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Beiträge 2018
Januar – Juni

Zeig mir Deine Wunder
Die erste Festspielwerkstatt der Münchner Opernfestspiele

München, 29.06.2018

Auf die Festspielspielwerkstatt „Zeig mir Deine Wunder“ habe ich mich schon seit Wochen gefreut und war genauso begeistert von dem, was ich erleben durfte, wie schon letztes Jahr. Das Musiktheaterkollektiv Hauen-und-Stechen, 2012 gegründet, inszeniert dieses Jahr in der Reithalle eine Anti-Heilsgeschichte nach Nikolai A. Rimski-Korsakows fantastischer Oper Snegurotschka. Premiere war am 26. Juni, weitere Vorstellungen am 27.6., 29.6. und 1.7.

Im Flyer der Bayerischen Staatsoper ist folgende Zusammenfassung über diese Produktion und deren Themen zu lesen: „Die Menschen verstehen die Natur nicht mehr. Seit Jahren macht sich die Sonne rar, und so leben sie in einem meteorologischen Ausnahmezustand. Auch in der Welt der Elementargeister ist nicht alles in Ordnung. Aus der Liaison zwischen Wintergeist und Frühlingsfee ist ein illegitimes Kind hervorgegangen: Snegurotschka. Könnte das Mädchen allein durch seine Existenz schuld an den Wirren des Wetters sein? Als Snegurotschka zur jungen Frau herangewachsen ist, will sie unter den Menschen leben. Doch wird sie nie vollständig zu ihnen gehören, solange sie nicht leidenschaftliche Liebe fühlen kann. Was sie nicht weiß: Sollte ihr dies gelingen, wird sie schmelzen. Zeitgleich mit Wagners Parsifal griff Rimski-Korsakow zu heidnischen Mythen und Märchen, um seinerseits vom Verhältnis zwischen Mensch und Natur zu erzählen – so auch in seiner Oper Snegurotschka von 1882. Das Musiktheaterkollektiv HAUEN-UND-STECHEN beschwört die rituellen Elemente dieser Oper und entfesselt in einer Performance für Sänger, Schauspieler und kleines Instrumentalensemble ein Musiktheater als Festgelage – auf dem für einen Abend lang eine Gemeinschaft entsteht, die sich Geschichten erzählt: von einer verstörenden Opferung, von Verwundungen und wundersamen Rettungen aus der Katastrophe.“

Der Abend des 27. Juni, an dem wir als Zuschauer auf eine wundersame Reise mitgenommen wurden, bleibt als wunderbares Erlebnis in Erinnerung: laut und leise, traurig und lustig, zum Weinen und zum Lachen, bunt und schrill, emotional, erfüllt von Farben und Gefühlen und der Kraft der russischen Musik, die auch meine Seele jedes Mal tief berührt. Für einen Abend waren wir alle eine Gemeinschaft, wir als Zuschauer ganz dicht dabei, die Schauspieler, Sänger und Musiker mittendrin. Mit großer Leidenschaft gestalteten und agierten die Künstler an diesem Abend und nahmen uns mit in eine Welt, die im Alltag oft verloren geht, die Welt der Mythen, Märchen und Sagen, die uns manchmal näher sind, als wir glauben, für die wir aber oft keine Zeit mehr haben. Sich zu beschäftigen mit der eigenen Unvollkommenheit, unseren ganz persönlichen Wunden, körperlich, seelisch, ist etwas, das wir gerne verdrängen, obwohl dieses doch zu uns gehört, zu uns als Mensch, ein Teil unserer Persönlichkeit ist. Passend zum Spielzeitmotto der Bayerischen Staatsoper für die laufende Saison, „Zeig mir Deine Wunder“, geht es auch in dieser Festspielwerkstatt um dieses Thema. Es geht um Wunden und auch um Wunder. Sich zu öffnen für das Unbegreifliche, Unfassbare, an das zu glauben, was wir nicht sehen.

Fotos: © Wilfried Hösl

Begleitet durch diesen Abend hat uns durchgehend die russische Musik, Volkslieder und Gedichte. Diese Elemente waren unter anderem der Grund für das besonders intensive Erleben. Und natürlich die wunderbaren Schauspieler und Sänger, so z.B. die junge Sopranistin Anna El-Kashem und der Tenor Long Long, beide Mitglied im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper. Anna El-Kashem verlieh mit ihrer wunderbar klaren Stimme und ihrer grazilen Bewegung auf der Bühne Snegurotschka (Schneeflöckchen) eine besonders berührende Darstellung. Die zarte Sängerin wird auch in der kommenden Saison einige Male, noch in kleineren Partien, auf der Bühne des Nationaltheaters zu erleben sein und hat sicher eine große Zukunft in der Welt der Oper vor sich. Aber auch die anderen Mitglieder des Ensembles überzeugten durch eine starke Bühnenpräsenz, Authentizität und Leidenschaft. Und so vergingen die drei Stunden an diesem Abend in der Reithalle wie im Flug, und mit der von Musik und Geschichten erfüllten Seele machten sich die Besucher auf den Weg nach Hause. Einige Gedanken und Eindrücke werde ich sicher mitnehmen in den Alltag.

„Akzeptiere Deine eigenen Wunden, nehme sie an, denn sie gehören zu Dir und machen Dich aus. Und glaube wieder an Wunder, sie geschehen jeden Tag und überall, auch in Deinem Leben.“

An die Naturgeister werde ich sicher noch lange denken und an die Geschichte von Schneeflöckchen….

 Zum besseren Nachvollziehen gibt es im Beitrag nicht nur einige offizielle Fotos dieser Produktion zu sehen, sondern auch Videoaufnahmen der Bayerischen Staatsoper über den Entstehungsprozess.

Eine Lanze für den wunderbaren Liederabend

München, 26.06.2018

Mir ist schon bewusst, dass so ein Liederabend eine sehr spezielle Sache ist, aber auch ein wunderbares, intensives und unvergessliches Erlebnis. Während der Münchner Opernfestspiele gibt es zahlreiche Liederabende anzuhören: mit Piotr Beczala, Anja Harteros, Günther Groissböck uvm. Unter anderem singen da der Sänger des Jahres, Piotr Beczala, oder auch die für mich zurzeit beste Sopranistin der Opernwelt, Anja Harteros. Und trotzdem, die Karten verkaufen sich zum Teil nur sehr schleppend und es gibt meist noch Karten in allen Preisklassen, insbesondere im Nationaltheater. Möglicherweise ist das Nationaltheater doch ein wenig zu groß für dieses Genre und die Gruppe der Liebhaber dieser besonderen Kunstform zu klein. Also breche ich jetzt mal eine Lanze für den Liederabend und empfehle aus ganzer Überzeugung, sich zumindest einmal auf dieses besondere und intime Musikerlebnis einzulassen. Was man nicht kennt, kann und sollte man nicht beurteilen. Und wer weiß, ob es nicht den einen oder anderen Menschen gibt, der plötzlich eine neue und wunderschöne Welt für sich entdeckt. 
Liebe Opernfreunde, liebe Klassikfreunde, besucht nicht nur die Opernvorstellungen und großen Konzerte, sondern kauft auch Karten für einen oder auch mehrere Liederabende, wie z.B. mit der wunderbaren Anja Harteros und ihrer Zauberstimme, Piotr Beczala oder Günther Groissböck, damit diese wunderbaren Sänger und Künstler nicht vor einem halbleeren Zuschauerraum singen müssen!
Das vollständige Programm ist auf der Website der Bayerischen Staatsoper zu finden oder auch im Kartenbüro der Bayerischen Staatstheater am Marstallplatz.

Eine ehrenvolle Auszeichnung für Jonas Kaufmann

München, 25.06.2018

Am 19. Juni erhielt Jonas Kaufmann, Opernsänger, Startenor, Ausnahmekünstler und Kind dieser Stadt, im französischen Generalkonsulat in München die Auszeichnung zum Officier de l´Ordre des Arts et des Lettres. Es ist bereits die zweite Auszeichnung für den 48-Jährigen. Im Jahre 2011 wurde der sympathische Sänger das erste Mal geehrt, damals als Chevalier. Letzte Aufstiegsmöglichkeit wäre dann die zum Kommandeur.

Auf seiner Facebookseite postete Jonas Kaufmann ein dreigeteiltes Foto mit dem Satz: „Vormittags Gralsritter, abends Officier de l´Ordre des Arts et des Lettres.“

Auf der offiziellen Website des französischen Generalkonsulats in München ist ein kleiner Text zu lesen mit der Begründung für diese Ehrung und mit einigen Fotos, die während der Verleihung gemacht worden sind.

So gratuliere auch ich ganz herzlich Jonas Kaufmann zu dieser ehrenvollen und hochverdienten Auszeichnung und verneige mich vor einem Sänger und Künstler, der maßgeblich dazu beiträgt, dass die Kunst, Kultur und Musikszene und insbesondere die Klassik und das kostbare und wunderbare Genre der Oper lebendig ist und bleibt. Wenn dieser Ausnahmesänger auf der Bühne steht, eine Verbindung schafft zwischen sich, dem Menschen, den er darstellt, und dem Publikum und seine wunderschöne, ausdrucksstarke (dunkel) leuchtende Stimme erklingen lässt und den Zuhörer mitnimmt auf eine intensive Reise in eine Welt aus Klängen, Farben und Gefühlen, dann kann sich dieser Wirkung niemand entziehen. Die Interpretation jeder Rolle ist bis ins kleinste Detail herausgearbeitet, authentisch und intensiv. Er bewegt und berührt die Menschen mit seiner Stimme und seinem Spiel, direkt, unmittelbar, oft auch unerwartet stark. Bei der letzten Ehrung des Klassik Echo fielen die Worte „die Poesie des Augenblicks kreieren“, die dies perfekt umschreiben. Jonas Kaufmann sieht die Musik als magischen Schlüssel zur Seele. Genau diesen Schlüssel hat auch er, den Schlüssel zur Seele der Menschen, das ist seine Gabe und die wunderschöne Stimme sein kostbarstes Geschenk, das er immer wieder mit uns teilt.

Dies schon bald wieder: Am 28. Juni öffnet das Münchner Nationaltheater seine Pforten für die erste Festspielpremiere der Opernfestspiele. Um 16 Uhr hebt sich der Vorhang für die Neuinszenierung des Parsifal, Richard Wagners letztem Werk. Eine intensive Reise für Sänger, Musiker, Dirigenten und die Zuschauer.

Countdown für die erste Festspielpremiere 2018

München, 22.06.2018

Nun ist bis zur ersten Festspielpremiere gerade noch eine Woche hin. Am 28. Juni bringt Pierre Audi zusammen mit Georg Baselitz, der Bühnenbild und Kostüme gestaltet, und Maestro Kirill Petrenko, der die musikalische Leitung hat, Richard Wagners letztes Werk Parsifal auf die Bühne des Münchner Nationaltheaters. Richard Wagner bezeichnete dieses Meisterwerk der Musikgeschichte nicht als Oper, was ihm als zu profan erschien, sondern gab ihm den Beinamen Bühnenweihfestspiel. Die Themen in Parsifal sind vor allem christlich geprägte: Schuld, Sühne, Vergebung, Leiden Erlösung, Hoffnung, aber auch die tiefe und reine Liebe zu Gott.

