Mobirise

Die Meistersinger von Nürnberg

von Richard Wagner

Der fulminante Abschluss der Meistersinger-Premierenserie an der Bayerischen Staatsoper in München

Hamburg, 10.06.2016

Für mich persönlich gehört (zeitlich gesehen) neben der Premiere die letzte Vorstellung einer Opern-Neuinszenierung zu den spannendsten und interessantesten. Das liegt unter anderem daran, dass man so wunderbar die Entwicklung beobachten kann; die Entwicklung der Sänger und Künstler im einzelnen und auch im Zusammenspiel miteinander. Was hat sich getan in der Darstellung, wie wurden die verschiedenen Rollen weiterentwickelt? Oft sind es einfach nur viele kleine Details, die ins Auge fallen, aber trotzdem den Gesamteindruck sehr positiv beeinflussen können. Gerade in einer solchen Premierenserie, in der zudem mindestens drei der Hauptdarsteller ihr Debüt hatten, ist dies besonders interessant zu verfolgen.

So erging es mir auch am 4. Juni bei der letzten Meistersinger-Vorstellung der Premierenserie in München. Nachdem ich das große Glück hatte, die erste Vorstellung am 16. Mai mitzuerleben, durfte ich nun knapp drei Wochen später auch die fünfte und letzte Vorstellung sehen. Zum einen konnte ich mit großer Freude alles beobachten, was in der Zwischenzeit geschehen war, und zum anderen war es der Abschied von dreien der Hauptakteure, die in den kommenden Aufführungen (Opernfestspiele 28.7. und 31.7. sowie 30.9., 3.10. und 8.10.2016) nicht mit dabei sein werden: Markus Eiche als Beckmesser, Sara Jakubiak als Eva und Okka von der Damerau als Magdalene. Also hieß es noch einmal zurücklehnen und genießen. Und der Abend wurde ein Genuss größter Güte, ein Ohren- und Augenschmaus für das gesamte Publikum im Opernhaus, ein musikalischer Hochgenuss. 

Ein Mensch hatte auch an diesem Abend alles in seinen wunderbaren Händen, führte, leitete das Orchester, den Chor, das ganze Ensemble, allen voran die Solisten dieser Inszenierung: Generalmusikdirektor Kirill Petrenko. Ich hatte die große Ehre und Freude, diesen fantastischen Dirigenten ein wenig bei seinem Dirigat beobachten zu dürfen. Er scheint absolut in jeder Sekunde bei jedem einzelnen seiner Musiker zu sein, genau wie bei jedem Sänger auf der Bühne. Jede einzelne Bewegung ist so fein und so unglaublich differenziert, dass ihm jeder der Beteiligten blind vertraut und ihm folgt, wohin er lenkt und führt. Es hat mich wieder fasziniert, wie leicht und beschwingt eine Wagner-Oper klingen kann, wunderschön und frei von dem Pathos, der Wagner sonst anhaftet. Ich kann nur sagen, dass die 4:30 Stunden wie im Fluge vergingen und ich fast traurig war, als die letzten Takte verklungen und der letzte Vorhang gefallen war. Das war ganz sicher Petrenko zu verdanken, aber auch genauso der Inszenierung von David Bösch, die, meiner Meinung nach, in neuem Gewand, aber jederzeit logisch und nachvollziehbar die Geschichte der Meistersinger und Wagners Musik erzählte. Und den Menschen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ging es genau wie mir. Was ich persönlich noch sehr zu schätzen weiß, ist die Tatsache, dass die Inszenierung auf der Bühne insgesamt sehr nach vorne und zum Publikum hingezogen war. So fühlt man sich als Zuschauer im Opernhaus mehr in die Geschichte hineingezogen und den Künstlern und ihren Figuren noch ein Stück näher.

Ein großes Lob geht an den großartigen Chor der Bayerischen Staatsoper, der jede Vorstellung im Nationaltheater so unglaublich bereichert. Ich freue mich jedes Mal auch darauf, diesen Chor zu hören und zu erleben. Eine große Freude und ein großes Vergnügen. Die Solisten dieser Neuinszenierung und Meistersinger Premierenserie waren wirklich wunderbar und boten ein perfektes Zusammenspiel auf der Bühne, gesanglich genauso wie darstellerisch. Sie trugen auch an diesem Abend eine große Spielfreude zur Schau, waren stimmlich in Höchstform. Die vorhin bereits erwähnte Entwicklung oder Weiterentwicklung der unterschiedlichen Charaktere und auch der von Regisseur David Bösch erzählten Geschichte war allen Sängern anzumerken. Dem Zuschauer wurde der Eindruck vermittelt, dass die Künstler auf der Bühne einen großen Spaß dabei hatten sich auszuleben und diese wunderbare Musik und die Geschichte zu genießen. Das übertrug sich auf das gesamte Auditorium.

Zu den Solisten

Wolfgang Koch als Hans Sachs: Der Fels in der Brandung, der Beschützer und Bewahrer, aber auch offen für Neues, kraftvoll, humorvoll, zärtlich, der Liebende, angesehen und misstrauisch beäugt, manchmal missverstanden. Eine großartige Rolle für den äußerst sympathischen Bayer Wolfgang Koch. Man merkt ihm an, wie sehr er diese Rolle verinnerlicht hat und wie ausführlich er sich mit der Rolle und der Person Hans Sachs auseinandergesetzt hat. Vielen Dank für dieses schöne Erlebnis auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters. Im Sommer und auch im Herbst diesen Jahres gibt es erfreulicherweise ein Wiedersehen mit dem Bariton in einer seiner Paraderollen. 

