Oper erwürgt Otello seine Ehefrau Desdemona, die er eigentlich über alles liebt, aus unangebrachter Eifersucht und richtet sich im Anschluss selbst, indem er sich einen Dolch in den Unterleib stößt. Dieser Mord, der letztendlich durch die Intrige von Jago zustande kam, macht Otello trotzdem zum Mörder einer Unschuldigen. Indem er sich am Ende selbst tötet, könnte man meinen, entzieht er sich der Gerichtsbarkeit. Aber ist das wirklich so?

Der Mann, dem er vielleicht ein wenig gutgläubig vertraut, wahrscheinlich, weil er es einfach nicht anders gewohnt ist, im Kampf ist das der einzige Weg, um zu überleben, fördert Gefühle in ihm zutage, denen ein gewisses Minderwertigkeitsgefühl zugrunde liegt bezüglich seiner Herkunft (Hautfarbe). Das Gefühl, als Mensch und Machthaber nicht dieselbe Wertigkeit zu haben, macht ihn auch anfällig für das Thema der Eifersucht, die geschürt wird von Jago mittels einer zutiefst bösartigen und perfiden Intrige. Kann seine schöne und junge Ehefrau ihm, dem „Mooren“, dem erfolgreichen Kriegsherren, der aber doch immer irgendwie ein Außenseiter bleibt, wirklich treu sein? Warum ist Otello nicht stark genug, den Worten Jagos zu widerstehen? Was bringt ihn dazu, sich von ihm verführen und die Saat des Bösen in seine Seele streuen zu lassen, die Seiten in ihm zutage fördert, die ihn am Ende auf so grausame Art zerstören. 

Otello ist auch schwach, ihm mangelt es an Selbstbewusstsein. Er ist deshalb anfällig für die teuflischen Spielchen des Mannes, der ihn und was er ist, aus tiefstem Herzen hasst. Nebenbei bedient sich Jago noch der ahnungslosen und ebenfalls anfälligen Gemüter von Cassio und Rodrigo und verstärkt dadurch die Wirkung seiner Intrige, die Otello am Ende zu Fall bringt. Langsam, immer weiter werden seine Seele und seine Gedanken vergiftet und lösen Wahnvorstellungen aus, deren er nicht mehr Herr wird. Wutausbrüche und rasende Eifersucht sind die Folge. 

Und Desdemona? Welche Rolle spielt sie in diesem Drama um Rache, Liebe, Hass und Eifersucht? Ist sie nur ein hilfloses Opfer, vollkommen naiv, ohne die Möglichkeit einzugreifen? Warum erträgt sie die Ausbrüche ihres Mannes? Die Wut, die ungerechtfertigte Eifersucht, die Demütigungen und Beleidigungen auch vor dem gesamten Volk? Ist sie am Ende nur ein Kollateralschaden, der aus den Racheplänen Jagos hervorgeht. Wer ist am Ende das Opfer? Otello? Desdemona? Beide?

Es gibt nur einen Moment des Glückes für beide in dieser Oper: am Ende des ersten Aktes beim wunderschönen Liebesduett Gia nella notte densa. Beide gedenken den Anfängen ihrer Liebe und im Augenblick größten Glücks äußert Otello den Wunsch hinfort genommen zu werden, im Angesicht dieses Augenblicks. Er mag nicht daran glauben, dass ihm soviel Liebe und Glück für immer gegeben sei. Und so herrscht in seiner Seele gleichzeitig die Sehnsucht nach dem Tod und dem ewigen Frieden. 

Schon kurz nach Beginn des zweiten Aktes ändert sich die Situation und die Zerstörung und Demontage des maurischen Kriegsherren beginnt. Am Ende steht der Tod. Für Otello letztlich der einzige Weg, diese Liebe aus seiner Sicht zu reinigen und auf eine Ebene zu erheben, sie allem Irdischen zu entziehen und für alle Ewigkeit zu bewahren. Ein Glück auf Erden kann es für ihn nicht mehr geben. Und so sind am Ende beide Opfer: Desdemona vielleicht ein wenig naiv, aber erfüllt von reiner Liebe und tiefem Vertrauen. Ein unschuldiges Geschöpf unter einem falschen Stern zur Welt gekommen. Und Otello? Der ist zum Mörder geworden an dem Menschen, der ihm alles Glück bedeutete, und wurde bereits vorher durch die Boshaftigkeit und Grausamkeit eines Menschen zugrunde gerichtet, der seine Schwächen erkannte und sie auf perfide Art ausnutzte. 

Am Ende von Otellos seelischem Verfall steht in letzter Konsequenz der Tod. Der seiner geliebten Frau und sein eigener. Gefühle wie Liebe, Hass, Rache und Eifersucht haben eine unglaubliche und zerstörerische Kraft, sind in der Lage, alles zu überfluten, alles hinwegzuspülen, und ein wenig tragen wir alle davon in uns. Ich glaube, gerade deshalb kann sich niemand Verdis Musikdrama entziehen. Möglicherweise trägt auch die Faszination des Bösen und die Urangst davor dazu bei, dass wir uns unmittelbar hineinziehen lassen in diese Geschichte, getragen von Verdis wunderbarer und kraftvoller Musik. 


Münchner Opernfestspiele eröffnet

München, 25.06.2017

Gestern Abend war es soweit: Um 20:30 Uhr begannen die Münchner Opernfestspiele mit dem Eröffnungskonzert auf dem Max-Joseph-Platz, direkt am festlich geschmückten Nationaltheater.

Es spielte das ATTACCA Jugendorchester des Bayerischen Staatsorchesters unter der Leitung von Allan Bergius und im Anschluss das Bayerische Staatsorchester unter der musikalischen Leitung des jungen israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber. Solistin des Abends war die russische Sopranistin Ekaterina Siurina. Zu hören gab es ein Programm russischer Komponisten wie Prokofjew, Rimsky-Korsakow, Glinka und Tschaikowski. Im mittleren Teil waren vier verschiedene Arien aus unterschiedlichen russischen Opern zu hören, vorweg und im Anschluss verschiedene Stücke für Orchester. Die Stimmung war friedlich und entspannt, das Sicherheitspersonal hatte das Geschehen jederzeit in festen Händen und das Wetter spielte ebenfalls mit. Das Open-Air-Konzert war, wie zu erwarten, gut besucht und bei vorbestellten, gepackten Picknickkörben und freiem Eintritt zu genießen.

Nach dem Auftritt des ATTACCA Jugendorchesters gab es einige Eröffnungsworte vom Generalintendanten der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler. Im Anschluss kam Peter Mey, Leiter der BMW-Niederlassung München zu Wort und unterstrich die gute, langjährige (20 Jahre) und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen BMW und der Bayerischen Staatsoper und betonte, diese auch in Zukunft ganz sicher fortsetzen zu wollen. Die Fotos unterstreichen die schöne Stimmung und einen gelungenen Auftakt in die Festspielsaison München des Jahres 2017. 

Fotos: © W. Hösl

Die nächsten kostenlosen Veranstaltungen sind am Abend des 25. Juni der Festspielgottesdienst in St. Michael in der Neuhauser Straße, in deren Mittelpunkt Puccinis Messa di Gloria steht. Am 30. Juni folgt die Uni Credit Festspielnacht in der Münchner Innenstadt mit verschiedenen musikalischen Leckerbissen. Schließlich gibt es am 9. Juli eine weitere Oper für alle am Max-Joseph-Platz mit der Übertragung (läuft zeitgleich auch als Livestream im Internet) der letzten Tannhäuser-Vorstellung der Premieren Serie 2017. Hochkarätig besetzt mit Klaus-Florian Vogt in der Titelpartie, Anja Harteros als Elisabeth, Christian Gerhaher als Wolfram von Eschenbach und Gerhard Zeppenfeld als Hermann Landgraf von Thüringen. Es gibt also eine ganze Auswahl an kostenfreien und interessanten Veranstaltungen während der Festspiele. Für einen geringen Preis gibt es auch noch zwei weitere Festspiel-Premieren: im Postpalast sind die zwei Produktionen Greek und Catarsi zu sehen, eine Oper in zwei Akten von Mark-Anthony Turnage, und ein Musiktheaterabend des Kollektivs AGORA. Ich werde meine Eindrücke vom 27. & 29. Juni niederschreiben und hier einstellen.

Ich wünsche allen eine wunderschöne und abwechslungsreiche Festspielzeit. Und immer schön neugierig bleiben und genießen.


Eröffnung der Münchner Opernfestspiele 2017

München, 23.06.2017

Nicht nur in London werfen die Ereignisse, in diesem Fall die Premiere von Otello und das Rollendebüt von Startenor Jonas Kaufmann, ihre Schatten voraus, sondern auch in München. Dort beginnen nämlich am kommenden Samstag die Opernfestspiele 2017

Während das Nationaltheater schon herausgeputzt wird und auf dem Max-Joseph-Platz die Absperrungen und das Podest für das Eröffnungskonzert aufgebaut werden, kann sich das Opernpublikum auf sechs abwechslungsreiche Festspielwochen freuen, inklusive drei Premieren. Es kommen zum einen Die Gezeichneten zur Aufführung, Premiere ist am 1. Juli, und zum anderen wird es im Rahmen der Festspielwerkstätten weitere sehr interessante und sehenswerte Projekte zu sehen geben. Weitere Informationen sind direkt über diesen Link nachzulesen. 

festspiel-werkstatt-greek-von-mark-anthony-turnage

blog.staatsoper.de/post/news/opernstudio-tagebuch

Bezüglich der Premiere und Aufführungsserie zu Die Gezeichneten ist hier die entsprechende Informationsquelle. 

Selbstverständlich bieten die Münchner Opernfestspiele noch so viel mehr und für jeden Opernliebhaber ist etwas Passendes dabei. Zu den Highlights gehören sicher die Oper für Alle-Übertragung von Tannhäuser am 9. Juli. Zeitgleich gibt es noch den Livestream im Internet zu sehen. 

Der Clou: Für die beiden Veranstaltungen von Oper für Alle am 24. Juni und 9. Juli kann man Picknickkörbe in zwei Varianten vorbestellen und am Tag der Veranstaltung vor Ort abholen.

Ebenfalls sollte man nicht verpassen, Maestro Kirill Petrenko am Dirigentenpult zu erleben, das ist in jedem Fall ein wunderbares Erlebnis.

Weitere Vorstellungen dürften ein Muss sein, sind aber längst ausverkauft: La Traviata mit Placido Domingo als Giorgio Germont und die zwei Vorstellungen La Forza del destino und Andrea Chénier mit dem Traumpaar der Opernbühne Jonas Kaufmann und Anja Harteros. Und nicht zu vergessen ein Klassiker des Opernrepertoires Die Zauberflöte

Auch bei Liederabenden gibt es großartige Solisten zu hören, zum Beispiel Anja Harteros, Diana Damrau und Christian Gerhaher.

Das gesamte Programm der Münchner Opernfestspiele ist unter diesem Link zu finden. Und hier ist der Plan für die Vorstellungen, für die es noch Karten zu kaufen gibt: Festspiele_Restkarten.

Ach ja, eins noch: Nicht die Uni Credit Festspielnacht am 30. Juni versäumen! Der Besuch lohnt sich nämlich wirklich, es gibt großartige Musik zu hören und zu erleben bei freiem Eintritt. 

So wünsche ich allen Opernfans und Musikliebhabern und Genießern eine wundervolle Festspielzeit, wunderschöne Abende in der Welt der Oper und viele wunderbare Begegnungen mit Gleichgesinnten und Neueinsteigern. 

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“

(Friedrich Nietzsche)


„Wer die Welt der Oper betritt, erlebt die Magie des Augenblicks“

(Hannah Klug)


Otello
Inhalt und Hintergründe zu Verdis Musikdrama

München, 22.06.2017

Es ist die immerwährende Geschichte der Menschheit, die ewigen Themen, die seit jeher unsere Geschicke beeinflussen und unser Handeln initiieren. Es geht um Macht, Neid, Gier, Liebe, Vertrauen, Hass und Eifersucht. Um das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit und der Minderwertigkeit. Es geht um Zweifel, Misstrauen und Angst vor Verlust und der Einsamkeit. Dieses alleine können hochexplosive Themen sein, die uns und die Menschen in unserer Nähe in ein heilloses Verderben zu ziehen vermögen. Es geht auch um Gut und Böse, vielleicht besonders um das Böse, das in Verdis Oper in Gestalt von Jago auftritt und seine grausame und perfide Intrige spinnt und am Ende nur Trauer, Verzweiflung, Zerstörung und Tod hinterlässt. Nicht grundlos gibt es die Tatsache, dass der Komponist seiner Oper zuerst den Titel einer anderen Hauptperson geben wollte: Jago. Im Laufe der Zeit änderte er seine Meinung und entschied sich für den bekannten Namen. Die Begründung: Jago sei zwar derjenige, der die Fäden zieht und seine Intrige spinnt, aber Otello ist letztendlich die Figur die handelt, leidet, mordet, sich selbst im letzten Akt das Leben nimmt. Uraufgeführt wurde diese Oper übrigens am 5. Februar 1887 an der Mailänder Scala, ein Jahr später kam es zur ersten Aufführung im Kgl. Hof- und Nationaltheater in München. Das Libretto stammt von Arrigo Boito, der selber auch ein erfolgreicher Komponist war. Bezeichnet wird diese Oper als Drama lirico in vier Akten. Die Synopsis und das komplette Libretto ist wie immer im Opera Guide zu finden bzw. inklusive weiterer Informationen bei Wikipedia

Als Literatur-Empfehlung habe ich für euch das Programmheft der Bayerischen Staatsoper München aus dem Jahre 1999. Am 1. Juli gab es dort die letzte Neuinszenierung dieses Opernhauses. 

Weitere Einblicke bietet, wie im ersten Vorbericht erwähnt, das Insight u.a. mit Antonio Pappano und Jonas Kaufmann. Hier findet ihr erneut diesen Link zum Youtube Kanal des ROH.

Es gibt noch mehrere Websites zu dieser Neuproduktion, meinen persönlichen DVD-Tipp als Vorbereitung zum Beispiel für die Übertragung am kommenden Mittwoch, dem 28. Juni 2017. Über die FB-Seite von Laura Fontana gibt es noch viel mehr Möglichkeiten für Einblicke in eine der spannendsten und intensivsten Geschichten in der Welt der Oper. 

Auf die Kino-Übertragung nächste Woche werde ich in einem gesonderten Beitrag eingehen. Die Links dazu sind hier am Ende zu finden. 

Jetzt wollen wir uns aber noch ein wenig mit dem Inhalt und insbesondere mit den Figuren und Charakteren dieser Oper beschäftigen.

Die Titelfigur: Otello, beschrieben als Mohr, ein erfolgreicher Feldherr, geschätzt auf der einen Seite, aber irgendwie auch immer der Außenseiter. Ein Mensch, der viel erlebt und auch durchlitten hat. Jemand, der weiß, was er geleistet hat, aber der auch große Selbstzweifel in sich trägt und eine Sehnsucht nach einer erfüllten starken Liebe genauso wie nach dem Tod im Augenblick größten Glücks. Otello ist ein Mann mit starken Gefühlen, die ihm Ausbrüche großer Verzweiflung, Eifersucht und Wut bescheren, aber auch Momente ganz zerbrechlicher Art, in erster Linie mit seiner jungen Ehefrau Desdemona, die all sein Glück bedeutet. 

Desdemona, eine junge Aristokratin, die gegen den Willen ihres Vaters den Fremdling geheiratet hat, verkörpert die Reinheit, Schönheit, Zartheit und Zerbrechlichkeit in dieser Geschichte. Sie vertraut ihrem Mann bedingungslos und so bedingungslos ist auch ihre Liebe zu ihm. Das Böse und die Grausamkeit kommen in ihrer Welt nicht vor; nichtsdestotrotz weiß sie um das, was Otello erlebt und gesehen hat. Und genau dafür liebt und bewundert sie ihn auch. Sie ist genauso wie Otello, Cassio und Rodrigo eine Marionette in Jagos grausamem Spiel, aber am Ende bleibt ihre Unschuld und Reinheit in vollem Umfang gewahrt. Man mag sie vielleicht als ein wenig naiv ansehen, als eine Frau, die blind vertraut, aber wer will am Ende darüber urteilen, dass ein Mensch bedingungslos liebt und vertraut. 

Der Intrigant – der Spielleiter des Teufels (so im Programmheft der BSO beschrieben) – das Gesicht des Bösen: Jago. Er hasst um des Hassens willen, ist böse um des Bösen willen, er manipuliert und zerstört auf eine unglaublich grausame und gnadenlose Art und Weise die Menschen um sich herum, benutzt sie wie Marionetten. Er glaubt an nichts, außer an das Böse. Der Mensch an sich ist böse, nach dem Tode ist alles zu Ende. Es braucht nicht viel, um seine zerstörerischen Rachepläne in Gang zu setzen. Er richtet all seinen Hass auf Otello aus einer Nichtigkeit heraus, der Grund für seine Rache ist klein, eigentlich nicht bedeutend. Seine Begründung: Otello hat ihn übergangen und Cassio bei der Beförderung vorgezogen. Das reicht ihm, um den Beschluss zu fassen, den Mohren, den Fremden vollkommen und erbarmungslos zu zerstören. Alle anderen Menschen sind einfach Bauernopfer, dienen nur diesem einen Zweck und haben ansonsten keine Bedeutung. Auch Desdemona gehört dazu. Cassio und Rodrigo sind ahnungslos, vertrauen ihm, ahnen nichts Böses, vor allem Cassio nicht. Sie lassen sich von Jago manipulieren und wie Schachfiguren hin und her setzen. Am Ende hat Otello seine große Liebe ermordet, erwürgt, sich im Anschluss selbst mit einem Dolch das Leben genommen und Rodrigo hat ebenfalls sein Leben verloren. Jago selbst wird vermutlich am Galgen landen. Nur Cassio hat am Schluss einen gewissen Benefit, wird zum Nachfolger von Otello ernannt, heiratet seine Bianca… Und Emilia, Jagos Ehefrau? Sie muss sich wohl am Ende doch fragen, ob sie nicht das Drama möglicherweise hätte verhindern können, wenn sie gewagt hätte zu sprechen. Aber das ist nur ein Gedanke am Rande. 

Dieses Drama von Verdi ist intensiv, von Gefühlen aufgeladen, fesselnd, dramatisch, tragisch , traurig und lässt einen so schnell nicht wieder los. Sich in diese Geschichte hineinziehen zu lassen, heißt auch, sich ein wenig auf sich selbst einzulassen. Die meisten dieser Gefühle tragen wir doch letztendlich alle in uns. 

Dank eines wunderbaren Teams von Hauptdarstellern, wahre Sängerdarsteller wie Jonas Kaufmann, Maria Agresta und Marco Vratogna, und des wunderbaren Dirigats von Generalmusikdirektor Sir Antonio Pappano kann diese Neuproduktion nur ein unvergesslicher Erfolg werden und neue Maßstäbe setzen für diese Oper von Giuseppe Verdi auf viele Jahre hinaus. 

Und am 28. Juni hat die ganze Welt die Chance, diese Opernneuproduktion live mitzuerleben. Dann wird die dritte Vorstellung in unzählige Kinos weltweit übertragen. Hier noch einmal der Link: roh.org.uk/screenings

roh.org.uk/showings/otello-live-2017

cinema-muenchen.de


Otello
21.06.–10.07.2017 am Royal Opera House in London

München, 21.06.2017

Es ist mit Sicherheit eines der heißesten Opern-Events des Jahres 2017 mit einer der sehnsüchtig erwarteten Rollendebüts der letzten Jahre. Giuseppe Verdis Liebes- und Musikdrama Otello in einer Neuinszenierung von Keith Warner und mit einem der zur Zeit besten und begehrtesten Opernsänger und Tenöre der Welt in der Titelrolle: Jonas Kaufmann.

Ob er selbst oder seine Fans diesem Ereignis am meisten entgegengefiebert haben, ist kaum zu sagen; vermutlich dürfte dieses Gefühl auf beiden Seiten gleich stark ausgeprägt sein. Und die Erwartungshaltung wird möglicherweise nach der langen Zeit beim Münchner Opernsänger nach höher sein. Es ist soweit, er ist soweit, um diese sowohl gesanglich als schauspielerisch und ganz sicher emotional sehr herausfordernde Partie erfolgreich zu bewältigen. Bereits die Generalprobe war ein großer Erfolg und wurde von den Zuhörern im Royal Opera House mit großer Begeisterung und viel Anerkennung honoriert. Heute ist nun endlich der Tag der Premiere gekommen, an dem auch die zahlreichen Kritiker und viele Fans diese Inszenierung zu sehen bekommen. Am 28. Juni wird die Neuproduktion einem Millionenpublikum in den zahlreichen Kinos der Welt öffentlich gemacht. Es folgen noch drei weitere Vorstellungen am 2., 6. und 10. Juli. Die letzte Vorstellung mit Jonas Kaufmann am 10. Juli ist auch gleichzeitig dessen 48. Geburtstag. Ein ganz besonderer Abschluss für einen außergewöhnlichen Sänger und Künstler.

Ich muss gestehen, dass ich mehr als neugierig bin, wie der Opernsänger seine Rolle anlegt; ganz sicher wie immer vielschichtig, menschlich, zwiespältig, intensiv, authentisch. Und am Ende werden wir alle sagen: Jonas Kaufmann ist Otello, er hat sich auf der Bühne verwandelt, seine Person mit der seiner Rolle verbunden, uns entführt in die Tiefe der Seele seiner Figur. 

Aber nein, natürlich steht der Münchner nicht allein auf der Bühne, sondern hat wunderbare Kollegen an seiner Seite, von denen auch einige ihr jeweiliges Rollendebüt geben, so zum Beispiel seine Desdemona in dieser Produktion, die bildhübsche italienische Sopranistin Maria Agresta

Die beiden Sänger sah man zuletzt im Jahre 2015 bei den Salzburger Opernfestspielen auf der Bühne. Auch damals musste sich die Opernsängerin mit Jonas Kaufmann als eifersüchtigem Ehemann auseinandersetzen, ebenfalls deutlich älter und ein Außenseiter in der Gesellschaft. Und auch vor zwei Jahren endete es für die hübsche Italienerin leider mit dem Tod, wenn sie von Canio brutal und voller Wut erstochen wird. Damals gab es allerdings einen Grund für die Eifersucht, als Desdemona ist sie gänzlich unschuldig, rein und gut. Die Sopranistin ist ganz sicher eine wunderbare und bezaubernde Desdemona und eine ideale Bühnenpartnerin an der Seite des Münchner Tenors.

Weiter erwähnt werden muss der Initiator des Bösen in dieser Oper, der Spielleiter des Teufels, die Grausamkeit in Person: Jago. In London verkörpert von Marco Vratogna, der diese Rolle schon einige Male gespielt hat und den ich zuletzt als ebenso bösen und gnadenlosen Polizeichef Scarpia in der Wiener Tosca-Inszenierung im Mai erlebt habe. Und ja, ich denke, ich hoffe, dass er die Maske des Bösen so glaubhaft verkörpert wie nur irgend möglich. Otello ist zwar derjenige, der handelt und im Mittelpunkt steht, die Fäden im Hintergrund zieht aber Jago! Er erdenkt diese perfide und abgrundtief böse Intrige, an dessen Ende der Tod der zwei eigentlich Liebenden steht: Otello und seine Desdemona. Ich bin gespannt, wie sehr der italienische Bariton diese Grausamkeit vermittelt, wie authentisch er diese Rolle anlegt.

Fehlen noch Cassio und eher am Rande Rodrigo, die Jago als Spielball, als Schachfiguren für seine Rachepläne benutzt. In Keith Warners Neuproduktion sind hier der Tenor Frédéric Antoun und der Bariton Thomas Atkins zu erleben. Während Cassio in der gesamten Oper von Verdi durchaus eine wichtige Rolle zukommt, ist Rodrigo eher eine, wenn auch nicht unwichtige, Nebenfigur. 

Zur Produktion selbst kann ich natürlich nur das Wenige sagen, was ich beim Insight erfahren habe, bzw. von den Fotos nach der GP ersehen konnte. Das Set bzw. das Bühnenbild scheint insgesamt sehr dezent gehalten, klare Formen, schwarz-weiß, düster. Man wird es wohl als modern bezeichnen. Die Kostüme stammen aus der Zeit, in der die Geschichte spielt, elisabethanisch, klassisch vielleicht. Es ist eine Reise durch die Zeit, und noch mehr durch die Seelenwelt der Figuren, vor allem von Otello und Jago. Genaueres wird man erst nach der heutigen Premiere erfahren und ich persönlich werde mich erst dazu äußern, wenn ich ich die erste Vorstellung in Form der Kinoübertragung am nächsten Mittwoch (28. Juni) gesehen habe. Und natürlich im Juli live im Royal Opera House, am 6. und 10.Juli. 

Mit dem Inhalt dieser Oper werde ich mich im zweiten folgenden Beitrag beschäftigen; hier noch ein paar Links und Empfehlungen:

facebook.com/kaufmannjonas

facebook.com/maria.agresta

roh.org.uk/marco-vratogna

Antonio Pappano

roh.org.uk/antonio-pappano


Ein Münchner in Amsterdam –
Das Debüt von Jonas Kaufmann in den Niederlanden

München, 18.06.2017

Lange mussten sie warten, die Menschen in den Niederlanden, nun ist es endlich soweit: Der wohl begehrteste und beste Tenor und Opernsänger Jonas Kaufmann beehrt die Stadt mit seiner Anwesenheit. Im Concertgebouw, dem Konzertsaal der Stadt, dem man nachsagt, eine der besten Akustiken der Welt zu haben, gibt er seinen Einstand mit einem Opernabend. Mehr zum Programm gleich. An seiner Seite ein langer Begleiter in Sachen Konzertreisen, Dirigent Jochen Rieder. Mit ihm hat der Münchner Opernsänger schon manches Opern- oder auch Operettenkonzert gestaltet. Man kennt sich, man mag sich und ist bestens aufeinander eingespielt. Außerdem wird der sympathische Künstler begleitet vom Residentie Orkest. 

Vervollständigen wird das Künstlerteam an diesem Abend die niederländische Sopranistin Eva-Maria Westbroeck. Sie wird an der Seite des Tenors sein, wenn die Liebesduette erklingen, und den Raum mit ihrer wunderschönen Stimme erfüllen. Kaufmann und Westbroeck waren zuletzt bei Andrea Chénier in London im Jahre 2015 auf der Bühne des Royal Opera House zusammen als tragisches Liebespaar während der Wirren der französischen Revolution zu erleben.

Alles beste Voraussetzungen für ein gelungenes Debüt und einen wunderbaren Opernabend. Und das Programm? Das ist zweigeteilt: In der ersten Hälfte gibt es, natürlich, muss man sagen, Verdi. Immerhin gibt der Ausnahmesänger von der Isar am 21. Juni sein lange und von aller Welt erwartetes Comeback als Otello. Im zweiten Teil wird es dann Wagner zu hören geben, genau gesagt die dritte Szene aus dem ersten Akt der Walküre. Zwischendurch gibt es noch die eine oder andere Ouvertüre zu hören oder das entsprechende Vorspiel zur nachfolgenden Arie oder Duett. So sollte dieser Opernabend zu einer runden Sache werden und auch dem Residentie Orkest die Gelegenheit geben, sein Können zu zeigen. 

Am Morgen dieses Debüts von Jonas Kaufman scheint passend die Sonne vom strahlend blauen Himmel dieser lebensfrohen, lebendigen und quirligen Stadt. Ein wunderbares Omen für traumhafte Stunden im Amsterdamer Konzertsaal Concertgebouw am heutigen Nachmittag. 

Wir hören uns also nachher, wenn ich ganz sicher beseelt nach draußen treten werde, immer noch mit all den wunderbaren Melodien zweier der größten Komponisten der Zeit im Ohr und natürlich mit den Stimmen von Jonas Kaufmann und Eva-Maria Westbroeck

Dieses Solodebüt ist übrigens ein Teil des Festivals International Performing Arts Amsterdam 2017, das gerade am Vortag gestartet ist.

Und das sind nun meine Eindrücke von diesem Konzert und seinen Protagonisten am Nachmittag des 4. Juni 2017: Für Jonas Kaufmann war es auf jeden Fall mal wieder ein Triumph, soviel steht fest, und auch seine Bühnenpartnerin Eva-Maria Westbroeck wurde begeistert gefeiert. Begonnen hatte das Konzert mit dem ersten Stück des Residentie Orkest unter der Leitung von Dirigent Jochen Rieder und der Overtüre zu Verdis Aida. Kaum dass die letzten Noten gespielt waren, betrat der Münchner Opernsänger die Bühne, ein effektvoller Auftritt auf der steil nach oben oder unten geführten und mit rotem Samt beschlagenen Treppe. Das Publikum begrüßte den sympathischen Künstler mit einem stürmischen Applaus, und noch bevor die ersten Töne seiner Stimme erklangen, hatte er bereits die Menschen im Saal für sich gewonnen. Dann zeigte er sein Können und erbrachte wieder einmal den Beweis, warum gerade er zu einem der besten Opernsänger seines Stimmfachs zählt und in aller Welt umschwärmt und umworben ist. Recitativo und Arie des Radames aus dem ersten Akt erklangen und erfüllten den Saal mit seiner wunderschönen Stimme. Ohne große Gesten, aber mit einer fesselnden Präsenz auf der Bühne, die weder Kostüm, noch Maske oder Bühnenbild braucht, gestaltete er jede einzelne Note und vermochte auch so das Seelenleben der einzelnen Rollencharaktere intensiv und authentisch zu vermitteln. Nach der Arie von Radames folgte die wunderbare Ouvertüre zu La forza del destino und im Anschluss die Arie von Don Alvaro aus dem 3. Akt dieser Oper. Ein Charakter, der sicher zu den Paraderollen des Künstlers gehört und den er dieses Jahr bei den Opernfestspielen in München in zwei Vorstellungen wieder verkörpern wird. Auch in diesem Konzert, bei diesem Debüt zeigte Jonas Kaufmannn warum ihm diese Rolle so besonders gut liegt. 

Die Arie Oh, tu che in seno agli angeli mit dem vorangegangenen Rezitativ klang ausgesprochen verzweifelt und traurig und man durfte erstaunt erleben, wie der Münchner Tenor sich ohne äußere Hilfsmittel in Don Alvaro verwandelte und ohne dabei jemals übertrieben zu wirken. Es sind die kleinen Gesten und die Mimik, die die Interpretation so lebendig und authentisch macht. 

Nach diesem Auftritt hatte der Opernsänger dann eine kleine Pause und seine Bühnenpartnerin, die niederländische Sopranistin Eva-Maria Westbroeck, ihren Solo-Auftritt mit der letzten großen Szene der Elisabetta aus Verdis Don Carlo. Auch sie wurde nach ihrer Arie mit viel Applaus belohnt und nahm diesen mit viel Dankbarkeit entgegen.

Bevor es zum Höhepunkt im ersten Teil des Konzertes kam, dem Liebesduett aus Otello im zweiten Akt, spielte das Residentie Orkest als Einstimmung die Ouvertüre zu dieser Oper. Und dann war es soweit, Jonas Kaufman und Eva-Maria Westbroeck betraten zusammen die Bühne des Concertgebouw. Und nun konnte insbesondere der Münchner Opernsänger schon einmal die Vorfreude seiner vielen Fans auf das nahende Debüt wecken und zeigen, woran er vermutlich schon eine Weile arbeitet. Und dieser Eindruck war wirklich sehr vielversprechend, kann ich sagen. Das Amsterdamer Publikum lauschte andächtig und in gespannter Erwartung und ließ sich für einige Minuten hineinziehen in die Welt von Otello und seiner Desdemona. Und ja, es gab einen, nein sogar zwei Küsse zwischen den beiden Liebenden…

Fotos: © Janiek Dam

Nach einem begeisterten Applaus für die zwei Solisten, das Orchester und seinen Dirigenten ging es in die Pause und im Anschluss wurde der zweite Teil mit Wagner fortgesetzt. Zuerst war zu hören eine weitere Ouvertüre und zwar von Rienzi, danach stimmte das Vorspiel zur dritten Szene im ersten Akt auf die Walküre ein. Jetzt konnte die niederländische Sopranistin zeigen, was für eine wunderbare Stimme für die Opern von Wagner sie hat. Kraftvoll und strahlend erfüllte ihre Stimme den Raum und verband sich in den Duetten perfekt mit der ihres Bühnenpartners. Der wiederum bewies ein weiteres Mal, dass er in der Lage ist, alles zu singen, Verdi genauso wie Wagner, die deutschen Komponisten genauso wie die italienischen oder auch die französischen. Oper, Operette, das Liedrepertoire uvm., Jonas Kaufmann fühlt sich überall gleich wohl und zu Hause, und was er auch gerade singt, er steckt sein ganzes Herzblut hinein und seine ganze Seele. Das ist vermutlich sein Geheimnis, seine besondere Gabe. 

So auch am Abend des 4. Juni 2017. Nach einer stimmlich leidenschaftlichen Darbietung als Siegmund mit den strahlenden und kraftvollen Wälserufen und einer großartigen Eva-Maria Westbroeck an seiner Seite, endete also dieses Konzert-Debüt im Concertgebouw in Amsterdam. Besonders war sicher noch die Tatsache, dass, kaum waren die letzten Töne verklungen, das Publikum im Saal von den Sitzen aufsprang und das gesamte Künstlerteam, besonders natürlich die zwei wunderbaren Solisten, stürmisch feierte. Diese belohnten die begeisterte Menge damit, dass sie immer wieder die Treppe hinauf und hinab stiegen, die Bühne betraten und dankbar den hoch verdienten Beifall entgegennahmen. 

Eine Sache ist mal wieder bezeichnend und macht den als Superstar gefeierten Münchner Tenor Jonas Kaufmann besonders sympathisch, er wirkte schon recht überrascht von dieser unglaublichen Begeisterung im Saal, er wirkte gleichsam erleichtert, gerührt, glücklich, überwältigt und ein bisschen beschämt. Dieser Nachmittag, dieses Debüt war ein Erfolg auf ganzer Linie und wird sicher nicht das letzte Konzert in den Niederlanden gewesen sein…

Im Anschluss trafen sich seine Fans und die von Eva-Maria Westbroeck am Künstlereingang um die Gelegenheit zu nutzen, ihren Dank persönlich auszudrücken, ein Autogramm oder auch ein Foto zu erhalten und vielleicht auch, um das angesammelte Adrenalin ein wenig abzubauen, Freunde zu treffen und die Freude miteinander zu teilen. Und die übersichtliche Menge wurde belohnt, sowohl die niederländische Sopranistin als auch der sympathische Opernsänger nahmen sich ausreichend Zeit, alle Anwesenden zu bedenken. Zugegeben, der Münchner hatte ein wenig mehr zu tun und hatte sich mit einem kleinen Stehtisch (vermutlich auch als kleine Barriere) am Künstlereingang postiert. Bestens aufgelegt, erklang immer wieder sein erstaunlich tiefes und sehr angenehmes und ansteckendes Lachen. Jeder erhielt sein Foto (alleine oder zusammen), ein oder mehrere Autogramme, ein paar freundliche Worte und einige Momente der Aufmerksamkeit des zur Zeit begehrtesten Tenors der Opernszene. 

Was für ein Nachmittag, was für ein Tag, was für ein Debüt! 

Ein paar Fotos offiziell und privat können hoffentlich die beschriebenen Eindrücke noch etwas verstärken und unterstreichen. Viel Freude beim Lesen und Anschauen. Und noch ein Tipp zum Schluss: Das Konzert wurde aufgezeichnet und wird am 20. Juni im Radio zu hören sein. Nähere Infos gibt es auf der Seite von Marion Tung.

Bald hören wir uns zum Debüt von Jonas Kaufman als Otello im Royal Opera House im Juni/Juli in London wieder. Das wird ganz sicher eine aufregende Zeit für Künstler und Publikum. Egal ob live im Kino oder direkt vor Ort, beide Varianten haben ihren Reiz. Besonders schön ist es, beides erleben zu dürfen. 


Metropolitan Opera live in Cinema HD – Saison 2017/18

München, 13.06.2017

Für die begehrten Vorstellungen sind die Met-Tickets zumindest in einigen Kinos bereits ausverkauft, aber nichtsdestotrotz lohnt sich eine Nachfrage ganz sicher. Starten wird die neue Serie der Übertragungen live aus New York im Herbst, und zwar ganz genau am 7. Oktober um 19:00 Uhr MEZ. Zum Auftakt gibt es gleich richtig was für Augen und Ohren. Bellinis Oper Norma kommt in einer Neuinszenierung von Sir David McVicar zur Aufführung. In den Hauptrollen werden zu erleben sein: Sondra Radvanovsky, Joyce DiDonato und Joseph Calleja. Die musikalische Leitung hat der italienische Dirigent Carlo Rizzi.