Pierre Audi, der für eine intensive Personenführung bekannt ist, und Maestro Kirill Petrenko, für den es eine weitere Stückpremiere ist, haben ein herausragendes Solistenteam auf der Bühne stehen. Allesamt großartige Sänger, vielmehr Sängerdarsteller. Allen voran der Münchner Publikumsliebling, Startenor Jonas Kaufmann in der Titelpartie. Er verkörpert Parsifal, den jungen, reinen Toren, der durch Mitleid wissend wird und am Ende Amfortas, den siechenden Gralskönig mit dem heiligen Speer erlöst, um dann an seine Stelle zu treten. Für diese Neuinszenierung der Bayerischen Staatsoper im Rahmen der Opernfestspiele 2018 opferte der sympathische Münchner sogar seine berühmte Lockenpracht und ließ sich vor der Klavierhauptprobe letzte Woche bei einem Friseurbesuch die Haare kurz schneiden. Und auch von seinem Bart, der ebenfalls ein Markenzeichen geworden ist, muss sich der 48-Jährige, zumindest an den Vorstellungstagen, trennen. Parsifal, der junge reine Tor, ein unerfahrener Knabe mit Bart, das wäre doch wohl ein wenig unglaubwürdig. So gab es nun die entsprechende optische Verjüngungskur für Jonas Kaufmann, der sich ganz offensichtlich auch noch recht wohl damit fühlt. Zum Thema Haare lassen und zu vielen Themen rund um Wagners letzter Oper und diese Neuproduktion hat sich der Münchner Opernsänger in einem Interview geäußert, das am 20. Juni in der SZ Online erschien und in der Sonderbeilage der SZ zu den Opernfestspielen 2018, die seit heute erhältlich ist.

Foto: W. Hösl

An der Seite von Jonas Kaufmann stehen weitere großartige Sänger und Kollegen mit ihm auf der Bühne des Nationaltheaters: Rene Pape verkörpert den edlen Gurnemanz, Christian Gerhaher den siechenden Gralskönig Amfortas. Wolfgang Koch schlüpft in die Rolle des Zauberers und gefallenen Gralsritters Klingsor und Nina Stemme wird in der einzigen weiblichen Hauptpartie zu erleben sein. Die Rolle der Kundry ist wohl der spannendste und vielseitigste Charakter in Richard Wagners Bühnenweihfestspiel. Die einzelnen Figuren und ihre Darsteller sollen in einem entsprechenden Beitrag noch einmal gesondert zur Sprache kommen.

Ansonsten ist dieser Parsifal in der Regie von Pierre Audi und mit dem Bühnenbild von Georg Baselitz, der auch die Kostüme übernimmt, recht düster angelegt. Die ersten bildlichen Eindrücke auf der Website und FB-Seite der Bayerischen Staatsoper sowie die Interviews mit Pierre Audi und Georg Baselitz in der Festspielausgabe des Magazins Max-Joseph vermitteln ein wenig das Konzept dieser Neuproduktion und die Gedanken, die es zu Wagners Bühnenweihfestspiel und der Thematik gibt. Die Ausgabe des Max-Joseph für die Münchner Opernfestspiele 2018 erscheint am 22.Juni. Im Kartenbüro der Bayerischen Staatstheater am Marstallplatz und im dazugehörigen Opernshop wird das Magazin zu erhalten sein. Üblicherweise gibt es die Festspielausgabe bei jedem Programmkauf jeglicher Art dazu. 

Es sei auch hier wieder erwähnt, dass es am 8. Juli direkt vor dem Nationaltheater auf dem Max-Joseph-Platz eine Live-Übertragung direkt aus dem Innenraum der Oper geben wird. Die Veranstaltung „Oper für Alle“ gibt es seit mehr als zwei Jahrzehnten und wird alljährlich von BMW in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsoper gesponsert. Somit ist der Eintritt frei. Parallel wird diese Vorstellung live im Internet übertragen. Auch die Übertragung auf Staatsopern TV ist kostenfrei zu genießen. 

Die Premiere ist am 28. Juni live auf BR Klassik zu erleben. Eine halbe Stunde vorher gibt es noch Interviews mit Beteiligten der Produktion direkt aus dem Foyer des Nationaltheaters mitanzuhören. 


Sopranistin Nina Stemme, die Kundry in Parsifal im Interview

Mit dem Inhalt von Richard Wagners letztem Werk werde ich mich separat beschäftigen und hoffe, ich kann damit ein wenig zum Verständnis beitragen und einen Zugang schaffen, sich dieser wunderbaren Musik zu öffnen und sich einzulassen auf eine intensive und bewegende Reise, letztendlich auch zu sich selbst. Noch vor der Premiere wird dieser geplante Beitrag auf meinem Blog erscheinen, vermutlich ein wenig vermischt mit den Eindrücken vom morgigen Workshop zu dieser Neuproduktion im Rennert-Saal, eine der Probebühnen der Bayerischen Staatsoper, der Premierenmatinee am kommenden Sonntag und möglicherweise der Generalprobe, die nächste Woche Montag stattfinden wird. Alles zusammen wird dann, so der Wunsch, einen möglichst umfassenden Einblick in diese Oper und ihre Neuinszenierung im Münchner Nationaltheater geben.

Parsifal-Übertragung im Rahmen der Münchner Opernfestspiele am 8. Juli 2018

München, 14.06.2018

Zur Übertragung der Neuproduktion von Richard Wagners Parsifal an der Bayerischen Staatsoper im Rahmen der Münchner Opernfestspiele am 8. Juli 2018 hat die Bayerische Staatsoper bekannt gegeben, dass es nicht, wie zuerst geplant, eine Übertragung im Kino geben wird. Auf der offiziellen Website der BSO heißt es, dass dieses aus produktionstechnischen Gründen bedauerlicherweise nicht möglich sei.  

Dafür ist nun der wie immer kostenlose Livestream im Internet wieder gelistet und findet wie vormals geplant statt. Alle notwendigen, auch technischen Informationen sind auf der Website der Bayerischen Staatsoper zu finden. Den Livestream gibt es übrigens, ebenfalls kostenlos, vom 9. Juli 10 Uhr bis zum 10. Juli 10 Uhr als Video-on-demand zu sehen.

Genauso wie Näheres zur Oper für Alle, die alljährlich zu den Münchner Opernfestspielen auf dem Max-Joseph-Platz gegenüber vom Nationaltheater auf einer Großbildleinwand zu erleben ist. Die Vorstellung, die im Opernhaus stattfindet, wird somit direkt nach draußen auf die Leinwand übertragen. Die Oper für Alle wird wie immer von BMW gesponsert und somit braucht es keine Eintrittskarte für diese Open-Air-Veranstaltung. Während man im Opernhaus selbst oder zu Hause am Computerbildschirm vor allen Wetterlagen geschützt ist, ist das gemeinsame Erleben vor dem Nationaltheater, versorgt mit gut gepackten Picknickkörben, um so größer. Man sollte aber rechtzeitig vor Ort sein, um sich die besten Plätze zu sichern.

In jedem Fall hat so jeder Opernliebhaber mit einer der drei Varianten die Möglichkeit, diese Neuinszenierung von Richard Wagners Bühnenweihfestspiel (in der Regie von Pierre Audi) und mit dieser hochkarätigen Besetzung (Jonas Kaufmann, Rene Pape, Christian Gerhaher, Wolfgang Koch, Nina Stemme, Balint Szabo u.v.a.) live mitzuerleben. Die musikalische Leitung hat Maestro Kirill Petrenko, der mit dieser Produktion auch noch sein Stückdebüt gibt.

Ich wünsche allen Freunden der Oper und der Opernfestspiele schon einmal viel Vergnügen bei der Planung dieses wunderbaren Erlebnisses und eine große Vorfreude auf das, was uns alle am 8. Juli 2018 aus dem Nationaltheater und natürlich auch drinnen im Zuschauerraum erwarten wird.

Vorbericht und Informationen:
Das Dolce Vita-Konzert von Jonas Kaufmann am 13. Juli 2018 auf der Waldbühne in Berlin

München, 12.06.2018

Nun ist es nicht mehr lange hin bis zum großen Ereignis auf der Waldbühne in Berlin, das Dolce Vita-Konzert des Münchner Startenors und zu dieser Zeit wohl begehrtesten Opernsängers der Welt naht mit großen Schritten. Am 13. Juli 2018 um 20 Uhr ist es soweit, dann erhebt der sympathische Sänger seine Stimme und wird sein Publikum (immerhin bis zu 20.000 Zuschauer) mit italienischen Evergreens und italienischen Opernarien verzaubern. Begleitet wird er dabei vom Rundfunk-Sinfonie Orchester Berlin unter der Leitung von Jochen Rieder.

Sofern das Wetter mitspielt, sollte einem traumhaften und unvergesslichen Sommernachtskonzert nichts im Wege stehen. Ein gutes Mittel gegen die unzähligen Mücken sollte man allerdings dabeihaben, will man nicht am Ende des Abends vollkommen zerstochen sein. Was sonst noch erlaubt ist mitzunehmen, ist direkt beim Veranstalter Eventim zu erfahren. Dort gibt es auch ganz sicher noch einige Karten zu ergattern. Beim letzten Blick in den Sitzplan der Waldbühne war in erster Linie der ganz vordere, mittlere Block ausverkauft. Weiter hinten und seitlich der Bühne gibt es noch ausreichend Möglichkeiten, Tickets zu kaufen. Der Veranstalter Eventim ist sicher behilflich, die besten noch verfügbaren Plätze auszuwählen. Dann gilt es nur noch, wenn notwendig, die Bahnfahrt und eine Unterkunft zu buchen, und es kann losgehen.

Und nicht vergessen, dieses Konzert wird das einzige zum Thema Dolce Vita sein. Es ist also eine einmalige Chance, diesen Ausnahmekünstler mit genau diesem Programm Open Air zu erleben.

Nicht nur die zahlreichen Anhänger des Münchner Opernsängers freuen sich auf dieses Ereignis, sondern auch Jonas Kaufmann selbst. Im Morgenmagazin vom 7. Juni hat er sich zum Konzert auf der Waldbühne geäußert, genauso wie in einem sehr unterhaltsamen Interview bei Klassik Radio, das Moderator Holger Wemhoff am 8. Juni am Telefon mit ihm führte. Mit ihm ist der 48-Jährige Münchner seit vielen Jahren befreundet, seit dem zum Teil gemeinsamen Studium vor mehr als 15 Jahren nämlich. Dementsprechend locker und entspannt verlief dieses Interview, in dem die beiden Freunde in erster Linie über das bevorstehende Dolce Vita-Konzert sprachen, aber auch das eine oder andere aus dem Nähkästchen plauderten. Jonas Kaufmann ist natürlich gerade in München, wo derzeit die intensive Probenphase für die nahende Festspielpremiere von Richard Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal läuft. Dazu aber mehr in einem gesonderten Beitrag im Rahmen der Münchner Opernfestspiele.