Markus Eiche als Sixtus Beckmesser: Die eigentlich komisch-tragische Figur in dieser Oper von Wagner, gefangen in seinen eigens festgelegten Grenzen, gebunden an die Regeln in seiner Funktion als Merker. Durch seine Person als Stadtschreiber flößt er Respekt ein, hat aber vermutlich keine wahre Anerkennung. Er hat die Sehnsucht einfach auszubrechen, schafft den Schritt aber irgendwie nicht, ist ein Liebender, der bereit ist, sich absolut lächerlich zu machen, er nutzt aber auch seine Machtposition aus. Am Ende ist er zerstört und gebrochen. Ich muss gestehen, dass ich mir für die nächste Zeit nicht vorstellen kann, einen anderen Sänger in dieser Rolle zu erleben oder auch nur in dieser Inszenierung in München. Ich bin tief beeindruckt und berührt von der Darstellung des Baritons in dieser Interpretation von Sixtus Beckmesser. Stimmlich gehört Markus Eiche nicht nur für mich derzeit zu den besten dieses Stimmfachs. Leider sieht es so aus, dass wir den sympathischen Sänger weder im Sommer noch im Herbst in München in dieser Rolle und dieser Inszenierung sehen werden. Verraten hat er aber am Bühneneingang am 4. Juni, dass er ganz sicher nicht das letzte Mal in dieser Rolle zu erleben war. 

Jonas Kaufmann als Walther von Stolzing: Der Rebell, ungebändigt, temperamentvoll, manchmal ein wenig aufbrausend, muss sich noch finden, leidenschaftlich, voller Energie, verliebt, schert sich weder um Regeln noch um Konventionen, ein großer Freiheitsdrang, der Erneuerer, das naturbegabte Genie, der ungeschliffene Rohdiamant. Erst durch die Hilfe seines Lehrers und Meisters Hans Sachs lernt er sein Talent, seine Kunst in eine geordnete Form zu bringen und letztendlich sein Ziel zu erreichen. Wunderbar, was der Münchner Tenor aus dieser Rolle gemacht und wie er sie bis ins Detail entwickelt hat. 

Alle Fotos © W. Hösl

Manches Mal musste man überlegen und schmunzeln, was davon ausschließlich Rolle war und in welchen Augenblicken und Abschnitten auch ein Teil des jungen Jonas Kaufmann steckte. Die Freude der Darstellung war ihm jedenfalls jederzeit anzumerken. Ich hatte den Eindruck, dass seine wunderbare Stimme an diesem Abend des 4. Junis besonders leuchtete und strahlte. Und das nicht nur beim Preislied im dritten Akt, sondern den ganzen Abend hindurch. Die gute Nachricht ist, dass der sympathische Opernsänger auch im Sommer und Herbst im Münchner Nationaltheater in dieser Rolle zu erleben sein wird.

Benjamin Bruns als David, Sara Jakubiak als Eva, Okka von der Damerau als Magdalene und Christoph Fischesser als Veit Pogner in den weiteren Partien waren ebenfalls fantastisch, haben ihre Rollenprofile weiterentwickelt, die Bühnenarbeit miteinander intensiviert und waren genau wie die drei ersten Hauptpartien stimmlich ebenfalls sehr gut. Auch sie hatten große Freude, in dieser Inszenierung auf der Bühne zu agieren und diese Geschichte zu erzählen. Für mich war jede einzelne Rolle perfekt besetzt; Benjamin Bruns überzeugte nicht nur durch seinen angenehmen leichten Tenor, sondern auch durch sein großes komödiantisches Talent, das mir persönlich viel Freude bereitet hat. Sara Jakubiak war eine bezaubernde Eva, die auch durch ihre schöne Sopranstimme überzeugte und ihre Darstellung der jungen Frau, die bereit ist, sich genau wie ihre große Liebe über Regeln und Konventionen hinwegzusetzen. Okka von der Damerau, die schon länger zum Ensemble der Bayerischen Staatsoper gehört, zeigte ihre Wandlungsfähigkeit und ließ ihren wunderschönen Mezzosopran hören. Ich habe sie kurz an der Bühnentür getroffen und muss sagen, dass sie mir als eine sehr herzliche, offene und normale junge Frau begegnete. Bedauerlicherweise werden weder Sara Jakubiak noch Okka von der Damerau im Sommer oder Herbst dabei sein. Auch der vierte Sänger Christoph Fischesser als Evas Vater Veit Pogner ist nicht mehr mit von der Partie in den weiteren Vorstellungen. Der Sänger ergänzte das Solistenteam und fügte sich nahtlos mit einer ebenfalls überzeugenden Leistung ein. Auch alle anderen Mitglieder des Ensembles boten eine starke Leistung und rundeten das Gesamtbild wunderbar ab. 

Der Lohn für die überragenden Leistungen aller Beteiligten dieser Inszenierung waren Beifallsstürme, Jubelrufe und ein Vorhang nach dem anderen. Dankbar, fröhlich und gelöst genossen Sänger, Chor, Orchester und der Dirigent diese äußerst verdiente Belohnung und auch das Opernpublikum verließ glücklich und zufrieden mit der einen oder anderen Melodie und vielen schönen Bildern und Momenten im Kopf das Nationaltheater. 

Ein paar der Künstler konnte man im Anschluss noch kurz an der Bühnentür antreffen für ein Autogramm, einen Schnappschuss und einige Worte der Bewunderung und des Dankes: Markus Eiche, Okka von der Damerau, Christoph Fischesser und Jonas Kaufmann. Vielen Dank für diese Zugabe an die betreffenden Künstler! Keine Selbstverständlichkeit...


Die Premiere der Meistersinger von Nürnberg am 16.05.2016 an der Bayerischen Staatsoper in München

Hamburg, 19.05.2016

Endlich war es soweit! Meine ersten Meistersinger und dann gleich an der Bayerischen Staatsoper in München oder genau gesagt im wunderschönen Nationaltheater am Max-Joseph-Platz. An diesem Opernhaus fand vor fast 150 Jahren die Uraufführung von Wagners einzig komischer Oper statt. Jetzt also eine weitere Neuinszenierung, die insgesamt zwölfte an diesem Haus. Verantwortlich für diese Produktion zeichnet Regisseur David Bösch. Für den 38-jährigen ist es bereits seine fünfte Neuproduktion in der Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsoper. Hier hatte er auch unter Generalintendant Nikolaus Bachler seine erste Opernregie. Die Meistersinger ist nun die erste Wagneroper, die Bösch hier am Nationaltheater in München inszeniert. Die Premiere und auch alle weiteren Vorstellungen (22.5., 26.5., 29.5., 4.6.) dieser ersten Serie sind seit Monaten ausverkauft, ebenso die zwei Vorstellungen während der Opernfestspiele 2016 (28.7., 31.7.). 