Insgesamt werden in der mittlerweile 12. Spielzeit zehn Übertragungen zu genießen sein. Und es ist eine wunderbare bunte Mischung: Bellini, Mozart, Ades, Puccini, Donizetti, Rossini, Verdi und Massenet. Da sollte eigentlich für jeden Opernfan das Richtige dabei sein, denke ich. Ich stelle im Anschluss nochmal die entsprechenden Websites zum Nachlesen rein, damit jeder, der noch Bedarf hat, sich entsprechend informieren kann. 

Ich wünsche allen jetzt schon wunderbare Opernabende, mal auf die etwas andere Art, aber nicht weniger schön! 

metopera.org

metopera.org/Season/In-Cinemas

presseportal.de

cinema-muenchen.de

metopera.org/Press-Releases


Meine Lieblingsopernmagazine für Juni

München, 12.06.2017

Es ist wieder soweit, die aktuellen Ausgaben meiner zwei bereits bekannten Lieblingsopernmagazine sind auf dem Markt: Das Opernglas und Oper! Das Magazin

Oper! Das Magazin bietet unter anderem das Titelinterview mit dem jungen israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber, der im März und April dieses Jahres in der Neuinszenierung von Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper die musikalische Leitung innehatte; in den Hauptpartien zu sehen waren unter anderem Jonas Kaufmann und Anja Harteros. Außerdem kommen zu Wort zwei weitere Stars der Opernszene: der deutsche Bass René Pape und der polnische Tenor Piotr Beczała. Ansonsten gibt wieder jede Menge Infos rund um die Opernhäuser in Europa und der Welt und ihre Inszenierungen. Was war, was kommt, was war gut, was schlecht? Dazu Backstageberichte von den Premieren und schön gestaltete Fotostrecken.

Auch ein Blick in die aktuelle Ausgabe des Opernglases lohnt sich. Beim Opernglas liegt der Fokus in erster Linie auf den Beiträgen über die Inszenierungen der unzähligen Opernhäuser und der Vorschau auf das Kommende. Dritte und vierte Säule sind die Porträts und die Interviews. Auf dem Titelbild zu sehen und als ausführliches Porträt zu lesen: die Sopranistin Olga Bezsmertna, die gerade eine steile Karriere hinlegt.

Es gibt also viele interessante Neuigkeiten zu lesen, Beiträge über neue Inszenierungen sowie Vorstellungen von CD- und DVD-Erscheinungen, die neu erschienen sind. Also ab in den Zeitschriftenhandel und schnell das Lieblingsmagazin erworben. Selbstverständlich gibt es auch noch andere Fachzeitschriften zum Thema Oper, national und international. Für mich sind aber Oper! Das Magazin und Das Opernglas die Magazine zu diesem Metier, die besonders lesenswert sind und konstant ihr gutes Niveau halten. 

Wie immer viel Spaß beim Stöbern und Lesen! 

Fernsehtipps für Opernfans im Monat Juni

München, 28.05.2017

Hier kommen wieder einige Fernsehtipps für die Opernfans unter uns. 

Am 4. Juni um 18:25 Uhr gibt es auf Arte Opern- und Operettenmelodien aus dem Festspielhaus in Baden-Baden. Die schönsten und populärsten Arien, gesungen von den zwei Weltstars der Opernszene: Sonya Yoncheva (Sopran) und Piotr Beczala (Tenor). Es spielt die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter der Leitung von Dirigent Domino Hindoyan. 

Am 4. Juni um 0:10 Uhr, ebenfalls auf Arte, gibt es eine Konzertgala aus Amsterdam zu sehen. Es handelt sich um eine Aufzeichnung aus dem Jahre 2016 und war gleichzeitig die Einführung von Daniele Gatti als neuer Chefdirigent des Royal Concertgebouw. Er eröffnete seine erste Amtszeit mit einem Galakonzert, in dem es Werke von Beethoven, Mahler und Verdi zu hören gab. Solist dieses Abends war der Bariton Christian Gerhaher, der zur Zeit u.a. als Wolfram von Eschenbach in der Neuinszenierung von Wagners Tannhäuser an der Bayerischen Staatsoper in München zu erleben ist.

Eine dritte Empfehlung gilt allen Fans von Anna Netrebko. Am 17.6. um 20:15 Uhr gibt es bei 3SAT eine Operngala in der Suntory Hall in Tokyo mit der Sopranistin und ihrem Ehemann, Tenor Yusif Eyvazov. Zu hören werden sein berühmte Arien und Duette der italienischen Opernliteratur. 

Einen letzten Tipp gibt es für den 18.6. um 23:00 Uhr wieder auf Arte. Dann heißt es „Ursprung der Oper“. Es geht um den italienischen Opernpionier Claudio Monteverdi, seinen Werdegang und seine Rolle in der Geschichte der Musik und wie er die Entwicklung der Oper maßgeblich für die Ewigkeit beeinflusst hat. 

Für die Gala am 17. Juni mit Anna Netrebko und Yusif Eyvasov auf 3SAT gibt es auf der offiziellen Website noch keinen Zugriff auf die Vorschau, genauso wie für den Beitrag zu Claudio Monteverdi am 18. Juni auf Arte. Beide Sendungen liegen vermutlich noch ein wenig zu sehr in der Zukunft. 

Wie immer sucht jeder das heraus, was ihn anspricht und interessiert. Viel Freude beim Anschauen und Genießen! 


Nicht vergessen!

München, 28.05.2017

 Am 1. Juni startet Toni Schmids wunderbare Liebeserklärung an die Bayerische Staatsoper „Ganz große Oper“ in ausgewählten Kinos. 

Ich habe den Film bei der Premiere im Nationaltheater gesehen und war, wie nachzulesen, sehr begeistert. Sollte ich die Gelegenheit haben, werde ich mir diesen Film ganz sicher nochmals anschauen und kann ihn nur jedem Opernliebhaber und Fan der Bayerischen Staatsoper ans Herz legen. Einige Eindrücke habe ich ja bereits niedergeschrieben und sie auf meinem Blog veröffentlicht. 

facebook.com/GanzGrosseOper.DerFilm


Berauschende Musik, ein wunderbares Sänger-Ensemble, ein herausragender Dirigent und ein Regiekonzept, das zum Nachdenken anregt

München, 27.05.2017

Am letzten Sonntag, dem 21. Mai, fand sie statt die Premiere zu Richard Wagners Oper Tannhäuser in einer Neuinszenierung von Romeo Castelucci und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko. Das Münchner Nationaltheater war selbstverständlich bis auf den letzten Platz ausverkauft und alle, die noch nach Karten suchten, hatten an diesem Abend wenig Aussicht auf Erfolg; kein Wunder bei dieser Besetzung und unter diesem Dirigenten. Die Spannung war groß, mindestens genauso wie die Erwartungen an diese Premiere.

Ich war eigentlich der Meinung gewesen, mich ausführlich mit diesem Werk von Richard Wagner befasst zu haben; mit seinen geschichtlichen Hintergründen, seiner Entstehung und auch den unterschiedlichen Fassungen dieser Oper (s. Einführung, Wikipedia, Wagnerportal etc). Auch bei der Matinee am 14. Mai war ich im Nationaltheater anwesend gewesen. Es hatte sich bezüglich der Gedanken und des Regiekonzepts von Regisseur Romeo Castelucci zwar schon eine gewisse Vorahnung breit gemacht, aber im nachhinein muss ich sagen, ich hätte mich noch um ein Vielfaches mehr mit der Arbeit des italienischen Künstlers beschäftigen müssen. So hatte ich nun an diesem Abend vermutlich im übertragenen Sinne das eine oder andere Fragezeichen im Gesicht. Beruhigenderweise ging es aber auch vielen Opernbesuchern so, ebenso wie den unterschiedlichen Kritikern. Insgesamt waren die Meinungen und Reaktionen sehr geteilt, sowohl während der Vorstellung, als auch beim Schlussapplaus. Dieses bezog sich aber mit ziemlicher Sicherheit nur auf die Inszenierung und ganz bestimmt nicht auf das wunderbare Sängerensemble und schon gar nicht auf einen herausragenden Kirill Petrenko am Dirigentenpult sowie sein großartig aufspielendes Bayerisches Staatsorchester. Und natürlich muss ich noch einen der besten Opernchöre erwähnen, den es zur Zeit gibt und der auch diesen Opernabend mit einer erstklassigen Leistung unterstützte, den Chor der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Sören Eckhoff. 

Im Mittelpunkt stand aber die Musik von Wagner und seines Werks Tannhäuser. Eine unglaublich schöne und intensive Musik die ausdrucksvoll jeden Charakter unterstützt, hervorhebt und das Seelenleben jeder einzelnen Figur zu den Menschen im Zuschauerraum trägt. Das Gleiche betrifft natürlich auch die Künstler und Sänger, die diese Figuren auf der Bühne verkörperten. Kraft ihrer wunderbaren Stimmen und ihrer Darstellung waren sie in der Lage, all dieses zu verbinden und die Menschen und ihre Gefühle und Gedanken lebendig werden zu lassen.

Alle Fotos: © Wilfried Hösl

Christian Gerhaher überzeugte mit seinem warmen Bariton und seiner feinen, bis ins kleinste Detail perfekten Diktion. Es eröffnet sich einem sogleich, wenn er im zweiten Akt seine Stimme erhebt, um als Wolfram von Eschenbach den Wettstreit zu beginnen, warum er zu den zur Zeit besten Liedinterpreten zählt. Das Gleiche gilt z.B. auch für sein Lied vom Abendstern im dritten Aufzug. Berührend, leise, zart singt er und die Menschen im Zuschauerraum lauschen ihm aufmerksam.

Georg Zeppenfeld, der an diesem Abend neben Generalmusikdirektor Kirill Petrenko zu Recht den meisten Applaus erhielt, verkörperte den Landgrafen von Thüringen und Gastgeber auf der Wartburg. Er ließ immer wieder seinen kraftvollen und schönen Bass ertönen und zeigte eine enorme Bühnenpräsenz und Ausdruckskraft, auch wenn er, wie die meisten Darsteller, nicht viel Gelegenheit zur Aktion bekam.

Elena Pankratova, in der Rolle der Venus, ging es da freilich noch viel schlechter in dieser Neuproduktion von Romeo Castelucci. Sie war in einem riesigen, überdimensionalen Fettsuit zur Bewegungsunfähigkeit verdammt. Alleine durch ihre Arme und ihren Kopf konnte sie ein wenig Leben in ihre Rolle bringen, in erster Linie aber durch ihre wunderbare Mezzosopranstimme, die warm und ausdrucksstark den Bühnen- und Zuschauerraum erfüllte. Wirklich ein Genuss, der sich auch hoffentlich bald in einer etwas weniger statischen Produktion wiederholen wird.

KS Anja Harteros bewies auch an diesem Premieren-Abend, warum sie zu einer der besten Sängerinnen ihres Stimmfachs gehört. Ihre atemberaubend schöne Stimme erfüllte die Luft, und sie war nur alleine dadurch in der Lage, die zerbrechliche Seelenwelt der Elisabeth zu den Menschen im Auditorium zu tragen.

Es fehlt nun noch der Sänger, der in dieser Premiere sein Rollendebüt als Tannhäuser gab: der deutsche Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt. Der sympathische Künstler wirkte bei seinem allerersten Auftritt noch ein wenig nervös, was man seiner Stimme in einigen kleinen Stellen anmerkte; aber schon bald hatte er diese anfängliche Nervosität überwunden und war sicher, präsent und bei kraftvoller Stimme. Die Dramatik konnte der deutsche Opernsänger genauso vermitteln wie auch die zarten und zerbrechlichen Töne. Seine Titelfigur ist hin- und hergerissen zwischen zwei Welten und immer auf der Suche, das Richtige zu tun, was eigentlich niemals gelingt. Auch Klaus Florian Vogt ist aufgrund des Regiekonzeptes in seiner Bewegungsfreiheit und Darstellung eingeschränkt, so dass er bedauerlicherweise ausgerechnet die Rom-Erzählung weitgehend nur auf der linken Seite der Bühne singt und dabei wenig aus sich herausgehen kann. Mit seiner Stimme ist er aber in der Lage, den ganzen Raum zu erfüllen und die Verzweiflung des Geächteten und seine aussichtslose Lage zu verdeutlichen.

Was die Regiearbeit von Romeo Castelucci angeht, lasse ich die offiziellen Bühnenfotos sprechen sowie das Videomagazin und den Trailer. Auch im BR-Magazin Capriccio gibt es einen Bericht zu dieser Neuproduktion im Münchner Nationaltheater. 

Die entsprechenden Fotos und Links, auch zu den Bilderwelten vom Regisseur, findet ihr innerhalb bzw. am Schluss dieses Textes. Ich werde mich jedenfalls nochmals explizit mit den Bilderwelten und Gedanken des italienischen Künstlers beschäftigen, um hoffentlich bei der letzten Vorstellung am 8. Juni einen besseren Zugang zu dieser Neuinszenierung zu finden. 

Nichtsdestotrotz war es musikalisch gesehen ein wunderbarer Opernabend, der noch immer in meinen Gedanken ist und mich zum Nachdenken angeregt hat. Vielleicht ist das ja schon alles, was Romeo Castelucci erreichen wollte. Die Musik spricht ohnehin für sich und die Sänger und Musiker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko haben alles gegeben und die Menschen in der Oper mit ihrer Kunst erfüllt und berührt. Dementsprechend gab es sehr viel begeisterten Applaus vom Publikum und unzählige Vorhänge von dem gesamten Team des Abends für die Zuschauer im Saal. Ich vermute, es sind nicht nur im Anschluss, sondern auch noch die Tage danach viele Gespräche geführt und Gedanken ausgetauscht worden. So bleibt diese Kunst lebendig und in den Herzen und Köpfen der Menschen. 

Ich danke für die Aufmerksamkeit und freue mich schon darauf, auch die nächsten Erlebnisse mit euch zu teilen. Bis ganz bald in und aus den Opern und Konzerthäuser in Europa und der Welt. 

Und nicht vergessen: Noch gibt es die Premiere zum Nachhören auf BR Klassik. Außerdem wird es am 9. Juli einen Livestream im Rahmen der Opernfestspiele geben sowie Oper für Alle auf dem Max-Joseph-Platz vor dem Nationaltheater.

Die Links:

staatsoper.de/tv

br-klassik.de/programm

staatsoper.de/stueckinfo/tannhaeuser

Videomagazin

Trailer

Bilderwelten Castelucci:  Teil 1 - Teil 2 - Teil 3

Capriccio BR Ausschnitt Tannhäuser

Die Premierenmatinee zum Tannhäuser am 14.05.2017 im Nationaltheater in München

München, 18.05.2017

Teilnehmer der morgendlichen Runde: Generalintendant Nikolaus Bachler, Generalmusikdirektor Kirill Petrenko, KS und Darstellerin der Elisabeth Anja Harteros, KS und Darsteller des Wolfram von Eschenbach Christian Gerhaher, Regisseur Romeo Castelucci, Dramaturg Malte Krastig sowie Dean Power, Tenor, Ensemblemitglied und Darsteller des Walther v.d. Vogelweide, sowie der Pianist dieses Vormittags, der u.a. Tenor Dean Powell bei seinem Lied begleitete.

Heute Vormittag fand sie also statt, die Premierenmatinee zur Neuinszenierung des Tannhäuser an der Bayerischen Staatsoper in der Regie von Romeo Castelucci und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko. 

Eröffnet wurde die Matinee im vollbesetzten Nationaltheater musikalisch am Klavier mit einem Ausschnitt aus der Ouvertüre des Werks. Im Anschluss richtete Generalintendant Nikolaus Bachler einige Begrüßungsworte an das Publikum, das gespannt auf die Gäste am heutigen Vormittag wartete, und gab eine kleine Einführung zu Richard Wagners fünfter Oper nach seinen zwei Frühwerken Die Feen und Das Liebesverbot und Rienzi sowie Der Fliegende Holländer, die dem Tannhäuser nur wenige Jahre vorausgegangen waren. Die letzte Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper stammt aus dem Jahre 1994 und wurde nach einem etwas holprigen Start über 20 Jahre an diesem Haus gespielt. Es fielen noch ein paar Worte zum Thema Kunst, die Sicht darauf, die sich immer wieder im Laufe der Zeit ändert, genauso wie der Blick auf die Werke der verschiedenen Komponisten. In den Meisterwerken gibt es auch in der heutigen Zeit immer Neues zu entdecken. 

Wagners Oper sollte zuerst „Der Venusberg“ heißen, der Titel konnte sich aber nicht durchsetzen. Es gibt diverse Fassungen: die erste, die von der Uraufführung aus dem Jahre 1845 herrührt, die sogenannte Dresdner Fassung aus dem Jahre 1847, die Pariser Fassung von 1861 und die letzte Bearbeitung von Wagner, die als Wiener Fassung bezeichnet wird aus dem Jahre 1875. Zwischen der ersten und letzten Fassung liegen mehr als 25 Jahre. Drei Wochen soll Wagner, der von Beginn an unzufrieden war mit seiner Arbeit an dieser Oper, zu seiner Frau Cosima gesagt haben: „Ich bin der Welt noch einen Tannhäuser schuldig“. Ob das der Wahrheit entspricht, sei dahingestellt. 

Als ersten Gast ruft Nikolaus Bachler den Generalmusikdirektor Kirill Petrenko in die Runde sowie den verantwortlichen Dramaturgen Malte Krasting. Für den sympathischen Dirigenten ist es die fünfte Wagner-Neuproduktion, zählt man den Ring als ein Ganzes zusammen. Für Kirill Petrenko ist die letzte Version, die Wiener Fassung aus dem Jahre 1875 die, die er als perfekt empfindet. Stilistisch sehr vielseitig mit vielen Einflüssen der Werke, die Wagner im Laufe der Zeit fertiggestellt hat, wie zum Beispiel Tristan und Isolde oder auch Die Meistersinger. Der Musiker entdeckt dort einige Parallelen und viele kleine besondere Details. In diesem Werk ist zu spüren, was in der Zwischenzeit geschehen ist, genau wie das, was noch kommen sollte. 

Tannhäuser ist ein Werk im Übergang zwischen Nummernoper und auf dem Weg zur durchkomponierten Form. Ein wichtiger Punkt sowohl im Tannhäuser wie auch bei den Meistersängern ist der Liedgesang als Mittel der Dramaturgie. Die Welt des Liedgesangs als Kontrast, die die Ausbrüche von Tannhäuser und von Stolzing bewirkt. Es gibt eine Besonderheit und persönliche Änderung des Generalmusikdirektors in der musikalischen Interpretation des Werks: Das Lied von Walther v.d. Vogelweide hat er mit aufgenommen, es stammt aus der Dresdner Fassung. Dieses Lied bewirkt letztendlich den Ausbruch von Tannhäuser und die dramatischen Folgen, die sich daran anschließen. Auch für den deutschen Komponisten hatte dieses Lied eine wichtige Bedeutung, da Wagner nicht nur Komponist und sein eigener Librettist war, sondern auch Dichter. Die gesammelten Textschriften konnte man erwerben und nachlesen. Zum Schluss noch diese Gedanken von Kirill Petrenko: Tannhäuser ist eine Figur zwischen zwei extremen Polen; auf der einen Seite die ekstatische und körperliche Liebe zu Frau Venus und auf der anderen Seite die reine und tiefe Liebe zu Elisabeth. Mit dem Wunsch, Beides haben zu wollen, zu erlangen, scheitert der extreme Künstler. Diese Extreme als Dirigent zum Ausdruck zu bringen, ist die große Herausforderung in der Interpretation dieses Werks. 

Eine Buchempfehlung des Generalmusikdirektors zu dieser Oper: „Tannhäuser und die glücklichen Paradiese“.

Kirill Petrenko wird nun verabschiedet und es folgt ein Auszug als Einspielung vom Einzug der Gäste, kurz vor Beginn des Sänger-Wettstreits im zweiten Akt. 

Nun wird der italienische Regisseur Romeo Castelucci zusammen mit einer Dolmetscherin auf die Bühne gebeten. Grund für diese Maßnahme ist der, dem Regisseur die Möglichkeit zu geben, sich in seiner Muttersprache ausdrücken zu können. Romeo Castelucci, der das erste Mal an der Bayerischen Staatsoper inszeniert, richtet seinen Dank an das zahlreich erschienene Publikum, den Generalmusikdirektor und den großartigen Cast. Studiert hat der Italiener an der Akademie der Schönen Künste in Bologna, und Wagner stand im Mittelpunkt des Studiums. Er hält ihn psychologisch und philosophisch für sehr wichtig und interessant, auch noch in der heutigen Zeit. Das Konzept des griechischen Theaters, die Konzeption des Tragischen und der Tragödie, ist bei Wagner augenscheinlich. Die Verbindung zwischen Zuschauer und der Musik ist besonders stark. Ich versuche hier, so gut wie möglich die Gedankengänge des verantwortlichen Regisseurs zusammenzufassen, was in der Tat nicht ganz einfach ist. Im Tannhäuser gibt es zwei Welten, die heilige Liebe zu Elisabeth und die profane Liebe zu Venus. Aber beide seien nur Schein, ein Reflektionsspiel, das bei Wagner so häufig vorkommt, viele Ansichten/Seiten einer Sache. Romeo Castelucci meint, dass sich alles nur auf Elisabeth bezieht und auf die Abwesenheit und das Fehlen. Zur Frage, ob es ein Thema gebe, mit dem man den Tannhäuser beschreiben und zusammenfassen könne, antwortete der sympathische Italiener, Tannhäuser sei eine wundervolle Figur, es gehe um den Irrtum, fehl am Platz zu sein, zur falschen Zeit am falschen Ort. Tannhäuser sagt immer das Falsche und tut das Falsche. Das Element des Fehlers sei die übergeordnete Beschreibung dieses Werks. Die Titelfigur sei ein Umherirrender ohne Heimat.

Anschließend werden noch zwei der Solisten aus dieser Neuinszenierung auf die Bühne gebeten, was aufgrund der morgigen anstehenden langen Hauptprobe ein großes Zugeständnis ist: Anja Harteros, die die Partie der Elisabeth übernimmt, und Christian Gerhaher, der den Wolfram von Eschenbach verkörpern wird. Beide Künstler wirken trotz der in einer Woche stattfindenden Premiere entspannt und berichten über ihre Ansichten und Einblicke bezüglich ihrer Figuren. Ich fasse dieses jetzt kurz zusammen, da der Text sonst in seiner Länge noch weiter ausufern würde. 

Christian Gerhaher: Das Besondere an dem Charakter des Wolfram von Eschenbach: er reflektiert sein eigenes Tun, Intellektualität, spricht zu sich selbst, fungiert als eine Art Erzähler, ein kleiner Evangelist gewissermaßen. Er richtet sich direkt ans Publikum. Wolfram von Eschenbach, der die Elisabeth liebt, hofft am Ende auf Erlösung für sie, auf welchem Wege auch immer. Er ist sich nicht im Klaren über das, was er will, eine extreme platonische Liebe, eine tief romantische Liebe. Als er sich während des Wettstreits seine Gefühle offenbart, sein Handeln für einige Momente massiv ändert, blamiert er sich nicht nur, er provoziert auch Tannhäuser zu seinem Ausbruch, der ihm seine Verbannung einbringt. So trägt Wolfram von Eschenbach am Ende eine gewisse Mitschuld am weiteren Verlauf der tragischen Ereignisse, an deren Ende der Tod sowohl von Elisabeth steht wie auch der seines Freundes Heinrich von Ofterdingen (der eigentliche Name von Tannhäuser). Der Minnesänger wird während der Romerzählung auch mit seiner eigenen Schuld konfrontiert und bleibt am Ende mit dieser alleine zurück.

Anja Harteros: Elisabeth wird erst einmal auf ihre Keuschheit und Reinheit reduziert. Für Wagner hat sie vermutlich zuerst die Funktion erfüllt, die er zur Gestaltung der Figur des Tannhäusers brauchte. Die Sopranistin meint, dass der Elisabeth der Rang der keuschen, reinen Jungfrau übergespült wurde. Elisabeth als Ikone. In ihr gibt es aber eine große Sehnsucht, die sich am Ende nicht erfüllen wird. Sie versteht den Mann, den sie so sehr liebt, als Einzige, kann sein Tun irgendwie nachvollziehen, dass sie nun mal eben nicht nur die Reine und Keusche ist, sondern auch eine Frau mit tiefen Gefühlen. Genauso tief, wie ihre Liebe zu Tannhäuser ist, so tief ist auch ihr Glaube. Sie will diesen Mann, mit allen seinen Fehlern. Und sie ist bereit, sich für diese Liebe und seine Erlösung zu opfern. Am Ende ist alles, woran sie glaubte, verloren. Auf die Frage, woran denn nun die Elisabeth stirbt, gab die sympathische Sängerin zur Antwort: Wohl an gebrochenem Herzen, aber so genau wüsste sie das letztendlich nicht. 

Zum Abschluss der Matinee gab es noch einen kleinen musikalischen Leckerbissen. Dean Power, ein junger Tenor und Ensemblemitglied, der die Partie des Walther von der Vogelweide in dieser Produktion übernimmt, sang das bereits erwähnte Lied, das Kirill Petrenko von der Dresdner Fassung mit in diese Neuinszenierung übernommen hat. Ein wunderbarer Abschluss für einen unterhaltsamen und überaus lehrreichen Vormittag im Münchner Nationaltheater. 

Wir hören uns dann wieder mit den Eindrücken zur Premiere am 21. Mai. Natürlich wieder unterstrichen durch die wunderbaren Bühnenfotos von Wilfried Hösl. Das Video-Magazin und der Trailer auf der Seite der Bayerischen Staatsoper bringen weitere Impressionen zu dieser Neuinszenierung. 


Die Hauptpartien in Wagners Tannhäuser und ihre Darsteller

München, 18.05.2017

Heinrich von Ofterdingen, genannt Tannhäuser – Minnesänger – Titelpartie: Klaus Florian Vogt – Rollendebüt

Stichworte: Antiheld, voller Leidenschaft, extrem in seinem Empfinden, seinen Gefühlslagen. Die Sehnsucht, auch den Schmerz in sich zu spüren, durch den er sich lebendig fühlt. Ganz oder gar nicht, voll und ganz, niemals nur etwas oder ein wenig. Laut Wagner wie er ein Mensch der Extreme, der Ekstasen, der höchsten Empfindsamkeiten.  

Diese Rolle ist enorm anspruchsvoll, liegt an der obersten Grenze der stimmlichen Möglichkeiten, ist aber auch darstellerisch eine Herausforderung, ist intensiv und extrem. Erahnen lässt sich das bereits nach Studieren der Synopsis z.B. im Opera Guide wie auch im bereits erwähnten Buch von Kurt Pahlen. Diese Partie, die für einen Heldentenor ausgewiesen ist, fordert auch einem erfahrenen Sänger alles ab. Im Fall der Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper ist Klaus Florian Vogt in der Titelrolle zu erleben. Für den gebürtigen Holsteiner, der mit seiner Frau und seinen vier Söhnen in Dithmarschen lebt, ist es ein Rollendebüt. 

Abgesehen vom Regiekonzept darf man gespannt sein, wie der gefragte und erfahrene Wagnersänger diese Rolle anlegen wird. Theoretisch gibt es doch einige Gestaltungsmöglichkeiten für diese Figur. Der Charakter Tannhäusers bzw. sein Empfinden und Erleben ist extrem und intensiv und genauso sollte daher auch die Darstellung sein, um das Seelenleben dieses verirrten Menschen zu verdeutlichen. Warten wir also gespannt ab, wie uns der sympathische Opernsänger auf der Bühne begegnen wird und uns mitnimmt auf eine bewegende Reise in die Tiefe von Tannhäusers Seele. 


Elisabeth – Nichte des Landgrafen und Tannhäusers Liebe: Anja Harteros

Stichworte: Reinheit, Keuschheit, tief gläubig, wahrhaft liebend, zart und zerbrechlich, aber auch stark, in der Lage zu verzeihen oder, mehr noch, zu vergeben. Bereit sich zu opfern, um dem Mann, den sie liebt, Erlösung zu ermöglichen und den Erlass seiner Sünden. Der Gegenpol zur Venus. 

Ich freue mich schon sehr auf Anja Harteros in der Partie der Elisabeth, die Sopranistin mit der Traumstimme. Nach der Maddalena in Andrea Chénier in München und der Sieglinde in der Walküre bei den Salzburger Festspielen, ist es das dritte Debüt für die hübsche Deutsch-Griechin. Die Rolle der Elisabeth ist, auch wenn nicht allzu groß, der Opernsängerin, die in München ihre künstlerische Heimat gefunden hat, wie auf den Leib geschrieben. Zwei wunderschöne Arien gibt es zu singen und ein Liebesduett, dazu die dramatische Szene auf der Wartburg während des Wettstreites. Diese Rolle ist weit weniger extrem als die des Tannhäuser, aber dafür um so melodischer und lieblicher. Trotzdem hat diese Rolle auch Kraft und Stärke zu vermitteln. Sie wirft ihren Körper schützend vor den des Mannes, den sie liebt, ist bereit ihr Leben zu geben, damit er Erlösung erfährt. Sie kämpft erst um sein Leben und dann um seine Seele. Auch Anja Harteros hat, sofern man sie lässt, genug gestalterische Möglichkeiten, nicht nur gesanglich, sondern auch in ihrer Darstellung und Rolleninterpretation. In jedem Fall wird es ein Genuss für alle Sinne, wenn ihre wunderschöne Stimme  erklingt und sie die Menschen im Zuschauerraum tief berührt. 


Venus – Die Göttin der Liebe: Elena Pankratova

Stichworte: Die Gegenspielerin von Elisabeth, der Inbegriff von Leidenschaft, Göttin, kann nur die Freude teilen, die tiefe und uneigennützige Liebe kennt sie nicht, nur Leidenschaft und das körperliche im Leben, hat große Macht, verliert aber gegen die reine Liebe, Vergebung, Glauben und den Wunsch nach Erlösung. 

Wie Elena Pankratova, die ich noch nicht habe singen hören, weder auf einer Aufnahme, noch auf der Bühne, ihre Rolle gestalten wird, kann ich deshalb nicht sagen. Aber extrem ist diese Rolle sicher auch. Die Rolle der Venus kommt in erster Linie in den ersten zwei Dritteln des ersten Aktes vor und nochmals für wenige Augenblicke im dritten Aufzug (nur nicht nicht in der Urfassung aus dem Jahre 1845). Da man sich in München an der Bayerischen Staatsoper aber für die Wiener Fassung aus dem Jahre 1875 entschieden hat, es war die letzte Bearbeitung Wagners an dieser Oper, gibt es noch eine weitere Begegnung mit der Venus im letzten Akt. 


Wolfram von Eschenbach – Minnesänger: Christian Gerhaher

Stichworte: empfindsame Künstlerseele, Freund von Tannhäuser, liebt still und tief Elisabeth. Wolfram von Eschenbach, in der Neuinszenierung in Münchnen verkörpert vom deutschen Bariton Christian Gerhaher, ist ein Minnesänger, der sich immer wieder im Wettstreit mit anderen Sängern misst, u.a. auch auf der Wartburg, auf der Landgraf Hermann von Thüringen herrscht, dessen Nichte Elisabeth ist. Diese liebt wiederum heimlich Wolfram von Eschenbach, hatte aber niemals, auch nach dem Weggang von Tannhäuser nicht, die Chance, eine Verbindung mit ihr einzugehen. Trotz der Vergehen Heinrich von Ofterdingens, ist er noch immer sein Freund und versucht ihm zu helfen, so gut es geht. Trotzdem ist er am Ende irgendwie auch mitverantwortlich für den weiteren tragischen Verlauf, als er während des Wettstreits auf der Wartburg plötzlich seine wahren Gefühle offenbart und damit Tannhäusers Ausbruch provoziert. Für Elisabeth hofft er am Ende auf Erlösung, auf die eine oder andere Weise. Er selbst bleibt mit unerfüllten Wünschen und Sehnsüchten zurück.

Auf Christian Gerhaher bin ich sehr gespannt, da ich ihn zwar in verschiedenen Aufnahmen, vornehmlich im Liedgesang, gehört habe, aber noch niemals auf einer Opernbühne. Ich freue mich sehr auf dieses Erlebnis. 


Hermann von Thüringen – Landgraf: Georg Zeppenfeld

Stichworte: Herrscher in Thüringen und somit auch auf der Wartburg, seinem Adelssitz, der Onkel von Elisabeth, Gastgeber des Sängerwettstreits, bei dem es zum Eklat kommt, und dem seine Nichte sich seit dem Weggang von Tannhäuser verweigert hat. Gütig und streng zugleich. 

Der deutsche Bass Georg Zeppenfeld, der die Partie des Landgrafen in dieser Inszenierung verkörpert, hat eine für mich persönlich sehr wichtige Figur inne, die mit seinen Entscheidungen den Ablauf der Ereignisse maßgeblich beeinflusst. Zuerst einmal muss er Frieden und Ruhe bewahren in seinem Reich und unter seinen Landsleuten, und er fühlt sich für seine Nicht Elisabeth verantwortlich und möchte sie beschützen und glücklich sehen. Er ist gütig und streng zugleich. Gütig, als er Tannhäuser, Heinrich von Ofterdingen, wieder aufnimmt und ihm seine Vergehen verzeiht und ihn einlädt, Gast zu sein auf der Wartburg, um am Wettstreit teilzunehmen, natürlich auch seiner Nichte Elisabeth zuliebe. Zugleich lässt er nach dem Eklat, den Tannhäuser während besagten Wettstreits verursacht, Strenge walten und schickt ihn in die Verbannung, aus der er nur zurückkehren möge, wenn der Papst selbst ihm Vergebung und den Erlass seiner Sünden zukommen hat lassen. 

Im Anschluss gibt es noch zum besseren Kennenlernen der unterschiedlichen Sänger und Künstler die entsprechenden Seiten zum Nachschlagen. Der ein oder andere von ihnen sollte aber ohnehin schon bekannt sein. 


Jetzt noch einige warme Worte zum Dirigenten dieser Neuinszenierung, der die musikalische Leitung innehat: Generalmusikdirektor Kirill Petrenko.

Für mich einer der wunderbarsten Musiker, Künstler und Menschen in der Welt der Oper, der klassischen Musik. Sein Verständnis für die Musik und sein Wissen darüber sind grenzenlos, genau wie seine Bescheidenheit und Zurückhaltung. Der Tannhäuser ist die fünfte Neuproduktion für Kirill Petrenko, sieht man den Ring als Ganzes. Dieser sensible und intelligente Künstler versteht es auf ganz wunderbare Weise, den Menschen, auch die die wenig Erfahrung mit der Musik der Oper oder überhaupt der klassischen Musik haben, diese auf verständliche und leichte Art näherzubringen, ohne dabei die Tiefe zu verlieren. Er hat mit Sicherheit einen ganz großen Anteil daran, dass jede einzelne Produktion, so auch diese Neuinszenierung, erfolgreich von den Zuschauern angenommen wird, wie auch jeder einzelne Sänger oder Musiker, der Teil der Aufführung dieses Werks ist.

Im Bericht über die Premierenmatinee, die heute im Nationaltheater stattfand, werde ich noch ein wenig näher auf Kirill Petrenkos Interpretation dieser Wagner-Oper und seine Gedanken dazu eingehen. Auch der italienische Regisseur Romeo Castelucci wird dann zur Sprache und zu Wort kommen und seine sehr philosophische Ansicht auf das Werk und das Schaffen von Richard Wagner.

www.staatsoper.de/stueckinfo/tannhaeuser


Korrektur:

Irgendwie bin ich einer Fehlinformation aufgesessen bezüglich des angeblichen Rollendebüts von Anja Harteros. Während der Premierenmatinee zum Tannhäuser im Münchner Nationaltheater habe ich durch die Sopranistin persönlich erfahren, dass es definitiv kein Rollendebüt für sie ist und auch nicht  die erste Neuproduktion. Ich bitte also diese nicht korrekt weitergegebene Information zu entschuldigen. Was Klaus Florian Vogt angeht, bleibt es aber dabei, für ihn ist die Figur des Tannhäuser tatsächlich ein Rollendebüt!