Jetzt kann ich nur empfehlen, sich noch schnell eines der begehrten Tickets zu sichern, um dieses Ereignis auf keinen Fall zu versäumen. Auch wenn es dieses Konzerte im Fernsehen zwei Tage später und ein weiteres Mal zwei Monate danach als Zusammenfassung anzuschauen gibt, gegen das Live Event kommt nichts an. Live dabei zu sein, bleibt immer das ultimative Erleben und ist mit nichts zu vergleichen.

Alle notwendigen Informationen und Links sind entweder innerhalb dieses Textes zu finden oder hier gleich im Anschluss, ebenso wie einige Eindrücke vom Schauplatz dieses Abends.

Jonas Kaufmann⭐Interview/Konzert in der Berliner Waldbühne

The Making of Dolce Vita

Die besten Fernseh-Tipps für den Sommer

München, 11.06.2018

Auch wenn das Leben zu dieser Zeit hoffentlich zum großen Teil draußen stattfindet, kommen hier einige schöne Fernseh-Tipps für die kommenden Wochen.

Am 15. Juli um 22:00 Uhr gibt es im ZDF eine Zusammenfassung des Dolce-Vita-Konzerts von der Waldbühne in Berlin mit dem Münchner Startenor Jonas Kaufmann zu sehen. Es ist das Konzert, das zwei Tage vorher, also am 13. Juli, live mitzuerleben ist. Es wird noch entsprechende Beiträge dazu geben mit allen notwendigen Informationen (Vorbericht) und meine persönlichen Eindrücke von diesem Abend inklusive vieler wunderbarer Fotoaufnahmen, wie ich hoffe.

Am 8. August gibt es morgens um 9:05 Uhr auf ORF 2 eine Dokumentation aus dem Jahre 2017 über Jonas Kaufmann zu sehen. Der Name dieser Doku lautet: „Jonas Kaufmann – ein Jahrhundert-Tenor“. Es dürfte nicht für jeden Fan des Münchner Opernsängers ganz leicht sein, diese Sendung zu empfangen, aber es gibt sicher eine Möglichkeit, einen Mitschnitt zu bekommen.

Am 15. September gibt es ein weiteres Mal das oben zuerst genannte Konzert des sympathischen Münchners vom 13. Juli 2018 von der Waldbühne aus Berlin anzuschauen. Dieses Mal ist 3Sat an der Reihe und auch die Uhrzeit ändert sich. Gleich nach der Tagesschau um 20:15 geht es los mit dieser Aufzeichnung.

Countdown für die Opernfestspiele 2018

München, 05.06.2018


Es ist Sommer in München, die Sonne strahlt vom azurblauen Himmel und der Countdown für die Münchner Opernfestspiele 2018 läuft. Nur noch wenige Wochen, dann dreht sich alles wieder um die wunderbare Welt der Oper. Los geht es bereits am 15. Juni mit einem Pre-Opening für die Festspielwerkstatt in der Reithalle. Nähere Informationen gibt es hier.

Am 23. Juni stimmt dann die Uni Credit Festspielnacht die OFS mit viel Musik und allem rund um Kunst und Kultur auf die kommenden gut vier Wochen ein. 

Am ersten Vorstellungstag der Festspielzeit im Nationaltheater gibt es bereits das erste große Highlight: die erste Festspielpremiere steht an. Am 28. Juni wird sich der Vorhang heben für die Neuinszenierung des Parsifal unter der Regie von Pierre Audi und der Bühnenbildgestaltung von Maler und Bildhauer Georg Baselitz. Schon diese beiden Namen versprechen das Besondere und nicht den Mainstream. Zuletzt hat der aus dem Libanon stammende Regisseur 2009 Georg Friedrich Händels Tamerlano auf die Bühne gebracht. Man darf gespannt sein, was die beiden Künstler, die schon einmal zusammen eine Opernproduktion entwickelt haben, auf die Bühne bringen werden. Sicher ist, dass die musikalische Leitung mit Maestro Kirill Petrenko in keinen besseren Händen liegen könnte. Für den wunderbaren Musiker ist es eine Stückpremiere und damit etwas ganz Besonderes. Kirill Petrenko als Dirigent zu erleben, speziell wenn er Wagner dirigiert, ist ein außergewöhnliches Erlebnis, das unvergesslich bleibt.

Etwas Besonderes ist auch die Besetzung dieser Neuinszenierung, die mit vielen großartigen Sängern ungewöhnlich prominent bedacht ist. Allen voran in der Titelpartie ist der Münchner Startenor und Publikumsliebling Jonas Kaufmann zu erleben. Es ist zwar kein Rollendebüt für den sympathischen Opernsänger, aber sehr strapaziert hat er diese Partie nach eigenen Worten auch nicht gerade. Das letzte Mal stand er in dieser Oper im Jahre 2013 auf der Bühne. Damals gab es eine aufwendige und unvergessliche Neuproduktion an der Metropolitan Opera, die auch auf DVD erhältlich ist. An der Wiener Staatsoper gab es im Anschluss noch einige Repertoire-Vorstellungen. Seitdem hat der 48-jährige diesen Charakter nicht mehr verkörpert. Man darf also gespannt sein, wie sich die Rolle im Laufe der Jahre verändert und entwickelt hat.

An der Seite von Jonas Kaufmann stehen vier weitere wunderbare Künstler in den Hauptpartien: Christian Gerhaher als Amfortas, sicher ein ganz großer Genuss, Rene Pape als Gournemanz (mit ihm hatte der Tenor bereits in New York zusammen gesungen), Wolfgang Koch verkörpert Klingsor und die schwedische Mezzosopranistin Nina Stemme wird als geheimnisvolle Kundry zu erleben sein. Eine Besonderheit dabei: die sympathische Künstlerin wird ihre Rolle als Sopran singen. Fehlt noch der Darsteller des Titurel, Balint Szabo. Es verspricht also auch ein außergewöhnlicher sängerischer Hochgenuss zu werden.

Alle weiteren beteiligten Künstler sind über den oben angesehenen Link zur Bayerischen Staatsoper einzusehen. Sicher gibt es in der nächsten Zeit die ersten Informationen über die Neuinszenierung von Pierre Audi und möglicherweise auch ein paar Fotos. Ansonsten heißt es, noch ein wenig Geduld aufzubringen bis zur Premiere am 28. Juni. Wer nicht in den Genuss einer Eintrittskarte gekommen ist, hat die Gelegenheit, die Vorstellung am 8. Juli bei der Oper für Alle auf dem Opernvorplatz mitzuerleben oder den Stream im Internet mitzuverfolgen. Und es wird dieses Mal eine Übertragung in verschiedenen Kinos innerhalb Deutschlands geben. Eine Liste mit den teilnehmenden Kinos gibt es u.a. auf der Website von Marion Tung.

Am 24. Juni bitte nicht die Premierenmatinee zur Neuinszenierung von Parsifal vergessen, es gibt sogar noch Karten für diese Veranstaltung.

Selbstverständlich ist die Premiere von Richard Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal nur der Beginn. Es wird noch eine weitere Festspielpremiere während der Opernfestspiele geben: Orlando Paladino in der Inszenierung von Filmemacher Axel Ranisch. Am 23. Juli hebt sich der Vorhang für die Premiere im Prinzregententheater. 

Und auch sonst dürfte für jeden Opernliebhaber das passende Stück dabei sein. Es gibt zahlreiche und hochkarätig besetzte Repertoireaufführungen und Liederabende mit großartigen Künstlern wie Anja Harteros, Günther Groissböck, Piotr Beczala. Und die gute Nachricht ist, dass es noch Karten für die Festspiele zu kaufen gibt. Noch ein Hinweis für die Opernliebhaber, die bezüglich ihrer Wunschvorstellungen leer ausgegangen sind: immer einen Blick auf das Kartenforum der Bayerischen Staatsoper haben. Außerdem lohnt es sich immer wieder, vor allem kurzfristig, im Kartenbüro der Staatstheater am Marstallplatz nachzufragen.

Das soll es fürs Erste gewesen sein, mehr Informationen und Beiträge gibt es in den nächsten Wochen, insbesondere zur ersten Festspielpremiere von Parsifal am 28. Juni.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Immer mal wieder im Newsroom für die Opernfestspiele auf der Website der Bayerischen Staatsoper vorbeischauen. Dort gibt es bereits die ersten zwei ganz kleinen Einblicke zur oben genannten Neuinszenierung von Parsifal in der Regie von Pierre Audi mit Jonas Kaufmann in der Titelrolle.

DVD-Rezension:
Otello, Royal Opera House London, mit dem Rollendebüt von Jonas Kaufmann

München, 25.05.2018

Seit dem 11. Mai ist sie endlich auf dem Markt käuflich zu erwerben, die DVD-Aufnahme zur Neuinszenierung von Verdis Meisterwerk Otello mit dem lang erwarteten Rollendebüt des Münchner Startenors Jonas Kaufmann. Der sympathische Opernsänger hatte sich viel Zeit genommen, bis er sich szenisch und in voller Länge an diese vor allem darstellerisch und emotional schwierige Partie heranwagte. An seiner Seite ein Musiker und Dirigent, dem er vollständig vertraut und der nach seiner Aussage genau das gleiche Verständnis und dieselbe Auffassung von Musik und deren Interpretation hat: Antonio Pappano. Unter seiner musikalischen Leitung hat der 48-jährige Münchner schon in unzähligen Rollen sein Debüt gegeben, und auch was den Otello betrifft, war klar, wer sein Wunschkandidat am Dirigentenpult sein sollte.

Das Regiekonzept dieser Neuproduktion stammt von Keith Warner, der zusammen mit Antonio Pappano schon zahlreiche Operninszenierungen erarbeitet hat. Er ist jemand, der die große, auch musikalische Intelligenz der Sänger schätzt und Wert darauf legt, seine Regiekonzepte mit den Sängern auf der Bühne gemeinsam zu entwickeln. Diese Arbeitsweise kommt der von Jonas Kaufmann sehr entgegen, da er sich gerne einbringt und seine Gedanken, Vorschläge aber auch Einwände äußert. Gerade er ist ein Künstler, der sich sehr intensiv mit jeder seiner Rolle beschäftigt, um sie so authentisch wie möglich zu gestalten und auf der Bühne darzustellen. Insbesondere Antonio Pappano hebt die große musikalische und emotionale Intelligenz des Münchners immer wieder hervor. Auch für den Dirigenten, der ebenfalls im positiven Sinne ein Perfektionist ist, sind die manchmal ganz kleinen Details enorm wichtig und aussagekräftig. Die Gefühlswelt der Protagonisten, gerade in Verdis Meisterwerk Otello, glaubwürdig darzustellen und intensiv über die Stimme zu vermitteln, ist der Schlüssel, um die Menschen im Zuschauerraum wirklich und tief zu berühren.