Diese Neuproduktion war mit großer Spannung erwartet worden und hatte schon im Vorfeld zu Diskussionen geführt. Dazu reichen manchmal schon einige wenige Fotos aus um die Gemüter zu erhitzen. Sobald es darum geht, bestimmte, lange bestehende Dinge und Gewohnheiten zu ändern, zu erneuern, werden die Menschen nervös und besorgt, dass nicht mehr alles ist wie früher. Das betrifft natürlich auch die „alte“ Musik, die Welt der Oper und offensichtlich besonders die Werke von Richard Wagner. Bei einigen Menschen löst die Erneuerung Unbehagen aus, die anderen sind bereit sich darauf einzulassen, sind offen und neugierig für Veränderungen. Sie sind mutig wie Regisseur David Bösch, als er dieses Werk von Wagner in neuem Gewand auf die Bühne brachte und es dabei kräftig entstaubte. So frisch und unverbraucht inszeniert, ist es möglicherweise auch ein Weg, die jungen Menschen in die Oper zu locken. Wenn man dann auch noch das Glück hat, die musikalische Leitung an ein Musikgenie wie Generalmusikdirektor Kirill Petrenko zu übergeben, kann eigentlich schon nicht mehr viel daneben gehen. Der Maestro, der hier in München seine ersten Meistersinger dirigiert, zählt zur Zeit sicher zu den besten Dirigenten der Welt der eines der besten Orchester der Welt, das bayrische Staatsorchester, unter seiner Führung hat. Ich hatte das Glück, ihn zumindest ein wenig von meinem Platz aus beobachten zu können. Es ist einfach eine große Freude, dem Maestro zuzuschauen, wie er Orchester, Solisten und Chor sicher durch alle Klippen schiffte und alles zusammenhielt, mühelos und spielend leicht. Alle folgen ihm, jeder kleinen Bewegung am Dirigentenpult, jedem noch so kleinen Blick. Ich war wirklich erstaunt, wie leicht Wagner sein, sich anfühlen kann. Unglaublich differenziert, fein, elegant und ohne das ihm anhaftende Pathos. Einfach nur bezaubernd und wunderschön. Ein weiteres Highlight war der Chor der Bayerischen Staatsoper, der mich persönlich immer wieder begeistert, er sang und spielte auch an diesem Abend auf gewohnt hohem Niveau. Die Einstudierung hatte auch dieses Mal Sören Eckhoff inne. Gerade in den Meistersängern hat der Chor eine ganze Menge zu tun, wird zusätzlich durch den sogenannten Extra Chor verstärkt. Insgesamt standen an dem Abend 115 Profisänger auf der Bühne. Was für eine Kraft hinter diesen ganzen Stimmen steckt! 

Das gesamte Ensemble dieser Meistersinger-Produktion war an diesem Abend fantastisch, bis in die kleinste Partie hervorragend besetzt. Da ich hier unmöglich jeden einzelnen Sänger namentlich aufführen kann, das würde den Rahmen massiv sprengen, erwähne ich, stellvertretend für die Meister, Eike Wilm Schulte, der den Fritz Kothner an diesem Abend sang. Danke an das ganze Ensemble, das dieser Premiere einen hochkarätigen Rahmen gab und die exzellente Besetzung auch bis in die kleinste Partie unterstrich. 

Christoff Fischesser, der den Goldschmied Veit Pogner sang, reihte sich nahtlos in die qualitativ hochwertigen Gesangsleistungen ein und war auch darstellerisch glaubwürdig in seiner Rolle als Meister, wohlhabender Geschäftsmann und Evas Vater. In der Partie der Magdalene, Evas Zofe und Aufpasserin, begeisterte Okka von der Damerau. Die Mezzosopranistin und Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper, hatte im März ihr Debüt als Ulrica in Verdis Un ballo in maschera gegeben und damit das Publikum begeistert. Auch am Abend der Premiere konnte sie ihre schöne Stimme zum Ausdruck bringen, zeigte ebenso auch ihre Wandlungsfähigkeit auf der Bühne. 

Ebenso angetan war ich von Benjamin Bruns, der mit seiner angenehmen leichten Tenorstimme seine Partie wunderbar unterstrich und zudem durch sein großes komödiantisches Talent auffiel, welches er in dieser Produktion wunderbar zum Ausdruck bringen kann. Als Lehrling David versucht er, meist verkrampft und vom großen Wunsch getrieben ein Meistersinger zu werden, in der Singschule weiterzukommen. Er kennt jede einzelne Regel auswendig, ist aber nicht in der Lage, sie mit echten Worten und tief empfundenen Gefühlen zu füllen. So bleibt er stehen und kommt nicht so recht weiter. Ist vielleicht zeitweise frustriert, dass sein Meister ihn strenger behandelt als den Junker von Stolzing, der eigentlich kein Interesse hat ein Meister zu werden, dafür aber eine Naturbegabung mitbringt, die ihm selbst abgeht. Am Ende macht ihn Hans Sachs aber doch noch zum Gesellen und in Magdalene, seiner großen Liebe, findet er den notwendigen Halt und eine verlässliche Unterstützung. Dieses unbedingte Wollen und die zarten Gefühle zu seiner Lene bringt Benjamin Bruns ganz bezaubernd auf die Bühne. Eine große Bereicherung in der vierten männlichen Hauptpartie dieser Neuinszenierung.