Eine Oper mit Hindernissen:
Die Tosca an der Wiener Staatsoper im Mai 2017

München, 16.05.2017

Diese Tosca lief wahrlich nicht so glatt ab wie geplant und bescherte den Zuschauern und Opernfans die eine oder andere Überraschung. Bei der ersten Vorstellung am 5. Mai war noch alles bestens, die drei Hauptakteure verwöhnten die Menschen in der Oper und vor der Oper an der großen Leinwand mit wunderbarer Gesangskunst, traumhaften Stimmen und einer leidenschaftlichen Darstellung auf der Bühne. Alles lief glatt: Jonas Kaufmann und Angela Gheorghiu sangen Seite an Seite einträchtig auf der Bühne und versprühten eine große Spielfreude. Der Münchner Tenor wiederholte am Ende trotz stürmischen Applauses seine Arie nicht, und die rumänische Operndiva erschien pünktlich zu ihrem Auftritt im dritten Akt. Am Ende gab es ausgedehnte und begeisterte Beifallsbekundungen für das Solistenteam, das Orchester und den Dirigenten. Als kleine Belohnung gab es hinterher noch eine Signierstunde, zuerst mit Jonas Kaufmann und etwas zeitverzögert mit seiner Bühnenpartnerin. Auch der italienische Bariton, der, besonders ab dem zweiten Akt, eine hervorragende Leistung gezeigt hatte, gab sich die Ehre und nahm sich draußen vor dem Bühneneingang ausreichend Zeit für die begeisterten Opernbesucher. Drinnen bei der Signierstunde seiner beiden Bühnenpartner ging es ein wenig ruhiger zu; vielleicht nicht gerade beim Münchner Startenor, der sich, obwohl er ein wenig erschöpft gewirkt hatte und zudem noch weitere Planungen für den Abend hatte, wie immer viel Zeit für seine Fans nahm, die dieses dankbar registrierten. So kam jeder zu seinem Autogramm, einem Foto und ein paar persönlichen Worten mit dem ausgesprochen sympathischen Künstler. Mit dunklen, jetzt mal wieder recht kurz geschnittenen Locken, dazu mit Blue Jeans, hellblauem Hemd und dunkelblauem Pullover sah Jonas Kaufmann an diesem Abend auch noch verboten gut aus, so die allgemeine Aussage. Übrigens nicht nur die der weiblichen Fans. 

Im Anschluss gab sich die elegant gekleidete und bestens aufgelegte Angela Gheorghiu die Ehre und nahm sich genau wie ihr Bühnenpartner ausreichend Zeit für die Fans, lächelte freundlich in jede Kamera, gab Autogramme und nahm die zahlreichen Komplimente entgegen. Auch der junge norwegische Dirigent, der fließend deutsch spricht, ließ sich noch blicken und signierte bereitwillig die Programmhefte. 

Drei Tage später sollte schon die erste Änderung eintreten, für die Vorstellung am 8. Mai, die auch den (kostenlosen) Livestream enthielt, hatte sich Frau Gheorghiu krank gemeldet und die österreichische Sopranistinh mit der Kaufmann bereits in Paris den Lohengrin gesungen hatte, übernahm die Partie der Tosca an diesem Abend. Ich hatte geplant, den Livestream zusammen mit einer Freundin aus München anzuschauen. Leider war der Server genau zu Beginn der Übertragung aus Wien komplett überlastet und wir hatten, wie viele andere Menschen, keine Chance uns einzuloggen. Als Alternativprogramm gab es die Aufzeichnung des Broadcast von La Traviata aus der Met aus dem Jahre 2006 mit Jonas Kaufmann (bei seinem Met-Debüt) und Angela Gheorghiu. Später gelang der Login, kurz nach dem Vittoria! Vittoria! Cavaradossis waren wir zur Gast in der Vorstellung. Der Livestream lief und wir erlebten das dramatische Ende des zweiten Aktes, das zweifache E lucevan le stelle des Münchner Opernsängers, das die Zuschauer fast von den Sitzen riss und den Saal toben ließ, ein wunderschönes abschließendes Liebesduett und den tragischen Tod der zwei Liebenden. Das Publikum äußerte begeistert seine Freude und die Künstler nahmen dankbar und glücklich die Bravorufe und den Applaus entgegen. 

Laut einer Freundin gab es auch an diesem Abend eine Signierstunde, sowohl von Jonas Kaufmann wie auch von Marina Serafin, allerdings, was den Münchner Opernsänger angeht, ohne Fotoaufnahmen. Er wirkte noch ein wenig erschöpfter als bei der ersten Vorstellung und war vermutlich froh, als alle seine Fans soweit versorgt waren. Bei der dritten und letzten Vorstellung war der sympathische Münchner selber krank, das ursprüngliche Team der Tosca hatte sich somit um zwei Drittel reduziert. Und die Besetzung aus dem letzten Jahr war gänzlich nicht mehr vorhanden. Ich hatte eigentlich geplant, mir wenigstens noch die dritte und und letzte Vorstellung am 11. Mai live in Wien anzuschauen und bin auch hingefahren. Angesehen habe ich sie mir aber dann nicht mehr, der Aufwand mit dem Anstehen für eines der Stehplatztickets ist doch sehr groß. Diesen Aufwand betreibe ich wirklich nur, und man möge mir dieses verzeihen, für einige wenige ausgewählte Sänger.

Stattdessen habe ich mir einen wunderbaren Tag in Wien gemacht, das Wetter war einfach traumhaft, und habe mir dann im Verlauf noch einmal den Livestream in Ruhe und in voller Länge angeschaut. Hier noch ein paar Eindrücke dazu: Die Inszenierung sehe ich als bekannt voraus, ansonsten gibt es den ersten Beitrag meines Blogs vom 16. April 2016, der auch diese wunderbare Inszenierung zu Grunde hat. Die offiziellen Bühnenfotos im Beitrag unterstreichen meine Eindrücke noch ein wenig, obwohl zugegebenermaßen die Darstellerin der Tosca auf den Fotos und an diesem Abend nicht übereinstimmt. 

Fotos: © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Der Livestream zeigte nun im ersten Akt ein, so konnte man vermuten, noch recht frisch verliebtes Paar, das miteinander turtelte, immer wieder vor sich hinkicherte, sich neckte, schüchterne Blicke und Umarmungen austauschte sowie zarte Küsse. Jonas Kaufmann und Martina Serafin hatten große Freude an dieser Darstellung und wirkten sehr harmonisch zusammen auf der Bühne. Es gab die eine oder andere Änderung in den gemeinsamen Szenen, die diesen Abend erfrischend anders gestalteten. Beide waren sehr gut bei Stimme und genossen diese Szene des verliebten Paares, aber auch die Leidenschaft, die daraus entstand: Toscas Eifersucht und Cavaradossis Reaktion darauf. Die erste Arie des Münchner Tenors, Recondita armonia, die gemeinsamen Liebesduette und die Auftrittsarie Va Tosca des Barons Scarpia, auch an diesem Abend verkörpert von Marco Vratogna, waren die Highlights im ersten Akt. Auch die Szene zwischen Baron Scarpia und Floria Tosca bereitete großes Vergnügen.

Im zweiten Akt nimmt diese Oper dann bekanntlich so richtig Fahrt auf, ist spannend wie ein Krimi, fesselnd und dramatisch. Die drei Hauptprotagonisten wussten diese Dramatik so richtig zu vermitteln und zu den Opernfans im Zuschauerraum zu tragen. Marco Vratogna zeigte die ganze Bösartigkeit des Polizeichefs auf, war brutal und sadistisch und hatte große Freude daran, Tosca in Panik zu versetzen und auf perfide Weise dazu zu bringen, das geheime Versteck des Gefangenen preiszugeben. Martina Serafin vermittelte auf eindrückliche Weise, wie sehr sie in ihrer Rolle der Tosca leidet, die schlimmsten Ängste um ihren Geliebten aussteht und am Ende für ihren Mario zur Mörderin wird. Sie bescherte den Zuhörern ein wunderschönes Vissi darte und erfüllte den Raum mit ihrer schönen und klaren Stimme. 

Jonas Kaufmann, als ihr geliebter Maler Mario Cavaradossi, ist ein Mensch, der auf der einen Seite entsetzt ist über die Gewalt, die ihm bereits vor dem Beginn der Folter zuteil wird, auf der anderen Seite aber voller Hoffnung ist, dass alles gut endet und man ihm nichts anhaben wird. Alles getragen durch die Stimme seiner Tosca, die er durch das offene Fenster hört. Erst nach und nach wird ihm bewusst, was auf ihn zukommt und das dieses vermutlich sein Ende bedeutet. Die Angst, die sich immer mehr ausbreitet, vermag der Münchner Opernsänger realistisch aufzuzeigen. Und auch die Schreie des Gefolterten wirken erschreckend echt und durchdringen die Luft wie ein scharfes Schwert. Die Verzweiflung, die ihn überkommt, als er feststellen muss, dass seine Geliebte nicht Wort gehalten hat, sind ihm ins Gesicht geschrieben. Und als schließlich die Vittoria!-Vittoria!-Rufe ertönten, klang das wie ein Triumphschrei über das Böse, klar und wunderbar dramatisch. 

Der dritte Akt wurde nicht wirklich überraschend von dem zweifachen E lucevan le stelle überstrahlt. Schon beim ersten Mal sang der sensible Künstler diese Arie fast in sich gekehrt, die Augen geschlossen wie in einer anderen Welt. Der Schmerz des Abschieds Cavaradossis war ganz unmittelbar zu spüren, seine Verzweiflung und Trauer, von dieser Welt zu gehen, ohne seine geliebte Tosca noch einmal wiederzusehen. Er träumt sich zurück in die Zeit, da seine Geliebte in seinen Armen lag und er sie zärtlich liebkoste. Dieses alles zu verlieren treibt ihn an die Grenze des Unerträglichen. Der Tenor saß am Ende in sich versunken und wie abwesend da. Natürlich gab es einen Jubelsturm, der sich daran anschloss und der dieses Mal tatsächlich dazu führte, dass es ein Da Capo gab.

Fotos: © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Glücksgefühle für alle Fans von Jonas Kaufmann und für jene, die diese wundervolle Musik und ausdrucksstarken Stimmen lieben. Also gab es eine Wiederholung und dieses Mal hätte man eine Stecknadel fallen hören können, so leise und zart und unendlich traurig erklangen die Dolci baci. Verzweifelt nahm Cavaradossi ein weiteres Mal Abschied vom Leben und seiner geliebten Floria Tosca und der Münchner Opernsänger vermittelte den Eindruck, als bräuchte er ein paar Augenblicke, um wieder aus dieser doch sehr emotionalen Situation herauszufinden, die auch vermutlich einen erfahrenen Sänger nicht kalt lässt. 

Im Anschluss erschien seine Bühnenpartnerin pünktlich auf der Szene, um als Tosca ihrem Mario von den Fluchtplänen zu erzählen, von der fingierten Erschießung und von der grauenvollen Situation, die sie erlebt hat, und von der Angst, die sie ausstehen musste. Noch einmal sehen wir ein bezauberndes Bühnenpaar, wunderschöne Liebesduette, zärtliche und dramatische Momente und den fatalen Ausgang eines perfiden Plans. Bekanntermaßen geht am Ende Scarpias furchtbare Intrige auf, Cavaradossi wird in Wirklichkeit doch erschossen, sehr authentisch dargestellt vom Münchner Opernsänger, und Tosca stürzt sich von der Engelsburg in den Tod. 

So endete nun also dieser Opernabend mit der Wiener Tosca für die Menschen, die sie live gesehen haben, und für die Zuschauer, die sie im Livestream erlebten. Am Ende gab es selbstverständlich den verdienten, begeisterten und ausgedehnten Applaus, den die Künstler auf der Bühne und im Orchestergraben dankbar und glücklich entgegennahmen. 

Wer weiß, ob wir diese wunderbare Tosca-Inszenierung, die schon so lange besteht, noch einmal in dieser Besetzung erleben werden. Es war jedenfalls ein wunderschöner und unvergesslicher Opernabend, ob nun in der Oper direkt oder an den Bildschirmen.

Danke an die Künstler, Musiker und Sänger, die dort mitgewirkt haben, Danke an die Wiener Staatsoper, an ihren Intendanten Dominique Meyer und die großartige Margarete Wallmann, der wir diese wunderschöne Regiearbeit zu verdanken haben.


Eine Einführung zu Richard Wagners Tannhäuser

München, 15.05.2017

Der komplette Titel von Wagners Oper, muss man vollständigerweise sagen, lautet „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“. Sie wird beschrieben als Romantische Oper in drei Aufzügen. Dieses Werk von Richard Wagner gilt bereits als durchkomponiert, das heißt, es gibt keine Rezitative und Sprechpassagen, die die einzelnen Szenen miteinander verbinden. Die Arien betreffend, befindet sich die Kompositionsform noch im Übergang. Die sogenannte Hallenarie der Elisabeth („Dich teure Halle grüß ich wieder“) zu Beginn des 2. Aufzuges ist sehr wohl als solche zu erkennen und zu empfinden, genauso wie Elisabeths Gebet („Allmächt´ge Jungfrau“) zu Beginn des dritten Aufzuges. Auch das Lied an den Abendstern des Wolfram von Eschenbach, ebenfalls im dritten Aufzug, klingt fast wie eine Arie. Bei der Romerzählung von Tannhäuser im zweiten Aufzug kann man auch von einer dramatisch gesungenen und erbrachten Erzählung sprechen. 

Uraufführung für dieses Werk war der 19.10.1845 in der Dresdner Hofoper unter der Leitung von Richard Wagner selbst. Insgesamt gibt es drei mehr oder weniger unterschiedliche Varianten dieser Oper, wobei die Urfassung von Wagner tatsächlich ausschließlich bei der Uraufführung gespielt wurde. Die Dresdner Fassung stammt aus dem Jahre 1847, entstand also nur zwei Jahre nach der ersten. Die damals heftig umstrittene Pariser Entwurf (Wagner hatte insbesondere die Szene mit Venus im ersten Aufzug deutlich ausgebaut), kam fast 16 Jahre später zur Aufführung. Im Jahre 1875 gab es die letzte Aufführung, die Richard Wagner persönlich betreute, und die letzte Bearbeitung dieses Werks. Die eigentliche Pariser Fassung, die Wagner hatte ins Französische übersetzen lassen, müsste heute eigentlich als Wiener Fassung bezeichnet werden. Die Bearbeitung aus Paris liegt ihr zu Grunde, nur wurde sie 1875 in Wien wieder in Deutscher Sprache aufgeführt und die entscheidende Änderung, die Wagner noch vornahm, war die, dass nun die erste Szene sich unmittelbar an die Ouvertüre anschließen sollte. Die in Paris durch lokale Umstände erfolgten Striche wurden wieder aufgemacht.

Für weitere musikgeschichtliche Hintergründe zur Entstehung dieses Werks, empfehle ich z.B. das Textbuch, inklusive Einführung und Kommentar, von Kurt Pahlen zu lesen, erschienen in der Reihe Opern der Welt im Schottverlag (der Link zu Amazon). Außerdem bieten Wikipedia und das Wagnerportal weitere Möglichkeiten, sich über dieses Werk und seine Geschichte zu informieren.

In München hat man sich nun für die eben benannte Wiener Fassung aus dem Jahre 1875 entschieden. Mehr darüber gibt es im Podcast auf der Seite der Bayerischen Staatsoper und bei facebook zu erfahren und im Preview-Clip, in dem sowohl die Sänger wie auch der Regisseur zu Wort kommen. 

Zu den unterschiedlichen Figuren dieses Werks komme ich im sich anschließenden Beitrag, wo ich insbesondere die Hauptpartien vorstellen werde und in Kombination damit die sie verkörpernden Solisten. 

Der spannendste Teil ist sicher die Entstehung dieser Oper, die Wagner aus den unterschiedlichsten Elementen zusammensetzte und sie mit seinen Gedanken und seinem Genie für Personenführung, Gestaltung und Entwicklung der Figuren und des Plots kombinierte. Ich empfehle sehr, sich mit der Geschichte um Tannhäuser näher zu beschäftigen, es lohnt sich. 

Worum geht es nun in diesem Werk? Was ist die Kernaussage? Sie könnte heißen, was nach Wagners Meinung so war: der Mensch findet allein durch die wahre, tiefe und reine Liebe Vergebung. So auch im Tannhäuser. Genau aus dieser Liebe gibt sich Elisabeth hin und ermöglicht so, dass dem Mann, den sie aus tiefstem Herzen liebt, seine Sünden vergeben werden und er dadurch Erlösung findet. Die beiden verbinden so ihre Liebe für die Ewigkeit, sie wird niemals sterben.

Tannhäuser versündigt sich, in dem er seine Elisabeth plötzlich verlässt und sich Venus und der ekstatischen und körperlichen Lust und Liebe hingibt. Er spürt irgendwann, dass etwas Wesentliches fehlt, während er im Reich der Venus lebt: das Spiel der Jahreszeiten, die unterschiedlichen Gefühle, das Auf und Ab des Lebens, der Schmerz. Besonders nach diesem Schmerz sehnt sich Tannhäuser, durch ihn fühlt er sich lebendig. Diese Sehnsucht wird irgendwann so groß und so unerträglich, dass er den Entschluss fasst, Venus, die nur Freude und Lust zu empfinden in der Lage ist, zu verlassen. Sie prophezeit ihm, dass er zu ihr zurückkehren wird, nachdem er bei den Menschen nicht das gefunden hat, was sie ihm geben kann und außerdem verachtet und verurteilt werden wird für das, was er erlebt und getan hat. Tannhäuser aber kehrt Venus den Rücken und begibt sich zurück in die Welt draußen. Er begegnet seinen ehemaligen Kameraden, sowie dem Landgrafen, die ihn wieder aufnehmen und ihm Verzeihung zuteil werden lassen. Auch Elisabeth tritt wieder in sein Leben. Seit Tannhäuser sie verließ, hat sie am Leben nicht mehr wahrhaft teilgenommen, hat sich zurückgezogen und getrauert. Nun scheint alles wieder gut zu werden. Tannhäuser wird zum Sängerwettstreit auf die Wartburg eingeladen, dessen Thema die Liebe zu Grunde liegt. Während alles ganz harmlos mit einigen Versen beginnt, die jeder der Mitstreiter zum Besten gibt, kommt es am Ende zum Eklat, als der Zurückgekehrte von seinen Erlebnissen im Reich der Venus berichtet. Mehr und mehr steigert er sich hinein in seine Erinnerungen, die immer stärker werden und an deren Ende er die anderen im Saal und vor den Augen und Ohren des Landgrafen und seiner Nichte Elisabeth auffordert, sich ins Venus-Reich zu begeben, um die wahre Lust und Liebe zu erfahren, die nur wenigen zuteil wird. Alle Kameraden gehen mit den Schwertern auf ihn los, um ihn auf der Stelle zu töten. Elisabeth stellt sich mutig mit ihrem Körper vor ihn und bittet um Gnade und die Chance auf Sühne. Der Landgraf stellt Tannhäuser in Bann und Acht und macht zur Bedingung, dass der Verbannte erst zurückkehren darf, wenn er nach Rom gepilgert ist und dort vom Oberhaupt der Kirche die Vergebung seiner Sünden gefunden hat. Während Elisabeth für den Geliebten zur Heiligen Jungfrau betet und für die Vergebung seiner Sünden bittet, kehrt Tannhäuser unverrichteter Dinge aus Rom zurück; ein gebrochener Mann, ohne Hoffnung, aber auch voller Wut und Verzweiflung. In seiner Erzählung berichtet er seinem Freund Wolfram von seiner mühseligen Reise, seinen Erlebnissen und darüber, dass er niemals eine Chance haben werde, dass ihm jemals seine Sünden vergeben werden. In seiner Verzweiflung ruft er Venus und ihre Welt an und fleht sie an, zurückkehren zu dürfen. Der entsetzte Freund muss das alles mit anhören und versucht mit aller Macht, den Verbannten vor diesem verhängnisvollen Schritt zu bewahren. Aber erst der Name Elisabeths kann Tannhäuser dazu bewegen innezuhalten und seinen Wahnsinn zu stoppen. 

Elisabeth ist für ihren Geliebten gestorben, zur Vergebung seiner Sünden und für seine Erlösung. Tannhäuser sinkt am Ende in die Arme seines Freundes und stirbt. Zum Schluss geschieht das Wunder: Der Stab der Pilger trägt plötzlich wieder neues Grün, dem Sünder ist vergeben worden, er fand Erlösung, denn Gott vergibt alle Sünden. Er lässt die Menschen nicht alleine, tut das, wozu der Papst, das Oberhaupt der Kirche, nicht in der Lage war. „Verzeihen ist menschlich, vergeben göttlich“, heißt es. 

Im Anschluss gibt es noch einige Links, die meinen regelmäßigen Lesern bekannt sein dürften, wie z.B. den zum Opera Guide. Sie ergänzen und unterstreichen meinen Beitrag noch entsprechend und fügen weitere interessante Informationen hinzu.

opera-guide.ch

Musikbeispiele bei Youtube:

Die vorletzte Premiere der Saison am Münchner Nationaltheater

München, 14.05.2017

Am 21. Mai 2017 kommt ein Werk zur Aufführung, das mir schon im Alter von 18 Jahren das erste Mal begegnete und mich bereits damals schwer beeindruckt hat: Richard Wagners Tannhäuser. Es war vor allem die Romerzählung, die sich in mein Gedächtnis gegraben hat. Ich weiß nicht mehr, welche Aufnahme ich damals hörte, aber ich erinnere mich, dass die Worte und natürlich die Musik einen tiefen Eindruck in mir hinterließen. Neben Tannhäuser gab es zu dem Zeitpunkt nur noch ein zweites Werk, das mich ebenfalls in seinen Bann zog, Tristan und Isolde. Warum es gerade diese beiden Opern waren, kann ich nicht genau sagen. Zufall? Schicksal? Ich weiß es nicht. Viele der weiteren Werke eines der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte kamen erst viel später hinzu, wie Parsifal (eröffnet nächstes Jahr an der Hamburger Staatsoper die Saison oder wird an der Bayerischen Staatsoper zu einer der Festspielpremieren), Lohengrin oder Die Meistersinger von Nürnberg

Aber zurück zu Tannhäuser, der nach Rienzi und Der Fliegende Holländer als die dritte Oper zu zählen ist, da die ersten beiden Werke sich nicht wirklich an den Bühnen etablieren konnten. Wie in jedem Beitrag zur Besprechung bezüglich einer Neuinszenierung oder auch einer Repertoirevorstellung, die ich das erste Mal erlebe und auf meinem Blog einstelle, hier die üblichen Worte:

Ich bin keine Musikwissenschaftlerin, ich bin auch keine Musikerin, Sängerin etc. Ich habe also keinen entsprechenden musikalischen beruflichen Hintergrund, ebenso wenig wie ich eine journalistische Ausbildung habe. Ich bin eine leidenschaftliche Bewunderin dieser großartigen und kostbaren Musik- und Kunstform, die sich trotz alledem intensiv und ernsthaft mit den Hintergründen und Inhalten der zahlreichen Werke aus der Welt der Oper beschäftigt und sie mit eigenen Gedanken mischt und verbindet, um so möglicherweise einen anderen Zugang zu dieser Musik- und Kunstform zu schaffen. Sicher einen sehr persönlichen, aber auch mit den notwendigen Fakten unterlegt. Insgesamt soll es aber einen möglichst umfangreichen Einblick in das entsprechende Werk geben und gleichzeitig zum Nachdenken anregen. Damit der Einblick vervollständigt wird, füge ich noch weitere Informationsquellen hinzu, die über die verschiedenen Links eingesehen und in Anspruch genommen werden können. Der Beitrag am Ende, meine Eindrücke, so auch z.B. von der Premiere, sind dann durchaus sehr gemischt; persönlich, da es um mein Empfinden geht, aber auch soweit wie möglich objektiv, was die Leistungen angeht, das Gesamtkonzept und auch die Umsetzung durch alle Beteiligten. Offizielle Bühnenfotos ergänzen die persönlichen und die professionellen Eindrücke entsprechend.

So hoffe ich, dass ich auch für dieses Werk all jenen einen Zugang verschaffen kann, die wie ich keine Musiker, Musikwissenschaftler sind oder sonst beruflich mit Klassik und Oper zu tun haben, sondern einfach nur voller Hingabe und Leidenschaft mit dieser wunderschönen und einzigartigen Musik verbunden sind.  

„Wer die Welt der Oper betritt, erlebt die Magie des Augenblicks.“


„Ganz große Oper“
Wahrhaft eine bezaubernde Liebeserklärung an die Bayerische Staatsoper

München, 12.05.2017

Am Sonntag, den 7. Mai, um 10:30 Uhr gab es im Nationaltheater in München die Filmpremiere von Toni Schmids wunderbarer Dokumentation über die Bayerische Staatsoper. Allerdings trifft es das Wort Dokumentation nicht einmal annähernd. Dieser Film, der am 1. Juni in die Kinos kommt, ist viel mehr, es ist wahrhaft eine bezaubernde Liebeserklärung an eines der schönsten, besten und erfolgreichsten Opernhäuser in Europa und auch der Welt. Und es geht nicht alleine um die „Stars“ der Opernszene, die natürlich auch zu Wort kommen, sondern vor allem um die Menschen, die dort jeden Tag eine wunderbare und wertvolle Arbeit leisten und es überhaupt möglich machen, dass der Spielbetrieb jederzeit reibungslos funktioniert. Alle zusammen, jeder Mitarbeiter, Sänger, Musiker, Künstler hält dieses Opernhaus am Laufen, macht es lebendig und erfolgreich.

Viele Menschen machen sich wohl kaum Gedanken, was für eine aufwändige und großartige Arbeit dahintersteckt, wenn sich am Abend der Vorhang öffnet und die Vorstellung beginnt. Die Sänger, vor allem die Hauptsolisten, der Chor, das Orchester und der Dirigent stehen dann im Mittelpunkt, aber im Hintergrund läuft eine Maschinerie ab, die faszinierend ist und einen tiefen Respekt abverlangt. Für mich ist es auf jeden Fall genauso spannend, den Betrieb hinter den Kulissen zu erleben, wie den auf der Bühne. So ist es für mich ein wunderbarer und großartiger Film, den sich hoffentlich viele Menschen anschauen werden, um noch besser zu verstehen, was passieren muss, damit sich abends der Vorhang zu jeder einzelnen Vorstellung hebt. 

Wie schon erwähnt, kamen natürlich auch die Stars der Opernszene zu Wort, wie Jonas Kaufmann und Anja Harteros, einige der Solisten im Orchester, Maestro Zubin Metha, der Generalintendant Nikolaus Bachler sowie sein Vorgänger Sir Peter Jonas und der Chef des Bayerischen Staatsballetts Igor Zelinsky. Es gab Einblicke in die unterschiedlichen Probenarbeiten, kleine Anekdoten und Gedanken zum Thema Musik, Oper und ihre Menschen. Es durfte also auch viel geschmunzelt werden, und der eine oder andere Lacher blieb nicht aus. 

Ich sage Dankeschön für einen wunderbaren Vormittag in der Oper mit einem zauberhaften Film über die Oper. Wer jetzt nicht verliebt ist, dem ist nicht mehr zu helfen. 

Wir hören uns dann nach der Premierenmatinee am kommenden Sonntag wieder, natürlich im Münchner Nationaltheater und mit der Bayerischen Staatsoper.


Meine zwei Lieblingsopernmagazine für den Monat Mai

München, 11.05.2017

Es ist wieder soweit, die zwei neuen Ausgaben vom Opernglas und Oper! Das Magazin sind im Handel erhältlich.

Wie immer gibt es spannende und lesenswerte Beiträge und Interviews zu lesen und zu entdecken. Es lohnt sich also auf jeden Fall der Blick hinein. Auch die Neuinszenierung des Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper vom März/April dieses Jahres findet ausreichend Platz und kommt zur Sprache. Es gibt zudem nochmals eine ausführliche Vorschau auf das, was in der nächsten Spielsaison die opernbegeisterten Zuschauer erwartet. Oper! Das Magazin bringt zusätzlich noch schöne Fotostrecken, z.B. von den stattgefundenen Premieren an den Opernhäusern in Europa und der Welt.

Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Stöbern und Lesen, genauso wie beim Nachspüren auf das, was war, und die Vorfreude auf das, was kommt. 

Die zwei Links zu den Websites: 

Gute Nachrichten aus dem Pariser Opernhaus

München, 25.04.2017

Gerade erst letzte Woche habe ich erfahren und gelesen, was ich schon sehr gehofft hatte: Die Neuinszenierung von Verdis Don Carlo an der Opéra National de Paris im Herbst dieses Jahres wird auch live in die Kinos übertragen und zwar genau am 19.Oktober. Das Besondere an dieser Neuproduktion: es ist Verdis französische Originalversion aus dem Jahre 1867 in fünf Akten. Auch die Besetzung ist besonders. Der Münchner Opernsänger Jonas Kaufmann ist in der Titelrolle zu erleben, mit ihm auf der Bühne in Paris sind u.a. Ildar Abdrazakov, Sonya Yoncheva, Elīna Garanča und Ludovic Tézier. Die musikalische Leitung hat Philippe Jordan. 

Der Verkauf für die Einzeltickets und somit das Liveerlebnis in der Oper direkt beginnt am 13. Juni. Darüber habe ich bereits einen Beitrag veröffentlicht unter dem Titel „Die Bekanntgabe der neuen Opernsaison“ vom März dieses Jahres.

Einen Wunsch hätte ich noch: eine DVD-Aufnahme von dieser hoffentlich schönen, vor allem aber sicher ganz besonderen Opernproduktion in einer hochkarätigen Besetzung. Schauen wir mal, manchmal werden Wünsche ja einfach wahr. 

Hier sind nun die Links zur offiziellen Website der Opéra National de Paris und einem Kino in München, dem Cinema München in der Nymphenburger Straße, in dem man laut Hompage die Übertragungen miterleben kann, sowie einem Kino in Bremen mit dem Bremer Filmkunsttheater, in dem ich selbst schon vor zwei Jahren eine Vorstellung aus Paris gesehen habe.

In beiden Kinos gibt es noch keine Übersicht über das Programm der kommenden Saison. Sobald es Informationen über den Beginn des Vorverkaufs gibt, werde ich diese auf meinem Blog zur Verfügung stellen. Insgesamt werden meiner Übersicht nach weniger Aufführungen aus der Opéra National de Paris übertragen als aus dem Royal Opera House in London oder der Metropolitan Opera in New York. Demzufolge wird es vermutlich ein wenig schwieriger, das richtige Kino für sich zu finden. Aber ich bin mir sicher, dass es trotzdem jedem von euch gelingt! 

operadeparis.fr/don-carlos

cinema-muenchen.de

bremerfilmkunsttheater.de


„Ganz große Oper“
Die Kinopremiere am 7. Mai im Münchner Nationaltheater

München, 24.04.2017

Oben genannter Titel bezeichnet eine Dokumentation über die Bayerische Staatsoper von Toni Schmid, die am 7. Mai im Nationaltheater in München Premiere feiert, der offizielle Start in den Kinos wird am 1. Juni 2017 sein. 

In dieser Dokumentation, die eine Liebeserklärung an die wunderbare Kunstform der Oper ist genauso wie an die Bayerische Staatsoper, kann man die Entstehung drei verschiedener Opernproduktionen mitverfolgen, einer Ballettproduktion, ebenso wie die Arbeit von GMD Kirill Petrenko mit dem Bayerischen Staatsorchester. Außerdem werden zwei der großen Stars der Opernszene in diesem Film zu erleben sein, die an diesem Opernhaus ihre künstlerische Heimat gefunden haben: Jonas Kaufmann und Anja Harteros. Die beiden Künstler gelten als das Bühnentraumpaar der Oper und sind erst kürzlich in der Neuinszenierung von Umberto Giordanos Andrea Chénier zusammen in München aufgetreten. Gemeinsame Auftritte folgen bei den Festspielen im Sommer und November, Ende Dezember gibt es vier weitere Vorstellungen der oben genannten Opernproduktion. 

Wer die Institution der Oper liebt und die Bayerische Staatsoper als das schätzt, was sie ist, eines der besten und erfolgreichsten Opernhäuser Europas und der Welt, für den ist diese Dokumentation Pflicht und Freude zugleich. 

Ich jedenfalls bin schon sehr gespannt auf die Liebeserklärung von Toni Schmid und freue mich auf eine wunderschöne Matinee am 7. Mai in meinem persönlichen Lieblingsgebäude in dieser Stadt. Wer noch kein Ticket hat und sich gerade zu diesem Zeitpunkt hier aufhält bzw. hier lebt, sollte die Gelegenheit nutzen. Es gibt noch einige Tickets zu erwerben, wie üblich per Internet, Telefon oder persönlich im Ticketcenter der Bayerischen Staatsoper. 

Also viel Spaß bei der Matinee oder später im Kino! Vielleicht begegnen wir uns ja sogar ohne es zu wissen…

staatsoper.de/stueckinfo/ganz-grosse-oper


Die neue Saison an der Staatsoper Hamburg und die ersten italienischen Opernwochen mit Starbesetzung an der Elbe

München, 14.04.2017

Nun hat auch die Staatsoper Hamburg, eines der ältesten Opernhäuser in Europa, ihre neue Saison bekanntgegeben und gleichzeitig verkündet, dass es vom 11. März – 17. April die ersten italienischen Opernwochen geben werde. Im Zeitraum dieser fünf Wochen wird alles zu sehen sein, was das italienische Opernherz sich wünsche. Unter anderem eine Traviata mit Ailyn Perez und Markus Brück sowie eine Butterfly mit Kristine Opolais und Massimo Giordano. 

Den krönenden Abschluss bildet am 17. April eine Tosca-Vorstellung mit dem Traumpaar der Opernbühnen: Jonas Kaufmann und Anja Harteros. Inszenierung von Robert Carson am Opernhaus Zürich aus dem Jahre 2011. Wer Lust hat, sich jetzt schon näher damit zu befassen, dem sei die dazu existierende DVD ans Herz gelegt. 

Auch sonst wird es eine spannende Saison. Eröffnet wird sie von einem neuen Parsifal mit Andreas Schager in der Titelpartie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kent Nagano.

Intendant Delnon wird auch selbst Regie führen bei einer Neuinszenierung von Ludwig van Beethovens Fidelio und Calixto Bieito kehrt nach 2016 zurück an die Staatsoper Hamburg für Guiseppe Verdis Messa di Requiem.

Außerdem wird es zwei Uraufführungen geben, eine davon wird sein die Auftragskomposition Frankenstein von Jan Dvořák, bei der Philipp Stölzl Regie führen wird, der gerade erst erfolgreich Umberto Giordanos Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper in München mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros inszeniert hat. 

Das gesamte Programm mit allen Details ist auf der Website der Staatsoper Hamburg nachzulesen sowie in einigen Artikeln, deren Links ich hier zusätzlich aufführe. Viel Freude auch hier beim Studieren und Vorfreude auf das, was kommt. 

staatsoper-hamburg.de/spielplan

musik-heute.de/staatsoper-hamburg-plant-italienische-opernwochen

ndr.de/Staatsoper-Hamburg

kultur-port.de/index.php/kunst-kultur-news


Die Bekanntgabe der neuen Saison in Wien und London

München, 10.04.2017

Nun haben auch die Wiener Staatsoper und das Royal Opera House in London die Spielpläne für die nächste Saison veröffentlicht. Nachzulesen auf den offiziellen Homepages der zwei Opernhäuser gibt es die Neuinszenierungen und das geplante Repertoire von Oper und Ballett. Bei der Wiener Staatsoper hat die Bestellung für die Tickets der neuen Spielzeit bereits begonnen. Der genaue Ablauf des Bestellvorgangs ist ebenfalls auf der Website zu finden. Auch in der Saison 2017/18 geben sich wieder die besten Opernstars die Klinke in die Hand sowie die nachfolgenden jungen Talente, die ihre erste Chance erhalten, an einem der zwei renommiertesten Opernhäuser der Welt zu singen.

Da ich mich derzeit sehr konzentriert auf die Einarbeitung an meinem neuen Arbeitsplatz in München halten muss, ist meine Berichterstattung für die nächsten drei Wochen leider etwas eingeschränkt und von mir erst wieder Anfang Mai verstärkt. Nichtsdestotrotz wollte ich auf keinen Fall die Spielzeit-Veröffentlichung dieser zwei Opernhäuser, die neben der Bayerischen Staatsoper in München auch noch zu meinen bevorzugten gehören, außer acht lassen. 

So gibt es den Hinweis, dass es sich ganz sicher lohnt, einen Blick auf die Websites vom Royal Opera House und der Wiener Staatsoper zu werfen und sich näher mit den Ereignissen der Saison 2017/18 zu beschäftigen.