So waren bei dieser Neuinszenierung schon einmal drei immens wichtige Faktoren gegeben. Die Besetzung der Titelpartie mit einem der besten Opernsänger und Tenöre, die es zur Zeit gibt, einem Dirigenten, der so vollkommen mit und in der Musik lebt und mit ihr erfüllt ist, Antonio Pappano, und einem der erfolgreichsten und erfahrensten Regisseure im Bereich der Oper, Keith Warner. Natürlich stand Jonas Kaufmann nicht alleine auf der Bühne, an seiner Seite zwei wunderbare Kollegen: seine Desdemona war hier die italienische Sopranistin Maria Agresta und der teuflische Intrigant Jago wurde verkörpert vom italienischen Bariton Marco Vratogna. Auch der Rest des Cast war erstklassig besetzt. Der Chor, der in dieser Oper durchaus einige starke Momente hat, besonders die grandiose Eröffnungsszene zum Beginn, überzeugt auf ganzer Linie und trägt ebenfalls zu einem großen Erfolg der Neuproduktion bei. Da das lang ersehnte Rollendebüt des Münchner Opernsängers natürlich im Vordergrund stand, geriet vermutlich die zweite Besetzungsvariante mit Gregory Kunde, Dorothea Röschmann und Zeljko Lucic manchmal ein wenig in den Hintergrund, zumindest außerhalb von London.  

Nun aber noch ein paar Worte zum ersten Auftritt von Jonas Kaufmann als Kriegsheld und Feldherr Otello, der auf dem Schlachtfeld so erfolgreich ist und als Mann und Ehepartner auf ganzer Linie versagte, weil die Liebe ihm vollkommen fremd ist, genauso wie die Beziehung zu einer Frau. Und genau dort liegt auch die Herausforderung, diesen Menschen, diesen schwierigen Charakter darzustellen und glaubwürdig zu vermitteln und sich vor allem nicht von den enorm starken, meist negativen Gefühlen wie Hass und Eifersucht mitreißen zu lassen. Dem Münchner Opernsänger ist das bei seinem Debüt bereits sehr gut gelungen, da er seine ganz eigene Interpretation zusammen mit Antonio Pappano und Keith Warner entwickelt hat. Sein Otello ist zwar ein starker Heerführer auf dem Schlachtfeld, sehr intelligent und erfolgreich im Kampf. Als Mensch und Mann vor allem ist er mit den einfachsten Mitteln zu manipulieren. So hat sein angeblich bester Freund und ergebenster Begleiter Jago leichtes Spiel. Einige Worte und ein kleines Stück Stoff reichen aus, um den Eifersuchtsdämon bei ihm einzupflanzen. Immer mehr setzt sich der Gedanke in Otello fest, Desdemona hätte eine Affäre mit Cassio; der Wahnsinn hält immer mehr Einzug in seinen Kopf und lässt ihn am Ende zum eiskalten Mörder werden. Genau diese Entwicklung vom ersten Misstrauen bis zum Mord an seiner Frau, der den Zuschauer erschauern lässt, brachte Jonas Kaufmann „erschreckend“ realistisch auf die Bühne. Der Wahnsinn, aber auch die Verzweiflung und Überforderung mit dem Geschehen spiegeln sich in der Darstellung und vor allem in der Stimme des Künstlers wieder. In jedem Augenblick behält er den engen Kontakt zu seiner Figur. Mimik und Gestik sind ausdrucksstark und vermitteln die Gefühlswelt von Otello intensiv und eindringlich. Es gibt nur eine Szene, in der die Verletzlichkeit des Feldherrn zu Tage tritt, die aber um so wichtiger ist, um den Gegensatz zur massiven Eifersucht und Brutalität zu zeigen. Es ist das Liebesduett im ersten Akt. Diese Zerbrechlichkeit, die nur in diesem Duett zu erleben ist, wird es im Anschluss nicht mehr geben. Jonas Kaufmann nutzt diese eine Szene um die Seite des Feldherrn zu zeigen, die sonst nicht zu Tage tritt. Wenn Otello sich Desdemona öffnet, verletzlich wie ein Kind zu ihren Füssen und in ihrem Schoss liegt, dann ist zu spüren, wie fragil das Gebäude ihrer Liebe ist. Nur kurze Zeit später zerbricht diese Welt für immer. Von nun an beherrschen Eifersucht, Hass und der Wunsch, seine Frau zu töten, seine Gedanken. Langsam hält der Wahnsinn Einzug in Otellos Kopf. Er beleidigt Desdemona, beschimpft sie, wird gar handgreiflich und demütigt sie vor aller Augen. Der eiskalte Mord zum Schluss und der eigene Selbstmord sind die grausamen Folgen von Jagos perfider Intrige. Eindrucksvoll ist es zu erleben, wie Jonas Kaufmann diese extremen Gefühlslagen meistert, die er, so hoffen wir, in der Form noch nicht erlebt hat. Ein Höhepunkt dieser Oper ist die Arie von Otello im dritten Akt: Dio! mi potevi scagliar. Ein Gespräch direkt zu Gott. Unglaublich depressiv, düster und verzweifelt. Im letzten Akt gibt es mit dem Mord an Desdemona und dem anschließenden Selbstmord noch eine weitere Steigerung von Dunkelheit und Wahnsinn.

Der Münchner Opernsänger zeigt in dieser Inszenierung und mit seinem Rollendebüt nicht nur, was für unglaublich große schauspielerische Leistungen er zu bringen in der Lage ist, sondern auch, welch fantastische Entwicklung seine Stimme gemacht hat und wie flexibel sie ist. Diese Partie braucht sowohl die tiefen Register wie klare strahlende Höhen. Die gesangliche Interpretation verlangt in einigen Momenten Zartheit, Zerbrechlichkeit und Verzweiflung und dann wieder soviel Kraft, Energie, Wut, Hass und Eifersucht, die unmittelbar zu spüren sein muss. Der Sänger des Otello braucht eine große Flexibilität in der Stimme und er muss eine sehr gute Kontrolle in den Augenblicken der ganz starken Gefühle und Ausbrüche haben, um sich nicht zu verletzen. All diese Qualitäten bringt der sympathische Münchner mit und damit alle Vorrausetzungen, auch in der Zukunft weitere Erfolge mit dieser Partie zu feiern. Auf dem Youtube-Channel des ROH gibt es zwei Kostproben von dieser DVD genauso wie Einblicke in die Probenarbeit bei dieser Neuproduktion.

Maria Agresta als Desdemona und Marco Vratogna als Jago sind in dieser Produktion Kollegen auf Augenhöhe, die in ihren Rollen aufgehen und sie sowohl darstellerisch als auch gesanglich glaubwürdig auf die Bühne bringen. Der italienische Bariton hätte an manchen Stellen noch dämonischer sein können und etwas vielschichtiger bezüglich Gestik und Mimik. Maria Agresta in der weiblichen Hauptrolle hat mir gut gefallen; sie hat eine angenehme und klare Sopranstimme, die sowohl die leisen Töne wie auch die dramatischen Momente beherrscht. Vielleicht fehlte ihr manchmal das zarte und zerbrechliche in ihrer Darstellung, im vierten und letzten Akt gelang ihr das aber sehr überzeugend. Der Willowsong und das Ave Maria, unglaublich traurig und verzweifelt gesungen, gehören zu den ergreifendsten Momenten in dieser Oper.

Die Inszenierung traf nicht bei jedem auf eine entsprechende Begeisterung, war insgesamt aber sehr stimmig und mit einer engen und intensiven Personenführung verbunden. Kostüme und Bühnenbild ergaben eine perfekte Ergänzung. Die Dunkelheit, die Depression, alle negativen Gefühle wie Hass und Eifersucht und der Wahnsinn, der langsam Einzug hält in Otellos Kopf, wurden eindringlich mit dem Regiekonzept von Keith Warner widerspiegelt. Auch das Teuflische von Jago und die Liebe Desdemonas werden zum Ausdruck gebracht. Ein Spiel mit wenig Licht und viel Schatten.

Das Dirigat von Antonio Pappano war in allen Facetten perfekt, wunderschön, intensiv, eng verbunden mit der dramatischen Geschichte und vor allem immer ganz nah bei den großartigen Sängern auf der Bühne. Dieser Künstler ist so erfüllt von der Musik und von dem, was er tut, dass es überall aus ihm herausströmt und den ganzen Raum erfüllt. Und wenn er am Klavier sitzt und die Welt der Oper erklärt, dann kann man nicht anders, als ihm stundenlang zu lauschen und sich gefangen nehmen zu lassen von soviel Leidenschaft und Begeisterung. Was die italienische Opernliteratur angeht, gibt es zur Zeit keinen Dirigenten, der enger mit dieser Musik verbunden ist als Antonio Pappano.

So kann das Fazit nur lauten: wer noch nicht im Besitz dieser großartigen DVD ist, die es natürlich auch als Blue-Ray-Ausgabe gibt, sollte so schnell wie möglich in die Klassik-Abteilung seines Vertrauens gehen oder das Internet bemühen, um in den unverzichtbaren Genuss dieses Musikereignisses zu kommen.

Die gute Nachricht ist ja, dass es in einem halben Jahr an der Bayerischen Staatsoper in München, genau gesagt im Nationaltheater, eine weitere Chance geben wird, Jonas Kaufmann in der Titelpartie von Verdis Meisterwerk zu erleben. Dann an der Seite des weltweiten Publikumslieblings, seiner häufigsten Bühnenpartnerin und wunderbaren Kollegin Anja Harteros. Mit dieser Konstellation geht sicher nicht nur für mich ein Traum in Erfüllung. Die deutsch-griechische Sopranistin mit der magischen Stimme als Desdemona zusammen mit Jonas Kaufmann als Otello auf der Bühne: ein musikalischer Hochgenuss auf höchstem Niveau, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Auch sollte nicht vergessen werden zu erwähnen, dass Maestro Kirill Petrenko die musikalische Leitung in dieser Neuproduktion übernimmt. Diese Kombination lässt wirklich keine Wünsche übrig. Die Regie für die Neuinszenierung in München wird Amelie Niermeyer übernehmen, die dort vor zwei Jahren eine wunderbare Fassung von Donizettis Oper La Favorite auf die Bühne brachte. Für sie ist Otello vor allem ein intimes Kammerspiel, bei dem sie den Hauptfokus auf das ungleiche Ehepaar legen wird. Eine spannende Herangehensweise, die viel Raum für zwei Sängerdarsteller wie Jonas Kaufmann und Anja Harteros lässt. Premiere ist am 23. November dieses Jahres.

Ein Hinweis noch in eigener Sache: Auf meinem Blog gibt es aus dem letzten Jahr eine ausführliche Kritik über den Otello aus London zu lesen sowie von der Staatsoper Hamburg aus dem Jahr 2016.