Alle Fotos vom Bühnengeschehen © W. Hösl

Als nächstes sei die junge Sopranistin Sarah Jakubiak in der Partie der Eva Pogner erwähnt. Auch die Amerikanerin feierte in München am 16. Mai ihr Rollendebüt in Wagners Meistersingern. Mir persönlich hat die Sopranistin sehr gut gefallen in der Rolle der Eva; optisch bezaubernd, darstellerisch leicht und glaubwürdig und stimmlich sehr angenehm. Sie ergänzte das herausragende Solistenteam auf wunderbare Weise und bildete zusammen mit ihrem Bühnenpartner Jonas Kaufmann eine großartige Einheit. Beide ergänzten sich spielerisch jederzeit und passten auch stimmlich und optisch perfekt zusammen. Auch die Amerikanerin bringt neben ihrer schönen Stimme eine große Spielfreude mit auf die Bühne. Die Rolle der jungen schwer verliebten Eva Pogner nimmt man ihr vorbehaltlos ab. Ein Teenager, der gegen den Vater und die alten Regeln rebellieren möchte, um mit ihrer großen Liebe zu fliehen. Verliebt, schüchtern wohlerzogen auf der einen Seite, aufbegehrend und ihre Reize einsetzend, um ihr Ziel zu erreichen auf der anderen Seite. So zeigt uns Sarah Jakubiak ihre Eva, die bedingungslos liebt und bereit ist, alles dafür zu tun, alles hinter sich zulassen. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zum Vater und der Verbundenheit zur Heimat und ihrer großen Liebe Walther von Stolzing. Am Ende ist es Eva, die dankbar erkennt, was sie und ihr zukünftiger Ehemann Hans Sachs zu verdanken haben, und sie weiß um seinen Verzicht. Ich denke, am Ende geht sie mit einem zwiespältigen Gefühl, um mit ihrem Ritter in eine neue und hoffentlich glückliche Zukunft zu gelangen.

Von den drei männlichen Hauptpartien sei zuerst der Sänger genannt, der die größte Partie in dieser Oper zu singen hatte: Wolfgang Koch übernimmt in dieser Neuinszenierung von David Bösch die Rolle des Hans Sachs; Schuster, Dichter, Liebender, väterlicher Freund und Lehrer. Stimmlich hervorragend in Form, gestaltete der sympathische Bayer seine Rolle intelligent und vielschichtig und vermochte die verschiedenen Charakterzüge des Hans Sachs nachvollziehbar und authentisch herauszuarbeiten und auf die Bühne zu bringen. Zwei besondere Höhepunkte waren der Flieder-Monolog (zart, liebend, nachdenklich) und der Wahn-Monolog (kraftvoll), ebenso wie die kleine Lehre, die er Beckmesser erteilt, als er ihn mit seinen eigenen streng ausgelegten Regeln schlägt. Eine musikalische Meisterleistung, wenn man bedenkt, wie vollkommen unrhythmisch die Hammerschläge kommen, die der Schuster nutzt, um den Merker aus dem Tritt zu bringen. Die Figur des Hans Sachs ist die eines Menschen mit vielen Facetten, und die vermag der Opernsänger Wolfgang Koch sehr schön zu vermitteln. Hans Sachs ist der Bewahrer der alten Traditionen und gleichzeitig hat er den Wunsch nach einem Aufbrechen der starren Regeln, um Platz zu schaffen für etwas Frisches und Neues. Damit stößt er manches Mal bei der Zunft der Meister auf Unverständnis, sie sind noch nicht bereit. Er ahnt, dass die Zeit gekommen ist.

Er liebt Eva seit langem, ist aber bereit auf sie zu verzichten, als ihm klar wird, wem ihre wahre Liebe gehört. Er nimmt den Junker Walther von Stolzing unter seine Fittiche, als er sein naturbegabtes Genie erkennt und entdeckt, dass dieser Evas große Liebe ist. Er beschließt, die Kunst durch den jungen Ritter zu einer Erneuerung zu bringen, Walthers Talent erstrahlen zu lassen und der wahren Liebe zum Sieg zu verhelfen. Am Ende verzichtet er auf sein eigenes Glück und bleibt alleine zurück. Ob sein Wunsch nach Erneuerung sich erfüllt, vermag man nicht zu sagen. Ob die Meister wirklich bereit sind für eine Reformierung der Regeln, bleibt am Ende offen. Sicher ist nur, zumindest in dieser Inszenierung: die Hoffnung und der Wunsch, den jungen Mann mit in die Zunft der Meister zu integrieren, ist gescheitert. Und was bleibt Hans Sachs am Ende? Eine große Traurigkeit, Enttäuschung, Einsamkeit! 