Hier sind die Links für einen direkten Weg auf die richtigen Seiten:

 WIENER STAATSOPER:

wiener-staatsoper.at

die-staatsoper/saison-2017-2018

wiener-staatsoper/docs

wiener-staatsoper/andrea-chenier

ROYAL OPERA HOUSE LONDON: 

roh.org.uk/news


Ganz besondere Momente:
Der erste Backstagebesuch bei Jonas Kaufmann

München, 09.04.2017

Als ich am 10. Februar meine Anfrage bezüglich eines Backstagebesuches an das Privatsekretariat von Jonas Kaufmann stellte, hatte ich nicht mit einer so schnellen Antwort gerechnet, schon gar nicht nach gerade einmal zehn Tagen. Ich war erst einmal ein wenig überfordert mit der positiven Nachricht und kam mir vor wie ein pubertierender Teenager, der nun seinen Lieblingspopstar treffen darf. Dabei bin ich mit 43 Jahren vom Alter eines Teenagers Lichtjahre entfernt. Trotzdem war mir klar, dass ich unbedingt einen lieben Menschen mitnehmen wollte, und ich wusste auch gleich, wer das sein sollte: meine liebe Freundin Andrea aus Graz. Sie und Ihre Tochter hatte ich im Winter 2014 nach einer Vorstellung von Manon Lescaut an der Bühnentür in München kennengelernt. An jenem Abend hatte es rar ausgesehen mit dem Auftreten der Solisten an der Bühnentür inklusive Jonas Kaufmann. Wir hatten trotzdem viel Spaß miteinander, haben am Ende die für den Münchner Startenor gedachten Pralinen gegessen (schmeckten köstlich!) und sind seitdem gut miteinander befreundet. 

Vor dem Backstagebesuch gab es aber noch eine wundervolle, unvergessliche und großartige letzte Vorstellung der Premierenserie von Andrea Chénier. Den Bericht zum 2. April findet ihr ebenfalls auf meinem Blog.

Wir standen also wie geplant auf der Gästeliste, was allerdings auch das einzig Geplante an der Sache war. Ansonsten sind wir wie die anderen Gäste durch die entsprechende Tür geschickt worden, wo wir dann auf uns selbst angewiesen waren. Als wir eintraten, herrschte ein ganz schönes Gewusel. Da waren die Künstler, der Dirigent, Freunde und Bekannte, weitere Gäste, die Lebensgefährtin von Jonas Kaufmann, Opernregisseurin Christiane Lutz. 

Nachdem alle weiteren Sänger, auch Anja Harteros, verschwunden waren, gab es nur noch einen, um den sich alles versammelte, Jonas Kaufmann! Und der drehte sich wie immer von rechts nach links und im Kreis, begrüßte hier und dort Freunde und Bekannte, wechselte von einer in die nächste Sprache, versprühte seinen bekannten Charme und ließ immer wieder sein schönes sonores Lachen erklingen. Christiane Lutz „spielte“ an diesem Abend seine charmante Assistentin, übernahm die zahlreichen Blumen und Geschenke, knipste zahlreiche Fotos und hielt Smalltalk mit dem einen und anderen Besucher. Wir jedenfalls brauchten aber eine ganze Weile, bis wir uns durchgekämpft hatten, um zu dem sympathischen Münchner vorzudringen. Am Ende haben wir ein paar Augenblicke mit ihm sprechen können, haben unsere kleinen Aufmerksamkeiten übergeben und bekamen ein recht gut gelungenes gemeinsames Foto und Autogramme auf Fotos und Besetzungszettel. Jonas jedenfalls war wie immer zu allen Menschen charmant, herzlich und offen und gab so jedem das Gefühl, für einige Momente seine persönliche Aufmerksamkeit zu genießen.

Als sich zum Schluss das dezente Chaos etwas gelichtet hatte, wurde es insgesamt etwas ruhiger. Wer so ohne Erfahrung glaubt, man hätte in Ruhe Zeit sich zu unterhalten, der wird sicher ein wenig „enttäuscht“ werden.

Es ist aber trotzdem eine schöne und spannende und durchaus auch aufregende Erfahrung gewesen. Die Stimmung war euphorisch, entspannt, locker. Die Idee mit der Flasche Bier als kleine Erfrischung nach der Vorstellung hatten allerdings schon ein paar andere Besucher auch. Theoretisch hätten wir noch alle Backstage eine Party miteinander feiern können. Getränke gab es ja zur Genüge. 

Ins Detail werde ich übrigens nicht gehen, denn ein paar Dinge oder auch Augenblicke sollte man alleine genießen oder mit einer guten Freundin. So wird es zwar ein paar Eindrücke Backstage geben, unser gemeinsames Foto ist aber privat… Also nicht böse sein. 


Der Abschluss der Premierenserie von Andrea Chénier am 30.03. und 02.04.2017 an der Bayerischen Staatsoper

München, 08.04.2017

Nun ist sie fast zu Ende, die Premierenserie von Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper am wunderschönen Nationaltheater in einer Neuinszenierung von Regisseur Philipp Stölzl und als Erstaufführung fast 121 Jahre nach der Uraufführung an der Mailänder Scala am 28. März 1896. Und wenn das alles nicht schon besonders genug wäre, kommt noch eine absolute Traumbesetzung dazu mit dem Münchner Jonas Kaufmann als leidenschaftlicher Poet und Titelheld Andrea Chénier. An seiner Seite die wunderbare Anja Harteros in ihrem Debüt als Chéniers große Liebe Maddalena di Coigny. Nicht zu vergessen ein großartiger Auftritt und das zweite Rollendebüt in dieser Neuinszenierung, der junge italienische Bariton Luca Salsi als Carlo Gérard. 

Auch der Rest des Ensembles war bis in die kleinste Rolle hervorragend besetzt, und Chor, Orchester und die musikalische Leitung durch den jungen israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber rundeten das gesamte Bild harmonisch ab. Sechs oder vielmehr sieben wundervolle, intensive und emotionale Opernabende im Nationaltheater bzw. im TCE in Paris waren das Ergebnis und werden unvergesslich bleiben. Im Sommer gibt es aber noch ein Wiedersehen zu den Münchner Opernfestspielen am 28. & 31. Juli 2017. Und seitdem die neue Saison am gleichen Tag bekanntgegeben wurde, ist sicher, auch im Dezember gibt es in einer etwas veränderten Art ein weiteres Wiedersehen mit Andrea Chénier, seiner Maddalena und Carlo Gérard. Jonas Kaufmann und Anja Harteros werden wir nochmals in ihren Rollen auf der Bühne erleben, die Partie des Carlo Gérard übernimmt dann im Winter aber George Petean.

Dieses sollen also zum Abschluss der ersten Serie meine zusammengefassten Gedanken sein. Die Inszenierung setze ich mittlerweile als bekannt voraus, und wer damit noch nicht vertraut ist, hat über meinen Blog und die Seiten der Bayerischen Staatsoper (offizielle Website, BSO Facebook und Youtube-Kanal) Gelegenheit, sich darüber zu informieren.  

Wieder einmal bestätigt hat sich die Tatsache, dass die letzten Vorstellungen oder auch nur die letzte Vorstellung am intensivsten gestaltet, gesungen und empfunden wird. Die Opernsänger auf der Bühne strahlen an diesen Abenden eine besondere Magie aus, alles ist besonders eindringlich und dicht, da es so eine Art Abschiedsvorstellung ist für die Premierenserie, der Abschluss eines lange gereiften kreativen Prozesses, in dem die Künstler, das Orchester und der Dirigent und das gesamte Team im besten Fall eng zusammengewachsen sind. 

Nach und nach haben sich die Rollenprofile weiter entwickelt, die Darsteller sind mit ihren Figuren gewachsen, sind in sie hineingewachsen und ein Teil der Persönlichkeit geworden und auch umgekehrt. Details haben sich verändert, wurden angepasst, weggelassen und ergänzt. Es ist ausgesprochen spannend, diese im besten Fall ständige Weiterentwicklung mitzuerleben und wahrzunehmen über die Zeit der verschiedenen Vorstellungen. So war es auch bei dieser Premierenserie von Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper vom 12.03.-02.04.2017. Wenn man dann auch noch solch eine herausragende Auswahl an Künstlern auf der Bühne hat, wunderbare Sänger mit großartigen Stimmen und einer intensiven Bühnenpräsenz, dann ist diese Entwicklung besonders zu spüren. An diesem Abend haben sich alle Darsteller die Seele aus dem Leib gespielt, haben sich mit ihren Charakteren auf der Bühne verbunden und so eine ganz besondere und dichte Atmosphäre kreiert. Die Spielfreude war allen Künstlern anzumerken und genau das haben die Besucher im Nationaltheater an diesem Abend gespürt. Die Magie der Oper lag in der Luft. 

Fotos: © W. Hösl

Anja Harteros überstrahlte auch an der Vorstellung des 2. April mit ihrer unfassbar schönen und ausdrucksstarken Stimme alles und berührte mit ihrem La mamma morta im dritten Akt die Menschen im Opernhaus. Aber auch sonst wird ihre Bühnenpräsenz immer noch stärker und bildet eine perfekte Einheit mit ihrem Gesang. Ihre Verwandlung vom jungen verwöhnten und unerfahrenen Mädchen zur leidgeprüften aber auch starken und wahrhaft liebenden jungen Frau, die für ihre große Liebe bereit ist, ihr eigenes Leben zu opfern, ist authentisch und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Maddalena ist am Ende die, die mutig und stark dem Mann, den sie so sehr liebt, Trost spendet und ihm auch die notwendige Kraft gibt für den letzten Schritt. Das zeigt sich am intensivsten im letzten Bild und beim gemeinsamen Duett Vicino a te auch durch die intensive Darstellung von Anja Harteros und Jonas Kaufmann und die Art, es auch szenisch auszudrücken. Während Andrea Chénier die Verzweiflung anzusehen ist darüber, dass die Frau, die er so liebt, beschlossen hat, mit ihm in den Tod zu gehen, stärkt sie ihn und ist fast euphorisch über das nahe Lebensende. 

Genau diese Augenblicke werden sehr berührend von den beiden Künstlern vermittelt. Andrea Chénier lehnt geborgen an der Brust seiner Maddalena, die ihm zärtlich über die Locken streicht und ihn beruhigt wie ein Kind. Er verbirgt verzweifelt den Kopf in ihrem Schoß, ein leises Schluchzen ist zu vernehmen. Tröstende Worte aus Maddalenas Mund und ihre Leidenschaft stärken ihren Geliebten und kurz danach steigern sie sich fast in eine Art Vorfreude über den gemeinsamen Tod. Vereint auf ewig, vereint im Tode. Viva la morte insiem

Jonas Kaufmann gestaltete seine Rolle als Poet Andrea Chénier an diesem Abend sowohl szenisch als auch gesanglich sehr intensiv, und auch er zeigt in seiner Rolle eine Wandlung, die nachvollziehbar ist und ausdrucksstark. Im ersten Akt ist sein Poet noch recht unbedarft, ein wenig unbeholfen stolpert er durch den Raum und wirkt fast fehl am Platz. Mit der ersten Arie und der Aufforderung, ein Poem zu zitieren, bricht sein Leidenschaft hervor und offenbart, was er wirklich denkt. Sein Herz aber hat Maddalena im Sturm erobert. Im zweiten Akt ist er der Beschützer und wandelt sich wie die junge Gräfin zum wahrhaft Liebenden. Das gemeinsame, wieder auf die vordere Bühne gezogene Liebesduett Ora soave war wunderschön und vereinte wie auch im Schlussduett zwei der schönsten Stimmen der Opernwelt. Als im Anschluss auch für die nachfolgende kleine szenische Liebesszene der Applaus losbrandete, machten sich die beiden Sänger einen besonderen Spaß daraus und heizten das Publikum zu begeisterten Bravo!-Bravo!-Rufen an, indem sie diese Szene ein wenig länger und leidenschaftlicher gestalteten als normalerweise vorgesehen. Die Folge war, dass vermutlich beide kurz vor einem Lachanfall standen; jedenfalls hatten sowohl Jonas Kaufmann als auch Anja Harteros ihre wahre Freude daran und die Opernbesucher natürlich erst recht.

Im dritten Akt war es dann aber vorbei mit der Leichtigkeit und die Dramatik, Leid und Schmerz nahmen ihren Einzug. Maddalenas wunderbare Arie, von Anja Harteros so ergreifend gesungen, habe ich schon erwähnt. So war aber dieser ganze Akt außerordentlich dramatisch, auch dank Luca Salsi, der neben La mamma morta mit seiner Arie Nemico della patria einen weiteren Höhepunkt lieferte. Der junge italienische Bariton hat im Laufe dieser Serie eine großartige Entwicklung durchgemacht, hat eine warme, schöne und kraftvolle Stimme und eine starke Bühnenpräsenz, die jederzeit nachvollziehbar den Charakter seiner Rolle vermittelte. Ihren Zwiespalt und auch die Verzweiflung. Während seiner Arie wurde, wie vorgesehen, im Keller Jonas Kaufmann als Andrea Chénier brutal gefoltert und verhört, die stummen Schreie waren fast zu hören, der Schmerz der zugefügten Messerschnitte und Schläge ins Gesicht fast zu spüren. Die Gerichtsszene am Ende des dritten Bildes ist an Dramatik nicht zu überbieten. Im Mittelpunkt steht die Arie Si fui soldato, mit der Andrea Chénier sich verzweifelt, aber auch mit Stolz in der Stimme verteidigt, um am Ende zu merken, dass alles vergeblich war. Auch diese Arie wurde weit nach vorne auf die Bühne gezogen, so dass der Münchner Opernsänger in diesem Augenblick im Fokus der Handlung stand, ein Mann, der um sein Leben und seine Ehre kämpft. Die Szene, wenn Carlo Gérard versucht, sein Unrecht wiedergutzumachen und den Poeten zu retten, ist besonders ergreifend, genau wie der Augenblick, wenn der Dichter im Publikum seine Maddalena entdeckt. Mit Schmerz und Verzweiflung im Gesicht vermittelt Jonas Kaufmann den Augenblick, in dem für seine Figur alle Hoffnung auf Leben und eine gemeinsame Zukunft für immer zusammenbricht. Diese pure Verzweiflung und der unerträgliche Schmerz, den Andrea Chénier mit seinen letzten Worten und der Arie Come un bel di di magio zum Ausdruck bringt, hinterlassen ein starkes Gefühl der Ergriffenheit und die Ausweglosigkeit wird schmerzhaft deutlich. Jonas Kaufmann, der diese Arie am 30. März fast in sich gekehrt, leise, zart und unglaublich traurig sang, hatte sich am Tage der letzten Vorstellung dazu entschieden, alles besonders verzweifelt zu singen. Am Ende bricht er von Schmerz überwältigt zusammen und wird von seinem Freund aufgefangen, der ihn ergriffen in seine Arme schließt und an seine Brust drückt. Einen weiteren Ausdruck der Verzweiflung vermittelt der Opernsänger, indem er versucht, den Freund mit den Armen wegzustoßen, um mit seinem Schmerz alleine zu sein. Die Tränen sind in diesem Moment zu spüren, leise Schluchzer zu hören. So bleibt er am Boden liegen, vergräbt zuerst das Gesicht in den Armen, um es dann dem Publikum zuzuwenden. Und so schließt sich der Kreis: Maddalena kommt, um mit ihm in den Tod zu gehen. Das Schlussduett mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann ist der dramatische Höhepunkt in dieser Oper. Und auch an diesem Abend muss der Münchner Publikumsliebling wieder dran glauben. In den letzten Sekunden muss er wieder auf die Guillotine und verliert zum Glück nur in seiner Rolle kurzerhand seinen hübschen Kopf. Was soll ich sagen: Das Nationaltheater stand Kopf, das Publikum feierte enthusiastisch seine Stars auf der Bühne und immer und immer wieder wurden die drei Hauptdarsteller Jonas Kaufmann, Anja Harteros und Luca Salsi auf die Bühne gebeten. Man muss sagen, dass es an diesem Abend kurz vor einer Zugabe stand, das zumindest war die Aussage und das Gefühl des sympathischen Opernsängers. Ob es tatsächlich irgendwann dazu gekommen wäre, ist wohl eher zu bezweifeln. 

Nach unendlichen Vorhängen verabschiedeten sich die drei Künstler erst einmal und freuen sich mit Sicherheit jetzt schon auf ein Wiedersehen zu den Opernfestspielen im Sommer am 28.7. & 31.7. 

Es sind übrigens auch an diesem Abend wieder alle drei Hauptdarsteller an die Bühnentür gekommen, was ein großes Dankeschön und eine große Anerkennung notwendig macht. Das ist ganz sicher keine Selbstverständlichkeit und auch nicht im Kartenpreis mit inbegriffen. Also sage ich im Namen aller Fans einen besonderen Dank an die Künstler! 

Und meinen Lesern wünsche ich eine gute Zeit und sonnige und frühlingshafte Tage. Die nächste Zeit wird meinerseits etwas eingeschränkt sein, da ich mich zunächst auf die Einarbeitung an meiner neuen Arbeitsstelle am DHZ in München konzentrieren muss. 

Hin und wieder wird es einen kleinen Beitrag geben sowie zusätzlich ein paar Eindrücke vom Besuch der Vorstellung von The Consul am morgigen Sonntag. 

Die nächsten Projekte werden sein die Tosca in Wien, mit der ich vor einem Jahr meinen Blog gestartet habe, und die Premiere von Tannhäuser im selben Monat mit dem nächsten Debüt von Anja Harteros und Klaus Florian Vogt in der Titelpartie. Alles weitere später. 

Also macht es gut und bis ganz bald! 


Die Spielplanpräsentation der Bayerischen Staatsoper am 2. April 2017

Hamburg, 07.04.2017

Die Bayerische Staatsoper ist das nächste große Opernhaus, das nun seine Spielpläne für die neue Saison 2017/2018 bekanntgegeben hat. Mit Spannung wurde erwartet, was am Sonntag Vormittag in der Matinée im Nationaltheater von Intendant Nikolaus Bachler, GMD Kirill Petrenko und dem Ballettdirektor Igor Zelensky bekanntgegeben wurde. Vor ausverkauftem Haus erfuhren die Besucher der Matinée, was in der neuen Saison an Opern- und Ballettpremieren ansteht und wie das Repertoire gestaltet sein wird. Zusätzlich zu den verbalen Informationen gab es noch per Videowand das entsprechende Bildmaterial zu den diversen Neuproduktionen. Zeitgleich wurde die Spielplanpräsentation auch per Livestream auf Staatsoper.TV übertragen. Das neue Programm war gleich nach dem Ende der Matinée als das bereits bekannte schön gestaltete Programmheft für die Besucher zu erhalten und wenig später auch im Opernshop zu bestellen. Außerdem ist alles noch einmal auf der Website der Bayerischen Staatsoper nachzulesen bzw. auf dem Youtube-Kanal oder in der Mediathek nachzuschauen. Insbesondere die geplanten Neuproduktionen.

Jetzt aber zu den Neuheiten der nachfolgenden Saison 2017/2018. Das Repertoire werde ich hier nur kurz erwähnen, alles weitere kann noch einmal in Ruhe nachgelesen werden. Am Ende findet Ihr noch die Links zu den entsprechenden Seiten.

Das Thema der neuen Saison lautet dieses Mal: „Zeig mir Deine Wunde“.

Eine der reizvollsten Neuproduktionen wird sicher sein Puccinis Il Trittico. Drei Einakter, die auf den ersten Moment nichts miteinander zu tun haben und in sich abgeschlossene Handlungen darstellen: Il Tabarro, Suor Angelica und Gianni Schicchi. Die junge Regisseurin Lotte de Beer schreibt dazu unter anderem: „Am Ende wird deutlich: Alle drei Teile von Il Trittico handeln davon, wie die Menschen mit dem Tod umgehen, wie sie darum ringen, mit Verlusten fertig zu werden, und wie ihr Verhalten dabei ihre Zukunft bestimmt. Der Tod und die Unfähigkeit des Menschen, mit der Sterblichkeit zurechtzukommen, prägen Puccinis Meisterwerk aus einer Zeit, die jeden Halt zu verlieren scheint. Es ist kein Zufall, dass dieses Stück geschrieben wurde, als der Erste Weltkrieg in Europa wütete. Und zugleich fällt es nicht schwer, die Verbindung ins Heute zu ziehen, denn gerade wegen seiner konkreten Ausarbeitung im Detail handelt es sich bei Il trittico um eine universell gültige Darstellung der conditio humana.“

Die musikalische Leitung übernimmt GMD Kirill Petrenko selbst, der eine große Verbindung zu dem Komponisten fühlt und dieses Triptychon für eines seiner Meisterwerke hält. Die Premiere ist am 17.12.2017 und wird, wie alle weiteren Premieren, auch wieder auf BR Klassik live aus dem Nationaltheater übertragen. 

Zwei weitere wunderbare Projekte in der neuen Spielzeit werden sein: zum einen der komplette Ring, der zweimal im Januar/Februar zu sehen sein wird und einmal während der Opernfestspiele 2018. Die musikalische Leitung wird natürlich auch hier GMD Kirill Petrenko übernehmen. Die Besetzung ist sehr reizvoll und zieht sich vor allem mit Nina Stemme und Wolfgang Koch wie ein roter Faden durch diese Produktion. Auch Bariton Markus Eiche wird sehr präsent sein, genau wie Stefan Winke. Während des Festspiel-Rings (Zyklus C) wird in der Walküre Startenor und Münchner Publikumsliebling Jonas Kaufmann das erste Mal in München in dieser Partie auf der Bühne des Nationaltheaters stehen. 

Achtung! Für den Ring Zyklus A (Premiere) & Zyklus C (Festspiele 2018) bestehen besondere Bestellbestimmungen! Nachzulesen u.a. im neuen Programmheft auf Seite 238. Für den Zyklus B gelten die bekannten Abläufe der Ticketbestellung. 

Das zweite Projekt, das ich noch erwähnen muss, ist die Festspielpremiere im nächsten Jahr im Nationaltheater: Parsifal wird zur Aufführung kommen. Auch hier übernimmt Kirill Petrenko die musikalische Leitung. Inszenieren wird diese Neuproduktion Regisseur Pierre Audi, das Bühnenbild wird von Georg Baselitz gestaltet. Die Besetzung liest sich wie ein Wunschzettel für einige der besten Opernsänger, die es zur Zeit gibt. In der Titelpartie des Parsifal, des reinen Toren, wird Jonas Kaufmann zu erleben sein. Die Partie singt er nach langer Zeit wieder auf der Opernbühne (MET NY 2013 und Wien Ostern 2013). Vorher gibt es noch drei konzertante Aufführungen dieses Jahr in Sydney. Als Kundry wird die wunderbare Nina Stemme zu erleben sein, die ja auch dreimal fast den kompletten Ring singt. Als Amfortas, darauf bin ich besonders gespannt, wird Christian Gerhaher zu hören sein, dazu kommen René Pape Gurnemanz und Wolfgang Koch als Klingsor. Eine Traumbesetzung in jeder Partie dieser Neuproduktion.

Weitere Premieren werden sein Le Nozze di Figaro in einer Inszenierung von Christof Loy, und in der Rolle des Conte di Almaviva zu sehen und zu hören sein wird ebenfalls Christian Gerhaher. Sicher ein großes Vergnügen, das ich zumindest nicht vorhabe zu verpassen: Les vêpres siciliennes, gesungen in französischer Sprache, inszeniert von Antu Romero Nunes und unter der musikalischen Leitung von Omer Meir Wellber, der gerade so erfolgreich die Erstaufführung von Andrea Chénier in München dirigierte, hat am 11. März 2018 Premiere. In den Hauptpartien u.a. Bryan Hymel, George Petean, Erwin Schrott und Matthew Grills. 

Die letzten zwei Neuproduktionen werden sein Aus einem Totenhaus von Leoš Janáček unter der musikalischen Leitung von Dirigentin Simone Young und in einer Neuinszenierung von Frank Castorf. Im Prinzregententheater gibt es zu guter Letzt noch von Joseph Haydn Orlando Paladino als zweite Festspielpremiere nach Parsifal

Was das Repertoire angeht, warten wieder viele sehr schöne und hochkarätig besetzte Produktionen auf die Opernliebhaber im Nationaltheater, z.B. die Carmen mit Elina Garanca bzw. Anita Rachvelishvilli im Oktober 2017 und Februar 2018, Mefistofele mit Erwin Schrott und Joseph Calleja, im Mai 2018, L'Elisir d'Amore mit Pavol Breslik bzw. Vittorio Grigolo im Februar 2018 bzw. Juli 2018, eine Lucia di Lammermoor im Dezember 2018 mit Diana Damrau, Ludovic Tézier und Piotr Beczala. 

Ein zusätzliches Wiedersehen gibt es mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros, wenn es auch zu meiner großen Entzückung vier weitere Vorstellungen der wunderbaren Neuinszenierung von Andrea Chénier im Dezember dieses Jahres geben wird. Und Anja Harteros wird bereits vorher in einer ihrer Paraderollen zu erleben sein. Im November wird sie wieder als Floria Tosca auf der Bühne stehen, an ihrer Seite Joseph Calleja als ihr Geliebter und Maler Mario Cavaradossi sowie Zeljko Lucic als Baron Scarpia. 

Das ist wirklich nur eine winzige Auswahl der unzähligen Repertoirevorstellungen, die uns in der neuen Saison an der Bayerischen Staatsoper erwarten. Im Programmheft zu stöbern ist wirklich eine wahre Freude, und mit Sicherheit findet jeder die richtige Oper und Inszenierung für sich, Altbekanntes und Neues! 

Das soll es nun gewesen sein zur neuen Spielzeit, da die aktuelle noch eine ganze Weile läuft und noch einige Premieren oder auch Repertoirevorstellungen ausstehen. Z.B. haben am Montag, dem 3.4., die Proben zum Tannhäuser begonnen, der am 21. Mai Premiere hat. Unter der Leitung von GMD Kirill Petrenko und mit einem weiteren Rollendebüt von Anja Harteros als Elisabeth, wird dieses sicher einer der Saison-Höhepunkte neben der Erstaufführung von Andrea Chénier, die gerade einen umjubelten Abschluss der ersten Serie gefeiert hat. 

So wünsche ich nun viel Freude beim Blick in das neue Programmheft, auf das, was kommt, und das, was uns in der laufenden Saison noch erwartet. 

Wir sehen und hören uns sicher ganz bald wieder im Nationaltheater in München oder in einem der zahlreicher Opernhäuser in Europa. 

Im nachfolgenden Beitrag gibt es noch den Bericht zur letzten Vorstellung des Andrea Chénier in der Premieren-Serie und ein paar Eindrücke von meinem anschließenden ersten Backstage-Besuch bei Jonas Kaufmann; glücklicherweise wieder bereits mit seinem Kopf vereint. 


Zeig mir deine Wunde

Opernpremieren 2017/18

Opernrepertoire 2017/18

Opernfestspiele 2018

Jahresvorschau 2017-2018

Infos-Service/shop

Begegnungen an der Bühnentür:
Die Zeit nach der Vorstellung –
Gemeinsame Freude erleben

Hamburg, 02.04.2017

Ich habe schon einmal über diese Begegnungen an der Bühnentür berichtet und nun wird es wieder einmal Zeit, über diesen nicht unwichtigen Bestandteil für einen gelungenen Opern- und Konzertabend zu berichten. 

Die Begegnungen, von denen ich heute erzählen möchte, ereigneten sich am 30. März nach der vorletzten Vorstellung von Andrea Chéniers Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper in München. Somit befinde ich mich heute am Bühneneingang oder -ausgang des wunderschönen Nationaltheaters am Max-Joseph-Platz. Es ist circa 22:15 Uhr, als ich an der allseits bekannten Stelle  eintreffe, an dem auch ich schon einige Stunden verbracht habe seit dem ersten Mal am 16. November 2013. Es sind wie immer alle dort, und sie sind noch ziemlich verzaubert, euphorisch und einfach glücklich nach dieser wunderbaren Vorstellung. Aber hört selbst.

Dieses Mal gibt es nämlich ein kleines Experiment: Ich habe ein Podcast eingesprochen, was hier abzuhören ist. Das ist mal etwas anderes und bricht das übrige Muster. Außerdem kann ich einmal auf andere Art und Weise meine Begeisterung und Leidenschaft zum Ausdruck bringen. Leider habe ich in besagter Euphorie vergessen, ein paar Fotos und Videos zu machen. Natürlich war das nur aus der Entfernung geplant, keine Nahaufnahmen. Ich hoffe, ich denke das nächste Mal daran. 


Die Aprilausgaben meiner zwei Lieblingsopernmagazine

Hamburg, 01.04.2017

Es ist wieder soweit, Ende des Monats erscheinen sie wieder, die neuen Ausgaben der Opernmagazine von Das Opernglas und Oper! Das Magazin

Wie immer gibt es viel zu lesen und zu entdecken. Was war, welche Neuinszenierungen waren ein Erfolg, welche kamen weniger gut an? Was kommt, insbesondere in der neuen Saison 2017/2018, die nun nach und nach von allen Opern- und Konzerthäusern bekanntgegeben wird? 

Beide Magazine warten wieder mit gut geschriebenen Texten und Rezensionen auf sowie mit schönen Impressionen der verschiedenen Opernproduktionen. Auch die Künstler kommen wieder in unterschiedlichen und intelligent geführten Interviews zu Wort und verraten das eine oder andere kleine Detail aus ihrem Leben als Opernsänger. Neue junge und vielversprechende Nachwuchssänger  werden vorgestellt und haben so nicht nur auf der Bühne Gelegenheit, ihr Können zu zeigen und von ihrem Lebensweg zu berichten. Ganz wichtig auch die vielen Neuerscheinungen auf dem Musikmarkt auf CD und DVD, Ankündigungen und vor allem die entsprechenden Rezensionen. Abgerundet wird alles durch schöne, geschmackvolle und aussagekräftige Fotoaufnahmen und Berichte, zum Beispiel von den Premierenfeiern der unzähligen Neuproduktionen. 

Der Kauf dieser zwei Opernmagazine verspricht also wieder ein großes Lesevergnügen mit vielen interessanten Beiträgen und Informationen. Viel Freude dabei.

Die Links zu den offiziellen Websites: 

Der gemeinsame Tod als Triumph der Liebe

Hamburg, 20.03.2017

Die dritte Vorstellung der Premierenserie von Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper in München mit Übertragung des Livestreams am 18. März 2017: 

Was war das für ein Abend! Auch mehr als 12 Stunden später bin ich immer noch überwältigt von dieser unglaublich schönen und intensiven Vorstellung im Nationaltheater in München am 18. März 2017. Unvergesslich wird dieser Abend bleiben. Aber von Anbeginn: Als sich um 19 Uhr zum dritten Mal der Vorhang hebt für die Erstaufführung und Neuinszenierung von Andrea Chénier ist irgend etwas anders; irgendwie liegt eine besondere Magie in der Luft, der Zauber der Oper ist überall zu spüren. Es ist eine schöne und entspannte Stimmung voller Vorfreude und Spannung auf das, was kommt. Und niemand sollte enttäuscht worden sein an diesem Abend. Intensiv vom ersten Moment an und fesselnd bis zum Schluss.

In der Regie hatte sich einiges zum Positiven geändert, kleine Details, die anfangs das Geschehen auf der Bühne sehr unruhig gemacht hatten, waren behoben worden, so zum Beispiel bei Maddalenas wunderschöner Arie La mamma morta im dritten Akt oder auch zu Beginn des zweiten Aktes und am Ende das großartige Liebesduett Ora Soave von Andrea Chénier und Maddalena. In diesem Fall sind Anja Harteros und Jonas Kaufmann aus der Kulisse, aus den Kästen herausgetreten und haben außerhalb, ganz dicht am Orchestergraben und nur von einem Scheinwerfer beleuchtet, ihr inniges Liebesduett gesungen. Eine wunderbare Idee, die das Regieteam hoffentlich weiter beibehält und nicht nur für den Livestream geändert hat. Gerade die Opernbesucher in den oberen Rängen werden sich ganz sicher gefreut haben, da sie so das Traumpaar der Opernbühnen einmal nicht nur zur Hälfte zu Gesicht bekamen. Und besonders dieses Mal wäre das außerordentlich schade gewesen.

Fotos: W. Hösl

Ich sprach schon von einer ganz wunderbaren Magie und von Momenten, wie es sie nicht intensiver geben kann. Nicht nur die Solisten waren überragend, das gesamte Ensemble spielte und sang, dass einem das Herz aufging. Omer Meir Wellber und das Orchester der Bayerischen Staatsoper waren allzeit mit den Sängern auf der Bühne und trugen mit ihrer Leistung wesentlich zu einem gelungenen Abend bei. Es war einfach alles perfekt und wunderschön. Anja Harteros überstrahlte auch an diesem Abend alles mit ihrer Stimme und ihrer Ausstrahlung, und ihre Arie La mamma morta war einer der Höhepunkte. Diese wunderbare Sopranistin ist immer wieder in der Lage, tief in die Herzen und Seelen ihrer Zuhörer zu treffen. So auch in der Vorstellung des 18. März. Sie wird immer noch besser, singt und spielt immer noch intensiver.

Luca Salsi, der wunderbare junge italienische Bariton, der übrigens Samstag Geburtstag hatte, steigert sich immer mehr und ist meine persönliche Überraschung und Entdeckung dieses Jahres. Eine Bereicherung für die Welt der Oper. Seine Darstellung des Carlo Gérard ist glaubwürdig und intensiv. Spiel und Gesang ergänzen sich perfekt und zeichnen eine dichte Charakterstudie seiner Figur. In seiner großen Arie Nemico della patria zeigt Luca Salsi den Zwiespalt, der in seiner Figur steckt, und die Unruhe in seiner zerrissenen Seele. Gestern war das noch wieder ein Stück intensiver und in der nachfolgenden Szene mit Anja Harteros demonstriert er sein darstellerisches Können und seine kraftvolle Bühnenpräsenz. 

Und Jonas Kaufmann? Der Münchner Startenor ist endlich wieder zurück! So spielte und sang er sich diesen Abend wirklich die Seele aus dem Leib, verwandelte sich vollständig in den Poeten Andrea Chénier. Intensiv, authentisch, fesselnd. 

Er liebte, litt und starb für seine Überzeugungen und vor allem für die gemeinsame Liebe mit seiner Maddalena. Insbesondere im dritten und vierten Bild steigerte sich der sympathische Opernsänger immer weiter hinein in seine Figur, die tragische Geschichte, das dramatische Ende. Leid und seelische Schmerzen, die Andrea Chénier durchleben und ertragen muss, vermittelte Jonas Kaufmann so echt, dass die Tränen fast sichtbar und die Verzweiflung intensiv zu spüren waren. In seiner Arie Si fui soldato kämpft er um sein Leben und seine Ehre, ohne eine Chance auf Gnade. Kniend, halb liegend auf dem Boden, ist der Sänger zu erleben, was das Empfinden nur noch verstärkte. Die darauf folgende Szene mit Luca Salsi, der als Carlo Gérard sein begangenes Unrecht wieder gutzumachen versucht, gelingt besonders berührend und eindringlich. Das gesprochene Todesurteil lässt die beiden Hauptfiguren verzweifeln und nimmt ihnen jegliche Hoffnung auf ein gutes Ende. Eine höchst dramatische Situation, die eindringlicher nicht hätte dargestellt werden können.

Im letzten Akt erleben wir nochmals Jonas Kaufmann mit seiner, so finde ich, schönsten und zutiefst traurigen Arie Come un bel di di maggio. Schmerz, Trauer und pure Verzweiflung stehen dem Sänger ins Gesicht geschrieben und sind in jeder Bewegung, in jedem Ton zu spüren. Der Abschied vom Leben und seiner großen Liebe rauben dem Dichter seine Lebenskraft. Mit großer Mühe erhebt er sich, läuft ein paar Schritte auf seinen Freund Roucher zu und bricht dann, vom Schmerz übermannt, zusammen. Der Freund fängt ihn auf, versucht ihn zu trösten, aber Andrea Chénier bleibt am Boden liegend zurück. Das war gestern sicher einer der berührendsten und traurigsten Augenblicke, und niemand hätte diese Gefühle ehrlicher darstellen können als Jonas Kaufmann. Das anschließende Duett Vicino a te mit seiner Bühnenpartnerin Anja Harteros ist der wunderbare und leidenschaftliche Abschluss dieser Oper und dieses Abends. Wieder einmal wird klar, warum diese beiden Künstler alles vergessen lassen, wenn sie zusammen auf der Bühne stehen. Es ist eine ganz besondere Magie, die durch den Raum schwebt. 