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Dem Himmel so nah!
L´Opéra – Startenor Jonas Kaufmann singt französische Opernarien im Wiener Konzerthaus

München, 15.05.2018

Am Sonntag, dem 13.Mai, am Muttertag, um genau zu sein, gab der Münchner Startenor Jonas Kaufmann sein zweites Konzert mit französischen Opernarien im Rahmen einer Minitournee. Nach der Meistersingerhalle in Nürnberg am letzten Mittwoch war am Sonntag nun Wien und sein wunderschöner Konzertverein an der Reihe, mit der Stimme dieses Ausnahmesängers erfüllt zu werden.

An der Seite des sympathischen Künstlers waren auch an diesem Abend die amerikanische Mezzosopranistin Kate Aldrich. Mit ihr zusammen hatte der Tenor im Juli 2015 beim Festival in Orange bereits in einer Neuinszenierung von Carmen auf der Bühne gestanden. Ein unvergessliches Erlebnis, die beiden Künstler gemeinsam in dieser Oper und mit diesem traumhaften Ambiente zu erleben. Außerdem mit dabei am Dirigentenpult Jochen Rieder, der den Opernsänger schon lange Zeit auf seinen verschiedenen Konzertreisen begleitet. Beide verbindet eine lange Freundschaft und das schafft Vertrauen, was man dann auch von Beginn an im Konzert spürt. Unter der Leitung von Jochen Rieder spielt an allen drei Terminen (Nürnberg 9.5., Wien 13.5. & Stuttgart 16.5.) die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

Das Konzertprogramm war sowohl in Nürnberg als auch in Wien das gleiche (inklusive der drei Zugaben) und dürfte sich auch in Stuttgart nicht ändern. Zu hören war ein wunderschönes Programm französischer Arien, zusammengestellt von der aktuellen CD L´Opéra. Ergänzt wurden die Arien von verschiedenen Instrumentalstücken des französischen Opernrepertoires wie z.B. die Ouvertüre zu Mignon von Ambroise Thomas oder Die Rheinnixen von Jacques Offenbach. Und auch die bildhübsche und stimmgewaltige Mezzosopranistin war in einem Soloauftritt zu erleben, sie sang die Habanera aus George Bizets Oper Carmen und verzauberte mit ihrem Charme und ihrer Stimme das Publikum. Die zwei Duette mit Jonas Kaufmann aus Werther und Carmen kommen selbstverständlich noch zur Sprache.

Jetzt aber erst einmal zur Hauptperson des Abends und dem Grund für ein restlos ausverkauftes Wiener Konzerthaus: der Münchner Opernsänger, Startenor, Ausnahmesänger und Künstler und Publikumsliebling Jonas Kaufmann. Elegant im Frack, mit perfekt getrimmtem Dreitagebart, Lockenkopf und seinem unwiederstehlichen Charme, reichte schon das Betreten der Bühne im Wiener Konzerthaus aus, um das Publikum (insbesondere das weibliche) um den kleinen Finger zu wickeln. Als sich das erste Mal die Tür für Jochen Rieder, den Dirigenten des Abends öffnete, war für einen kurzen Augenblick das wohlbekannte und so ansteckende Lachen des Sängers zu hören, der in jedem Fall entspannt und bester Laune war.

Bereits mit der ersten Arie (Pays merveilleux! …O paradis) aus Giacomo Meyerbeers Oper L´Africaine setzte der Sänger ein eindrückliches Zeichen seines Könnens und eroberte gleich vom ersten Moment an sein Wiener Publikum. Als Dank gab es Jubelrufe und begeisterten Applaus, das änderte sich danach selbstverständlich nicht mehr. Der Ausnahmesänger verzauberte mit zartesten Piani, die man bis in die letzte Reihe hört, einer kraftvollen Mittellage, seinem warmen baritonalen Timbre, strahlenden Höhen und seiner perfekten Diktion. Dazu ist der Münchner Startenor in der Lage, nur mittels seiner Stimme die unterschiedlichen Charaktere darzustellen und ihre Gefühlslagen wie Angst, Verzweiflung und Schmerz authentisch, berührend und sehr intensiv zu vermitteln. Seine Stimme nimmt immer den direkten Weg, über und durch die Musik in die Herzen seiner Zuhörer. „Wenn die Stimme die Seele berührt…“ So auch am Abend des 13. Mai im Wiener Konzerthaus.

Da es eindeutig zu lange dauern würde, das gesamte Programm zu besprechen, habe ich mich für einige Highlights entschieden: die Arie des Don Jose La fleur que tu m´avais jetée aus der Oper Carmen, des weiteren die Arie des Eleazar Rachel, quand du Seigneur aus Jacques Fromental Halévys Oper La Juive sowie die Duette Il faut nous separer aus Jules Massenets Oper Werther und  aus Carmen das dramatische Schlussduett: C´est toi? C´est moi. Zu den drei Zugaben komme ich am Schluss noch gesondert.

Der Don Jose ist ganz sicher nach wie vor eine Traumrolle für den Münchner Opernsänger, und so stand plötzlich nicht mehr Jonas Kaufmann dort oben, sondern Don Jose, der Carmen seine Gefühle, seine Liebe offenbart und dass er für sie durch die Hölle gegangen ist. Das J´taime am Ende der Arie, verzweifelt und flehend gesungen, ganz leise und zart, ja zerbrechlich. Es gibt neben Jonas Kaufmann für mich nur zwei Kollegen, die sich mit ihm die Krone für die gesangliche und darstellerische Interpretation für diese Partie teilen: Roberto Alagna, der diese Rolle schon sehr lange fest in seinem Repertoire hat, und Piotr Beczala, der dieses Jahr sein Rollendebüt in Wien gab.

Eine Arie, die, wie ich an der Bühnentür erfahren habe, nicht nur mich sehr beeindruckt hat, sondern auch dem Künstler selbst sehr am Herzen liegt, stammt aus der Oper La Juive von Jacques Fromental Halévy. In Rachel, quand du Seigneur kämpft ein Vater darum, seine Tochter vor dem Tod zu bewahren, er bittet sie um Verzeihung, fleht zu Gott um Gnade für sie. Es gibt Momente, die einen ohne Vorwarnung erwischen, und als der Münchner Opernsänger diese Arie zu Gehör brachte, war das so einer. Mit so viel Verzweiflung, Angst und Schmerz in der Stimme war es nicht notwendig, auch nur ein einziges Wort zu verstehen, sämtliche Gefühle offenbarten sich direkt, erfüllten den Raum im Wiener Konzerthaus und füllten manch Auge mit Tränen der Rührung. Bewegende Augenblicke, die man niemals vergisst und die nur eine Handvoll Sänger so auszulösen in der Lage sind. Es geschieht immer dann, wenn der Künstler sich so mit der Musik und der Figur und ihrer Geschichte verbindet, dass die Grenzen fast verschwinden. Eine wirkliche Gabe, die ausgesprochen kostbar und selten ist. Jonas Kaufmann konnte auch oder gerade bei dieser Arie sein ganzes Können, seine Kunst unter Beweis stellen. Er demonstrierte die gesamte Bandbreite seiner Stimme; zarteste Piani, kraftvolle Passagen im Forte, seine wunderbare baritonal gefärbte warme Mittellage, hohe Spitzentöne und immer in wunderbarer Klarheit und mit einer perfekten Diktion.


Fehlen noch die zwei Duette mit seiner Bühnenpartnerin Kate Aldrich. Zum einen war da als Abschluss des ersten Teils im Konzert das Finale des ersten Aktes aus Jules Massenets Musikdrama Werther (nach dem gleichnamigen Roman von Johann Wolfgang Goethe), Il faut nous separer. Charlotte und Werther kommen vom Ball zurück, treffen ein am Haus von Charlottes Familie. Werther gesteht ihr zart seine Gefühle, Charlotte erzählt ihm die Geschichte um ihre verstorbene Mutter, und von ihrer Zartheit und Kraft zugleich beeindruckt, gesteht er ihr überwältigt seine Liebe. Gerade als sie ihm Antwort geben will, ein wenig überfordert von seiner Leidenschaft, kehrt ihr Verlobter zurück. Da sie ihrer Mutter an deren Totenbett den Eid geschworen hat, Albert zum Mann zu nehmen, gibt es für sie und Werther keine gemeinsame Zukunft. Charlotte wendet sich ab und geht, der junge Mann bleibt verzweifelt alleine zurück mit dem Wunsch zu sterben, wenn er ohne sie leben muss. Und genau diese kleine Zusammenfassung gab es von dem Münchner Opernsänger und der amerikanischen Mezzosopranistin zu erleben. Wobei festzustellen ist, dass der temperamentvollen Künstlerin die Rolle der Carmen auf den Leib geschrieben ist, die Rolle der Charlotte hat sie für mich nicht ganz so authentisch vermittelt. Es fehlte in der Stimme und in der Darstellung das Zarte, das Zurückhaltende. Bei Jonas Kaufmann hingegen regte sich nicht nur bei mir der starke Wunsch, ihn in dieser Partie wieder einmal auf der Bühne erleben zu wollen. Dazu trug auch die erste der drei Zugaben bei. Es ist einfach wie für ihn gemacht: die Musik, die Geschichte, die Rolle. Alles vereint sich am Ende perfekt in seiner Stimme und mit seiner Interpretation auf der Bühne.

Zum Abschluss des offiziellen Teils in diesem Konzert gab es noch ein weiteres Duett, und dieses Mal waren beide Künstler wieder auf Augenhöhe. Jonas Kaufmann und Kate Aldrich verwandelten sich vor den Augen der Zuschauer ohne Kostüme und Make up in die Figuren der Carmen aus George Bizets gleichnamiger Oper und Don Jose. Es kam das finale Duett C´est toi? C`est moi! zur Aufführung. Und die beiden Opernsänger demonstrierten eindrucksvoll, dass es absolut nicht notwendig ist, ein Bühnenbild zu haben oder Kostüme, wenn die Darstellung so intensiv ist wie auch die gesangliche Interpretation. Und die Zuschauer bekamen eine Darbietung, die sie so schnell nicht wieder vergessen werden. Die beiden Künstler nahmen fast die gesamte Länge der Konzertbühne in Anspruch und kreierten eine dichte und spannungsgeladene Athmosphäre. Mimik, Gestik und Stimme unterstrichen jede Gefühlsregung und die aussichtslose Lage, in der sich beide Figuren befinden. Der Münchner Ausnahmesänger demonstrierte auf eindrückliche Weise den schon oft zitierten Begriff „kontrollierte Ekstase“. Während sein Don Jose am Anfang noch zart um Carmens Liebe fleht, steigert sich im Laufe der Zeit die Verzweiflung und wandelt sich in extreme Eifersucht. Immer mehr gerät er in Rage, droht, packt sie brutal, schüttelt sie, tobt vor Wut. Und Kate Aldrich in ihrer Rolle reizt ihn bis aufs Blut, demütigt ihn, verweigert ihre Liebe, ist längst mit den Gedanken bei ihrem neuen Liebhaber. Sie weiß, dass sie diese Situation nicht lebend verlassen, dass Don Jose sie töten wird, damit niemand anderes sie haben kann. Und so kommt es am Ende zum Unabwendbaren: wie von Sinnen ersticht Don Jose seine ehemalige Geliebte, das imaginäre Messer des Münchner Tenors war dabei fast in seiner Hand zu sehen. Wenn er am Ende verzweifelt ruft: „Ihr könnt mich festnehmen… Ich habe sie getötet. Ach! Carmen! Meine angebetete Carmen!“, drückt er sie fest an sich und vergräbt sein Gesicht in ihrer Schulter. Fine! 