Markus Eiche, der hier in München am 16. Mai ebenfalls sein Rollendebüt als Sixtus Beckmesser feierte, hat wohl die tragikomische Partie in dieser Oper von Wagner. Als Stadtschreiber und Merker ist er in seiner Heimatstadt akzeptiert, gefürchtet, toleriert, respektiert? Man weiß es nicht so genau, mag aber ahnen, dass ihm seine recht machtvolle Position einige Vorteile einbringt und er wenig fürchten muss. Beliebt ist er vermutlich nicht wirklich. In der Neuproduktion am Nationaltheater ist die Partie von Beckmesser als biederer und pedantischer Beamtentyp in Nadelstreifenanzug angelegt, der die alten Regeln mit aller Macht durchsetzt und sie gleichzeitig für seine Zwecke nutzt. Zum Beispiel, um sich seinen ärgsten Konkurrenten um die Hand von Eva Pogner, den jungen Ritter Walther von Stolzing, vom Hals zu halten. Fürs Erste gelingt der Versuch, Walther versingt und der Stadtschreiber triumphiert zunächst. Markus Eiche gehört ganz sicher auch zu den besonderen Sängerdarstellern und setzte die Rollengestaltung seiner Figur auf der Bühne glaubwürdig um. Mit großer Spielfreude und ohne Angst davor, auch seine empfindsame und verletzliche Seite zu zeigen, agierte der 46-jährige Opernsänger in dieser Neuinszenierung. Auf der Seite seiner Rolle gab es wohl an dem Abend die meisten Lacher. Sein Liebeswerben um Eva (an deren Stelle Magdalene stand) war wirklich großartig; während er sich der Lächerlichkeit preisgibt, mit selbstgedichtetem Lied und einer Ukulele in der Hand, muss er sich seinen eigenen stets so streng ausgelegten Regeln geschlagen geben. Markus Eiche, das Naturtalent bezüglich tragikomischer Rollenprofile. Während der sogenannten Prügelfuge musste sein Beckmesser kräftig einstecken, wurde brutal zusammengeschlagen, blieb verletzt und geschockt zurück. Mitleid machte sich breit. Als ob das nicht genug wäre, plant Hans Sachs, ihm eine weitere Lehre zu erteilen und ihn auf der Festwiese bloßzustellen. Das gelingt letztlich, als der Merker das angeblich von Hans Sachs gedichtete Lied vorträgt und sich den Hohn und Spott der ganzen Meister und des Volkes zuzieht. Markus Eiche in Goldanzug und Netzshirt hätte so auch wunderbar in irgendeine Castingshow im Fernsehen hineingepasst. Am Ende ist sein Sixtus Beckmesser ein gebrochener Mann, ausgelacht und verhöhnt, ohne Hoffnung auf eine Zukunft in der Gesellschaft seiner Heimatstadt. So entscheidet er sich dafür, seinem Leben ein Ende zu machen. Markus Eiche zeigte am Abend dieser Premiere wirklich eine außergewöhnliche Leistung, stimmlich wie darstellerisch. 

Die letzte Partie, die hier zur Sprache kommen soll, ist die des jungen Ritters Walther von Stolzing, gesungen vom Münchner Opernsänger Jonas Kaufmann. Auch der 46-jährige Bayer feierte sein Rollendebüt, genauer: sein lange erwartetes szenisches Rollendebüt. In David Böschs Inszenierung ist Walther von Stolzing ein junger ungezügelter und hitzköpfiger Rebell in Lederjacke, Jeans, T-Shirt und Turnschuhen. Ein Halbstarker, der sich so ziemlich um keine Regel schert und nur eines im Kopf hat, die Hand seiner großen Liebe Eva Pogner zu gewinnen - mit oder ohne Erlaubnis ihres Vaters oder der Gesellschaft. Stets die Kopfhörer um und den Gitarrenkoffer dabei, agierte der Tenor mit großer Spielfreude auf der Bühne und konnte sich ziemlich austoben und seine enormen schauspielerischen Qualitäten zum Ausdruck bringen. Lässig rauchend, die selbstgedrehten Zigaretten in der Hand, nahm man ihm den jungen Wilden ohne nachzudenken ab. Dass der Münchner sich für diese Neuinszenierung zum größten Teil von seinem geliebten Bart getrennt hatte, unterstützte die Jugendlichkeit erheblich. Die ungebändigten, mittlerweile recht langen Wuschellocken machten das Bild vom jungen Rocker, der für seine große Liebe die ganze Gesellschaft aufmischt, perfekt. Frech und auch ein wenig unverschämt ist sein von Stolzing, vielleicht auch ein wenig überheblich oder gar arrogant. Auf jeden Fall aber sehr selbstbewusst. Hoppla, hier komm ich und ich kann und weiß alles, meistens sogar besser. Und die Mädels wickele ich spielend um den Finger. Und die alten Regeln und Traditionen interessieren mich nicht und gelten auch nicht für meine Person. Temperamentvoll und mit dem einen oder anderen Wutausbruch spielte sich Jonas Kaufmann durch diesen Abend. Da flogen schon einmal Gegenstände zu Boden, und kraftvolle Gesten und lautlos gesprochene Kraftausdrücke unterstrichen manchen Unmut. Aber sein Stolzing hat auch eine sehr zärtliche, liebevolle und romantische Seite; für seine Eva würde der Ritter alles tun und zugleich auf alles verzichten. Und dann lernt er von Hans Sachs, seine ungezügelte Leidenschaft, sein Temperament und sein großes Talent als naturbegabtes Genie in geordnete Bahnen zu lenken und so schließlich an sein Ziel zu gelangen. Er gewinnt den Wettbewerb und damit die Hand seiner geliebten Eva. Das Meisterlied von Walther von Stolzing gehört sicher ebenfalls zu einem der Höhepunkte in dieser Oper; besonders wenn es gesungen wird von einem Jonas Kaufmann. Der Münchner war stimmlich in absoluter Höchstform, meisterte offensichtlich alle Schwierigkeiten dieser Partie mit spielender Leichtigkeit. Strahlend schön kam sein Tenor besonders in den Mittellagen, aber auch in den Höhen wunderbar zur Geltung. Auch die komplizierten Textstellen meisterte der 46-jährige problemlos; das Meisterlied kommt immer wieder in verschiedenen Varianten vor und das bis zum Schluss, wenn sozusagen die Endfassung zu hören ist. Noch erwähnen möchte ich zum Schluss die vielen Details, die, herausgearbeitet von diesem großartigen Sängerdarsteller, manchmal den kleinen Unterschied ausmachen. 

Nachdem von Stolzing seine wunderschöne Traumdeuterweise gesungen hat und damit den Sieg davonträgt und die Hand seiner Eva gewinnt, entscheidet er sich gegen die Aufnahme in den Kreis der Meistersinger, er lehnt ab. Er will davon nichts wissen, sondern mit seiner großen Liebe frei und ohne Zwänge außerhalb dieser Gesellschaft glücklich sein. Eva im Arm, den Gitarrenkasten in der Hand, das Gepäck geschultert, dreht er allen, inklusive Hans Sachs, ohne ein weiteres Wort den Rücken zu und verlässt diese Stadt und ihre Meister. 