Auch dieses unfassbar schöne Schlussduett wurde, hoffentlich nicht nur für den Livestream, weit nach vorne gezogen. Während die beiden Liebenden sich weiter in einen Rausch hineinsteigern, beseelt von dem Wunsch, gemeinsam zu sterben, wurde auch gestern ein Stockwerk darüber die Guillotine aufgebaut, denn auch am Abend des 18. März verliert zum Glück nicht der Münchner Opernsänger seinen hübschen Kopf, aber seine Figur Andrea Chénier.

Als der Vorhang fällt und sich wieder hebt, brandet ein tosender Applaus auf, Begeisterungsstürme empfangen die Künstler auf der Bühne, das Auditorium im Nationaltheater tobt. Unzählige Bravo!-Bravo!-Rufe schallen durch den Saal, rhythmisches Klatschen, das Getrampel von hunderten Füßen ist zu hören und immer wieder Jubelrufe. Die überragenden Gesangssolisten, der fantastische Chor und ein wunderbar aufspielendes Orchester unter der Leitung von Omer Meir Wellber nehmen mit großer Freude und Rührung den hochverdienten Applaus und die Anerkennung des Münchner Publikums entgegen. Während das Adrenalin sicher noch in den Venen rauschte, war der Genuss, so begeistert gefeiert zu werden, noch mal so hoch. 

Und was soll ich sagen, egal wohin ich schaute an diesem Abend des 18. März 2017, sah ich nur strahlende Gesichter und leuchtende Augen, und ein unbeschreibliches Glücksgefühl machte sich im ganzen Körper breit. Es war klar, diese Vorstellung ist etwas Besonderes gewesen. Für die Sänger auf der Bühne und die Zuschauer im Saal. Und wer ihn bisher noch nicht kennengelernt hat, dem ist er ganz sicher gestern begegnet: Der Zauber der Oper! 

Ich danke euch fürs Zuhören und hoffe, ihr könnt dieses Glück mit in euren Alltag nehmen und in eurer Erinnerung und euren Herzen bewahren. 

Wir sehen uns zur letzten Vorstellung dieser Premierenserie am 2. April 2017. Bis dahin habt eine gute Zeit und immer ganz viel Musik in eurem Leben. Um es mit den Worten von Friedrich Wilhelm Nietzsche zu sagen: Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.


Viva la morte insiem
Gemeinsam umarmen wir den Tod

Hamburg, 19.03.2017

Das sind die letzten Worte des Poeten Andrea Chénier und seiner großen Liebe Maddalena di Coigny, bevor sie das Schafott betreten, um gemeinsam den Tod durch die Guillotine zu sterben. Für die beiden Liebenden ist es der einzige Weg, ihre kostbare Liebe zu bewahren und für immer vereint zu sein. So endete am vergangenen Sonntag die umjubelte Premiere von Umbertos Giordanos Oper Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper in München.

Diese Neuinszenierung von Phillip Stölzl, der damit sein Hausdebüt am Nationaltheater gab, war dort auch, kaum zu glauben, die Erstaufführung dieses Werks von Umberto Giordano, das zu den großen aus dem Bereich des Verismo zählt. Eine unglaublich intensive und mit Gefühlen aufgeladene Musik, die nicht nur die Zuschauer in ihren Bann zieht, berührt und aufwühlt, sondern genauso auch die Sänger auf der Bühne und die Musiker im Orchestergraben.

So auch am Abend der natürlich restlos ausverkauften Premiere im Münchner Nationaltheater. Das war nicht wirklich überraschend bei dieser so großartigen Besetzung. Als tragisches Liebespaar waren auf der Bühne zwei der zur Zeit besten Opernsänger zu hören und zu sehen: Jonas Kaufmann als Dichter und Antiheld Andrea Chénier und Anja Harteros als seine große Liebe Maddalena di Coigny, die hier ihr Rollendebüt gab. Der dritte im Bunde und mit dem zweiten Rollendebüt an diesem Abend war der junge italienische Bariton Luca Salsi. Und auch der Rest des Ensembles war bis in die kleinsten Rollen herausragend besetzt. Ein Highlight und ein Genuss war für mich wieder einmal der Chor der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Stellario Fagone. Die Leitung hatte der junge israelische Dirigent Omer Meir Wellber, der mit großer Leidenschaft diese dramatische Oper aus dem Verismo dirigierte, dabei aber immer die Sänger und seine Orchestermusiker aufmerksam im Blick hatte und ruhig und besonnen durch diese Premiere führte. 

Dieses sollen meine einführenden Worte sein. Im Anschluss möchte ich von meinen ganz persönlichen Eindrücken und Empfindungen am Abend des 12. März 2017 berichten. Das war dieses Mal nicht ganz so einfach und ist wie immer unumstritten subjektiv gesehen. 

Fotos: W. Hösl

Zur Inszenierung selbst ist zu sagen, dass die Entscheidung, die Handlung da spielen zu lassen, wo sie geschieht, nämlich kurze Zeit vor dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 und 5 Jahre danach, genau die richtige war. Die französische Revolution und die Geburtsstunde der Demokratie in eine andere Zeit zu verlegen, wäre wohl ziemlich unglaubwürdig und hätte kaum Sinn. Ein wichtiger Faktor ist, dass fast alle Figuren in Umberto Giordanos Werk wirklich gelebt haben und Teil der Geschichte sind. Das alles ist absolut nachvollziehbar und gut. Auch die sehr aufwendig gestalteten Kostüme sowie das Bühnenbild an sich passen und machen eine runde Sache aus dieser Neuinszenierung von Regisseur Philipp Stölzl. Doch es gibt leider auch ein Aber: Die gesamte Bühnenkonstruktion ist zwar sehr aufwendig (auf den Bühnenfotos, dem Trailer und dem Making of gut zu sehen), verbreitet aber leider zeitweise auch eine ziemliche Unruhe und lenkt von den wunderbaren Sängern ab, die manches Mal aus dem Fokus geraten, weil um sie herum in den anderen Kästen bzw. Schauplätzen zu viel geschieht. Das ist wirklich schade und macht es für den Zuschauer zum Teil recht mühsam, sich auf die Musik und die Gesangssolisten zu konzentrieren. Dazu kommt, dass man aus den verschiedenen Sitzpositionen nicht immer alles mitverfolgen kann, was geschieht. Die Frage nach der optimalen Sitzposition stellt sich hier durchaus und ob es sie wirklich gibt. Ich spreche da nach der GP (Stehplatz 3. Rang improvisiert) und Premiere (Sitzplatz Parkett links 16. Reihe) aus eigener Erfahrung. Und die nächste berechtigte Frage gleich im Anschluss: Wie funktioniert so ein Bühnenbild bei der Übertragung eines Livestreams? Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie die Kameraführung an dem Tag sein wird.

Nun komme ich zu den Hauptdarstellern dieses Premierenabends, die ich auch schon ausführlicher in meinen Vorberichten vorgestellt habe. Ich werde so gut wie möglich versuchen, Darstellung und Gesang dieser drei wunderbaren Künstler und Sänger darzulegen, um jedem einzelnen wahrhaft gerecht zu werden. 

Luca Salsi in der Rolle des Carlo Gérard gibt in dieser Neuinszenierung sein Debüt und meisterte diesen ersten Auftritt mit Bravour. Zurecht wurde der italienische Sänger vom Publikum nicht nur mit reichlich Schlussapplaus bedacht, sondern auch bereits nach seiner ersten Arie. Er scheint diese Rolle wirklich so verinnerlicht zu haben, dass er von Anbeginn sehr glaubwürdig seine Figur verkörperte, ihr Leben einhauchte und uns einen Menschen näherbrachte, der eine Zerrissenheit in sich trägt, gefangen ist zwischen Hass und Liebe. Kraftvoll und warm ist die Stimme von Luca Salsi, intensiv und stark seine Präsenz und Darstellung auf der Bühne. Die Wandlung, die Carlo Gérard im Laufe dieser Oper durchmacht, kann er nachvollziehbar vermitteln. Eine seiner stärksten Momente war ganz sicher seine Arie im dritten Akt Nemico della Patria sowie das dramatische Duett mit Anja Harteros im Anschluss, wenn er erst, von seinen Gefühlen und seiner Leidenschaft übermannt, versucht sie zu vergewaltigen und dann, tief berührt von ihrer Liebe und Opferbereitschaft, einlenkt und verspricht, alles zu tun, um ihren Geliebten vor der Verurteilung und Hinrichtung zu bewahren. Ich muss sagen, dass ich sehr beeindruckt war von dieser Leistung und feststellte, dass der junge Sänger seinen beiden Kollegen Jonas Kaufmann und Anja Harteros in nichts nachsteht. So ist er meine persönliche Entdeckung des Abends, und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Luca Salsi in dieser Rolle und vielen anderen, die noch folgen werden. 

Auch Anja Harteros, die wie schon mehrfach erwähnt, für mich zu den derzeit besten Sängerinnen der Opernszene gehört, feierte ein furioses Debüt in ihrer Rolle als Maddalena di Coigny. Sie ist wirklich der strahlende Stern am Opernhimmel und ich liebe ihre Stimme so sehr, dass ich, wenn sie nur die ersten Töne erklingen lässt, Tränen in den Augen habe vor Glück, überwältigt von so viel Schönheit. Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich fühle, aber es ist einfach Emotion pur. Diese wunderbare Sängerin ist mittels ihre Stimme in der Lage, alles an Gefühlen zu den Herzen und in die Seelen ihrer Zuhörer zu tragen und etwas auszulösen, das man vorher so nicht erlebt hat. Momente tiefer Glückseligkeit. Das mag jetzt ziemlich pathetisch klingen, aber es ist anders nicht zu beschreiben. In ihrer Rolle als Maddalena macht auch sie eine große Wandlung durch, vom jungen verwöhnten, unreifen Mädchen aus gutem Hause bis hin zur wahrhaft liebenden Frau, die bereit ist, für diese Liebe in den Tod zu gehen, dazwischen so viel Leid erlebt und daran wächst und zu einer starken jungen Frau heranwächst, die ganz bewusst eine weitreichende Entscheidung trifft. Bezaubernd dargestellt von Anja Harteros im ersten Bild der Oper die Naivität, das Flatterhafte und die erste Begegnung mit dem Poeten, der sie ein Stück weit aus ihren Träumen reißt, hinein in eine sehr brutale und unangenehme Wirklichkeit. In den darauffolgenden Jahren ändert sich alles für die junge Frau und sie muss schnell, sehr schnell erwachsen werden und entscheidet sich, als sie dem Dichter und ihrer großen Liebe Andrea Chénier begegnet, für den nach ihren Gefühlen einzig richtigen und wahren Weg. Sie entscheidet sich ganz bewusst, mit ihm in den Tod zu gehen, da sie ohne ihn nicht leben kann und will. Diese nicht weniger große Wandlung als Carlo Gérard auch, die Maddalena di Cogny durchmacht, verkörperte Anja Harteros sehr glaubhaft und berührend und konnte so die Zuschauer mitnehmen auf eine Reise, die mit Glück und Unbeschwertheit beginnt und mit dem selbst gewählten Tod auf dem Schafott endet. Auch optisch ist dieser Wandel zu sehen: zu Beginn im weißen Flatterkleid und Blumenkranz im Haar, im üppigen Festgewand auf der glamourösen Feier im Schloss ihrer Mutter, und dann in genau diesem Kleid, verschmutzt, zerrissen, die dunklen Locken zerzaust, eine große Narbe auf der rechten Wange. Abstieg und Fall der aristokratischen Gesellschaft, der auch Maddalena einst angehörte.

Die strahlendsten Momente und Sternstunden an diesem Abend der Ausnahmekünstlerin waren ganz sicher ihre Arie La mamma morta und das wunderschöne Liebesduett mit ihrem Bühnenpartner Jonas Kaufmann, Ora soave, sowie das gemeinsame Schlussduett Vicino a te. Was will man zum Schluss anderes sagen als einfach nur: traumhaft, überwältigend und unglaublich schön.

Jetzt fehlt nur noch einer im Bunde: Jonas Kaufmann, der die Titelpartie in dieser Neuinszenierung und Oper von Umberto Giordano singt. Nach gut viermonatigem krankheitsbedingten Ausfall und einem gefeiertem Comeback als Lohengrin in Paris, ist der sympathische Münchner nun auch erstmals wieder in seiner Heimatstadt auf der Opernbühne zu sehen. Da waren die Erwartungen mehr als groß und somit blieb ein gewisser Druck für einen der zur Zeit erfolgreichsten, besten und vielseitigsten Tenöre nicht aus. Und die Rolle des Andrea Chénier ist eine der schönsten aber auch forderndsten Partien, weil die Musik so wahnsinnig emotional und mitreißend ist. Verismo in seiner reinsten Form. Dazu kommt die unheimlich große Anzahl an Auftritten für den Tenor. Vier große Arien und zwei große Duette sind zu bewältigen und ein Stück ist schöner und leidenschaftlicher als das andere. Diese Partie ist also ziemlich anspruchsvoll und eine hundertprozentige Gesundheit Voraussetzung. Wenn ich die nächsten Sätze schreibe, dann fällt mir das unglaublich schwer, da ich einfach gerne nur schwärmen würde, aber jetzt einige kleine Abstriche machen werde. Ich muss leider sagen, dass man der Stimme von Jonas Kaufman anmerkte, dass nicht alles so hundertprozentig lief, wie es zu erwarten wäre. An manchen Stellen fehlte noch ein wenig das wunderbare Strahlen, ein wenig matt und rau klang die Stimme ganz am Ende, und man hatte einfach manchmal das Gefühl, dass noch ein wenig die Kraft fehlte. Wir sprechen hier von einigen wenigen Prozent bis 100 und es ist ein Klagen auf extrem hohem Niveau, aber nichtsdestotrotz blieb am Ende eine kleine Sorge, ob es einfach nur ein nicht ganz perfekter Auftakt war oder ob die Belastung doch noch zu groß ist.

Aber ich komme natürlich auch ins Schwärmen; besonders die erste Arie im ersten Bild Un di all´azzurro spazio und meine Lieblingsarie im vierten Bild Come un bel di di maggio waren wunderschön gesungen. Die erste Arie kraftvoll und voller Inbrunst, die zweite Arie so voll von Schmerz und Verzweiflung. Auch die Darstellung, die Rolleninterpretation war wie gewohnt tief und bis ins kleinste Detail ausgelotet und authentisch. Auch wenn einem manchmal in den Sinn kam, das geht noch etwas intensiver. Die gewohnte vollständige und bedingungslose Verwandlung, das sich Überziehen seiner Figur wie eine zweite Haut und das Verschmelzen von Realität und Wirklichkeit fehlte auch hier noch ein kleines bisschen. Aber ich bin sicher, im Laufe der nächsten Vorstellungen wird diese Wandlung, Verwandlung sich immer weiter verstärken und am Ende wird man kaum noch unterscheiden können zwischen dem Tenor Jonas Kaufmann und der Figur des Poeten Andrea Chénier. Beide werden dann miteinander verschmolzen sein. Optisch gelingt das schon einmal sehr gut. Der 47-jährige Opernsänger tritt hier äußerlich doch recht verändert auf, der Bart ist ab, die Haare im ersten Bild deutlich anders frisiert mit langen Koteletten, im zweiten Bild kommt noch eine kleine goldene runde Nickelbrille dazu, die Kleidung der eines eher armen Künstlers entsprechend, leicht speckig und sicher nicht besonders wertvoll. So hilft die äußere Veränderung sicher auch der inneren. Und auch wenn noch nicht alles hundertprozentig perfekt war, steht für mich fest, dass es für diese Rolle zur Zeit, sei es stimmlich, darstellerisch oder optisch, keine idealere Besetzung gibt, als die mit Jonas Kaufmann.

Am Ende bin ich trotzdem sehr zufrieden und glücklich mit diesem Abend, einem hervorragenden Solistenteam, einem Ensemble, das auch bis in die kleinste Rolle glaubwürdig und sehr gut besetzt war, einem Chor, der mich wie immer begeistert hat, und einem großartig spielenden Orchester unter der Leitung eines begeisterten jungen Dirigenten. 

Und so gab es am Schluss, neben den üblichen Buhrufen für das Regieteam, reichlich Applaus und begeisterte Zurufe aus dem Publikum. Die Künstler wurden ausgiebig gefeiert und die Vorfreude auf die nächste Vorstellung ist jetzt schon groß. Auf den Livestream am kommenden Samstag bin ich sehr gespannt. 

Im zweiten Beitrag über diese Premiere werde ich mehr ins Detail gehen und mich auf die Erzählung der vier Bilder mit ihren Protagonisten beschränken. Diese intensiven Momente nicht gesondert zu erwähnen, wäre einfach zu schade.

In diesem Text findet ihr Eindrücke in Form von Bühnenfotos und Trailer und dem Making of. Viel Freude damit. 

Wir hören uns dann nach dem Livestream am 18. März wieder bzw. nach den letzten zwei Vorstellungen am 30. März und 2. April. Bis dahin lasst es Euch gut gehen und viel Freude beim Nachlesen und Nachspüren und natürlich dem direkten Erleben in der Oper.

Video-Links:

Der Frühling kommt und die Spannung steigt

Hamburg, 07.03.2017

Während in Deutschland und auch hier in Hamburg die Temperaturen auf milde Frühlingstemperaturen ansteigen, geht es im Münchner Nationaltheater und mit der Neuinszenierung und Erstaufführung von Andrea Chénier in die heiße Phase. Die Spannung steigt proportional zur Freude und der Ungeduld, dass es endlich losgehen möge. Fünf Tage noch und dann ist es soweit, dann öffnet sich in meiner Lieblingsoper der Vorhang, und zum ersten Mal in der Geschichte der Bayerischen Staatsoper kommt dieses unfassbar schöne Werk von Umberto Giordano zur Aufführung.

Bisher gab es ein paar wenige Einblicke in die laufenden Proben, die schon, auch in Zusammenhang mit den vorliegenden Informationen, ziemlich neugierig gemacht haben auf das Regiekonzept von Philipp Stölzl und seinem gesamten Team. Klassisch wird es, was die Kostüme und das Set angeht. In der Zeit der Französischen Revolution spielt die Handlung, und die Geschichte wurde, wie es scheint, sehr detailgetreu umgesetzt. Das erste Foto von der Kostümprobe mit seinem Titelhelden Jonas Kaufmann in der Rolle des Andrea Chénier ist sehr vielversprechend. So wie es aussieht, wird man den sympathischen Künstler einmal etwas anders erleben, die Optik wirkt doch schon ein wenig verändert und etwas ungewohnt. 

Hier ist ein kleiner Eindruck für die, die sich nicht auf Facebook umgeschaut haben. 

Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass es noch die ein oder andere weitere Überraschung geben wird. Die filmischen Elemente und die entsprechende Herangehensweise werden bestimmt zu sehen sein und aus einer emotionsgeladenen Oper ein großes Leinwandepos machen. Ein ziemlicher Historienschinken, wie Regisseur Philipp Stölzl mit einem Augenzwinkern bemerkte. Aber mittlerweile denke ich, hat er seine große Freude an der Umsetzung und Gestaltung; insbesondere mit solch herausragenden Sängerdarstellern und ihren atemberaubend schönen Stimmen. Wer bei diesem Stoff, dieser Musik und solchen Künstlern zu keinem Ergebnis kommt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Bei Philipp Stölzl mache ich mir da aber ganz sicher keine Sorgen, er wird am 12. März einen riesigen Erfolg landen und der Jubel wird ihm, seinem Team, den Gesangssolisten und dem Orchester unter der Leitung von Dirigent Omer Meir Wellber sicher sein. 

Also noch ein klein wenig Geduld haben, dann geht es auch schon los. In München startet die Premierenserie zur Neuinszenierung und Erstaufführung von Umberto Giordanos bewegendem Musikdrama im wunderschönen Nationaltheater. Spätestens am 13. März, einen Tag nach der Premiere, melde ich mich wieder, um von meinen persönlichen Eindrücken zu berichten, untermalt von einigen aussagekräftigen Bühnenfotos. Auch das Making of sollte dann zur Verfügung stehen und der Trailer sicher schon nach der GP am 9. März. 

Bis bald und eine gute Zeit bis dahin! 


Die Hauptprotagonisten von Andrea Chénier und ihre Darsteller: 
Ein traumhaftes Solistenteam gibt sich die Ehre

Hamburg, 07.03.2017

Hier kommen nun also meine Ausführungen und Gedanken zu den drei Hauptprotagonisten und ihren Darstellern. Eines der Traumpaare der Opernbühne, KS Anja Harteros und KS Jonas Kaufmann als tragisch Liebende. An ihrer Seite ein junger italienischer, großartiger Bariton, Luca Salsi in der Rolle des Carlo Gérard. Alles wahre Sängerdarsteller und vor allem Künstler mit traumhaften und ausdrucksstarken Stimmen. Das lässt auf eine gelungene, erfolgreiche Inszenierung und wunderschöne Abende in der Oper hoffen. Aber um es gleich vorwegzunehmen, auch der Rest des Ensembles ist hervorragend besetzt. Nicht zu vergessen, dass alles unter die Leitung eines wunderbaren Dirigenten gestellt ist, Omer Meir Wellber, und inszeniert von einem der erfolgreichsten Regisseure, die es in Deutschland zur Zeit gibt, Philipp Stölzl, ein geborener Münchner. 

Zuerst möchte ich mich dem Titelhelden widmen, wobei man Held vielleicht nicht ganz wörtlich nehmen sollte, und seinem Darsteller Jonas Kaufmann. Jonas Kaufmann brauche ich vermutlich nicht wirklich vorzustellen. Ein wenig zu Wort gekommen ist der sympathische Künstler ja auch schon im vorigen Beitrag und er hat ein paar Einblicke in seine Herangehensweise an solch eine Rolle im Bereich des Verismo gegeben. Dass er zu den ganz großen Opernsängern und Tenören gehört, braucht eigentlich nicht erwähnt zu werden, aber ganz besonders beeindruckt mich zusätzlich immer seine darstellerische Kraft auf der Bühne. Seine Rollenprofile sind bis ins Detail ausgearbeitet, jede Geste, jeder Blick wirkt authentisch und nachspürbar. In Verbindung mit seiner Stimme entsteht ein komplettes Bild seiner Figur, menschlich und intensiv. Ein tiefer Einblick in die Seele wird dem Zuhörer jedes Mal gewährt. Genau diese Menschlichkeit und keine Angst, verletzlich und schwach zu wirken, zeichnen diesen Sänger und Künstler aus. Wenn er auf der Opernbühne steht, verwandelt er sich in den Menschen, den er darstellt, schafft jedes Mal eine außergewöhnliche Gratwanderung zwischen der eigenen Person und seiner Figur, die er verkörpert, sowie deren Gefühle und Erleben. Das sind nicht nur für den Verismo und die Rolle des liebenden und leidenden Künstlers beste Voraussetzungen. 

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Zur Rolle des Andrea Chénier: Ein Poet, ein sensibler Künstler, ein Liebender, politisch engagiert, allerdings in der Oper von Giordano nur angedeutet, etwas verträumt, ein Salontiger. Eine eindeutigere Position nimmt der Poet nur zweimal ein. Einmal im ersten Akt, als er das erste Mal Maddalena begegnet, verlacht wird und genötigt, ein paar Verse zu zitieren; er tut allerdings etwas anderes, als von der feinen Gesellschaft erwartet. Tief verletzt über den Spott und Hohn, der ihm entgegengebracht wurde, hält er allen im Raum einen Spiegel vor und gibt zu erkennen, was er wahrhaft denkt. Nur Maddalena gegenüber, der Tochter des Hauses, gibt er sich versöhnlich und hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei ihr. Un di all´azzurro spazio lautet die erste wunderbare Tenor-Arie. 

Im zweiten Akt, in der Zwischenzeit sind fünf Jahre vergangen, während der Poet von seiner schönen Unbekannten träumt (Credi al destino), von der er seit einiger Zeit Briefe erhält, rät sein Freund Roucher (dargestellt von Andrea Borghini ) ihm zur Flucht. Einen entsprechenden Pass hat er bereits besorgt. Aber Chénier lebt irgendwie in seiner Traumwelt, hat die grausame und gefährliche Realität ein wenig ausgeblendet und hofft auf ein Leben voller Liebe und Glück mit der mysteriösen Briefeschreiberin. In seinem Kopf gibt es nur noch den Wunsch, die Frau zu finden, die ihm seit langer Zeit so tief verbunden erscheint. Als er dann schließlich der schönen Unbekannten begegnet und in ihr die Grafentochter Maddalena di Coigny erkennt, ist es um ihn geschehen, alles andere ist unwichtig, er entbrennt in Liebe für die junge Frau und gemeinsam schwören sie sich Liebe bis in den Tod. Das erste große Duett erklingt. Als die beiden letztlich auffliegen und es zum Kampf zwischen Andrea Chénier und Carlo Gérard kommt, in dem dieser schwer verwundet wird, kann der Poet fliehen, wird aber wenig später verhaftet (dieses Detail taucht aber in der Oper selbst nicht auf).

Im dritten Akt wird es für alle Beteiligten aus verschiedenen Gründen höchst dramatisch, die Gefühle kochen über, Emotionen pur. Ein Kampf um Leben und Tod steht im Raum. Bezogen auf die Titelfigur heißt das, vor ein unnachgiebiges und hartes Tribunal gestellt zu sein. Beschuldigt des Hochverrats und bedroht vom Tode. Andrea Chenier verteidigt sich mit einem dramatischen Appell, mutig und wortgewandt (Si fui soldato), scheitert aber an den verbohrten und voreingenommenen Geschworenen, die einfach nur ihrer grausamen Aufgabe nachkommen wollen. Carlo Gérard, der mittlerweile sein Unrecht und dieses furchtbare System erkannt hat, versucht alles um eine Begnadigung zu erwirken. Ohne Erfolg. Chénier ist zu Tränen gerührt über diese noble Geste seines ehemaligen Erzrivalen und Feindes. Retten kann es ihn am Ende nicht. Im Angesicht seiner Geliebten wird der Dichter zum Tode auf der Guillotine verurteilt. Verzweifelt erkennt er, das sein Leben vorbei ist und er seine große Liebe niemals wiedersehen wird. 

Im vierten und letzten Akt nun nimmt der Dichter, der auf seine Hinrichtung wartet, Abschied vom Leben und seiner großen Liebe. Während er seinem Freund auf seine Bitte hin die letzten Verse vorliest, die er gerade noch geschrieben hat, überwältigen ihn am Ende die Gefühle, und voller Schmerz bricht er zusammen. Die vierte Tenor-Arie in dieser Oper und meine Lieblingsarie: Come un bel di di magio. Sein Freund ist tief gerührt von diesem Anblick und versucht ihn zu trösten. Aber für den zum Tode Verurteilten gibt es keinen Trost, er weiß, dass sein Ende nahe ist, und die Gedanken, die Liebe seines Lebens niemals wiederzusehen, haben seine Seele gebrochen. Erst in dem Augenblick, als er Maddalena ein letztes Mal sieht, kehrt für einen Moment Leben in ihn zurück und, tief gerührt von ihrer Opferbereitschaft, schwören sich die beide Liebe bis in den Tod. Wenn es für sie bestimmt ist, gemeinsam zu sterben, dann soll es so sein. Hand in Hand gehen sie zum Karren, der sie dann zur Guillotine bringt, wo sie gemeinsam sterben werden, Viva la morte insiem.

Zusammengefasst hat die Figur des Poeten vielleicht nicht das größte Potenzial in Bezug auf eine Entwicklung und ist vielleicht auch nicht die stärkste Persönlichkeit, bietet aber trotzdem in der Darstellung einige interessante Seiten. Er ist auf jeden Fall ein leidenschaftlicher Mensch, voller Gefühle, fähig zu lieben und zu leiden bis in den Tod. Er ist ein großartiger Poet, der bildgewaltig seine Gefühle in Worte fassen kann und der durchaus für seine Überzeugungen eintritt. Auch wenn das, wie schon erwähnt, in dieser Oper nicht ganz so stark zum Ausdruck kommt. Ich würde sagen, das Führende an Chénier ist seine große Fähigkeit zur Leidenschaft und Hingabe. Mag sein, dass er zwischenzeitlich ein wenig den Kontakt zur Realität verliert, die ihn dann aber auf grausame Weise wieder einholt. Vielleicht ist er auch ein wenig naiv und verträumt, aber ganz sicher ein intelligenter Mensch, auch emotional. Er besitzt die Fähigkeit zu leiden und zu lieben, verliert sich aber auch zeitweise auch darin. 

Ich bin schon sehr gespannt, wie Jonas Kaufmann diese Rolle, zusammen mit Regisseur Philipp Stölzl, angelegt und entwickelt hat. Ein wie immer sehr interessanter Prozess, denn eines ist sicher, keine Vorstellung ist wie die andere. 

Als nächstes komme ich zu einer meiner Lieblingssängerinnen, einer nicht nur für mich besten Opernsängerinnen unserer Zeit, Anja Harteros. Ich glaube, für mich gibt es kaum eine Künstlerin in diesem Fach, die mich innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde so tief mit ihrer Stimme zu berühren vermag. Kaum jemand kann mit ihrer Stimme so viele Emotionen ausdrücken und ein ganzes Opernhaus innerhalb weniger Augenblicke in ihren Bann ziehen. Die bildhübsche Halbgriechin, die mit einer unglaublichen Leichtigkeit und Zartheit die höchsten Höhen erreicht und dabei zu keiner Zeit angestrengt wirkt, gehört zu den Ausnahmeerscheinungen unserer Zeit. Ihr Repertoire ist gewaltig: Verdi, Puccini, Wagner, Strauss, sie kann alles singen, ist auf allen Opernbühnen der Welt zu Hause und lässt sich trotzdem in keine Schublade zwingen oder sich von den Medien, Fans oder anderen Umständen unter Druck setzen. Sie entscheidet frei, ist in keinem Plattenvertrag gebunden, hat keine eigene Website oder Social Media Accounts. Und trotzdem gehört sie zu den erfolgreichsten Sängerinnen ihres Fachs. Auch für diese Rolle ist sie eine Traumbesetzung, insbesondere zusammen mit ihrem langjährigen Bühnenpartner Jonas Kaufmann und an der Bayerischen Staatsoper, ihrer künstlerischen Heimat. Und eine Besonderheit gibt es noch: Nicht nur im Tannhäuser, der im Mai zur Aufführung kommt, debütiert sie, auch die Maddalena di Coigny ist ein Rollendebüt für die hübsche Sängerin. Und ja, ich freue mich schon sehr darauf und bin mir sicher, es wird ein wunderbares Erlebnis nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für sie selbst.

wikipedia.org/Anja_Harteros   -   staatsoper.de/biographien

Während Andrea Chénier vielleicht nicht eine ganz so große Entwicklung durchlebt, erfährt Maddalena di Coigny eine umso größere Wandlung. Das unschuldige und naive Mädchen, das unbeschwert im Luxus lebt, begegnet mit dem jungen Poeten nicht nur das erste Mal der Liebe, sondern auch der Realität, die bisher keinen großen Einfluss hatte, da ihre Familie, vor allem vermutlich ihre Mutter, sie davon so gut wie möglich abgeschirmt hat. Vielleicht hat sie aber auch alles nur einfach verdrängt. Mit dieser Begegnung im Winter 1789 ändert sich das. In den fünf Jahren bis zur Begegnung mit dem Künstler hat sie einen intensiven Briefkontakt zu ihm gehalten, aber auch viel Schlimmes erfahren, wie die grausame Ermordung ihrer Mutter. Nun ist sie auf der Flucht und ist gekommen, den Dichter um Schutz und Hilfe zu bitten. Sie offenbart ihm ihre wahre Identität, und die beiden schwören einander ewige Liebe bis in den Tod. Als sie entdeckt werden, kann Chéniers Freund Roucher sie gerade noch in Sicherheit bringen. 

Maddalena hat von der Inhaftierung ihres Geliebten erfahren und sucht Carlo Gérard auf, den sie aus ihren unbeschwerten Tagen ihrer Jugend kennt. Sie bittet ihn um Hilfe, muss aber feststellen, dass der Mann, den sie von früher kennt, sich sehr verändert hat. Carlo Gérard ist im Laufe der letzten Jahre zum Sekretär der Revolution aufgestiegen, begehrt allerdings die junge Frau schon seit langer Zeit selbst und ist erst einmal nicht gewillt, Maddalena zu helfen. Erst als sie ihm in ergreifender Weise ihr furchtbares Schicksal (La mamma morta, eine der schönsten Sopranarien der Opernliteratur) offenbart und sich ihm als Opfer für das Leben von Chénier anbietet, ändert er seine Einstellung und verspricht ihr, den Geliebten vor dem Tode zu retten. Wie schon ihm Abschnitt zu Andrea Chénier berichtet, gelingt dieses Unternehmen nicht, und die junge Frau muss verzweifelt miterleben, wie ihre große Liebe zum Tode verurteilt wird und alle Mühe umsonst war. Als nächstes sucht Maddalena das Gefängnis auf, in dem ihr Geliebter auf seine Hinrichtung wartet. Mit Hilfe von Gérard besticht sie den Gefängniswärter und tauscht den Platz mit der jungen Madame Legray, der sie somit die Freiheit und das Leben schenkt. Sie selbst hat beschlossen, mit dem Mann, den sie so sehr liebt, gemeinsam in den Tod zu gehen. Bei ihrem letzten Wiedersehen schwören sie sich noch einmal ihre große Liebe und besteigen dann Hand in Hand den Karren, der sie zum Schafott bringen soll. Im letzten unglaublich schönen und emotionalen Duett wird die unendliche Liebe der beiden Todgeweihten hinausgetragen in die Welt.

Maddalena macht hier für mich die größte Wandlung durch, vom leicht naiven und unbeschwerten jungen Mädchen, die sich das erste Mal verliebt und bisher ihr Kokon nicht verlassen hat, „beschützt“ von der Außenwelt. Die dann Grausames erlebt, auf der Flucht ist, bereit ist, sich für ihre Liebe zu opfern, und es am Ende auch ganz bewusst tut. Vom naiven Mädchen zur starken und mutigen Frau, die am Ende den Tod wählt, um ihre Liebe für immer zu bewahren.

Auch hier bin ich schon voller Erwartungen, wie wir Anja Harteros in dieser Rolle erleben werden, wie sie ihre Figur zusammen mit Regisseur Philipp Stölzl entwickelt und angelegt hat. Ganz sicher wird das ein traumhaftes Ergebnis. 

Die letzte Figur in diesem Musikdrama, der ich mich widmen möchte, ist die des Carlo Gérard, der ja auch in den ersten beiden Abschnitten schon aufgetaucht ist. Verkörpert wird er von dem italienischen Bariton Luca Salsi, der während der Premierenmatinée zu Andrea Chénier schon einmal eine erste Kostprobe seiner Stimme geben konnte und durchaus auch seiner Bühnenpräsenz und Darstellung. Das, was man dort sah, war wirklich vielversprechend und macht Lust, mehr zu hören und zu sehen. Ansonsten finde ich es auch sehr schön, mich in manchen Dingen überraschen zu lassen und vorher nicht schon alles zu wissen. Besonders neue Sänger und ihre Stimmen zu entdecken, finde ich sehr spannend und schön. So bin ich auch gespannt, genau wie bei Jonas Kaufmann und Anja Harteros, was der italienische Opernsänger aus seiner Rolle gemacht hat, wie er sie entwickelt und angelegt hat. 

lucasalsi.com   -   facebook.com/Salsi.Luca

Carlo Gérard ist ein zwiespältiger Mensch, auch er macht eine gewisse Wandlung durch und er offenbart den Zwiespalt, der in seiner Seele wohnt. Er liebt heimlich Maddalena di Coigny und hasst die Aristokratie, die ihn und seinen Vater schon so lange Zeit in ihren Fängen hat. Dienen, ein Leben lang, ohne Rechte und freien Willen. Er ist fähig zu lieben, aber auch fähig zu hassen und letztendlich zu töten. Er wollte sich befreien von den alten Herren und hat neue, noch schlimmere erhalten. Am Ende muss er feststellen, dass sich nicht wirklich etwas geändert hat. Im Ersten Akt sieht man die Abscheu gegenüber dem Adel und dieser ganzen Gesellschaft, die Angst um seinen alten Vater, der schon sein Leben lang dient. Der Hass über die Ungerechtigkeit, aber auch die Liebe zur jungen Gräfin. Am Ende verlässt er voller Wut das Schloss, um sich der nahenden Revolution anzuschließen.