Und dann? Natürlich tosender und nicht enden wollender Applaus! Das Wiener Publikum brachte seine große Begeisterung und Freude zum Ausdruck und feierte die zwei Sänger für ihre fantastische Leistung.


Dann folgten selbstverständlich noch die Zugaben, zu Beginn die bereits erwähnte Arie aus Werther, wunderschön gesungen vom Münchner Opernsänger mit so viel Verzweiflung und Inbrunst. Kraftvoll, klar, mühelos. Und wieder ein deutlicher Hinweis, dass er den Werther unbedingt noch einmal auf der Opernbühne verkörpern sollte. Die zweite Arie aus Jules Massenets Oper Manon hingegen ganz zart, leise, in sich gekehrt. Auch bei den drei Zugaben zeigte der Tenor mit der Samtstimme sein ganzes Können: die Piani, bis in die letzte Reihe zu hören, die wunderschönen Legatobögen, der perfekt eingeteilte Atem, die kraftvollen Ausbrüche, makellose Höhen und eine unglaublich angenehme warme baritonale Mittellage. Und natürlich die Gabe, mit seiner Stimme all die Gefühle direkt in die Herzen seiner Zuhörer zu transportieren.

Am Schluss gab es in allen drei Städten (Nürnberg, Wien und Stuttgart) noch eine sehr bezaubernde kleine Überraschung. Gemeinsam vorgetragen von Jonas Kaufmann und Kate Aldrich: die Barcarole aus Jacques Offenbachs Les Contes d'Hoffmann. Und ich kann sagen, dieses Mal hatten besonders die zwei Sänger auf der Konzertbühne ihre ganz große Freude daran, das bezaubernde Duett zu interpretieren. Bell nuit, o nuit d´amour (Schöne Nacht, du Liebesnacht). Über den Opera Guide ist die Szene, aus der die Barcarole stammt, genau nachzulesen. Die Beschreibung lautet bei Wikipedia: Ein Palazzo in Venedig. Zu den Klängen einer Barcarole besingen Nicklausse (Mezzosopran) die Kurtisane Giuletta (Sopran) und ihre Gäste die Nacht und Liebe. In diesem Duett übernahm die amerikanische Mezzosopranistin die Partie von Nicklausse. Und jetzt darf geraten werden, welche Rolle der sympathische Münchner übernahm… genau, die Sopranpartie der Kurtisane Giuletta! Natürlich angepasst an seine Stimmlage. So demonstrierte Jonas Kaufmann wieder einmal, dass er eine ordentliche Portion Selbstironie besitzt, und gestaltete auch diese Rolle, ohne in irgendeiner Weise zu übertreiben, mit einem Augenzwinkern. Der Münchner durfte sozusagen seine weiche und feminine Seite offenbaren. Eine kleine Anspielung gab es übrigens bezüglich des Rollentauschs: Kate Aldrich übernahm für die Zeit des Duetts den Frack ihres Bühnenpartners, der im Gegenzug das Angebot, ihr Kleid zu tragen, mit einer Handbewegung dankend ablehnte. Während der Opernsänger seiner Kollegin in Wien noch seinen Frack „freiwillig“ angeboten hatte, „nahm“ sich die Mezzosopranistin in Stuttgart das gute Stück einfach ohne zu fragen. In jedem Fall hatten die zwei Künstler einen riesigen Spaß an ihrer Darbietung und steckten mit ihrer Freude binnen Sekunden das gesamte Wiener Publikum an. 

Alle drei Varianten der Barcarole und noch ein wenig mehr gibt es ganz sicher auf YT zu finden oder auch an anderer Stelle im WWW.


Am Ende gab es noch mehr Applaus, unzählige Bravo-Rufe und Standing Ovation. Immer wieder mussten die Künstler rauskommen, genossen die große Anerkennung und bedankten sich ihrerseits beim restlos begeisterten Publikum für einen traumhaften Abend. Auch gab es diverse Handküsschen vom Münchner Publikumsliebling und ein strahlendes Lachen. Auch Kate Aldrich wirkte entspannt, gelöst und äußerst zufrieden.

Zum Schluss noch ein paar Worte zum Orchester und ihrem Dirigenten. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Jochen Rieder lieferte eine wirklich gute Leistung ab und trug so ebenfalls zu einem sehr gelungenen Abend im Wiener Konzerthaus bei. Das Orchester, dessen „Residenzstadt“ Ludwigshafen ist, wurde beim Echo Klassik 2015 als Orchester des Jahres ausgezeichnet und in der Spielzeit 2016/17 vom Deutschen Musikverleger-Verband für das beste Konzertprogramm geehrt.

So endete am 13. Mai gegen 22 Uhr ein wunderschöner, unvergesslicher Konzertabend in Wien, und man kann sagen, in diesen zwei Stunden musikalischer Glückseligkeit war der Himmel schon sehr nah…


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Alle Videos zum Konzert in Nürnberg und Wien:
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Der Tod als Triumph der Liebe
Andrea Chénier an der Wiener Staatsoper

München, 02.05.2018

Am Abend des 23. April 2018 war es soweit. An der Wiener Staatsoper hob sich der Vorhang für die erste Vorstellung von Umberto Giordanos Revolutionsoper Andrea Chénier mit dem Traumpaar der Opernbühne, Jonas Kaufmann und Anja Harteros. In der Folge gab es noch drei weitere am 26.4., 29.4. (inklusive Livestream) und 2.5. Ich berichte hier von den ersten drei Aufführungen in einer möglichst weitreichenden Zusammenfassung.  

Die Musik von Umberto Giordanos Oper ist mitreißend, kraftvoll, leidenschaftlich, intensiv, berauschend und mit unendlich vielen Emotionen angereichert, die in jedem Augenblick zu spüren sind. Es gibt kaum einen Moment mit der Möglichkeit Luft zu holen, weder für die Sänger auf der Bühne, noch für die Besucher im Opernhaus.

Von Beginn an wurde klar, warum der Münchner Startenor und die zur Zeit beste und vielseitigste Sopranistin die idealen Darsteller für die Partien des Poeten und seiner großen Liebe Maddalena di Coigny sind, stimmlich und darstellerisch. Und auch Roberto Frontali als Carlo Gérard war die optimale Besetzung mit einer starken Bühnenpräsenz und einer ebenso kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme. Der Lohn war in jeder Vorstellung ein begeisterter Zwischenapplaus nach seiner großen Arie Nemico della partria im dritten Akt. Er vermochte die Zerrissenheit seiner Figur und auch dessen große Verzweiflung über seine unerfüllte Liebe glaubwürdig und nachhaltig zu vermitteln. Roberto Frontali war somit ein Kollege auf Augenhöhe mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros. Und auch der Rest des Ensembles war gut besetzt und trug bei jeder Vorstellung zu einem wunderbaren und gelungenen Abend bei. So zum Beispiel Orhan Yildiz in der Partie des Roucher am 23.4. und 26.4. (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) oder Boaz Daniel (langjähriges Ensemblemitglied), der am 29.4. und 2.5. den besten Freund des Dichters verkörperte. Alle weiteren Mitwirkenden sind auf der Website des Opernhauses nachzulesen. Die musikalische Leitung in dieser Repertoire-Serie hatte der italienische Dirigent Marco Armiliato inne, der sehr regelmäßig an der Wiener Staatsoper zu erleben ist. Als nächstes steht der sympathische Musiker für die Neuproduktion von Samson et Dalilah am Dirigentenpult, Premiere ist bereits am 12. Mai. Unter seiner Leitung spielte das Orchester der Wiener Staatsoper, leider mitunter etwas zu euphorisch, man könnte auch sagen, dass die Sänger auf der Bühne es nicht immer leicht hatten, gegen die Lautstärke anzusingen. Dass es in der ersten Vorstellung am 23.4. ein paar Probleme mit der Synchronität gab, sei wohl der Tatsache geschuldet, dass es bei Repertoire-Aufführungen keine besonders ausgedehnten Proben gibt und so die erste Vorstellung ein wenig zur Orchesterprobe gerät. Zum Glück war dieses Problem am 26.4. bereits behoben.

Die Inszenierung ist wirklich ein wenig wie aus einer anderen Zeit (ins Leben gerufen vor 37 Jahren von Otto Schenk). Nach den Neuinszenierungen 2015 in London, wiederaufgeführt in Barcelona im März dieses Jahres, sowie der Neuproduktion im Jahre 2017 in München wirkt das Konzept von Otto Schenk (der die Wiederaufnahme persönlich begleitete) ein wenig angestaubt. Das Bühnenbild im ersten Akt ist recht überladen, die folgenden Akte sind aber deutlich zurückhaltender gestaltet. Die Kostüme, insbesondere die für die Partie des Andrea Chénier, sind sehr schön und unterstreichen den Charakter des Poeten positiv. Letztendlich bleibt es wohl Geschmackssache, ob klassisch konservativ oder modern inszeniert. Gegen die klassische Variante ist also überhaupt nichts einzuwenden.


Fotos: © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

In dieser Repertoire-Serie standen mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros zwei der großartigsten Sänger unserer Zeit auf der Bühne, hauchten den Geschehnissen und ihren Figuren Leben ein und entfachten wieder einmal den Zauber der Oper, der einen ergreift und niemals mehr loslässt. Auf diese beiden Sänger und ihre Rollen möchte ich nun noch abschließend ein wenig näher eingehen. Wie schon erwähnt, sind sie für mich derzeit die Idealbesetzung und verleihen ihren Figuren eine Tiefe und Authentizität wie kaum ein anderer ihrer Kollegen zur Zeit. Jeweils alleine schon ein Genuss, entfachen sie gemeinsam eine Energie und Leidenschaft, die man selten so intensiv und unmittelbar erlebt. Man spürt diese unglaubliche Verbundenheit und das tiefe Vertrauen der beiden zueinander. Zu wissen, was der andere tun wird, was er braucht, und sich gegenseitig zu Höchstleistungen anzutreiben und den gemeinsamen Rausch zu genießen, genau das überträgt sich auf die Menschen im Zuschauerraum.