Und am Ende ein tobender Applaus und Standing Ovations für das gesamte Team der Meistersinger: Maestro Petrenko und sein Orchester, der Chor der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Sören Eckhoff, das gesamte Ensemble, allen voran die Hauptsolisten Wolfgang Koch, Markus Eiche, Jonas Kaufmann, Sarah Jakubiak, Christoff Fischesser, Okka von der Damerau und Benjamin Bruns. 

Etwas gespaltener reagierte das Münchner Premierenpublikum, als das Regieteam unter der Leitung von David Bösch die Bühne betrat. Das war aber fast schon ein wenig zu erwarten nach den vorangegangenen Diskussionen. Abgesehen davon scheint das mittlerweile üblich zu sein bei Neuproduktionen, insbesondere dann, wenn sie nicht im klassischen Sinne inszeniert sind, auch mal auszubuhen.  

Für mich war es auf jeden Fall ein großartiger Abend mit einem hochkarätig besetzten Ensemble, einem fantastischen Orchester, einem hervorragenden Chor, einem Solistenteam der Spitzenklasse, alles unter einem der besten Dirigenten der Welt. 

Also vielen Dank fürs Zuhören und bis demnächst in München, im Nationaltheater, spätestens aber bis zur letzten Vorstellung der Premierenserie am 4. Juni 2016. 

Nicht vergessen: am 31.7. gibt es für alle die Chance, sich selbst ein Bild zu machen und diese Neuinszenierung mit eigenen Augen zu beurteilen. Entweder im Livestream auf der Seite der Bayerischen Staatsoper oder direkt auf dem Max-Joseph-Platz bei der Oper für alle. In der Mediathek oder direkt im Nationaltheater. 

Alle notwendigen Links; Website BSO, Website BSO FB, Making of Video und Trailer bei Youtube auf dem Kanal der Bayerischen Staatsoper und der Seite von Marion Tung, wo es u.a. gesammelt jede Menge Premierenkritiken nachzulesen gibt. 

Die verschiedenen Links sind hier, ein Stück weiter oben zu finden oder innerhalb des Texts.

www.br-klassik.de

www.facebook.com


Führung durchs Münchner Nationaltheater

München, 15.05.2016

Wie schon angekündigt unter den Tipps, gibt es noch einen separaten Bericht über das Nationaltheater und eine entsprechende Besichtigung. Seit ich im November 2013 während meines ersten Besuches hier in München, inklusive einer Opernvorstellung von „Il Trovatore“, das Nationaltheater besichtigt habe, sind im Verlauf noch viele Führungen dazugekommen, und jede einzelne war anders und ganz besonders. Diese Besichtigung der Stätte, wo die Bayerische Staatsoper und das Bayerische Staatsballett zu Hause sind, ist meine ganz besondere Empfehlung, die ich jedem Besucher ans Herz lege. 

Hier noch eine kurze Begriffserklärung von der Seite der Bayerischen Staatsoper. Was ist der Unterschied zwischen „Bayerischer Staatsoper“ und „Nationaltheater“? Der Begriff „Bayerische Staatsoper“ bezeichnet die „Kompanie“, das Ensemble, die Menschen, die an den verschiedenen Aufführungsorten auftreten können. So bespielt die Bayerische Staatsoper neben dem Nationaltheater auch das Prinzregententheater, das Cuvilliés-Theater oder ist auf dem Gastspiel in Japan. Das „Nationaltheater“ bezeichnet also den Spielort, das Gebäude am Max-Joseph-Platz, das zugleich die Bühne des Bayerischen Staatsballets ist. 

Die Führungen finden mehrmals wöchentlich statt und dauern ca. 60-80 Minuten. Treffpunkt ist an der Eingangshalle Nord des Nationaltheaters am Marstallplatz. Beginn der Führungen ist jeweils um 14:00 Uhr. Kosten: 7 Euro für Erwachsene, Schüler und Studenten zahlen 5 Euro. Erhältlich sind die Karten entweder übers Internet, telefonisch oder direkt im Opernshop in der Kassenhalle am Marstallplatz 5 (Quelle: Website Bayerische Staatsoper unter Info und Service). Zusätzlich gibt es noch spezielle Kinderführungen (eine wunderbare Sache für kleine Entdecker), Gruppenführungen und exklusive Individualtouren. Die Teilnehmerzahl ist jeweils auf 25 Personen begrenzt und die Touren werden außerdem noch in verschiedenen Sprachen angeboten. Der passende Link ist am Ende dieses Textes zu finden.

Die Führungen sind liebevoll gestaltet und jeder Mitarbeiter gibt seine eigene kleine Note mit dazu. So ist keine Besichtigung des Nationaltheaters wie die andere. Ich habe bereits 10-12 Führungen mitgemacht und war jedes Mal wieder erstaunt, immer neue Dinge zu erfahren und zu entdecken. Auch bei der Tour am Sonntag, dem 15. Mai, war das so. Unser Guide, eine sehr gut informierte und ausgesprochen sympathische Mitarbeiterin aus der Dramaturgie, nahm uns mit auf eine spannende Reise und fand in einer außerordentlich interessierten und aufmerksamen Gruppe regen Zuspruch. Es entwickelte sich ein lebendiger Dialog und die Zeit verging wie im Fluge. Nach etwa 60 Minuten war die Führung dann leider vorbei.

Die Inhalte einer solchen Besichtigung sind u.a. entsprechende geschichtliche Hintergrund-Informationen über dieses seit 350 Jahren bestehende Traditionshaus, das eines der erfolgreichsten Opernhäuser Europas und der Welt ist. Ebenso erhält man einen sehr guten Einblick in den Betrieb und die Abläufe im Haus und die unglaubliche Logistik, die dahinter steckt, damit sich fast jeden Abend der Vorhang heben kann und die Menschen für ein paar Stunden verzaubert und mitgenommen werden in eine andere Welt. Es geht quer durchs ganze Opernhaus, vom Zuschauerraum über den Bühnenbereich bis in den Backstagebereich. Außerdem beinhaltet die Tour die Besichtigung des Königssaals, der ionischen Säle, des Foyers und einen Besuch der Königsloge, die auch Mittelloge genannt wird.