Im zweiten Akt, fünf Jahre später, ist Gérard aufgestiegen zum Sekretär der Revolution und ein angesehener Mann, wie es scheint. Aber es treibt ihn etwas um, schon seit längerer Zeit sucht er nach Maddalena di Coigny, die er immer noch liebt und begehrt. Bisher hatte er keinen Erfolg. Erst, als er einen Spitzel engagiert, um sie zu finden, scheint er Erfolg zu haben. Er entdeckt sie ausgerechnet bei ihrem Stelldichein mit Andrea Chénier. Als es diesem gelingt, sie durch seinen Freund zu retten, und er im Kampf schwer verwundet wird, verhilft er dem Poeten trotzdem zu entkommen, lässt ihn aber kurze Zeit später festsetzen. 

Im dritten Akt erlebt man Gérard in verschiedenen Gefühlslagen. In einer weiteren unglaublich schönen Arie, Nemico della patria, einem weiteren musikalischen Höhepunkt in dieser Oper, offenbart er die Zerrissenheit die in seiner Seele herrscht. Veränderung zum Guten und zur Gerechtigkeit hatte er erhofft, und nichts hat sich erfüllt. Nur die Herren haben sich geändert, das System ist gleich geblieben. Und so viele Menschen hat er durch seine Unterschrift in den Tod geschickt, so wie er es auch mit Andrea Chénier tut. Als Maddalena ihn bittet, ihren Geliebten zu retten, erwacht in Gérard die Eifersucht und auch die starken Gefühle von früher. Er will sie haben und das um jeden Preis. Erst als die junge Frau ihm von ihrem grausamen Schicksal berichtet und bereit ist, sich hinzugeben, um ihre große Liebe vor dem Tode zu retten, wird sein Herz berührt und Reue stellt sich ein. Er verspricht, sich für den Poeten einzusetzen, um ihn vor dem Tode zu bewahren. Ohne eine Chance muss er zusehen, wie Andrea Chénier zum Tode durch die Guillotine verurteilt wird und Maddalena vor lauter Schmerzen zusammenbricht. 

Im vierten und letzten Akt kann Gérard nur noch eines tun, nachdem ein weiteres Ersuchen auf Begnadigung fehlgeschlagen ist: Maddalena zu helfen, ins Gefängnis zu gelangen und ihre Identität zu tauschen, um gemeinsam mit ihrer großen Liebe in den Tod zu gehen. Am Ende bleibt er alleine zurück, mit einem Gefühl der Ohnmacht, der Schuld, dem Verlust seiner Liebe und einem System, das gerade dabei ist, erneut zu zerbrechen.

Was bleibt? Den meisten Figuren in dieser Oper ist am Ende Tod und Verlust beschert, die große Liebe, das Leben, Freunde, Halt und Struktur. Und trotzdem gibt es einen, wenn auch kleinen Lichtblick, die Rettung von Idia Legray, die zu ihrer kleinen Tochter zurückkehren kann, und der Sieg der Liebe über den Tod, der dadurch in gewisser Weise seinen Schrecken verliert und die Hoffnung, das nun alles besser wird. 


Vorbericht zur Neuinszenierung und Erstaufführung von Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper

Hamburg, 07.03.2017

Die Oper Andrea Chénier von Umberto Giordano, Libretto von Luigi Illica, wurde am 28. März im Jahre 1896 an der Mailänder Scala uraufgeführt und war der größte Erfolg des italienischen Komponisten. So erfolgreich wie diese Oper damals war, so selten wird dieses wunderbare Werk heute gespielt, führt fast ein Schattendasein. Kaum zu glauben, denn es ist eine so wunderbare Musik und eine dramatische Geschichte mit wahren Personen und unfassbar schönen Arien und Duetten. Dieses Werk von Giordano ist so mit Emotionen aufgeladen und reißt nicht nur die Zuhörer im Zuschauerraum mit, sondern auch ganz besonders die Opernsänger auf der Bühne. Es braucht nicht lange und schon haben sich die Sänger mit ihren Rollen verbunden und die Besucher im Opernhaus werden hineingezogen in diese mitreißende Geschichte zwischen politischem Umbruch, Liebe, Tod und Poesie. Es ist alles in einem: politisches Drama, Liebesdrama und Künstlerdrama zugleich. Laut Regisseur Philipp Stölzl geht es hier um den Umbruch, den Wandel, die Umkehr der Machtverhältnisse, und am Ende hat sich trotzdem nichts verändert; das Oben und Unten hat sich einfach am Ende nur gedreht. Es geht um menschliche Dramen, um Liebe und darum Opfer zu bringen, die bis zum Tod reichen. Es geht auch darum, sich zu verlieren und durch die Begegnungen mit anderen Menschen wiederzufinden. 

Am Ende sind fast alle Opfer in diesem bewegenden Musikdrama, aber es gibt auch einen Lichtblick, einen Streifen am Horizont, der am Ende dem Tod ein wenig den Schrecken nimmt und Hoffnung gibt, dass die Zukunft eine bessere sein wird. 

Die Oper Andrea Chénier von Umberto Giordano zählt zu den Werken des Verismo, da sie angelegt ist mit einem realistischen Hintergrund, lebendigen Personen, von denen die meisten wirklich existiert haben. Diese Oper ist, ein wenig zusammengefasst und vereinfacht von Librettist Luigi Illica, eine Geschichte, die wirklich geschehen ist. Die Grausamkeit der Französischen Revolution wird hier gerade in den vielen kleinen Szenen verdeutlicht und das Leid der Menschen sowie der Wandel dieser Zeit dargelegt. Dazu kommt eine Leidenschaft in der Musik, die so typisch ist als Mittel des Verismo. Diese Musik ist sehr nah am Publikum, findet aufgrund ihrer Kraft und Emotionalität einen direkten Weg zu den Menschen im Saal, genau wie zu den Sängern auf der Bühne, die sie mit ihren eigenen Gefühlen vermischen und so in der Lage sind, sie nochmals um ein Vielfaches zu verstärken.

Lassen wir an dieser Stelle den Münchner Publikumsliebling zu Wort kommen, Startenor Jonas Kaufmann. Er ist wie immer in der Lage, das Wesentliche auf den Punkt zu bringen und sich klar und verständlich auszudrücken. In der Münchner Erstaufführung verkörpert er den Titelhelden in Giordanos Musikdrama. „Die Musik ist so mit Gefühlen aufgeladen, dass man acht geben muss, sich nicht darin zu verlieren. Man muss darauf acht geben, nicht zu viel zu geben, zu viel zu tun, denn all diese Melodien (der Tenor hat hier vier traumhafte Arien zu singen, eine pro Akt und zwei große Duette) sind eine Einladung, sich die Seele aus dem Leib zu singen. Jede Notenlinie ist so perfekt, dass es eine große Freude ist, sie zu singen.“ 

Ergänzend dazu und auch schon in dem Bericht über die Premierenmatinée zu lesen: die Leidenschaft im Zentrum des Verismo. Ein entscheidendes Mittel, die Gefühle auszudrücken und diese kraftvolle Musik noch weiter zu verstärken. Es gilt, gerade so die Grenze zu halten zwischen Spiel und Wirklichkeit, sich nicht zu verlieren oder gar zu verletzen - Stichwort: kontrollierte Ekstase (H. v. Karajan) - und trotzdem zu der Person zu werden, so zu fühlen wie sie, das zu spüren, was diesem Menschen gerade geschieht. Auch persönliche Erfahrungen fließen mit ein und vermischen sich mit dem Spiel und der Darstellung auf der Bühne. 

Einer meiner liebsten Dirigenten, Sir Antonio Pappano, sagte noch bezüglich dieser Oper, man brauche dafür The Big Voices, die großen Stimmen, die in der Lage sind, sich über die zum Teil gewaltige Orchestrierung hinwegzusetzen, die immer wieder sinfonische Elemente zeigt. Die Orchestrierung ist zudem sehr ausgeklügelt und musikdramatisch sehr präzise. Die Musik selbst ist in der Lage, all die starken Emotionen zu transportieren, die die Figuren in diesem Stück empfinden und erleben. Wahrhaft ein Glanzstück des Verismo! 

Zu den Figuren dieser Oper und ihren Darstellern komme ich noch in einem gesonderten Beitrag. Es wird eine Mischung aus dem Inhalt der Oper und der Darlegung ihrer Hauptfiguren. Einzeln behandelt, aber trotzdem immer in Verbindung miteinander. Nichtsdestotrotz kommt zusätzlich auch noch meine gerne angewendete Methode zum Einsatz. Die Links zum Opera Guide (wo nicht nur der Inhalt, also die Synopsis zu finden ist, sondern auch das Libretto) und zu Wikipedia.

opera-guide.ch

wikipedia.org/Andrea_Chenier

wikipedia.org/wiki (Die historische Figur André Chénier) 

Wer sich etwas näher mit der Figur des historischen André Chénier befassen möchte, der findet sicher in den entsprechenden Buchläden und im Internet einiges an Literatur. Mir fehlt leider selbst gerade ein wenig die Zeit, um meine Recherche bezüglich des Poeten und seiner Lebensumstände noch auszuweiten. Ich gebe mich erst einmal damit zufrieden, was ich im Internet finde oder auf kurzem Wege erfahren konnte. 

Was die Oper an sich angeht, seien zwei DVD-Empfehlungen ans Herz gelegt: zum einen die Londoner Aufnahme aus dem Jahre 2015 mit Jonas Kaufmann in der Titelpartie, Eva-Maria Westbroek als seine große Liebe Maddalena de C. und Zeljko Lucic in der Rolle des Carlo Gérard. Des weiteren zwei Aufnahmen mit dem wunderbaren Placido Domingo, ebenfalls als DVD erschienen, aus dem Jahre 1981, aufgenommen in der Wiener Staatsoper und aus dem ROH in London

Die entsprechenden Links zu Youtube, wo es noch einige sehenswerte Videoaufnahmen anzuschauen gibt:

An introduction to Andrea Chénier

A Vocal Masterclass with Antonio Pappano and Jonas Kaufmann

Des weiteren sei noch der Podcast auf der Seite der Bayerischen Staatsoper sehr empfohlen. Eingesprochen von Chefdramaturg Benedict Stampfli. 

staatsoper.de/stueckinfo/andrea-chenier


Im nächsten Beitrag geht es dann wie angekündigt weiter mit den Charakteren der Figuren in diesem Stück und ihrer Darsteller. Wobei ich mich, man möge mir verzeihen, in erster Linie auf die drei Hauptprotagonisten konzentrieren werde. Alles andere würde wie meistens den Rahmen sprengen. 

Und zum Schluss noch einmal die Links zur Seite der Bayerischen Staatsoper inklusive Facebook, Twitter und Instagram, wo es viele wichtige Informationen gibt und auch wunderbare Einblicke in die Neuinszenierung von Philipp Stölzl inklusive einiger sehr schöner Fotos.

staatsoper.de/stueckinfo

facebook.com/baystaatsoper

twitter.com/bay_staatsoper

instagram.com/bayerischestaatsoper


Fantastische Nachricht für alle Opernfans ohne Ticket

Hamburg, 06.03.2017

Vielen Dank, liebe Bayerische Staatsoper! Nun gibt es sie doch noch, die Übertragung dieser ganz besonderen Neuinszenierung von Andrea Chénier am Münchner Nationaltheater auf Staatsoper.TV.

Am 18. März 2017 um 19 Uhr öffnet sich der Vorhang für alle Fans dieser wunderbaren Kunst in aller Welt. Die Bayerische Staatsoper ist zu Besuch in den Wohnzimmern aller Opernliebhaber. Eine spannende Aufführung von Umberto Giordanos Meisterwerk Andrea Chénier erwartet alle, die bereit sind, sich mitreißen und berühren zu lassen. Und das von einer großartigen Besetzung: das Traumpaar der Opernbühne, Jonas Kaufmann und Anja Harteros, gibt sich die Ehre, um die Zuschauer mit ihren Stimmen und ihrem Spiel zu verzaubern. An der Seite der beiden Sänger, die München ihre künstlerische Heimat nennen, sind viele weitere großartige Kollegen wie der italienische Bariton Luca Salsi in der Rolle des Carlo Gérard. 

Also einfach zurücklehnen und genießen; mit Freunden, der Familie, dem Partner oder auch ganz egoistisch alleine. Nach dem Motto: Alleine bleibt mehr für mich... 

Hier ist der Link zu dieser großartigen Nachricht: 

www.staatsoper.de/infos-service

Natürlich gilt es in der Aufregung nicht zu vergessen, dass auch die Premiere am 12. März live mitzuerleben ist und zwar im Radio auf BR Klassik um 19 Uhr. 

Der Link zur Website: 

br-klassik.de/programm

br-klassik.de/ausstrahlung

Weitere Links:

facebook.com/events

facebook.com/baystaatsoper/photos

facebook.com/baystaatsoper/photos/a


Die Premierenmatinée zu Andrea Chénier

Hamburg, 05.03.2017

Dieser Vormittag im Nationaltheater in München hat sich wirklich gelohnt und das für ganze 10 Euro. Dafür wurde einiges geboten, es gab viel zu hören und reichlich zu genießen.

Begonnen hat es wie immer mit ein paar Eingangsworten von Staatsintendant Nikolaus Bachler, der die anwesenden Gäste dieser sonntäglichen Matinée herzlich begrüßte. Bevor er auf diese ganz besondere Neuinszenierung einging, gab es bereits das erste musikalische Highlight: der italienische Bariton Luka Salsi trat in seiner Rolle als Carlo Gérard mit der wunderschönen Arie Nemico della patria auf und wurde dafür mit reichlich Applaus vom entspannt aufgelegten Opernpublikum belohnt. Im Anschluss wurden die ersten Talkgäste in die Runde gebeten: Regisseur Philipp Stölzl, der hier sein Hausdebüt gibt, Dirigent Omer Meir Wellber, der in dieser Produktion die musikalische Leitung hat und zusätzlich die Gesangssolisten dieser Matinée am Klavier begleitete, sowie Chefdramaturg Benedikt Stampfli, der auch für die geschichtlichen und musikhistorischen Hintergründe zuständig ist.

Regisseur Philipp Stölzl offenbarte seine Gedanken zu den Hintergründen und dem Aufbau des Werks sowie zum Aufbau der Figuren und seiner Intention, dieses Werk zu inszenieren. Ein ganz schöner Historienschinken sei das, aber nachdem er sich intensiver damit beschäftigt habe und mit dieser herausragenden Besetzung, sei er mittlerweile mit viel Freude dabei. Ein wichtiger Punkt sei die Tatsache, dass die Personen dieser Oper wirklich existiert haben und nicht irgendwelche erdachten Figuren seien. Und die Französische Revolution gehöre zu den Eckdaten unserer demokratischen Grundordnung. Daher habe er sich dazu entschlossen, dieses Werk in der Zeit seines Ursprungs zu belassen.

Omer Meir Wellber, der wie schon erwähnt, die musikalische Leitung in dieser Produktion innehat, erläuterte auch diese Aspekte bezüglich Giordanos Oper. Man möge mir verzeihen, wenn ich nicht mehr hundertprozentig alles zusammenbringe, aber es waren einfach so unglaublich viele Informationen und Eindrücke. Im Gedächtnis geblieben ist mir noch, dass es, auch auf den Verismo bezogen, zu dem diese Oper ganz sicher zählt, wohl keine Rezitative mehr gibt, sondern nur noch Arien, die direkt in die nächste Handlung übergehen. Außerdem ist der sinfonische Aspekt in diesem Werk nicht ganz unbedeutend, die Musik ist von großer Aussagekraft und an sich ein wichtiger Bestandteil der Handlung. Theoretisch könnte man Teile dieser Oper auch alleine spielen, ohne dass diese ihre Kraft verlieren würden. Bei der fantastischen Besetzung wäre es aber selbstverständlich viel zu schade. Es gibt auch bereits so etwas wie ein Leitmotiv oder auch Erinnerungsmotiv, welches im Laufe der Oper immer wieder auftaucht. 

Wichtig ist, dass, wie Nikolaus Bachler zu Beginn erwähnte, es sich tatsächlich um eine Erstaufführung an der Bayerischen Staatsoper in München handelt. Kaum zu glauben! Es gab wohl einige Versuche im Laufe der Zeit, aber zur endgültigen Umsetzung kam es nie. Das ändert sich nun. Zweieinhalb Jahre nach den ersten Gesprächen von Nikolaus Bachler und Regisseur Philipp Stölzl befinden sich die Proben in der Endphase. Bis zur Premiere sind es nunmehr nur noch einige Tage. 

Aber das war natürlich noch nicht alles, danach gab es wieder eine Gesangseinlage. Dieses Mal war Elena Zilio zu hören in ihrer Darstellung der Madelon, die ihren letzten Sohn dem Komitee übergibt in dem Wissen, dass auch er in den Krieg geschickt und dort sterben wird. Sehr berührend vorgetragen und ein wichtiger Aussagepunkt in dieser Oper. Er vermittelt wohl mit am besten die grausame Realität, die damals herrschte, und wie viele Menschen den Grausamkeiten der neuen Herrscher zum Opfer fielen. 

Dann wurden von Staatsintendant Nikolaus Bachler die zwei Künstler hereingerufen, auf die vermutlich der Großteil der Anwesenden gewartet hatte. Jonas Kaufmann und Anja Harteros betraten die Bühne und nahmen gemeinsam auf einem Sofa Platz. Beide waren bestens aufgelegt, scherzten und wirkten sehr entspannt. Man spürte die unglaublich gute Chemie zwischen den Künstlern, den großen Respekt und eine freundschaftliche Verbundenheit seit langer Zeit. Beide genossen es sichtlich, an diesem Vormittag im Nationaltheater über ihre Leidenschaft zu sprechen, über dieses Werk und ihre Rollen. Für Anja Harteros ein weiteres Rollendebüt, das nächste als Elisabeth in Tannhäuser folgt ebenfalls in München nur gut zwei Monate später. Maddalena macht, im Gegenteil zur einer der Hauptpartien der Sopranistin der Tosca, eine deutlichere Wandlung durch, hat eine größere Entwicklung zu verzeichnen. Das macht sicher auch den Reiz dieser Rolle aus. Im Gegenteil zur Tosca steht für sie nicht so sehr der Glauben im Mittelpunkt, sondern Liebe und Tod. Sie ist am Ende bereit, sich für den Mann, den sie liebt, zu opfern, mit ihm gemeinsam in den Tod zu gehen. Im Gegenteil zur Tosca, die ihre Entscheidung ziemlich impulsiv beschließt, als sie merkt, dass sie hintergangen wurde, trifft Maddalena ihre Entscheidung ganz bewusst. 

Und Jonas Kaufmann schließlich erklärte noch einmal, wie wichtig die Leidenschaft in Bezug auf die Opern des Verismo ist. Diese intensiven Gefühle zu spüren und mit auf die Bühne zu nehmen, ist nicht nur wichtig, sondern fast entscheidend, um die Figuren authentisch zu verkörpern und sich selbst in dieser Rolle zu spüren und sich mit der Musik zu verbinden. Es gilt gerade so die Grenze zu halten, um sich nicht zu verlieren oder zu verletzen und das Gefühl zu haben, dieser Mensch zu sein und das zu erleben, was er erlebt, fühlt und spürt. Stichwort: Kontrollierte Ekstase. Auch eigene Erfahrungen mit einbringen, wäre gut und möglich, wenn vielleicht auch nicht gerade zum Thema: Enthauptet durch Guillotine. Ansonsten sei vieles machbar. Genau diese kontrollierte Ekstase demonstrierte der Münchner Publikumsliebling nach einer kleinen Einführung mit seinem Auftritt als Andrea Chénier und der unfassbar traurigen Arie aus dem vierten Akt Come un bel dì di magio. Ein Geschenk an all seine Fans hier in München, von denen die meisten eine lange Zeit warten mussten, um ihn und seine traumhafte Stimme wieder auf der Bühne zu erleben. Das war ein wahrer Glücksmoment! Mit einem Augenzwinkern meinte der sympathische Künstler: da würde noch etwas mehr gehen. 

Mit diesem wunderbaren Abschluss endete der offizielle Teil der Premierenmatinée im Nationaltheater in München. Wer blieb, konnte noch die wunderbare Dokumentation über Anja Harteros anschauen, alle anderen gingen auf einen Kaffee oder zum Mittagessen ins nahe gelegene Brenner oder auch ganz einfach nach Hause. Die Vorfreude auf eine ganz sicher besondere und wunderschöne Premierenserie nahmen alle mit auf den Weg.               

Da Film- und Fotoaufnahmen natürlich nicht gestattet waren, gibt es leider kein visuelles Material in diesem Beitrag, aber dafür einige Links zur Bayerischen Staatsoper. Ein Blick in die Social Media-Abteilungen lohnt sich zumindest ein wenig, Stichwort: Facebook und Twitter.

www.staatsoper.de

www.staatsoper.de/stueckinfo/andrea-chenier

www.staatsoper.de/mediathek

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Tipp zur Neuinszenierung von Andrea Chénier in München

Hamburg, 04.03.2017

Neben der bereits erwähnten Märzausgabe von Oper! Das Magazin mit einem ausführlichen Artikel zur Neuinszenierung von Andrea Chénier in München kommt hier noch ein zweiter lesenswerter Tipp: Der neue Max Joseph, das Magazin der Bayerischen Staatsoper, bietet auch viel interessanten und wissenswerten Stoff für diese so selten aufgeführte, aber atemberaubend schöne Oper von Umberto Giordano. Ein ausführlicher Artikel mit den Ausführungen und Gedanken von Philipp Stölzl vermittelt einen ersten Eindruck über die Herangehensweise des Regisseurs und über den Opernstoff selbst.

Für die Münchner ist dieses Magazin kostenlos im Ticket Office zu erstehen. Wer nicht in München wohnt, kann es sich entweder zusenden lassen oder anderswo käuflich erwerben. Außerdem kann man es auf dieser Seite ansehen und herunterladen. Auf jeden Fall wünsche ich viel Freude beim Lesen! 

Shop der Bayerischen Staatsoper:  

www.staatstheater-tickets.bayern.de

Die Märzausgaben meiner zwei Lieblingsopernmagazine

Hamburg, 03.03.2017

Als ich am 1. März 2017 den Zeitungsladen meiner Wahl betrat und mich in Richtung des Platzes begab, wo auch unter anderem zuverlässig meine zwei Lieblingsopernmagazine zu finden sind, erwartete mich eine schöne Überraschung; schon aus der Entfernung strahlte mir vom Titelcover von Oper! Das Magazin die bezaubernde Anja Harteros entgegen. Was für ein Anblick!

Die Sopranistin mit der atemberaubend schönen Stimme, die mich persönlich schon bei den ersten Tönen zu Tränen rührt, gibt in dem Magazin eines ihrer sehr seltenen Interviews. Erst kürzlich erlaubte die scheue Künstlerin einen sehr intimen Einblick in ihren Beruf und die Gedanken, die sie bewegen, wenn sie ein neues Stück erarbeitet, oder auch Gedanken, ihr Leben als Sängerin betreffend. Auch wenn sie, nicht nur für mich, zu einer der Besten ihres Fachs unserer Zeit gehört, ist sie eine der wenigen in dieser Branche, die ohne Social-Media-Plattformen auskommen, ohne eine offizielle Website oder feste und lang bindende Plattenverträge. Ich kann dazu nur meine Anerkennung aussprechen und meine Bewunderung. Ein großartiges Statement in der heutigen Zeit. Bravo Anja! 

Aber das ist noch nicht alles. Direkt auf der nächsten Seite beginnt ein ausführlicher Artikel über Philipp Stölzls Neuinszenierung von Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper. Das lässt sicher nicht nur mein Herz schneller schlagen. Es gibt viele interessante Hintergründe zu lesen und einige Impressionen von den laufenden Proben in München zu sehen. Das macht definitiv Lust auf mehr! Mit dem Thema werde ich mich selbstverständlich noch gesondert und ausführlich beschäftigen. 

Natürlich ist auch das erfolgreiche Comeback des Münchner Publikumslieblings Jonas Kaufmann ein Thema. Es gibt ein weiteres Interview mit Javier Camarena und einen ausführlichen Bericht des Trovatore mit Anna Netrebko an der Staatsoper in Wien. Alles andere gilt es wieder selbst zu entdecken.

Das betrifft auch die neue Ausgabe vom Opernglas, das dieses Mal mit einem ausführlichen Interview des erfolgreichen slowakischen Tenors Pavol Breslik aufwartet und wie immer von den unzähligen Opern- und Konzertaufführungen berichtet. Auch einen guten Überblick auf das, was kommt, vermittelt das wunderbare Magazin. 

Also wie immer viel Freude beim Stöbern und Entdecken! 

Die Links: 

Die neue Saison 2017/18 an der MET und der Carnegie Hall in NY

Hamburg, 02.03.2017

Bevor ich mich der Neuinszenierung von Andrea Chénier in München widmen werde, noch ein paar Worte zur neuen Saison an der MET und der Carnegie Hall. Einiges habe ich ja schon in dem Beitrag zur neuen Opernsaison erwähnt; weitere Infos gibt es auf der Seite der Metropolitan Opera selbst sowie in meinem Lieblingsopernmagazin Oper! Das Magazin.

Meine zusätzliche Erwähnung gilt nicht wirklich überraschend noch einmal gesondert David McVicars Neuinszenierung von Giacchomo Puccinis Liebes- und Künstlerdrama Tosca. Diese löst nach verhältnismäßig kurzer Zeit die von Luc Bondy ab, die sicher auch einem Großteil der Münchner Opernfans ein Begriff ist. Premiere von David McVicars Neuinszenierung ist Silvester 2017. Die Besetzung ist ein Traum und vermutlich kaum zu toppen. In der ersten Runde sind Kristine Opolais als Tosca, Jonas Kaufmann als Cavaradossi und Bryn Terfel als Scarpia zu erleben, die musikalische Leitung hat Andris Nelsons. In der zweiten Runde gibt Anna Netrebko ihr Debüt in der Rolle der Tosca, Marcelo Alvarez übernimmt die Partie des Malers und Michael Volle ist in der Rolle des Barons Scarpia zu erleben. Die musikalische Leitung hat hier Bertrand de Billy. Angelehnt ist die ganze Inszenierung an das legendäre Set von Franco Zeffirelli, die Kostüme sind angelehnt an die Ära von Napoleon. Das wird ganz sicher spektakulär und unvergesslich. Wer keine Chance sieht, eine der Vorstellungen in New York live zu erleben, braucht aber keine Sorge zu haben, die letzte Vorstellung der ersten Runde wird wieder live in die Kinosäle der Welt übertragen. In diesem Fall ist das der 27. Januar 2018. Genaue Angaben zum Start des Vorverkaufs gibt es rechtzeitig. Ebenso für das General Booking der Tickets in New York. Ich vermute, dass es im Sommer so weit sein wird. 

Und jetzt noch zu einem weiteren Highlight der neuen Saison in New York, dieses Mal an der Carnegie Hall. Am 12. April gibt dort der Münchner Jonas Kaufmann sein konzertantes Debüt als Tristan. Freilich nicht in der gesamten Länge der Oper, sondern nur im zweiten Akt; an seiner Seite die Sopranistin Camilla Nylund als seine Isolde und Georg Zeppenfeld als König Marke. Es spielt das Boston Symphony Orchestra unter der Leitung von Andris Nelson. Die gesamte Partie des Tristan hat der sympathische Opernsänger im Laufe der nächsten 5 Jahre angekündigt. Er sagte vor nicht langer Zeit in einem Interview, dass dafür alles stimmen müsste: die Bühnenpartner, der Dirigent, die Inszenierung etc. Wir müssen uns also alle noch ein wenig gedulden, bis wir den großartigen Künstler in dieser Rolle live auf der Bühne erleben dürfen. Aber nun kommt ja auch erst einmal, abgesehen von Andrea Chénier in München und der Tosca in Wien, natürlich keine Rollendebüts, der lang ersehnte und erwartete Otello am Royal Opera House in London im Sommer dieses Jahres. Das sollte die Zeit ein wenig überbrücken helfen. Der Ticketverkauf startet für alle, die keine Mitgliedschaft inne haben oder Förderer sind, am 28.8.2017.

Selbstverständlich gibt es noch weitere unzählige wunderbare Veranstaltungen mit großartigen anderen Künstlern, und ich wäre glücklich, wenn ich mich diesbezüglich noch mehr austoben könnte. Leider sind den meisten von uns in Bezug auf den Geldbeutel Grenzen gesetzt und so wählt jeder das aus, was ihm wichtig ist, nicht selten auf seinen Lieblingskünstler/in bezogen, und verzichtet dafür auf andere Erlebnisse in der Welt der Oper. So ist das wohl leider, und wer sich nicht danach richten muss, darf sich sehr glücklich schätzen. 


www.metopera-digital.org/2017-18_season_subscriptions

www.metopera.org/tosca-puccini-tickets

www.carnegiehall.org/Boston-Symphony-Orchestra

www.carnegiehall.org


Gehört!

Hamburg, 15.02.2017

Die Aufzeichnung der Lohengrin-Premiere am 18. Januar 2017 in Paris ‒ dieser Abend hatte bekanntermaßen etwas ganz Besonderes: das Comeback von Jonas Kaufmann nach vier Monaten Abstinenz auf der Opernbühne. Um seine Stimme endlich wieder zu hören, waren wohl die meisten Menschen in die Opéra Bastille geströmt und warteten gespannt auf den ersten Auftritt des Opernsängers. An der Seite des sympathischen Münchners waren in dieser besonders schönen und nachdenklichen Inszenierung von Claus Guth aus dem Jahre 2012 großartige Sängerkollegen, ein hervorragendes Orchester und ein einfühlsamer Dirigent.

Da ich, wie viele Menschen vermutlich auch, dieses Ereignis nicht live vor Ort miterleben konnte, habe ich mich sehr darüber gefreut, zumindest die Aufzeichnung auf France Musique am Sonntag hören zu können. Da meine Internetverbindung leider instabil war, bin ich gezwungenermaßen dazu übergegangen, mir diese Oper über meinen Kabelkanal anzuhören. Die Qualität war damit bedauerlicherweise ein wenig eingeschränkt. Trotzdem habe ich den Abend sehr genossen. Einen kleinen Wermutstropfen gab es, denn ich konnte diese Aufnahme leider nicht aufzeichnen und parallel wurde auf BR-Klassik die Premiere von Semiramide live aus dem Nationaltheater in München übertragen. Da es am 26. Februar noch die Chance gibt, im Internet über Staatsopern-TV diese Neuinszenierung mit Joyce DiDonato zu erleben, habe ich mich für die oben angegebene Wahl entschieden. 

Nun aber zum Abend mit Lohengrin in Paris und dem Comeback von einem der besten Tenöre und Opernsänger, die wir zur Zeit weltweit haben. Da ich nur diese Aufzeichnung des ersten Abends habe, abgesehen vielleicht von ein paar wenigen Ausschnitten der folgenden Aufführungen, kann ich nur meine Eindrücke für diesen ersten Auftritt und die Premiere geben. Vorab hatte ich dank meiner äußerst sprachbegabten Mutter die Möglichkeit, den Inhalt der zwei Interviews, die der Münchner kurz vorher und kurz nach seinem Comeback gegeben hatte, zu erfahren. Ich war schon ein wenig erstaunt, wie offen und persönlich der Tenor über seine sicher schwierigste Phase in seiner bisherigen Karriere gesprochen hat, ebenso wie über sein lang ersehntes Comeback. Wer an diesem wunderbaren Künstler interessiert ist, sich ernsthaft auch für sein Denken und Handeln interessiert, dem empfehle ich sehr, diese zwei Interviews zu lesen, insbesondere das mit dem Titel „Jonas Kaufmann ténor capital“. Die Inhalte, die ich dort las, habe ich auch mitgenommen in den Abend und die Aufzeichnung der Lohengrin-Premiere vom 18. Januar 2017.

Aber es soll natürlich nicht nur um diesen Ausnahmesänger gehen, sondern auch um die Musik und seine Bühnenpartner, die mit ihm nicht nur diesen Abend bestritten. Diese Oper, die Geschichte von Lohengrin und diese wunderschöne Musik ziehen mich jedes Mal, wenn ich sie höre, in ihren Bann. Diese Geschichte ist so voll von Menschlichkeit in all ihren Facetten und gleichzeitig erfüllt von der Macht Gottes und dem Glauben daran. Menschlichkeit und Göttlichkeit begegnen sich, verbinden sich, verschwimmen miteinander, um zum Schluss wieder klar getrennt zu sein. Und Wagners Musik unterstreicht diese Begegnungen, die göttliche Macht, die Menschlichkeit, die Gefühle, Wünsche, Träume der Figuren in seinem Drama. Es geht um Vertrauen, Liebe und Glauben, aber auch um Machtgier, Neid, Eifersucht und Eitelkeit. 

Weitere Gedanken zu diesem Werk von Wagner sind auf meinem Blog zu finden, bezüglich dem Besuch der Lohengrin-Vorstellung am 18.11.2016 an der Hamburger Staatsoper. Ich muss aber sagen, dass mich das Gesamtpaket in Paris sehr viel mehr überzeugt hat und das lag nicht alleine an Jonas Kaufmann, sondern ebenso an dem gesamten Ensemble, dem Orchester und der sehr gefühlvollen Leitung von Chefdirigent Philipp Jordan. Er war jederzeit mit seinen Musikern und den Sängern auf der Bühne, dirigierte leicht und ohne jemals die einzelnen Stimmen zu überdecken, aber genauso kraftvoll und dramatisch, wenn es die Notwendigkeit erforderte. Er unterstrich so die einzelnen Charaktere, die Situationen hörbar und ermöglichte auch dem Zuhörer im wörtlichen Sinne, jederzeit dieser Oper zu folgen.

Von den Sängern möchte ich neben Jonas Kaufmann besonders seine Bühnenpartnerin Martina Serafin erwähnen, die mir sowohl von der Leichtigkeit zu singen, aber auch von ihrer Stimmfärbung und Stimmführung ausgesprochen gut gefallen hat. Die Stimme der italienischen Sopranistin zeigte, dass sie neben den zarten leisen Tönen auch dramatisch und kraftvoll agieren kann. Ihre Stimme war jederzeit klar, rein und dabei intensiv, ausdrucksstark. Mit dem Münchner Opernsänger bildete sie stimmlich eine perfekte Einheit. Wirklich ein Hochgenuss. Einzig und allein mit der Diktion war es leider nicht immer hundertprozentig. Das mag auch an meiner Übertragung zu Hause gelegen haben, da es sie nicht alleine betraf. Eigentlich gab es nur zwei Künstler auf der Bühne, die jederzeit einwandfrei mit jedem Wort zu verstehen waren. Der eine war, wen wundert es, Jonas Kaufmann, der andere war der deutsche Bass René Pape, der in der Rolle des Königs Heinrich zu hören war. Er ist auch der nächste Sänger, den ich namentlich erwähnen möchte und der für mich zu den besten seines Stimmfachs zählt. Eine kraftvolle Stimme, eine angenehme Stimmfärbung und eine klare Diktion machen es zu einer großen Freude, ihm zu lauschen.

Damit dieser Beitrag nicht unendlich lang wird, möge man es mir verzeihen, wenn ich mich jetzt als Abschluss noch dem Sänger widme, der an diesem Abend eindeutig im Mittelpunkt des Interesses stand. Man kann sich nur annähernd vorstellen, was in Jonas Kaufmann vorgegangen sein muss, als er nach vier Monaten Zwangspause endlich wieder für eine Opernproduktion auf der Bühne stand, natürlich vor ausverkauftem Haus und mit einer riesigen Erwartung des Publikums, aber auch an sich selbst. Eine Mischung aus unerschöpflicher Freude, genau wie sicher auch einer gewissen Nervosität, wie der Abend verlaufen würde. Auch wenn bis dahin alles gut gewesen war und er den vollen Rückhalt seines Arztes hatte, hätte bei aller Menschlichkeit immer noch etwas Unvorhergesehenes geschehen können. Ist es aber zum Glück ja nicht, und der Ausnahmekünstler feierte ein großartiges Comeback. Eines hat er unter anderem im oben erwähnten Interview verraten, es war eine Besonderheit und Ausnahmesituation für ihn. Das erste Mal hat er sich intensiv auf seine Technik konzentriert und sich nicht gewissermaßen treiben lassen und führen lassen alleine von der Musik und den Gefühlen, wie er es sonst tut und zulässt. Sicher eine ungewöhnliche Erfahrung und Herangehensweise für den erfahrenen Sänger, der ansonsten die immer viel zitierte kontrollierte Ekstase liebt und in seinen Rolleninterpretationen mit einbindet.