Der Münchner Publikumsliebling, dem hier in Wien eine große Liebe und Anerkennung widerfährt, genau wie der schönen deutsch-griechischen Sopranistin, hat in seiner Rolle als Dichter Andrea Chénier (er gibt hier sein Wiener Rollendebüt) gesanglich besonders viel zu leisten: in jedem Akt eine wunderbare Arie und je ein großes Duett im zweiten und vierten Akt. Und er hat sein Publikum nicht enttäuscht. Mitreißend und leidenschaftlich beim Improvviso im ersten Akt, in tiefer Liebe entfacht im zweiten (Credi al destino). Im dritten Akt um sein Leben kämpfend und gegen den Verlust seiner Ehre (Si, fui soldato), im vierten Akt tief traurig und verzweifelt den Tod vor Augen und Abschied nehmend von seiner Liebe und dem Leben (Come un bel di di maggio). Die vierte und letzte Arie berührt am meisten und ist für mich die schönste der vier Tenorarien. Der Münchner Opernsänger spielte wie immer sein ganzes Können aus, verwandelte sich auf der Bühne in den Dichter, der in die Wirren der französischen Revolution gerät und in der Grafentochter Maddalena di Coigny seine große Liebe findet, und er nimmt die Opernbesucher mit auf eine Reise in eine andere Zeit. Er liebt, kämpft, leidet und stirbt, und jede Sekunde nimmt man ihm die Gefühle ab, die seine Figur auf der Bühne erlebt. 

Kommen wir zur langjährigen Bühnenpartnerin von Jonas Kaufmann, der wunderbaren, wunderschönen Anja Harteros. Wenn diese Ausnahmekünstlerin ihre Stimme erhebt und durch den Raum schwebt, dann bleibt kein Auge trocken, kein Herz unberührt. Sie besitzt genau wie der Münchner Opernsänger die ganz besondere Gabe, die Menschen mit ihrer Stimme tief ins Herz und in die Seele zu treffen. Jeder Ton, jede Phrase, die sie singt, klingt einfach so mühelos und klar. Man versteht jedes Wort, spürt jedes Gefühl, das sie vermittelt. Als Maddalena di Coigny verwandelt sie sich von der ein wenig naiven und unbeschwerten jungen Aristokratin in eine Frau, die um ihr Leben kämpft, um ihre Liebe, und am Ende bereit ist, mit dem Geliebten in den Tod zu gehen. Ihre Arie La mamma morta im dritten Akt ist neben dem Come un bel di di maggio einer der schönsten und ergreifendsten Momente dieser Oper. Wer Anja Harteros einmal diese Arie hat singen hören, kann sich nicht vorstellen, diese noch einmal schöner und ausdrucksstärker zu erleben. 

Die Duette der beiden Künstler gehörten zu den musikalischen Höhepunkten an jedem Abend, insbesondere das Schlussduett im vierten Akt Vicino a te. Wenn die zwei Ausnahmesänger sich gemeinsam in eine Art Rausch zu singen scheinen und als Andrea Chénier und Maddalena, den Tod vor Augen, wie von Sinnen ihre Liebe für immer bewahren wollen, dann gibt es nichts Schöneres. Und überwältigt von so viel Gefühl, endet diese Oper. Der Dichter und seine Maddalena besteigen den Wagen, der sie zum Schafott bringt, und eng umschlungen verschwinden beide in der aufgehenden Sonne. Der Vorhang fällt. 

In Ordnung, das ist jetzt ein wenig kitschig. Aber wunderschön und unvergesslich. 

Am Ende gab es einen hochverdienten und tosenden Schlussapplaus, Standing Ovations, immer wiederkehrende Jubelrufe und eine Begeisterung, die die Mitwirkenden auf der Bühne und im Orchestergraben für eine sensationelle Leistung gebührend belohnte. Mit großer Rührung nahmen die Künstler die Dankbarkeit und Freude der Zuschauer entgegen und bedankten sich ihrerseits bei einem wie immer wunderbaren Wiener Publikum. Ich bin froh und glücklich, dabei gewesen zu sein, und verneige mich in Dankbarkeit und Ehrerbietung vor allen Mitwirkenden.

Giuseppe Verdis Luisa Miller live im Kino aus New York

München, 22.04.2018

Am 14. April 2018 wurde live aus der New Yorker Met Giuseppe Verdis Luisa Miller weltweit auf die Kinoleinwände übertragen. Die Besetzung alleine war an diesem Abend herausragend und so war der Kinosaal ausverkauft, nicht nur in den Lichtspielen Gröbenzell, etwa 18 km von München entfernt.

Es gab gleich mehrere Debüts in dieser Neuinszenierung. In der Titelpartie sang Sonya Yoncheva zum ersten Mal die Rolle der Titelheldin, der polnische Tenor Piotr Beczala gab sein Debüt als Rodolfo. Als Luisas Vater war einer der außergewöhnlichsten Opernsänger zu erleben: Placido Domingo. Nächstes Jahr feiert dieser Ausnahmekünstler an der Metropolitan Opera sein 50jähriges Jubiläum. 1971 sang er dort die Partie des Rodolfo und kehrt nun als Luisas Vater in dieser Oper wieder auf die Bühne der Met zurück. Weitere großartige Sänger in dieser Produktion sind der russische, 1976 geborene Bass Alexander Vinogradov in der Rolle des Grafen Walter und der ukrainische Bass Dmitry Belosselskiy als teuflischer Intrigant Wurm. Fehlt nur noch die russische Mezzosopranistin Olesya Petrova in der Rolle der Gräfin Frederica, die zwar eine angenehme Stimme hat, aber insgesamt etwas zurückblieb hinter dem Rest des Ensembles. 

Am Dirigentenpult stand der französische Dirigent Bertrand de Billy, für die Inszenierung zeichnete Elijah Moshinsky verantwortlich. Diese Neuproduktion ist wohl ganz eindeutig als klassisch zu bezeichnen, so wie sie die Opernfans in New York lieben. Es ist eine schöne Inszenierung, die durchaus nicht eingestaubt wirkt, sondern liebevoll bis ins Detail gestaltet ist. Alles ist stimmig, verbindet sich nachvollziehbar mit der tragischen Geschichte und der wunderbaren Musik von Verdi. Diese Oper hat alles, was ein unvergesslicher Abend braucht: Liebe, Hass, Eifersucht, Intrigen, ein tragisches Liebespaar, einen teuflischen Bösewicht, zwei Väter, die aus unterschiedlichen Beweggründen und mit verschiedenen Mitteln um das Glück ihrer Kinder kämpfen. Es gibt natürlich auch einige schöne Chöre, die wunderbaren Arien und Duette und die dramatischen Auseinandersetzungen und tragischen Geflechte zwischen den Protagonisten stehen aber im Vordergrund. Die traurige Liebesgeschichte von Luisa und Rodolfo berührte in der Darstellung der bulgarischen Sopranistin Sonya Yoncheva und des polnischen Tenors Piotr Beczala die Zuschauer.

Besonders der sympathische Opernsänger wird von Rollendebüt zu Rollendebüt immer stärker, die Stimme immer ausdrucksstärker und die Darstellung auf der Bühne immer intensiver. So auch bei diesem Rollendebüt des jungen Grafensohns Rodolfo. Hier konnte der polnische Tenor zeigen, wie weit sein stimmliches Spektrum reicht, von Belcanto im ersten Akt bis hin zu Ansätzen im letzten Akt, die an Otello erinnerten. Piotr Beczala agiert sehr natürlich und seine Darstellung ist authentisch und berührt daher die Zuschauer ganz besonders tief.

Der bulgarischen Sopranistin Sonya Yoncheva scheint die Partie der Luisa Miller auf den Leib geschrieben. Sie leidet, kämpft und opfert sich für den Geliebten und den Vater und versucht ihr eigenes Leben und Glück zu retten. Am Ende geht sie dann doch, wenn auch unschuldig, zusammen mit ihrem Rodolfo in den Tod und stirbt in den Armen ihres Vaters.

Sonya Yoncheva und Piotr Beczala sind insbesondere für diese Oper die ideale Besetzung und hoffentlich ein weiteres Mal zusammen auf der Bühne zu erleben. Erwähnt werden müssen unbedingt noch einmal die zwei Bässe Alexander Vinogradov und Dmitry Belosselskiy. Zwei ausdrucksstarke Stimmen, die überzeugen, und Sängerdarsteller, die glaubhaft ihre Charaktere auf die Bühne bringen. Der Vater, der mit seinen fragwürdigen Mitteln versucht, das Glück seines Sohnes zu erzwingen und zu beeinflussen und am Ende sein Kind verliert. Sowie der machtgierige und teuflische Sekretär Wurm, der seine Pläne, Luisa zur Frau zu nehmen, mit aller Bösartigkeit und Kälte durchsetzt. Der Lohn am Ende ist der Tod, ausgeführt als Rache durch Rodolfo in seinen letzten Atemzügen. 

Zu Placido Domingo zu schreiben, fällt mir nur bedingt leicht. Die Bühnenpräsenz ist beeindruckend und nach wie vor ungebrochen. Was die Kraft angeht und die Stimme, muss man aber leider Abzüge vermerken. Dank Bertrand de Billy konnten insbesondere im ersten Akt einige Schwächen kaschiert werden, wenn auch nicht vollständig. Der französische Dirigent bemühte sich nach allen Kräften, seine Legende auf der Bühne zu unterstützen, hatte aber zum Teil Mühe, dem Tempo von Placido Domingo während seiner Arie zu folgen, der erleichtert schien, als diese beendet war. Auch die Töne saßen nicht immer unbedingt dort, wo sie sein sollten… Aber man muss bedenken, wie lange dieser Opernstar schon auf den Bühnen der Welt steht, und so vergibt man doch die eine oder andere kleine Schwäche. 

Zum Schluss noch ein großes Kompliment an den Dirigenten, der immer mit seinen Sängern war und sein Orchester mit genauer Sorgfalt leitete und sensibel durch den Abend führte. Bertrand de Billy trug damit wesentlich zum Gelingen dieser Vorstellung am 14. April 2018 in New York bei. 

So gab es am Ende verdienten Applaus und Standing Ovations für alle Beteiligten dieser Produktion, für die Sänger auf der Bühne, die Musiker im Orchestergraben und den Dirigenten am Pult. 

Dieser Abend macht Lust auf mehr, auf den Besuch in einem Opernhaus und auch mal wieder auf einen Besuch im Big Apple.

Die Lieblingsopernmagazine für den Monat April

München, 16.04.2018

Seit gut zwei Wochen sind die Ausgaben von Das Opernglas und Oper! Das Magazin auf dem Markt. Diese Ausgaben anzuschaffen lohnt nicht nur für die Fans des deutschen Startenors Jonas Kaufmann (der Andrea Chénier aus Barcelona wird in beiden Magazinen ausführlich besprochen), sondern auch für jeden anderen Liebhaber dieses wunderbaren und kostbaren Musikgenres.

Es gibt zahlreiche Interviews, Artikel, Kritiken, Fotostrecken und unzählige Informationen zum Geschehen aus der Welt der Oper. Schön, kreativ und abwechslungsreich gestaltet, macht das Lesen und Stöbern viel Freude und Lust, wieder selbst eine Vorstellung in einem der zahlreichen europäischen Opernhäuser zu besuchen oder sich eine neue CD oder DVD anzuschaffen. Also schnell ins Zeitungsgeschäft, die gut sortierte Musikabteilung oder auch in den Opernshop.