Außerhalb des Backstagebereiches ist es gestattet Fotos zu machen, der Bereich der Bühne zum Beispiel ist u.a. aus urheberrechtlichen Gründen davon ausgenommen; es gilt auch während der Vorstellung und im Anschluss beim Schlussapplaus ein generelles Fotografier- und Filmverbot. Am besten einfach fragen, dann ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite und kann die Führung durch eines der schönsten Opernhäuser in Ruhe genießen. Ich wünsche allen ganz viel Freude beim Entdecken.

Wer Lust hat, kann an dieser Stelle schon einmal die virtuelle Führung des Nationaltheaters mitmachen.

Ich persönlich liebe es übrigens, kurz vor einer Vorstellung am selben Tag oder einen Tag davor, solch eine Tour mitzumachen und die Vorfreude und ein gewisses Prickeln zu spüren, wenn ich durch das Opernhaus laufe, den Zuschauerraum oder die Bühne betrete, auf der eventuell schon die Kulissen für den Abend aufgebaut werden. Das ist einfach ein großartiges Gefühl! 

Damit jeder die Möglichkeit hat, sich schon vorab über die geschichtlichen Hintergründe des Nationaltheaters zu informieren oder auch über die Termine für die Führungen, gibt es hier noch die  Links dazu, die weiterhelfen können. Wikipedia fasst wie meistens alles gut zusammen und auf der Seite der Bayerischen Staatsoper (BSO) ist alles zu finden, was man braucht, um die gewünschte Besichtigung zu planen und zu buchen oder etwas über die Geschichte des Hauses zu lesen. 

Hier noch ein kleines aber sehr eindrucksvolles Video: 

Die Fotos innerhalb des Textes sowie eine virtuelle Führung auf der Website des Opernhauses geben vorab schon einen guten Eindruck und unterstreichen meine Empfehlung noch ein wenig mehr. 

Ein kleiner Tipp noch: Nach der Besichtigung empfiehlt sich ein Besuch im nahe gelegenen Brenner auf einen Kaffee und eine kleine Leckerei in Form von Kuchen oder einer Süßspeise. Wenn es warm genug ist und natürlich trocken, sitzt es sich auch ganz wunderbar im Außenbereich des Restaurants (siehe Tipps rund um den Opernbesuch in München).


Pressestimmen zur bevorstehenden Premiere der Meistersinger am 16.05.2016

Hamburg, 14.05.2016

Hier kommen noch ein paar Presseartikel, die bevorstehende Premiere in München betreffend. Auch einige der mitwirkenden Sänger und der Regisseur kommen zu Wort und es gibt sogar einige ausgewählte Szenenfotos aus dieser Meistersinger-Produktion in München zu sehen.

Hier sind die dazugehörigen Links:

www.abendzeitung-muenchen.de

www.merkur.de/kultur/

www.welt.de

www.focus.de

www.musik-heute.de

www.nzz.ch


Als weitere Vorbereitung auf die Meistersinger-Premiere in München am 16. Mai kommen hier noch einige interessante Seiten zum Nachlesen und Informieren:                       

www.zeit.de/1996/28/Die_Handlung_der_Meistersinger_von_Nuernberg

Hausarbeit-Musik-Wagner-Meistersinger.pdf

home.arcor.de/rww2002/rww2002/meister/meister.htm


Auf der offiziellen Website der Bayerischen Staatsoper und auf der Facebookseite der BSO kann man sich jederzeit und ganz aktuell über die laufende Produktion informieren sowie über die kommenden Termine oder Tickets kaufen für die Wunschvorstellung. Auch Fotos gibt es dort spätestens nach der Premiere zu sehen, ebenfalls das Making of Video oder der Trailer. Im Blog der Bayerischen Staatsoper (über die Facebookseite oder die offizielle Website zu erreichen) gibt es auch noch einige interessante Einblicke in das Werk und die aktuelle Inszenierung, Fotos, z.B. von den Proben, inklusive. 

www.staatsoper.de

www.staatsoper.de/stueckinfo

facebook.com/baystaatsoper

blog.staatsoper.de


Eindrücke von der Premieren-Matinee zu den Meistersingern am 8. Mai im Nationaltheater in München

Hamburg, 09.05.2016

Heute war sie endlich, die Premieren-Matinee zu den Meistersingern von Nürnberg. Ich hatte gespannt darauf gewartet in der Hoffnung, ein wenig mehr über die Neuinszenierung von David Bösch zu erfahren, für die sich am 16. Mai zum ersten Mal der Vorhang im Nationaltheater in München hebt. Aber dazu gleich mehr. 

Zu Beginn überraschte uns der Chor der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko mit einer Darbietung eines der schönsten Chorstücke aus dem dritten Akt dieser Oper „Wacht auf! Es nahet gen den Tag“. Ein wunderschöner Einstand und ein klangvoller Beginn dieser Premieren-Matinee. Im Anschluss betrat der Intendant der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler die Bühne und leitete mit einer kleinen Werkseinführung in die sich anschließende Gesprächsrunde über. 