Interessant ist es jedes Mal für mich, einfach nur zuzuhören, ohne die Ablenkung des Visuellen, gerade bei Sängern wie Jonas Kaufmann oder auch Anja Harteros, die allein durch ihre Stimmen die Menschen erreichen und berühren und zu etwas ganz Besonderem in der Lage sind, nämlich Bilder entstehen zu lassen vor dem inneren Auge und eine Geschichte nur durch die gesungenen Worte und Klangfarben zu erzählen. Gefühle entstehen und machen es möglich, das, was in den Menschen, die sie verkörpern, vorgeht, direkt zu spüren. So auch an diesem Abend. Bei Martina Serafin und Jonas Kaufmann war das Beschriebene besonderes intensiv zu spüren, wobei bei dem Münchner Opernsänger noch seine glasklare Diktion hinzukam. Irgendetwas, so hatte ich das Gefühl, war an dieser Premiere des 18. Januar anders als sonst, ohne dass ich hätte genau sagen können, was es gewesen ist. Vielleicht habe ich mich auch nur von den gelesenen oder gehörten Aussagen des Interviews beeinflussen lassen. Es ist nicht ganz einfach, das zu beschreiben. Es fehlte vielleicht noch ein wenig die Kraft, möglicherweise war es auch eine geringe Zurückhaltung oder die technische Herangehensweise, die den Eindruck bei aller Klangschönheit und Ausdruckskraft, dass dort auf der Bühne ein Mensch und Künstler stand, der halt eine schwierige Zeit hinter sich hat. In den Solopassagen, Arien und Duetten war kaum etwas zu bemerken, in den Partien, wo er mit dem Chor und seinen Kollegen zusammen auf der Bühne stand, fehlte aber doch etwas die Kraft und in einigen Momenten musste man schon genau hinhören, um die Stimme des Tenors wirklich wahrzunehmen. Was seine stimmliche Interpretation und seine Gestaltung angeht, habe ich das als sehr intensiv empfunden, und die Unterschiede zwischen der göttlichen Mission und den menschlichen Sehnsüchten Lohengrins waren sehr deutlich herausgearbeitet und spürbar gemacht. Die Stimme des sympathischen Münchners hatte an diesem Abend eine ganz besondere Färbung. Und gerade die leisen Momente oder vielleicht auch die Momente, in denen der Mensch zu spüren war, haben mich sehr berührt. Die Gralserzählung war überwältigend schön und der Augenblick, wenn Lohengrin Abschied nehmen muss, begreift, dass es für immer vorbei ist, sein Glück und seine Liebe verloren sind und er zurückkehren muss in seine Heimat, ohne eine Chance auf Wiederkehr, sind wohl in dieser Oper und auch an diesem Abend der ergreifendste Moment. Und kaum ein Sänger kann diese Gefühle, diese unendliche Traurigkeit und Verzweiflung besser ausdrücken durch den Klang seiner Stimme als Jonas Kaufmann. Mir hat es fast das Herz zerrissen.

Und so endete nach gut vier Stunden ein wunderbarer Opernabend mit France Musique und der Aufzeichnung der Lohengrin-Premiere vom 18. Januar aus der Opéra Bastille in Paris. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das große Glück hatte, zumindest die akustische Variante erlebt zu haben. 

Als nächstes gibt es dann ja wieder das Komplettpaket: Die Neuinszenierung und Erstaufführung von Andrea Chénier im Münchner Nationaltheater. Die Premiere ist, wie vermutlich bekannt, am 12. März um 19:00 Uhr. 

Bis dahin wünsche ich dem Titelhelden dieser Oper alles Gute und eine rasche und vollständige Genesung. Werden Sie schnell wieder gesund, lieber Jonas, aber erholen Sie sich gut und gründlich. Ihre Fans in Deutschland und Ihrer Heimatstadt München warten bereits auf Sie und freuen sich darauf, Sie bald wieder auf der Opernbühne zu sehen, zu hören und zu erleben. 


Und wir hören uns auch recht bald wieder. Jetzt gibt es eine kleine Pause, damit ich weiter meinen Umzug in die Bayerische Hauptstadt und meine neue Heimat vorbereiten kann. 


Video-Links:

Lohengrin - Trailer

Jonas Kaufmann - Reportage über "Lohengrin"

Jonas Kaufmann - Zu Gast bei France 5 TV

Jonas Kaufmann zu Gast bei Culture Télématin-France 2

Nachruf auf einen der ganz großen Opernsänger des 20. Jahrhunderts

Hamburg, 14.02.2017

Am 8. Januar verstarb im Alter von 91 Jahren der schwedische Tenor Nicolai Gedda in der Schweiz am Genfer See. Der Opernsänger selbst hatte sich gewünscht, die Nachricht von seinem Tod erst einen Monat später bekanntzugeben und auch nicht allzu sehr in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

Fast fünfzig Jahre lang stand Gedda auf den Opernbühnen der Welt und kaum ein Sänger konnte seine Gesangskunst so oft auf Tonträger bannen, so dass diese Jahrhundertstimme für immer für die Nachwelt gesichert wurde. Nicht nur den Opernfans war der Tenor mit der makellosen Stimme bekannt. Er beherrschte das französische Repertoire genauso wie das deutsche und russische und widmete sich ebenso der Operette („Dein ist mein ganzes Herz“). Er schützte seine Stimme wie ein kostbares Gut und wusste, was er sich zutrauen konnte und was Gefahr bedeutete. Seine Stimme war makellos, seine Technik perfekt bis in kleinste Detail. Er galt, besonders was das französische Repertoire angeht, als unantastbar, was er der Beherrschung der raren Kunst der sogenannten „voix mixte“ verdankte, der Mischung aus hoher Brust- und Kopfstimme. Und es gab noch eine weitere Form der Gesangskunst, der sich Nicolai Gedda mit großer Leidenschaft widmete und die er auch noch nach seiner Karriere als Opernsänger weiter fortführte: den Liedgesang. Auch hier verfügte der Ausnahmetenor über ein immenses Repertoire. Beethoven, Strauss und vor allem die russischen Meister, mit denen ihn eine besondere Liebe verband, hatten es ihm angetan. 

Der Künstler galt als sehr stilsicher, mit einer perfekten Diktion in jedem Fach und verfügte über ein unverwechselbares Timbre. Die hohen Töne schleuderte er mit einer spielerischen Leichtigkeit aus seiner Kehle und seine Stimmführung war elegant und anmutig. Ein Gentleman auf den Opern- und Konzertbühnen dieser Welt. Er war zudem ein Sprachtalent und ständig darauf bedacht, an sich zu arbeiten, verzichtete auf Nikotin und Alkohol und verbrachte sein Leben fernab von Partys und Starrummel. Ein sehr kluger Mensch, der seiner Stimme die Möglichkeit gab, sich weiter zu entwickeln, um dann entsprechend und sehr überlegt seine Rollen auszuwählen. So wurde dieser besondere Opernsänger zu einem der bedeutendsten Tenöre des 20. Jahrhunderts, der der Opernwelt unzählige Aufnahmen hinterlässt, darunter allein achtzig komplette Opernaufnahmen. Eine unglaubliche Leistung. 

Die Welt verbeugt sich vor einem der ganz großen Sänger und Künstler.  DANKE NICOLAI GEDDA.


Tipps für Internet, Radio, Fernsehen und Kino im Februar und März

Hamburg, 09.02.2017

Hier kommen einige Empfehlungen für die Monate Februar und März. Ich werde nicht jede Opernübertragung ausführlich kommentieren, sondern nur die entsprechenden Links am Ende des Beitrags oder innerhalb des Textes hinzufügen. So kann sich jeder selbst informieren und die Wunschtermine auswählen. Ich führe die Tipps für das jeweilige Medium auf. 


RADIO

BR-KLASSIK:

12.02.2017 um 18:00 Uhr:  Übertragung der Premiere von Semiramide aus der Bayerischen Staatsoper in München. Mit Joyce DiDonato in der Titelrolle.

br-klassik.de/foyer   -   br-klassik.de/ausstrahlung

▸ 12.03.2017 um 19:00 Uhr: Übertragung der Premiere von Andrea Chénier aus der Bayerischen Staatsoper in München mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros (Debüt) als tragisches Liebespaar und in der Neuinszenierung von Philipp Stölzl.

br-klassik.de/foyer   -   br-klassik.de/ausstrahlung

▸ Ebenfalls auf BR-Klassik für eine Woche in der Mediathek: eine Aufzeichnung von Vincenzo Bellinis I Puritani u.a. mit Diana Damrau, Ludovic Tézier und Javier Camarena aus dem Teatro Real in Madrid vom 14. Juli 2016.

FRANCE MUSIQUE:

▸ 12.02.2017 um 20:00 Uhr: Aufzeichnung des Lohengrin (vermutlich die Premiere) aus der Opéra Bastille mit dem gefeierten Comeback von Jonas Kaufmann.

francemusique.fr/lohengrin

▸ Ein weiterer Tipp: Aufzeichnung Les Victoires de la Musique Classique vom 1. Februar 2017. Viele großartige Künstler der Klassikszene sind an diesem Abend dort aufgetreten und sind geehrt worden. Ich habe die Übertragung live mitverfolgt und war sehr angetan von dem, was ich da sah und hörte. Reinschauen lohnt sich. 

france3.fr/les-victoires   -   francemusique.fr/soiree-speciale


INTERNET

STAATSOPER.TV:

▸ 26.02.2017 um 18:00 Uhr: Bayerische Staatsoper Semiramide. Mit Joyce DiDonato in der Titelrolle (s.o.). 

staatsoper.de/semiramide   -   staatsoper.de/das-programm   -   staatsoper.de/tv/technische-hilfe


TV

SAT1/ORF2/BR:

▸ 23.02.2017 ab 20:15 Uhr: Übertragung des 61. Wiener Opernballs, erstmals unter der neuen Leitung von Maria Großbauer. Das Motto lautet dieses Mal „Alles Oper“. Das Eröffnungsprogramm findet von 22:00-23:00 Uhr statt und präsentiert als diesjährigen Stargast und das erste Mal überhaupt den Münchner Startenor Jonas Kaufmann. 

tv.orf.at/opernball   -   br-klassik.de/aktuell


KINO live in HD

MET:

▸ 26.02.2017 um 19:00 Uhr: Rusalka mit Kristine Opolais in der Titelpartie. Diese Rolle wird sie unter anderem auch während der Münchener Opernfestspiele 2017 verkörpern.

metopera.org/rusalka   -   cinemaxx.de/met-rusalka

▸ 11.03.2017 um 19:00 Uhr: La Traviata mit Sonya Yoncheva in der Titelrolle, Atalla Ayan als Alfredo Germont und Placido Domingo als Giorgio Germont.

metopera.org/traviata   -   cinemaxx.de/met-verdi-la-traviata


Eine wirklich schöne und abwechslungsreiche Auswahl an Opern und verschiedenen Formen der Übertragung, die uns die nächsten zwei Monate geboten wird. Und dieses sind nur meine persönlichen Empfehlungen. 

Viel Freude beim Auswählen, Anschauen, Anhören und Genießen. 


Eine große Freude über ein großes Comeback

Hamburg, 08.02.2017

Jetzt muss ich doch noch ein paar Worte verlieren über das großartige Comeback eines der weltbesten Opernsänger und Tenöre: Jonas Kaufmann.

Ja er singt endlich wieder, spielt wieder, lässt die Herzen seiner vermutlich überwiegend weiblichen Fans höher schlagen. Er rührt durch seine Stimme, seinen Ausdruck und seine intensive Darstellung auf der Bühne zu Tränen. Er berührt die Herzen und die Seelen der Menschen auf eine ganz besondere und nachdrückliche Weise, nimmt gefangen und zieht seine Zuhörer mit hinein in seine eigene Welt aus Klängen, Gefühlen und Farben. Als große Bewunderin dieses wunderbaren Künstlers kann ich nur sagen, dass auch die Menschen, die ihn das erste Mal hören und erleben, ihm aufmerksam lauschen und den Eindruck, den ich ihnen bis dahin vermittelt habe, nur bestätigen können. Man möge mir verzeihen, wenn ich bei diesem Sänger vielleicht ein wenig mehr ins Schwärmen gerate als bei anderen. Selbstverständlich gibt es noch viele weitere wunderbare Opernsänger, die ich mit großer Freude auf der Bühne, in der Oper, im Konzertsaal erlebt habe und noch erleben möchte. Es macht halt Spaß, wie ein Teenager von 16 Jahren für seinen „Lieblingsstar“ zu schwärmen. Ich denke, es gibt den einen oder die andere, die diese Tatsache recht gut nachvollziehen kann.

Der sympathische Münchner steht also seit dem 18. Januar wieder auf den Opern- und Konzertbühnen dieser Welt; erst als Lohengrin in Paris und jetzt mit seinen Auftritten im Rahmen von The Kaufmann Residency im Londoner Barbican Center. Und nicht nur seine Fans sind überglücklich, sondern ganz sicher auch Jonas Kaufmann selbst. Nach so langer Zeit darf er endlich wieder seine Stimme erklingen lassen und das tun, was er vermutlich am liebsten tut: auf der Bühne stehen und singen. Auch von den Kritikern gab es ein großes und hochverdientes Lob. Er ist wieder da. Und was folgt, sind mit Sicherheit noch viele unvergessliche Abende auf der Opernbühne wie im Konzertsaal. So gehören zu seinen nächsten Highlights der bisher noch niemals dort aufgeführte Andrea Chenier in München, zusammen mit seiner langjährigen Bühnenpartnerin Anja Harteros, gefolgt von der Tosca in Wien bis hin zum Höhepunkt dieser Saison und vermutlich auch des Jahres, sein lang ersehntes Debüt als Otello am Royal Opera House in London.

Ich wünsche allen, die das große Glück haben, diesen wunderbaren Künstler bereits jetzt wieder zu erleben, viel Freude und gedulde mich noch ein paar Wochen, bis es auch für mich soweit ist. 

Und nicht vergessen: am 7. April erscheint das neue Album des Münchner Opernsängers; Gustav Mahlers Das Lied von der Erde, aufgenommen im Juni letzten Jahres im Wiener Musikverein. 

Die Links zu dieser Aufnahme: 

www.amazon.de/Das Lied von der Erde

mahler.jonaskaufmann.com


Die neusten Artikel aus London vom ersten Auftritt im Barbican Center: 

www.standard.co.uk

www.musicomh.com

www.ft.com

www.telegraph.co.uk


Die Bekanntgabe der neuen Opernsaison

Hamburg, 07.02.2017

Die ersten Details der neuen Opernsaison 2017/18 sind raus. Paris verkündete als eines der ersten Opernhäuser, was uns in der kommenden Saison erwartet, und konnte gleich mit einem großen Highlight punkten.

Am 10. Oktober 2017 feiert an der Opéra Bastille Verdis französische Urfassung von Don Carlo aus dem Jahre 1867 Premiere. Und das in wirklich außergewöhnlicher und absolut hochkarätiger Besetzung. Die Titelpartie wird in den ersten sieben Vorstellungen der Münchner Opernsänger Jonas Kaufmann übernehmen. Der Tenor feierte gerade erst nach längerer Zwangspause sein lang ersehntes und hochgelobtes Comeback als Lohnegrin, ebenfalls an der Opéra Bastille. Ab dem 31. Oktober übernimmt dann sein Kollege Paul Cernoch seinen Platz als Infant von Spanien und tragisch Liebender. An der Seite der zwei Tenöre stehen großartige Kollegen: die Rolle der Elisabeth de Valois wird zunächst zusammen mit Jonas Kaufmann die Sopranistin Sonya Yoncheva übernehmen, die Princesse Eboli verkörpert die Mezzosopranistin Elina Garanca, die auch ihr Rollendebüt in Paris gibt. Im Anschluss werden Hibla Gerzmava und Ekaterina Gubanova auf der Bühne zu erleben sein. Durchgehend dabei und für alle Vorstellungen geplant sind der russische Bass Ildar Abdrazakov als Carlos Vater Philippe II. sowie einer der zur Zeit besten Verdi-Baritone, der Franzose Ludovic Tezier als Rodrigue Marquis von Posa. Diese Neuinszenierung wird im Mittelpunkt der neuen Saison in Paris stehen.

Trotzdem gibt es selbstverständlich noch viele weitere sehenswerte Produktionen, die nicht minder hochkarätig besetzt sind und ein großes Opernvergnügen versprechen. Das neue Programm ist bunt gemischt, so dass jeder Liebhaber dieser wunderbaren Kunst etwas Passendes finden kann. Neben Verdi gibt es Werke von Rossini, Donizetti, Händel, Mozart, Puccini, Wagner, Janáček oder Mussorgsky. Und auf der Bühne der Pariser Oper sind unter anderem folgende Künstler der Opernszene zu erleben: Ekaterina Semenchuk, Sondra Radvanovsky, Zeljko Lucic, Roberto Alagna, Anita Rachvelishvili, Günter Groissböck, Anja Kampe, Anja Harteros, Anna Netrebko und Placido Domingo. Die Liste könnte man noch eine ganze Weile fortführen und zusätzlich mit den wunderbaren Dirigenten und Regisseuren ergänzen. Um es nicht zu sehr auszudehnen, gibt es den Link zur Website der Pariser Oper gleich im Anschluss an diesen Beitrag. Dort kann jeder in Ruhe nachlesen und auswählen, welche Oper, welche Produktion und welche Künstler er gerne auf der Bühne erleben würde. 

Hinweis: Die Abonnenten können schon jetzt Tickets für ihre Wunschvorstellungen buchen; alle anderen sollten sich die entsprechenden Termine vormerken. Buchungen für die Neuinszenierung des Don Carlo im Oktober und November 2017 sind für alle ohne Abo ab dem 13. Juni 2017 möglich. Eine gute Nachricht: die Vorstellungen mit Jonas Kaufmann gibt es ohne Preisaufschlag.

Auf die weiteren Bekanntgaben der renommierten Opernhäuser in Europa und der Welt müssen wir nun auch nicht mehr lange warten; die Met in New York hat schon einige Details zur neuen Saison verraten, das vollständige Programm wird es noch im Laufe dieses Monats nachzulesen geben. Zu den Highlights gehört der Auftritt von Sondra Radvanovsky in Bellinis Norma, welche auch die Met-Saison 2017/18 am 25. September eröffnen wird. Die Neuproduktion von Norma wird geleitet von Sir David McVicar und bringt noch zwei weitere Stars der Opernszene auf die Bühne: Joye DiDonato und Joseph Calleja. Sondra Radvanovsky gibt außerdem noch im selben Jahr ihr Met-Debüt als Leonora in Verdis La forza del destino. Die Inszenierung übernimmt das Enfant terrible der Opernszene, Calixto Bieito. Weitere Höhepunkte werden sein die Auftritte von Anna Netrebko als Leonora in einer Wiederaufnahme von Verdis Il Trovatore sowie ihr Rollendebüt als Tosca in Puccinis gleichnamigem Musikdrama.

Im Frühjahr folgen die Bayerische Staatsoper und das Royal Opera House in London mit der Veröffentlichung ihrer neuen Saison. Man darf gespannt sein, was uns in München und dem United Kingdom erwartet. Es gab da schon manch große, aber erfreuliche Überraschung. Ein Beitrag mit den interessantesten Informationen erfolgt zu gegebener Zeit. 

Bis dahin gibt es noch viele wunderbare Projekte der laufenden Saison zu sehen und zu erleben, z.B. das lang erwartete Rollendebüt von Jonas Kaufmann als Otello am ROH in London oder Anja Harteros erste Elisabeth in Richard Wagners Tannhäuser an der Bayerischen Staatsoper

Da ich in der nächsten Zeit mit meinem Umzug nach München beschäftigt sein werde, sind die Zeiträume zwischen den verschiedenen Beiträgen eventuell etwas länger und die Beiträge etwas kürzer. 

Wir sehen und hören uns sehr bald wieder in den Opernhäusern von München, Wien, London und Paris. Ich freue mich darauf und wünsche allen bis dahin eine gute und musikalisch gut gefüllte Zeit. 


Die Links für die Pariser Oper und die Met in New York:

www.operadeparis.fr 

The 2017/2018 season

Season-17-18/opera

Season-17-18/don-carlos

www.metopera.org

AnnaNetrebko/Norma


Die Februarausgaben meiner zwei Lieblingsopernmagazine

Hamburg, 06.02.2017

Mittlerweile seit einer Woche auf dem Markt: die Februarausgaben von Opernglas und Oper! Das Magazin. Dieses Mal nur als kurze Erinnerung und mit den entsprechenden Links, da ich zur Zeit keine Kapazitäten habe, die Magazine gründlich durchzuarbeiten. Gekauft habe ich sie natürlich bereits kurz nach Erscheinen. Einfach reinschauen und das aussuchen, was interessiert und gefällt. 

Hier die Links:

Die schönste Liebesgeschichte der Welt und ein Traumpaar auf der Opernbühne

Hamburg, 24.01.2017

Wenn die richtigen Komponenten aufeinandertreffen, kann auch ein Opernabend im Kino, natürlich nur live in HD, zu einem berauschenden Erlebnis werden. Und genau so geschah es am letzten Samstag, dem 21. Januar, im Cinemaxx Wandsbek in der schönen Hansestadt Hamburg. Dort saß ich zusammen mit meiner Mutter und genoss ein traumhaftes musikalisches Erlebnis: Auf der Leinwand die Live-Übertragung von Gounods Muiskdrama Roméo et Juliette aus der Metropolitan Opera in New York.

Als tragisches blutjunges Liebespaar auf der Bühne zwei der ganzen großen Weltstars der Opernszene: Vittorio Grigolo und Diana Damrau. Beide Künstler harmonierten perfekt zusammen, ihre Stimmen sind wie füreinander geschaffen und man spürte, dass die Chemie zwischen beiden nicht nur auf der Opernbühne stimmt. Der Tenor und die Sopranistin ließen, sobald sie die Bühne betraten, eine Magie entstehen, die der Grund ist, warum ich in die Oper gehe und diese wunderbare und kostbare Kunstform so liebe. Die wunderschöne Musik von Gounod, die mich sofort gefangennahm und hineinzog in die Geschichte um die zwei verfeindeten Familien und das junge tragische Paar, das am Ende gemeinsam in den Tod geht.

Es stimmte an diesem Abend einfach alles: die Inszenierung, das ganze Set, ein reduziertes Bühnenbild, bezaubernde Kostüme und ein herausragendes Ensemble. Und nicht zu vergessen, ein sehr gefühlvoll agierender Dirigent, der die wunderschöne Musik großartig interpretierte und dafür sorgte, dass die Lautstärke jederzeit im richtigen Maße vorhanden war und insbesondere die Stimmen der Gesangssolisten, die bis in die kleinste Rolle hervorragend besetzt waren, zu keiner Zeit überdeckt wurden. Maestro Gianandrea Noseda vermittelte auch im Pausen-Interview einen sympathischen Eindruck und brachte seine Leidenschaft und Freude für die Musik von Gounod, der Oper und der gesamten Inszenierung dieses Abends zum Ausdruck.

Neben den beiden Hauptsolisten Vittorio Grigolo und Diana Damrau würde ich gerne noch Virginie Verrez als Roméos Page Stephano, Elliot Madore als sein Freund Mercutio und Mikhail Petrenko als Bruder Laurent hervorheben, die sowohl durch ihre Stimme wie durch den darstellerischen Ausdruck sehr positiv im Gedächtnis blieben.

Bevor ich zu dem wunderbaren Bühnenpaar dieses Abends komme, würde ich sehr gerne noch ein paar Worte zur Inszenierung sagen, die mir ausgesprochen gut gefallen hat, eine Wohltat inmitten der manchmal doch sehr überzogenen „modernen“ Varianten der heutigen Zeit. Und wieder einmal ist bewiesen, dass man nicht krampfhaft alles ins Hier und Jetzt verlegen muss oder dass klassisch nicht gleich eingestaubt und altbacken bedeutet. Gounod hat sich recht eng an die literarische Vorlage von Shakespeare gehalten und Regisseur Bartlett Sher hat diese Geschichte wunderbar und gefühlvoll umgesetzt und die Zuschauer damit verzaubert. Dieses herausragende Sängerensemble, das ihm dabei zur Verfügung stand, ermöglichte ein entsprechend großartiges Ergebnis.

Das Bühnenbild hat mir besonders zugesagt, da die ganze Inszenierung hindurch fast nur mit einem Set gearbeitet wurde, dem Schloss von Juliette/Julia und ihrer Familie. Durch wenige Details wurden sehr geschickt die verschiedenen Szenen verdeutlicht und unterstützt. Die Kostüme von Catherine Zuber waren sehr schön gearbeitet, elegant, klassisch und gleichzeitig frisch und unterstrichen so die Charaktere der verschiedenen Figuren auf eine leichte Art und Weise. Die Kostüme, das Bühnenbild und die gesamte Inszenierung boten so ein komplettes und einheitliches Bild, das sich mit der wunderbaren Musik von Gounod verband und dem Traumpaar des Abends eine schöne Möglichkeit, bot ihr Können zu zeigen und die Zuschauer mitzunehmen auf eine unvergessliche Reise in die Welt der Renaissance, der tragischen Liebesgeschichte von Roméo und Juliette und ganz einfach in die Welt der Oper. 

Vittorio Grigolo als Roméo ist eine ideale Besetzung. Der charismatische Sänger mit der traumhaften Stimme, der allein in New York sechs Rollendebüts gegeben hat, konnte besonders in dieser Neuinszenierung an der Met all seine Trümpfe ausspielen, durch ein authentisches und gefühlvolles Spiel überzeugen und mit seinem wunderbaren Tenor die Gefühlslage seiner Figur zum Ausdruck bringen. Seine Darstellung war nie übertrieben, jede Note perfekt, sein Gesang intensiv und mit einem direkten Weg zu den Herzen der Zuhörer. Sein Roméo ist zuerst noch jung, unbekümmert, vielleicht ein wenig naiv und macht nach und nach eine Wandlung durch zum wahrhaft Liebenden, der als letzten Ausweg nur den Tod sieht, nachdem er glaubt, dass seine große Liebe gestorben sei.

An der Seite des italienischen Opernsängers, eine der zur Zeit besten und erfolgreichsten Sopranistinnen der Welt, die wunderbare Diana Damrau. Die sympathische deutsche Künstlerin harmonierte perfekt mit ihrem Bühnenpartner, war stimmlich in Höchstform und legte eine Spielfreude an den Tag, die sie wie auch Vittorio Grigolo als herausragenden Sängerdarsteller auszeichnet. Diana Damrau, die in dieser Neuinszenierung ihr Rollendebüt als Juliette gibt, bezauberte durch die Interpretation ihrer Rolle, war zu Beginn schüchtern und unbekümmert und machte genau wie ihr Bühnenpartner nach und nach eine Wandlung durch vom naiven jungen Mädchen zur wahrhaft Liebenden. Und am Ende steht auch für Juliette nur der gemeinsame Tod als tragisches Ende. Die Solo-Arien der beiden Opernsänger waren wunderschön, gefühlvoll und dramatisch und ein Juwel dieser Oper von Gounod. Das Highlight waren aber die vier großen Duette von Roméo und Juliette; in diesen Momenten, als die Stimmen der zwei Weltstars sich vereinten, wurde eine ganz besondere Magie freigesetzt, die alles mit soviel Liebe und Gefühl erfüllte und nicht nur das ganze Opernhaus durchdrang, sondern auch die Kinosäle in der ganzen Welt. Genau diese Magie ist der Grund für meine große Liebe zur Oper. Wer sie erlebt, wird nie losgelassen davon, sondern behält sie ewig in seinem Herzen. Und so gab es jede Menge begeisterten Applaus, nicht nur zum Schluss, sondern auch immer wieder zwischendurch nach den Arien und Duetten der großartigen Gesangssolisten. 

Dieser wunderschöne Kinoabend endete nach drei Stunden, und ein wenig von der unendlichen Liebe Roméo und Juliettes hat hoffentlich jeder mitgenommen in den Alltag, in der Vorfreude, bald wieder so ein Erlebnis genießen zu dürfen. 


Ich ziehe mich nun für ein paar Wochen raus aus der Welt der Oper, um meinen anstehenden Umzug nach München zu planen, der mich doch recht in Anspruch nehmen wird. Ein paar kleine Beiträge wird es aber trotzdem von mir geben.

Ganz sicher hören wir uns wieder, wenn ich mich am 26. Februar mit der Premieren-Matinee zu Andrea Chénier aus München melde, so wie mit den entsprechenden Beiträgen zu dieser Neuinszenierung von Philipp Stölzl, die am 12. März am Nationaltheater Premiere hat. 

Bis dahin wünsche ich euch alles Gute sowie eine entspannte und musikalisch erfüllte Zeit.


Ein entspannter Nachmittag mit Mozart in der Staatsoper Hamburg

Hamburg, 20.01.2017

Einen Beitrag bin ich bisher noch schuldig geblieben: den meines Besuches von Mozarts Le Nozze di Figaro in der Staatsoper Hamburg am vergangenen Sonntag. Nach der gewaltigen Musik von Verdis Otello folgte einen Tag später diese wunderbare Komödie um Liebe, Eifersucht, Verwechslung, um menschliche Eitelkeiten und Eigenheiten. Das Happyend und die leichte, wunderschöne Musik Mozarts ließen die Herzen vor Freude hüpfen, und es blieb das Bedürfnis, die ganze Zeit die wunderbaren und bekannten Melodien mitzusummen. Die bezaubernde und freche Inszenierung von Stefan Herheim, die mir wirklich gut gefallen hat, unterstrich sowohl Mozarts Musik als auch die Geschichte um Figaro, Susanna, Graf und Gräfin Almaviva, Cherubino, Barbarina und die anderen Figuren in gekonnter Weise.

Auf den offiziellen Fotos innerhalb dieses Textes sowie auf der Seite der Staatsoper Hamburg erhält man einen recht guten Eindruck dieser Inszenierung aus dem Jahre 2015, die hier in Hamburg eine erfolgreiche Premiere feierte. Das Sänger-Ensemble war, wie am Vorabend bei Otello, sehr gut besetzt. Gesanglich wie darstellerisch konnte jeder der Gesangssolisten überzeugen, genauso wie der Chor der Staatsoper. Besonders gut gefallen haben mir drei der Damen: Katerina Tretyakova als Susanna, Iulia Maria Dorn als Gräfin Almaviva und Dorottya Lang als Cherubino. Letztgenannter gilt ein besonderes Lob, hatte die Sopranistin doch trotz aufgetretener Rückenschmerzen am Morgen die Vorstellung am Nachmittag gesungen. Gesanglich sehr gut, merkte man ihr aber an, dass sie körperlich an diesem Tag ein wenig eingeschränkt war. Insgesamt bewegte sich das ganze Ensemble auf einem hohen Niveau und konnte, auch durch darstellerischen Witz, dazu beitragen, dass es ein ausgesprochen unterhaltsamer und kurzweiliger Nachmittag in der Oper war.

Eine Platzempfehlung von mir für einen gelungenen Besuch in diesem Haus wäre der zweite oder dritte Rang Balkon in der Mitte. Von diesem Platz hat man eine hervorragende Sicht auf die Bühne. Bei schwächeren Augen kann auch ein Opernglas unterstützen, nichts zu verpassen. Die Akustik ist gerade auf den höheren Rängen in Hamburg sehr gut. Ein weiterer Tipp von mir: wer in der Pause in Ruhe etwas trinken oder auch essen möchte, sollte besser vorher am Tresen reservieren, sonst kann es gerade am Wochenende leicht passieren, dass man sich in einer langen Schlange wiederfindet und am Ende keinen Sitzplatz bekommt oder die gesamte Pause in besagter Schlange verbringt. 

Noch ein paar Worte zur Stimmung. Die war insgesamt recht entspannt, das Publikum hatte im Vergleich zum Vorabend aber einen höheren Altersdurchschnitt. Leider war die Disziplin, was Reden, Rascheln und Hustenattacken angeht, zumindest zeitweise nicht besonders groß. Das ist bei einer Komödie von Mozart zwar nicht so tragisch, gestört hat es aber trotzdem. Diese Phasen waren glücklicherweise meistens nicht von langer Dauer und taten dem Vergnügen keinen Abbruch. Ich habe mich gut amüsiert und diese Vorstellung sehr genossen. 

Das war also mein Nachmittag mit Mozarts Le Nozze di Figaro in der Inszenierung von Stefan Herheim in der Staatsoper Hamburg.

Morgen schaue ich mir wie geplant die Übertragung von Roméo et Juliette aus der Metropolitan Opera in New York im Kino an. Dann gibt es ein Wiedersehen mit Vittorio Grigolo und der wunderbaren Diana Damrau. Es wird wieder sehr viel tragischer und dramatischer, und auf ein Happyend wartet man bekanntlich vergebens. 

Den Vorbericht habe ich ja schon online gestellt, der Beitrag zur Übertragung folgt voraussichtlich am Sonntag. 


Verdis Otello in Hamburg:
Berauschende Musik und ein großartiges 
Sänger-Ensemble

Hamburg, 17.01.2017

Wer gestern Abend eine skandalöse Inszenierung von Calixto Bieito und seinem Otello erwartet hat, wurde wahrlich enttäuscht, wer genau dieses befürchtet hatte, konnte sich entspannt zurücklehnen. Dieses Regiekonzept war für die Verhältnisse des Katalanen zahm wie ein Stubentiger. Es gab nicht wirklich eine Szene, die Anlass gegeben hätte, sich berechtigt aufzuregen, wobei das Empfinden natürlich immer wieder sehr subjektiv ist.

Die offiziellen Fotos vermitteln recht genau, was sich in den einzelnen Akten auf der Bühne abspielte, wobei im Mittelpunkt der gesamten Oper ein großer gelber Kran stand, der sich immer wieder vor und zurück bewegte und um den herum und auf dem sich der Großteil der Handlung abspielte. Abgesehen von dem Stacheldrahtzaun zu Beginn und den Kübeln mit den Champagnerflaschen bei der Trinkszene im ersten Akt, die einzige Requisite, die zum Einsatz kam. Ein reduziertes Bühnenbild, das ich schätze, aber in diesem Fall mir auch anders hätte vorstellen können; insbesondere, was den besagten gelben Kran angeht. Aber er störte auch nicht, abgesehen vielleicht im letzten Akt, wo die Hauptdarsteller leider immer wieder von den verschiedenen Streben verdeckt waren, was gerade in der Schlussszene bedauerlich war. So ging etwas von der Intimität der letzten Augenblicke verloren. Ich habe aber konnte mich ansonsten auf diese ungemein kraftvolle und intensive Musik Verdis konzentrieren, die einen bereits während der ersten Töne in ihren Bann zieht. Es ist wie ein Sog, der auch die Zuhörer hineinzieht in diese Geschichte aus Neid, Machtgier und Eifersucht und am Ende einen Abgrund öffnet, in den alle Figuren dieser Geschichte hineinstürzen. Schuld und Unschuld, Liebe und Hass, Gut und Böse, alles verschwimmt ineinander und am Ende bleibt der Tod. Ein unvermeidbares Schicksal? Wohl nicht, denn der Mensch bestimmt sein Schicksal auch durch sein eigenes Handeln und Tun. Er ist nicht vollkommen machtlos, ausgeliefert, verloren. Jedem Handeln folgt auch ein Ergebnis. Die Gesangssolisten, insbesondere Marco Berti in der Titelpartie, Svetlana Aksenova als seine Gattin Desdemona und Claudio Sgura als Jago konnten diese Tatsache auf der Bühne glaubhaft vermitteln.

Marco Berti vermochte vor allem durch seine ungeheuer ausdrucksstarke und kraftvolle Stimme die labile Gefühlslage von Otello nachvollziehbar zu gestalten. Darstellerisch mit einigen kleinen Schwächen, da zum Teil etwas statisch wirkend, war er in der Lage, alles durch seinen Gesang auszugleichen und das mit Nachdruck. In der Auslegung seiner Rolle zeigte der Opernsänger den tiefen Riss, der durch Otellos Seele geht, die Qualen, die ihm seine unglaubliche Eifersucht bereitet und die ihm am Ende alles nehmen wird. Auch er ist am Schluss nicht ausschließlich Täter, sondern genauso Opfer. Ein gebrochener Charakter; müde und erschöpft vom Krieg und den Kämpfen und umgeben von den Neidern, die argwöhnisch den ewig Fremden beobachten.