Hier sind, wie gewohnt, die Links zu den entsprechenden Seiten mit Infos über die verschiedenen Inhalte: 

Les Vêpres siciliennes:
Verdis selten gespieltes Musikdrama an der Bayerischen Staatsoper in München am 25.03.2018

München, 30.03.2018

Heute Abend geht erst einmal die letzte Vorstellung von Les Vêpres siciliennes in dieser Premieren-Serie über die Bühne. Neu inszeniert von Antú Romero Nunes und unter der musikalischen Leitung des israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber. Für Regisseur und Dirigent ist es nicht die erste Arbeit an der Bayerischen Staatsoper. Omer Meir Wellber dirigierte u.a. vor einem Jahr die Neuinszenierung von Andrea Chénier und Antú Romero Nunes gestaltete hier bereits einen umjubelten Wilhelm Tell. Auch die Premiere von Les Vêpres siciliennes war mit Beifall und Zuspruch versehen und alle weiteren Vorstellungen waren ausverkauft. Heute Abend ist nun bis zu den Festspielen im Sommer die letzte Gelegenheit, dieses Werk in München auf der Bühne zu erleben. Eine weitere Chance für Karten gibt es bereits im November dieses Jahres, siehe im Programm der neuen Spielzeit 2018/19. Die Besetzung wird sich im Herbst in einigen Partien verändern. Der bereits bei der Premiere angeschlagene amerikanische Tenor Bryan Hymel erhält eine neue Chance in der Rolle des Henri, die Partie des Guy de Monfort übernimmt der russische Sänger Dimitri Platanias. Helena Zubanovich als Ninetta, die kurz vor Probenbeginn eingesprungene Sopranistin Rachel Willis-Sorensen als Helene und Erwin Schrott als Procida bleiben dem Opernbesucher auch in den nächsten Vorstellungen erhalten. Mein persönlicher Hinweis: Achten Sie auf Boris Prygl in der Rolle des Le Comte de Vaudemont. Der junge Bariton/Bass-Bariton, einer der neuen Mitglieder im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper, hat ganz sicher eine große Karriere in der Welt der Oper vor sich. 

Nun aber zu Verdis Werk, einer mitreißenden Musik und der Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper vom jungen Theaterregisseur Antú Romero Nunes. Und natürlich zur Besetzung in dieser Premieren-Serie, die ja bereits vorher schon einige Änderungen mit sich brachte und auch bei der ersten Vorstellung nicht Halt machte. Schon bei der fast zehnminütigen wunderschönen Ouvertüre fragt man sich, warum in aller Welt wohl dieses Werk so selten auf den Spielplänen der verschiedenen Opernhäuser in Europa und der Welt auftaucht. Ja, die Handlung ist eine der kompliziertesten in der Musikgeschichte und auch die Orchestrierung ist recht aufwendig, und sicher, man benötigt für jede der Hauptpartien und Rollenprofile starke und flexible Stimmen und Sängerdarsteller auf der Bühne, um die Charaktere entsprechend glaubwürdig und mit der notwendigen Tiefe darzustellen. Auch die Sprache spielt eine Rolle bei der Aufführungshistorie dieser Oper. Von Verdi damals für die Grand Opera in Paris in französischer Sprache komponiert, wird das Werk heute doch mehr in italienischer Sprache gesungen. Zuletzt muss man erwähnen, dass aufgrund der damaligen Tradition in Paris die Oper auch ein umfangreiches Ballett enthielt, das so erst einmal nichts mit der Handlung zu tun hat.

In der Münchner Neuinszenierung bricht Regisseur Antú Romero Nunes mit seinem Ballett mit einer Mischung aus Techno-Musik und klassischen Orchester-Rhythmen und einer modernen Tanz-Choreographie das Geschehen und schafft trotzdem eine Verbindung mit den davorliegenden Ereignissen. Das sonstige Konzept ist ein sehr reduziertes Bühnenbild: eine schwarze Plane, weiße und schwarze Vorhänge, der Henkerblock im dritten Akt und ein Marienaltar im zweiten Akt. Die schwarze Plane, die sich immer wieder verwandelt und die Handlung auf der Bühne unterstreicht, ist eine wandelbare Kulisse, die auch die Gefühlszustände der Protagonisten unterstreicht. Der Fokus liegt aber auf den Kostümen und der maskenbildnerischen Gestaltung der Sänger und Tänzer auf der Bühne. Der Ausdruck der Gesichter wird durch das überzogene Make-up intensiv verstärkt und die Emotionen vervielfacht (siehe Bühnenfotos).


Die größte Kraft aber ist Verdis Musik, die einen schon während der Ouvertüre in seinen Bann zieht. Es gibt viele wunderschöne musikalische Momente und die Melodien klingen bereits nach kurzer Zeit sehr vertraut. In Kombination von Musik und Bildern schafft Antú Romero Nunes eine Atmosphäre, die fesselt und berührt. Das gesamte Ensemble ist hervorragend besetzt, Chor, Solisten und Tänzer. Die Hintergründe dieser nicht ganz einfachen Handlung in Verdis Oper sind wie immer beim Opera Guide nachzulesen; daher werde ich darauf jetzt nicht näher eingehen.

Nur eines sei erwähnt, es gibt, so habe ich es empfunden, kein Gut oder Böse in seiner reinen Form, besonders was die Hauptprotagonisten angeht. Helene, Henri, Procida und Guy de Monfort, sie alle tragen Beides in sich. Besonders Erwin Schrott als Procida und George Petean als Guy de Monfort bringen dieses in der darstellerischen und gesanglichen Interpretation ihrer Rollen zum Ausdruck. Beide haben nicht nur an diesem Vorstellungsabend stimmlich die stärkste Leistung gebracht, sie beeindruckten auch mit einer enormen Bühnenpräsenz und einer intensiven Gestaltung ihrer zu verkörpernden Figuren. Die zu Beginn der Proben eingesprungene amerikanische Sopranistin Rachel Willis-Sorensen, die im übrigen mit dieser Inszenierung ihr Hausdebüt an der Bayerischen Staatsoper gibt, überzeugte ebenfalls durch eine großartige gesangliche Leistung und eine authentische Darstellung ihrer Partie. Besonders die Leichtigkeit, mit der sie zum Ende hin ihre Koloraturen zu singen vermag, hinterlässt einen starken Eindruck. Der vierte der Hauptsolisten, der italienische Tenor Leonardo Caimi, der bereits am Premieren-Abend seinen ersten Auftritt hatte (damals noch von der Seitenbühne aus) und im Verlauf alle weiteren Vorstellungen in der Rolle des Henri bestritt, hatte sicher stimmlich eine der anspruchsvollsten Partien zu singen. Im nachhinein wundert es nicht, dass es insgesamt nur eine Handvoll Sänger gibt, die diese Rolle in ihrem Repertoire haben. Darstellerisch überzeugte der sympathische Sänger auf ganzer Linie, auch in den Duetten und tieferen Tonlagen. Was die Höhe angeht, klang es nicht immer nach einer Wohlfühllage, und zeitweise wirkten die Töne ein wenig schrill, das ist ganz sicher auch der Partie an sich geschuldet, die Verdi nicht gerade sehr sängerfreundlich geschrieben hat. Dennoch muss man sagen, dass Leonardo Caimi im Münchner Nationaltheater eine Leistung gebracht hat, vor der man Respekt haben sollte, insbesondere, da er wirklich kurzfristig eingesprungen ist und auch die Produktion nur bedingt kannte. 

Nun noch ein Wort zu den Tänzern und ihrem Choreographen Dustin Klein. Das war eine überaus gelungene Ergänzung und Unterstreichung von Inszenierung und Werk. Die Leistungen der Tänzer waren großartig und bildeten immer wieder kleine zusätzliche Highlights in jeder der fünf Vorstellungen. 

Eine Änderung der Besetzung, wenn auch nicht auf der Bühne, sondern im Orchestergraben, gab es auch am letzten Aufführungstag. Die musikalische Leitung übernahm der in Ungarn geborene Dirigent Stefan Soltesz für den leider erkrankten Omer Meir Wellber. 

Zum Schluss seien natürlich noch das wunderbare Orchester der Bayerischen Staatsoper erwähnt und einer der für mich besten Opernchöre weltweit, wie immer unter der Leitung von Stellario Fagone. 

Am Ende gab es einen verdienten Applaus für alle an dieser Produktion beteiligten Sänger, Tänzer und Musiker, im Wissen, bereits im Sommer ein Wiedersehen feiern zu dürfen. 

Wir hören uns bereits in gut zwei Wochen wieder; nach der Übertragung aus der Met von Verdis Luisa Miller und eine Woche später mit Andrea Chénier aus der Wiener Staatsoper und einem Wiedersehen mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros als tragisches Liebespaar in Umberto Giordanos Musikdrama. 

Ein Buch-Tipp zur Osterwoche

München, 28.03.2018

Passend zu den bevorstehenden Osterfeierlichkeiten, kommt hier ein Geschenk-Tipp fürs Osterkörbchen: Vor kurzem auf dem Markt erschienen im Verlag Königshausen & Neumann, Singen von Ulrike Roos von RosenDiana Damrau, Anja Harteros, Jonas Kaufmann und viele andere geben Auskunft über das Singen in der Welt der Oper. Es gibt interessante Hintergrundinformationen rund um die Stimme, den Gesang und alles, was sonst noch dazu gehört zum Beruf des Opernsängers. Aufgeteilt in zwei größere Teile, Das Leben der Sänger und im Anschluss Im Dienste des Gesangs. Zu Beginn gibt es noch eine kleine Einführung zum Thema Singen und zu der Frage: „Ist jeder ein geborener Sänger?“ und „Wie funktioniert Sprechen und Singen?“. Zusätzlich gibt es viele wunderbare Fotos von Wilfried Hösl und Illustrationen von Christopher Roos von Rosen.

Dieses Buch macht wirklich Lust auf Oper und Lust auf Singen. Die Texte sind nicht zu lang, sehr gut und verständlich geschrieben und viele Sänger und Sängerinnen, erfolgreiche Solisten wie Jonas Kaufmann, Anja Harteros, Christian Gerhaher, Golda Schultz oder auch Elisabeth Kulmann geben Einblicke in den praktischen Alltag eines Opernsängers, Studium, Bühnenerfahrungen oder die Vorbereitung auf eine Premiere und die vorangegangenen Proben. Musikkritiker, Kostümbildner, Fotograf, Souffleuse, Künstleragenturen und viele weitere ergänzen und runden mit ihren Beiträgen das Gesamtkonzept ab. 

Ich kann dieses wunderbare Buch also nur von ganzem Herzen empfehlen, das zum Beispiel auch im Shop der Bayerischen Staatsoper am Marstallplatz käuflich zu erwerben ist. Im Online Shop der Bayerischen Staatsoper war dieses Buch noch nicht zu finden, kaufen kann man es aber auf jeden Fall vor Ort.

Viel Freude wieder einmal beim Stöbern, Lesen und Entdecken!


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