So auch sein größter Feind: Jago, verkörpert von Claudio Sgura, der kalt und berechnend seine Intrigen spinnt und die Menschen in seinem Umfeld wie Schachbrettfiguren hin und her schiebt, wie Marionetten an ihren Fäden zieht, um seine Ziele zu erreichen. Ein Jago, der vor allem durch seine gesangliche Darbietung überzeugen konnte. In seiner Arie Credo in un Dio crudel offenbart er die teuflische Weltanschauung seiner Figur, ein Credo an das Böse. Leider war der Opernsänger aber ein wenig harmlos, auch wenn Jago das Böse in seiner Seele niemals offen zeigt. Ein wenig mehr Zynismus und Kälte hätte den bösen Charakter Jagos noch mehr unterstrichen. Es war aber sicher nur eine Nuance und ist Klagen auf sehr hohem Niveau.  

Überhaupt nichts zu beklagen gab es an Svetlana Aksenova. Sie war für mich das Highlight an diesem Abend, der Stern, der alles überstrahlt. Bildhübsch mit einer außergewöhnlich schönen Stimme und einer intensiven und berührenden Darstellung agierte sie auf der Bühne und nahm die Zuhörer gefangen von der ersten Sekunde an. Ihre Desdemona steht von Beginn an außen vor, ist ein Spielball der Eitelkeiten, aber auch ein Opfer ihrer Naivität und bedingungslosen Liebe zu Otello. Aber ist sie wirklich so hilflos? Was wäre, wenn sie einige ihrer Entscheidungen anders getroffen hätte, ein wenig offener das betreffend, was um sie herum geschieht? War dieses Ende für sie wirklich unvermeidbar? Vielleicht. In der heutigen Zeit wohl ja. Da hätte Desdemona Otellos Eifersucht möglicherweise bis zu einem gewissen Grad ertragen und ihm dann den Laufpass gegeben. Möglicherweise… Vielleicht hätte aber auch alles ebenfalls in einem Drama geendet. Svetlana Aksenova schaffte es, genau diese Zerrissenheit ihrer Protagonistin zu vermitteln, und lieferte mit dem Lied von der Weide und dem sich anschließenden Ave Maria einen der schönsten und traurigsten Momente an diesem Abend. Als sie Abschied nahm vom Leben und von Emilia, in dem Wissen, dass der Mann, den sie so liebt oder zu lieben glaubt, sie töten wird, blieb wohl kaum ein Auge trocken. 

Weitere Höhepunkte an diesem Abend waren das wunderschöne Liebesduett von Otello und Desdemona Gia nella notte densa am Ende des ersten Aktes und Otellos dramatische Aria Dio mi potevi scagliar im dritten Akt sowie sein bewegender Abschied vom Leben und die Verzweiflung über seine grausame Tat am Ende dieses Dramas, Niun mi terma

Zum Schluss sei auf jeden Fall noch der Chor der Staatsoper Hamburg erwähnt, der wie immer eine großartige Leistung ablieferte und einen wichtigen Teil zu einem gelungenen Abend beitrug. Genauso wie der italienische Dirigent Paolo Carignani, der als Fachmann für das italienische Opernfach gilt. Er gestaltete musikalisch einfühlsam und führte sein Orchester, die Solisten und den Chor sicher durch den Abend. Der Klang war niemals zu wuchtig an den zarten Stellen, dafür kraftvoll, intensiv und dramatisch, wenn es erforderlich war. Der sympathische Italiener lieferte den perfekten Rahmen für einen gelungenen und erfolgreichen Abend.

So konnte es nach dem Verklingen der letzten Töne nur einen verdienten und begeisterten Schlussapplaus geben. Das gesamte Team wurde gefeiert, alle Gesangssolisten, das Orchester und der Dirigent. Nur der Chor war bedauerlicherweise nicht zum Abschluss auf der Bühne. Ihm hätte ich noch gerne meine Anerkennung entgegengebracht. 

So endete nach drei Stunden ein wunderbares und unvergessliches Erlebnis in der Welt der Oper. Und nächsten Samstag geht es bereits weiter; dann gibt es die Übertragung von Roméo et Juliette live aus der Metropolitan Opera in New York. In den Hauptpartien, wie schon im Vorbericht erwähnt, sind zwei großartige Sänger oder viel mehr Sängerdarsteller zu erleben: Vittorio Grigolo und Diana Damrau. Das verspricht jetzt schon einen Opernabend auf höchstem künstlerischen Niveau. 

Da ich im Vorbericht schon viele Links eingebunden habe, gibt es in diesem Beitrag nur noch einige offizielle Bühnenfotos der Staatsoper Hamburg zu sehen.

Dieses gilt auch für meinen Bericht zu Mozarts Le Nozze di Figaro vom 15. Januar, der dem des Otello folgen wird. 


Noch mehr Shakespeare!
Roméo et Juliette von Charles Gounod

Hamburg, 14.01.2017

Nach Verdis Otello am heutigen Samstag gibt es genau eine Woche später eine weitere Oper nach einem Drama von William Shakespeare, eine der berühmtesten und tragischsten Liebesgeschichten der Literatur, Romeo und Julia, bei Shakespeare Romeo and Juliet, bei Gounod Roméo et Juliette

Dieses Werk kam am 27. April 1867 im Théâtre Lyrique in Paris zur Uraufführung, das Libretto stammt von Jules Barbier und Michel Carré. Die Handlung spielt in Verona zur Zeit der Renaissance. Die Spieldauer beträgt ca. zweieinhalb Stunden und die Oper ist in fünf Akte eingeteilt bzw. in vier. Ich habe zwei unterschiedliche Varianten gefunden; bei Wikipedia sind fünf Akte angegeben, im Opera Guide sind es hingegen nur vier. Möglicherweise werden bei einigen Aufführungen die Akte unterschiedlich zusammengesetzt oder zusammengefasst. Wie es in New York gehändelt wird, werde ich nächste Woche Samstag erleben und davon berichten. 

Zur Geschichte selbst muss ich, glaube ich, nicht viel sagen, der Inhalt von Shakespeares Liebesdrama sollte bekannt sein, zumal der französische Komponist sich recht genau an die literarische Vorlage gehalten hat. Trotzdem gibt es natürlich auch den Link zum Opera Guide und zur Website von Wikipedia. Erste Eindrücke zeigen offizielle Ausschnitte und der Trailer der Metropolitan Opera auf Youtube.

Dargestellt wird das tragische Liebespaar von zwei der zur Zeit besten Opernsänger der Welt: Vittorio Grigolo und Diana Damrau. Ein Traumpaar auf der Opernbühne. Es erwarten uns großartige Stimmen, darstellerische Kunst auf höchstem Niveau und eine wunderbare klassische Inszenierung. Eine Wohltat in Zeiten von modernem Regietheater. 

Die weitere Besetzungsliste gibt es auf der Seite der Metropolitan Opera und auf der Seite von Cinemaxx, die dieses Ereignis übertragen werden. Die ganzen Links gibt es im Anschluss an diesen Text.

Ich persönlich werde diesen Abend zusammen mit meiner Mutter genießen, die ebenfalls schon sehr gespannt ist. Für sie ist es die erste Kino-Liveübertragung einer Oper in HD. 

Ich werde meine Eindrücke nach dem 21. Januar hier niederschreiben. Morgen kommt erst einmal der Otello an der Staatsoper Hamburg sowie einen Tag später Le Nozze di Figaro


wikipedia.org

opera-guide.ch

metopera.org

metopera.org/romeo-et-juliette-gounod-tickets

metopera.org/metoperafiles/pdf

cinemaxx.de/met-gounod-romeo-et-juliette


Videos:

Romeo and Juliet MET LIVE

Roméo et Juliette: Trailer

Roméo et Juliette: Nuit d’hyménée (Part 1)

Roméo et Juliette: Nuit d’hyménée (Part 2)

Roméo et Juliette: Ah! lève-toi, soleil

Roméo et Juliette: Fight Scene

Ein Kontrastprogramm an der Staatsoper Hamburg

Hamburg, 12.01.2017

Verdis Otello, neu inszeniert von Calixto Bieito, und Mozarts Le Nozze di Figaro, in einer Inszenierung von Stefan Herheim, an einem Wochenende und innerhalb von nicht einmal 24 Stunden, das ist schon ein starkes Kontrastprogramm. Am kommenden Samstag und Sonntag werde ich mir beide Vorstellungen zu Gemüte führen und bin schon sehr gespannt, was mich erwartet, insbesondere in dem von Calixto Bieito neu inszenierten Otello.

Der Katalane, der als Enfant terrible der Opernszene gilt, versteht es immer wieder zu polarisieren. Bei diesem Regisseur, der unter anderem auch den derzeit umstrittenen Fidelio an der Bayerischen Staatsoper inszenierte oder letztes Jahr den Parsifal bei den Salzburger Festspielen, muss man auf einiges gefasst sein. Eines wird man aber nicht erleben, Langeweile und Mainstream. Aber gut, daran hat sich die Opernszene mittlerweile wohl gewöhnt. Klassische Inszenierungen, wie es sie zu Zeiten der jeweiligen Komponisten gab, sind heute nur noch selten. Das ist auch nicht zwingend, bereit für Veränderungen sollte der aufgeschlossene Opernliebhaber heutzutage schon sein. Die Welt dreht sich weiter und verändert sich, und wenn wir die jungen Menschen für diese Kunstform begeistern wollen, ist hin und wieder auch ein Umdenken gefragt. Eines sollte allerdings nicht passieren: die wunderbaren Werke mit ihrer mitreißenden Musik sollten nicht zum Spielball der Regisseure werden, die um jeden Preis ihre Vorstellungen umsetzen wollen und dabei das Werk, um das es eigentlich geht, aus den Augen verlieren. Wenn die Musik und die Geschichte in den Hintergrund treten und nicht mehr nachvollziehbar mit dem Regiekonzept in Zusammenhang zu bringen sind, ist etwas schief gelaufen und sollte dringend überdacht und bearbeitet werden. Aber warten wir es ab, was Calixto Bieito uns am 14. Januar serviert.

Die zweite Inszenierung, Mozarts Le Nozze di Figaro stammt aus der Regiearbeit von Stefan Herheim, Premiere war am 15. November 2015 an der Staatsoper Hamburg. Auch Stefan Herheim ist sicher alles andere als Mainstream in seinen Regiekonzepten und auch er ist in der Lage, Diskussionen auszulösen und die Meinungen zu spalten. Aber Diskussionen zu führen, heißt auch ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und vielleicht auch den einen oder anderen Blickpunkt zu erhalten oder die eigene Perspektive zu ändern. Auch über die Inszenierung von Le Nozze di Figaro werde ich mir erst eine Meinung erlauben, wenn ich mein Live-Erlebnis wirklich hatte.

Links mit Hintergrundinformationen zu den beiden Regisseuren:

wikipedia.org/Calixto_Bieito

welt.de/Der-radikalste-Opernregisseur-der-Welt

komische-oper-berlin.de/calixto-bieito

abendblatt.de/kultur-live

wikipedia.org/Stefan_Herheim

welt.de/Herheim-nennt-Barenboim-disziplinlos

salzburgerfestspiele.at

komische-oper-berlin.de/stefan-herheim


Nun noch zu den Hauptdarstellern der Werke von Verdi und Mozart, die an diesen Abenden zu hören sind: 

Otello gehört wie Simon Boccanegra zu Verdis Spätwerken, die er außerdem zusammen mit dem Schriftsteller, Librettisten und Komponisten Arrigo Boito erschuf und erfolgreich zur Aufführung brachte. Verdi war zu diesem Zeitpunkt bereits 70 Jahre alt und die Zusammenarbeit war auch auf Wunsch seines Verlegers Giulio Ricordi gekommen. Die Uraufführung fand am 5. Februar 1887 an der Mailänder Scala statt und war ein riesiger Triumph. Ein knappes Jahr später, am 31. Januar 1888, erfolgte in Hamburg die deutsche Uraufführung (in deutscher Sprache). Am 4. Juli folgte die Aufführung in London, die ebenfalls ein großer Erfolg war. Weitere Informationen und Details gibt es über die nachfolgenden Links zu erfahren.

Anfänglich hatte Verdi geplant, seine Oper nach dem Bösewicht zu benennen; Jago war für den Komponisten die eigentliche Zentralfigur in diesem Werk. Da aber Jagos Leitmotiv der Neid ist, und nicht nur seines, und irgendwoher der passende Antrieb dazu kommen muss, braucht es eine Figur, die genau diese dunklen Gefühle in ihm auslöst. Gefühle, die dunklen Gefühle und Begierden stehen ohnehin ganz und gar im Mittelpunkt: Neid, Eifersucht, Hass, Missgunst und Machtgier vergiften die Menschen ringsherum. Nach und nach geraten alle Beteiligten, schuldig oder unschuldig, wenn es das denn wirklich gibt, in deren Sog und werden mitgerissen von diesem Strudel aus negativer Energie, hinab in den Abgrund, ohne Chance auf Rettung. Gut und Böse verschwimmen ineinander, vermischen sich und lassen kaum noch eine klare Unterscheidung zu. Diese mächtigen und starken Gefühle setzt Verdi in seiner Oper in eine kraftvolle und mitreißende Musik um und zieht damit die Zuhörer in seinen Bann und hinein in ein Drama, das in der Operngeschichte seinesgleichen sucht.

Im Mittelpunkt stehen der Befehlshaber der venezianischen Flotte, Otello (im Original von Shakespeare als Mohr bezeichnet), seine Gemahlin Desdemona und Jago, ein Fähnrich und der größte Widersacher von Otello. Außerdem wichtig in diesem Komplott ist Cassio, der einst Jago als Hauptmann vorgezogen wurde und heimlich in Desdemona verliebt ist. Ansonsten geht es auch bei Otello um die klassische Dreieckskonstellation, die ein Drama in der Oper braucht: Tenor – Sopran – Bariton. 

Wer mit dem Inhalt dieser Oper nicht vertraut ist, der kann gleich im Anschluss auf der mittlerweile bekannten Website vom Opera Guide alles in Ruhe nachlesen und sich mit den Einzelheiten vertraut machen. Musikalische Einblicke erhält man am besten auf Youtube. 

Einige DVD-Vorschläge gibt es noch auf Amazon zu finden. 

Dieses gilt auch für die erwähnte Oper von Mozart Le Nozze di Figaro. Nach einem bestimmt hochdramatischen Opernabend am Samstag, wird es dann am Sonntag Nachmittag bedeutend leichter und beschwingter. Ich freue mich unglaublich auf die wunderschöne Musik Mozarts und diese mit viel Witz und Esprit gespickte Geschichte. Das letzte Mal sah ich Mozarts Oper bei den Opernfestspielen in München im Sommer 2014. Damals unter anderem mit einem großartigen Erwin Schrott als Figaro und einer bezaubernden Hanna-Elisabeth Müller als Susanna. Nun ist es endlich wieder soweit und ich glaube, es wird schon der Musik wegen ein unbeschreibliches Vergnügen. Die Geschichte ist in der Tat für den, der sie noch nicht kennt, etwas verwirrend, aber mit ein wenig Geduld findet man hinein und kann dann die spritzigen Dialoge und die wunderschönen und eingängigen Melodien genießen. Im Mittelpunkt stehen Susanna, das Kammermädchen der Gräfin Almaviva, Figaro, der Kammerdiener des Grafen Almaviva und Susannas Verlobter, der Graf und die Gräfin Almaviva selbst, Cherubino, der Page des Grafen (eine sogenannte Hosenrolle: eine Frau in Männerkleidung) und Marcellina, Beschließerin im gräflichen Schloss. Dazu kommt noch Bartolo, ein Arzt aus Sevilla, der ebenfalls mitmischt in dem immer größer werdenden Durcheinander. Den genauen Ablauf hier kurz zusammenzufassen, ist etwas umständlich, weshalb ich auch hier auf den Opera Guide verweise oder auf die Seite von Wikipedia. 

Es dreht sich um die Irrungen und Wirrungen in der Liebe und auch ein wenig um die eigenen Eitelkeiten und Befindlichkeiten im Leben des Einzelnen. Am Ende, so viel sei versprochen, geht im Otello alles gut aus, im Gegensatz zu den meisten Musikdramen von Verdi. Vorher jedoch müssen alle Figuren in dieser Oper so einiges durchmachen und eine ziemliche Geduld aufbringen, damit jeder dort hinkommt, wo er hingehört.

Noch ein paar Eckdaten zu dieser Oper: Le Nozze di Figaro wird als eine Opera buffa bezeichnet und ist in vier Akte eingeteilt. Dauer der Oper ist ca. 3 Stunden. Die Uraufführung war am 1. Mai 1786 im Burgtheater in Wien. Die literarische Vorlage stammt von Beaumarchais und lautet La Folle Journée ou le Mariage de Figaro. Das Libretto enstammt der Feder von Lorenzo da Ponte. 

Das sind sie also, kurz vorgestellt, die zwei Opernwerke, die ich am kommenden Wochenende in der Staatsoper Hamburg erleben werde und die unterschiedlicher nicht sein könnten, vielleicht ein klein wenig abgesehen von der Grundlage der Intrige. 

Zur Besetzung werde ich mich auch erst äußern, wenn ich mir im Rahmen der Vorstellungen ein eigenes Bild gemacht habe. Bei den Opernsängern, die ich bereits kenne und auf der Bühne erlebt habe, verhält sich das anders. Eine Einschätzung fällt dann sehr viel leichter, ein endgültiges Fazit kann ich aber auch erst nach meinem persönliches Erlebnis geben. 

Wir hören uns nach dem kommenden Wochenende mit meinen Eindrücken über diese beiden Inszenierungen an der Staatsoper Hamburg. 

Links:

opera-guide.ch/Otello

opera-guide.ch/Le Nozze di Figaro

Videos:

Otello: Quando narravi

Otello: Act III Finale

Otello: Si, pel ciel

Otello: Credo

Le nozze di Figaro (Teatro alla Scala)

Diana Damrau in Le nozze di Figaro


Website der Staatsoper Hamburg:

staatsoper-hamburg.de/Otello

staatsoper-hamburg.de/Le Nozze di Figaro


DVD-Empfehlungen zu Otello:

amazon.de/Sonya-Yoncheva

amazon.de/Placido-Domingo


... und zu Le Nozze di Figaro:

amazon.de/Anna-Netrebko

amazon.de/Legendary Performances


Opernfestspiele München 2017
Ticketverkauf 

Hamburg, 08.01.2017

Am 21. Januar ist es soweit: der erste Vorverkauf für die Opernfestspiele 2017 startet. Freilich ist die ganze Prozedur komplizierter, als es sich anhört, und in erster Linie für die Opernfans in München gedacht.

Es geht an diesem Tag ausschließlich um die Tickets der Kategorien V‒VIII. Dem Kauf geht eine lange Wartezeit in den verschiedenen Anstehgruppen voraus, die man erst einmal finden muss. Der genaue Ablauf lässt sich unter anderem der offiziellen Website der Bayerischen Staatsoper entnehmen, wo auch die wichtigsten Informationen darüber zu finden sind. 

Nur eine gute Woche später, nämlich am 1. Februar, startet die Bearbeitung der schriftlichen Bestellungen aller Tickets sowie aller Kategorien durch die Mitarbeiter der BSO. Diese Bearbeitung dauert, je nach Anzahl der Anfragen, ungefähr zwei Monate lang. Ab dem 1. April gibt es dann den Restkartenverkauf, wo die letzten Tickets an den Mann oder die Frau gebracht werden. Gewöhnlich ist die Anzahl der eingehenden Bestellungen für die Münchner Opernfestspiele sehr hoch, so dass häufig das Los entscheiden muss und besonders begehrte Vorstellungen bereits limitiert sind. Es lohnt sich aber nicht aufzugeben, auch wenn man für die eine oder andere Wunschvorstellung leer ausgegangen ist; oft geht am Ende doch noch etwas.

Verschiedene Foren, so das Kartenforum der Bayerischen Staatsoper, bieten häufig die Chance, zum Beispiel gegen Tausch, doch noch das gewünschte Ticket zu erhalten. Auf bestimmten Ticketportalen sollte man jedoch sehr genau schauen, da dort mit zum Teil massiven Aufschlägen versuchet wird, die begehrtesten Opernkarten zu verkaufen. Bei Ebay lässt sich gelegentlich unter der Option Sofortkauf und zum Normalpreis oder sogar günstiger das Wunschticket erwerben. Ich wünsche allen viel Glück bei der Suche. 

Zu den Opernfestspielen selbst werde ich mich im Juni und Juli äußern. Dieses Thema wird dann neben dem lang ersehnten Debüt von Jonas Kaufmann als Otello in London ganz sicher das wichtigste sein. 

Der Link zur Seite der Bayerischen Staatsoper mit dem Programm und alle wichtigen und notwendigen Informationen zum Thema Opernfestspiele 2017:

staatsoper.de/opernfestspiele

staatsoper.de/spielplan/karten-infos


Veränderungen

Hamburg, 07.01.2017

Die Wiener Staatsoper hat ihn schon, den neuen Direktor. Im Jahr 2020 löst Bogdan Rosic den bisherigen Chef Dominique Meyer ab und startet mit neuer Energie in die Zukunft des erfolgreichen Opernhauses am Ring.

Man kann gespannt sein, was der „Neue“ so alles an Veränderungen mitbringt und was davon wirklich notwendig und gut ist. Ist ein „Anfänger" als Operndirektor wirklich der Richtige?

Auch wenn Bogdan Rosic als amtierender Chef des Musiklabels Sony die weltweite Musikszene betreffend eine Menge Erfahrung mitbringt, bleibt doch abzuwarten, wie sehr er seinem neuen Posten als Direktor der Wiener Staatsoper gerecht werden kann. Die Frage ist: Was bleibt und was kommt? Und gibt es überhaupt so viel zu verbessern? Neuerungen sind wichtig und notwendig, aber nur zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Maße. 

Ich muss sagen, dass ich persönlich den Weggang von Dominique Meyer sehr bedauere; er war und ist mit großer Leidenschaft und großem Enthusiasmus dabei und wird von Publikum und Künstlern gleichermaßen geschätzt. Ich hatte das Glück, ihn letztes Jahr nach der zweiten und jetzt schon legendären Tosca-Vorstellung persönlich kennenzulernen und habe ihn als einen offenen, sympathischen und humorvollen Menschen empfunden.

Aber nun ist es entschieden und der amtierende Operndirektor muss seinen Posten in drei Jahren für seinen Nachfolger freimachen. Was sich alles ändern wird und wer der neue Chef im Haus am Ring ist, kann man in der offiziellen Pressemitteilung und zahlreichen Artikeln nachlesen, einige davon sind im Anschluss an diesen Beitrag zu finden. Unter anderem plant Bogdan Rosic, den Livestream aus der Wiener Staatsoper noch weiter auszubauen und zu perfektionieren. Auch dazu gibt es im Anschluss einige Informationen.

diepresse.com

br-klassik.de

kurier.at

derstandard.at

welt.de

wien.orf.at  (Informationen zum Livestream aus der Wiener Staatsoper)

staatsoperlive.com  (Website Wiener Staatsoper/Livestream)


Die zweite große Veränderung erwartet in den nächsten zwei, drei Jahren die Bayerische Staatsoper in München. Dort wird mit Hochdruck sowohl nach einem neuen Generalmusikdirektor gesucht wie auch nach einem neuen Staatsintendanten. 

Wie bereits bekannt sein dürfte, verlässt Generalmusikdirektor (GMD) Kirill Petrenko das erfolgreiche Opernhaus, um im Jahre 2020 den Chefposten bei den Berliner Philharmonikern zu übernehmen. Wie es jetzt aussieht, beginnt Kirill Petrenko dort bereits in zwei Jahren seine Arbeit.

Die zweite große Veränderung wird es nur ein Jahr später geben, wenn der amtierende Staatsintendant Nikolaus Bachler die Bayerische Staatsoper verlässt. Die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits, er soll wohl noch dieses Jahr bekannt gegeben werden. Einige geeignete Kandidaten gibt es bereits, auch eine weibliche Doppelspitze wäre das erste Mal denkbar.

Es bleibt in jedem Fall auch in München spannend, und auch dort sind die Veränderungen nicht mehr aufzuhalten. Ich habe mich bemüht, auch für dieses Thema einige lesenswerte Artikel zu finden und in diesen Beitrag einzubinden. 

Wir dürfen gespannt sein, was uns die nächsten Monate und Jahre erwartet. Die erste große Veränderung an der Bayerischen Staatsoper gab es ja bereits letztes Jahr, als Dallmayr nach über 50 Jahren den stärksten Konkurrenten Käfer in der prestigeträchtigen Position des Gastronomie-Bereichs ablöste. 

staatsoper.de

dallmayr.de

sueddeutsche.de

br-klassik.de

sueddeutsche.de/suche-doppel


Lang ersehnt!

Hamburg, 07.01.2017

Nun ist es wirklich nicht mehr lang hin. Nach über zehn Jahren Bauzeit wird sie nun feierlich mit einem Festakt und dem anschließenden Eröffnungskonzert eingeweiht: die Elbphilharmonie.

Keiner hatte mehr so recht daran geglaubt und immer wieder wurden kritische Stimmen laut, ob die Investitionen in dieses „Millionengrab“, wie die Elbphilharmonie streckenweise betitelt wurde, nicht besser in wichtige öffentliche Projekte, in die Förderung der Schulbildung oder in soziale Wohnprojekte angelegt wären. Und leisten könnten sich die Tickets für das neue Konzerthaus ohnehin nur die gut Betuchten. Alles vergessen? Vermutlich nicht, aber zumindest ist es etwas in den Hintergrund geraten.

Zu sehr ist die Elphi, wie das Konzerthaus liebevoll genannt wird, schon zum neuen Wahrzeichen von Hamburg geworden, hat gar den Michel diesbezüglich abgelöst. Und alle wollen sie dort singen, spielen, dirigieren… Ziemlich sicher hätte Chefintendant Christoph Liebenseutter die doppelte Anzahl an Konzerten planen können. Und auch die Tickets wären innerhalb weniger Tage und Wochen verkauft gewesen. So ist die erste Saison bereits fast vollständig ausverkauft und auch für die kommende Spielzeit wird ein ähnlicher Andrang erwartet. Wer den Startschuss für den Ticketverkauf 2017/18 nicht verpassen möchte, der sollte am besten den Newsletter der Elbphilharmonie abonnieren. Im Juni 2017 startet der Vorverkauf für die nächste Saison. 

Aber jetzt muss ja erst einmal die Eröffnung her und die wird am 11. Januar weltweit im Fernsehen, Radio und im Internet übertragen. Es beginnt mit dem Bericht vom roten Teppich, geht weiter mit dem Festakt und endet mit dem Eröffnungskonzert und der Welturaufführung von Wolfgang Rihms Reminiszenz. Einziger Wermutstropfen sind wohl die Absagen von Jonas Kaufmann und Anja Harteros. Beide werden aber würdig vertreten und dürfen zusammen mit ihren Sängerkollegen ein ganz besonderes Ereignis zu ihren Karrieren hinzufügen. Ein Erlebnis, das es in dieser Form vermutlich nur einmal gibt. Ich persönlich freue mich besonders auf Pavol Breslik und Bryn Terfel. 

Die Links mit genauen Programminformationen gibt es gleich im Anschluss. 

Interview mit dem Komponisten der Welturaufführung Wolfgang Rihm: zeit.de

ardmediathek.de

ndr.de/elbphilharmonieorchester

ndr.de/der_ndr/presse/mitteilungen

programm.ard.de

ndr.de/fernsehen/epg


Das Comeback des Jahres 2017

Hamburg, 06.01.2017

Es ist vermutlich jetzt schon das am meisten erwartete Comeback dieses noch sehr jungen Jahres. Nach über vier Monaten Abstinenz kehrt Startenor Jonas Kaufmann zurück auf die Opernbühne. In den letzten Wochen und Monaten hatte sich der sympathische Sänger immer wieder in Geduld üben müssen und sich diszipliniert an die Vorgaben seines Arztes gehalten. Im September letzten Jahres war ein Hämatom auf seinen Stimmbändern diagnostiziert worden. Für den normalen Alltag soweit kein Problem, für einen Profisänger aber eine ziemlich große Gefahr, sich bei einem Nicht-Auskurieren die Stimme zu gefährden und damit auch die Karriere als Sänger, ganz besonders im Metier Operngesang. So hielt sich auch Jonas Kaufmann an die Vorgaben, immer in dem Wissen, dass es nur so möglich sei, bald wieder ohne Risiko aufzutreten. Diese Zeit war sicher eine der schwierigsten in der schon lange andauernden Karriere des 47-jährigen Münchners, der als einer der besten und vielseitigsten seines Stimmfachs zählt und zur Zeit als einer der erfolgreichsten und begehrtesten Opernsänger der Welt gilt. Langsam, Stück für Stück hat sich der Tenor nun mit einem entsprechenden Trainingsplan wie ein Hochleistungssportler wieder an die alte Form herangearbeitet und fiebert jetzt, wie seine Fans, dem ersten Auftritt am 18. Januar in Paris als Lohengrin entgegen.

Kaufmann gab am Montag in Rom der Mailänder Tageszeitung Corriere della sera ein Interview und sagte dort unter anderem, dass er sich wie ein Kind freue, endlich wieder singen zu können, und was es für ihn bedeute, auf der Bühne zu stehen. Auch in der Presse ist es eines der wichtigsten Themen der letzten Tage und war vielfach immer wieder nachzulesen. Den letzten Auftritt als Sänger hatte er am 12. September bei einer halboffiziellen Präsentation seiner aktuellen CD „Dolce Vita“ im Teatro San Carlo in Neapel. Dort war das letzte Mal seine unverwechselbare Gesangsstimme zu hören gewesen. Nun ist es nicht mehr lange hin, dann erklingt sie wieder und erfreut seine Fans und die Kritiker in aller Welt. 

Dazu wünschen wir ihm alles nur erdenklich Gute und senden ihm die besten Wünsche für ein gelungenes Comeback sowie ein erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2017.


Links zum Thema:

br-klassik.de

zeit.de

derstandard.at

orf.at

abendzeitung-muenchen.de

kleinezeitung.at

corriere.it (Das Interview mit Corriere della sera vom Montag dieser Woche)


Die Januarausgaben meiner Lieblingsopernmagazine

Hamburg, 05.01.2017

Das neue Jahr hat begonnen und die aktuellen Ausgaben meiner zwei Lieblingsopernmagazine Opernglas und Oper! Das Magazin sind gerade auf dem Markt erschienen. Es gibt wieder viel Neues aus der Welt der Oper, von den Opernsängern, Dirigenten, Regisseuren und den Plänen der verschiedenen Opernhäuser. Die Leser erhalten einen guten Einblick in das, was kommt, und das, was gewesen ist. Es lohnt, wie immer, einen Blick hineinzuwerfen und sich überraschen zu lassen. Beide Ausgaben sind hochwertig aufbereitet und warten mit gut recherchierten und geschriebenen Texten auf, ergänzt durch schöne Fotoaufnahmen, die die einzelnen Beiträge entsprechend unterstreichen. 

Besonders freue ich mich auf ein ausführliches Interview mit der wunderbaren Diana Damrau, die gerade am 31. Dezember ihr umjubeltes Rollendebüt als Julia in Gounods Romeo et Juliette an der Metropolitan Opera in New York feierte. 

Die Links: 

Vorschau

Hamburg, 04.01.2017

Ich wünsche allen meinen Lesern ein gutes, neues, schönes, gesundes und vor allem musikalisches Jahr 2017. Ich hoffe, ihr hattet eine entspannte Zeit mit euren Lieben und freut euch nun auf das, was kommt an spannenden und unvergesslichen Erlebnissen aus der Welt der Oper.

Eine kleine Vorschau auf das, was ihr innerhalb der nächsten drei Monate hier auf meinem Blog finden könnt, gibt es im Anschluss. Es wird eine bunte, interessante und schöne Mischung aus verschiedenen Themen rund um diese wunderbare und kostbare Form der Kunst. Ein paar Dinge sind fest eingeplant, einige andere werden spontan dazukommen.

Da es für mich zum Frühjahr 2017 eine größere Veränderung geben wird (ich werde nach München umziehen, um dort meine Stelle im deutschen Herzzentrum anzutreten), wird es vermutlich im Februar ein wenig ruhiger zugehen. Dafür ist aber der Januar und auch der März gut und reichlich ausgefüllt. Ich bin schon sehr gespannt, was mich erwartet, und freue mich auf diesen Neustart und viele aufregende Opernabende in meinem Lieblingsopernhaus, dem wunderschönen Nationaltheater am Max-Joseph-Platz.

Es gibt einige Pläne, die ich mit diesem schon lang geplanten Tapetenwechsel verbinde. Ich möchte meinen Blog ausbauen, neue Elemente hinzufügen, noch spannender gestalten, meine journalistischen Kenntnisse Schritt für Schritt erweitern, hinzu kommen ein vermehrtes Vernetzen und verstärktes Networking und einige neue Marketingstrategien zum Thema Blog und Oper. Einen wichtigen Punkt kann ich hoffentlich bald umsetzen, den Plan, meinen Blog auch in englischer Sprache anzubieten; zumindest die Beiträge, die in der Zukunft kommen werden.

Ich hoffe, es begleiten mich bei dieser spannenden Reise viele von Euch und freuen sich mit mir über unvergessliche Abende in den Opernhäusern Europas und der Welt. Ich freue mich darauf und auf Euch! 


Und hier nun die angekündigte Vorschau:

Zuerst kommen im Januar ein paar kleinere Beiträge verschiedener Art, u.a. wie gewohnt die neusten Ausgaben zu meinen beiden Lieblingsmagazinen, ein historischer Tipp für Fernsehen, Radio und Internet, das wichtigste Comeback des Jahres und Neuigkeiten aus der Wiener Staatsoper. 

Der bevorstehende Umbruch an der Bayerischen Staatsoper.

Erster Vorkauf (günstige Tickets) für die Münchner Opernfestspiele 2017. 

Es folgen jeweils Vorberichte und Eindrücke zur Calixto Beitos Neuinszenierung von Verdis Otello in der Staatsoper Hamburg am 14.1. und am 15.1. zu Mozarts Le Nozze di Figaro ebenfalls in der Staatsoper Hamburg. 

Am 21.1 werde ich mir die Übertragung von Gounods Romeo et Juliette aus der Metropolitan Opera in New York anschauen. Die Hauptrollen sind mit Vittorio Grigolo und Diana Damrau traumhaft und nahezu ideal besetzt. 

Ob es Ende Januar noch einen Besuch in Paris gibt, wird sich erst kurz vorher herausstellen. Dort gibt es die wunderbare Inszenierung des Lohengrin von Claus Guth zu sehen, die 2012 in Mailand Premiere hatte. Das Besondere ist aber sicher das lang ersehnte Comeback des Münchner Ausnahmetenors Jonas Kaufmann.

Im Februar geht es, wie schon erwähnt, aufgrund des Umzuges nach München insgesamt etwas ruhiger zu, aber ein paar Beiträge werden auch in diesem Monat dazukommen. 

Der Termin ist sicher der vom Besuch der Premieren-Matinee zu Andrea Chenier; zu diesem Zeitpunkt werde ich auch mit der Vorbereitung zur Neuinszenierung von Philipp Stölzl am Münchner Nationaltheater beginnen. Premiere ist am 12.3. unter der musikalischen Leitung von Omer Meir Welber. Die Hauptrollen werden besetzt vom Traumpaar der Opernbühnen, Anja Harteros und Jonas Kaufmann, sowie Luca Salsi. 

Und dann startet noch die schriftliche Bearbeitung für die Tickets der Opernfestspiele 2017 in München.

Der Monat März wird dann ganz im Zeichen dieser Neuproduktion an der Bayerischen Staatsoper stehen, s.o. Die Termine: 12.3. ( Premiere), 15.3., 18.3., 22.3., 26.3 (konzertante Aufführung in Paris), 30.3. und 2.4. Zwei weitere Vorstellungen gibt es dann noch im Rahmen der Opernfestspiele am 29.7. sowie am 31.7. (Abschluss der Saison).

Als weiterer wichtiger Punkt stehen die Ankündigungen der neuen Spielpläne für die nächste Saison durch die wichtigsten Opernhäuser in Europa und der Welt an. Ich hoffe, dass ich aus München und aus Wien davon berichten kann. 

Alles weitere wird sich zeigen, eventuell gibt es noch die eine oder andere kleine aber feine Überraschung. Ich habe ein paar Wünsche, die hoffentlich in Erfüllung gehen werden... 

Also lasst uns nun gemeinsam aufbrechen in ein wunderschönes, spannendes, aufregendes, überraschendes und abwechslungsreiches Opernjahr 2017. Wir sehen uns; hier auf meinem Blog oder in den Opernhäusern und Bühnentüren dieser Welt.


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