Der erste Gesprächspartner war Generalmusikdirektor (GMD) Kirill Petrenko, der für die musikalische Leitung dieser Neuinszenierung verantwortlich ist. Ich bin immer wieder erstaunt und voller Achtung und Ehrerbietung vor diesem musikalischen Genie. Er scheint eine schier unerschöpfliche Quelle zu sein für alles, was es in der Geschichte der klassischen Musik und ihrer Werke zu wissen und zu sagen gibt. Ein wirklich beeindruckender Mensch. Und dabei ist dieser Künstler, der erfüllt ist von Farben und Klängen, so unglaublich bescheiden und wirkt in der Öffentlichkeit fast ein wenig schüchtern. Kirill Petrenko ist nicht der Mensch, der gerne im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht, er arbeitet lieber unermüdlich an jedem Werk, das er dirigiert, arbeitet eng mit seinem Orchester zusammen und mit den Sängern auf der Bühne. Er ist durchgehend bei jedem einzelnen und begleitet durch alle Höhen und Tiefen. Zu ihm schauen alle auf und vertrauen sich ihm an. Ihn zu beobachten, wenn er am Dirigentenpult steht, ist eine ganz besondere, fast berührende Erfahrung. Gestern Vormittag legte nun der GMD seine vor allem musikalische Interpretation des Werkes dar, gab weitere Hintergrundinformationen und erläuterte seine Herangehensweise an diese Oper von Richard Wagner. Das alles tat er mit einem feinen Humor und immer wieder mit einem Augenzwinkern. So macht auch die theoretische Seite der klassischen Musik viel Freude, ist überhaupt nicht trocken und lädt so ein, sich mehr damit zu beschäftigen. 

Als nächstes wurde der verantwortliche Regisseur dieser Neuinszenierung David Bösch auf die Bühne gebeten, um mit ihm über seine Interpretation und, wie ich gedacht und gehofft hatte, sein Regiekonzept zu sprechen. Da hatte ich mich allerdings gründlich getäuscht. Weder der musikalische Leiter noch der Dirigent und auch nicht die mitwirkenden Sänger dieser Premieren-Matinee bzw. Inszenierung äußerten sich über Details der laufenden Produktion. Man kann sagen, sie verrieten eigentlich überhaupt nichts darüber. Es ging ausschließlich um das Werk an sich, die geschichtlichen Hintergründe und die Hauptprotagonisten und ihre Charaktere. Selbstverständlich war es trotz meiner leider nicht befriedigten Neugier ein hochinteressanter und schöner Sonntagvormittag in der Bayerischen Staatsoper, der die Spannung auf die Premiere am kommenden Montag noch mehr schürte. David Bösch, muss man sagen, ist ein unglaublich sympathischer und witziger Mensch mit viel Tiefgang. Er macht sich viele Gedanken über das Werk, das er gerade inszeniert, beschäftigt sich eingängig damit und versucht jederzeit sich nicht von der Musik zu entfernen, vom ursprünglichen Inhalt, von der Geschichte, die erzählt werden soll. Er mischt seine eigene Interpretation, seine Gedanken mit der Intention des Komponisten und lässt so etwas Neues entstehen, eine neue Sichtweise auf das Werk, ohne die Ursprünglichkeit allzu sehr zu verändern. Er hat es nicht nötig sich zu profilieren, sondern möchte einfach nur seine Gedanken und Ideen einbringen und die Menschen anregen, sich eigene Gedanken zu machen und mit bestimmten Fragen auseinanderzusetzen. Wie schon erwähnt, gab also auch der Regisseur keine Informationen über die laufende Produktion. Ihm zu lauschen hat trotzdem viel Spaß gemacht und interessante Einblicke gewährt. 

Zusätzlich zu David Bösch kam der Darsteller des Hans Sachs, Bariton Wolfgang Koch auf die Bühne. Trotz der für heute angesetzten Orchesterhauptprobe war er bereit, sich über seine Rolle und ihre Interpretation sowie die Entwicklung im Werk auf dieser Premieren-Matinee zu äußern. Der sympathische Bayer tat das sehr humorvoll, ohne dabei aber die Ernsthaftigkeit zu verlieren. Es wurde so noch deutlicher, wie viele Facetten es an der Person des Hans Sachs zu entdecken und darzustellen gibt. Natürlich äußerte sich auch Wolfgang Koch nur allgemein und gab, wie die anderen Teilnehmer der Gesprächsrunde, nichts über diese Neuinszenierung preis. 

Nachdem der Bariton wieder aus der Runde entlassen war, kam nun der zweite Bariton und ein weiterer Hauptcharakter mit dazu, Opernsänger und Darsteller des Sixtus Beckmesser, Markus Eiche. Das heißt, eigentlich hatte er gewissermaßen zuerst eine Vertretung gesandt.

Hintergrund für diese Aktion war es, laut Markus Eiche, zu verdeutlichen, was es heißt, sich so völlig fehl am Platz zu fühlen bzw. wie es ist, einen Menschen zu erleben, der so völlig fehl am Platz ist. Genau die Situation, die auch seine Figur des Sixtus Beckmesser in den Meistersingern erlebt. 

Im Anschluss an diese kleine Darbietung gab auch Markus Eiche Einblicke in seine Sicht der Dinge und wie er die Figur des Stadtschreibers sieht. Man merkte auch bei dem 46-jährigen, wie genau er sich mit seiner Rolle und ihrem darzustellenden Charakter auseinandergesetzt hat. Kritisch aber auch humorvoll hat er das Profil entwickelt, um möglichst lebensnah zu wirken und der von ihm verkörperten Figur Leben einzuhauchen. Am Ende gab es eine weitere musikalische Darbietung des charmanten Künstlers, den Werbegesang des Sixtus Beckmesser. 

Im Anschluss an diese kleine Einlage löste Intendant Nikolaus Bachler die Runde auf und beendete nach einem Dankeschön für die Aufmerksamkeit und das rege Interesse diese Premieren-Matinee. 

Ich muss dringend noch eine Person erwähnen, die ebenfalls die gesamte Zeit anwesend war und sich immer wieder mit Fragen und Anmerkungen in die Gesprächsrunde einschaltete: Rainer Kalitschek, Dramaturg an der Bayerischen Staatsoper. 

Es sei ebenfalls erwähnt, dass im Verlauf der Matinee noch eine weitere musikalische Kostprobe aus den Meistersingern dargebracht wurde: die Ouvertüre des Werks. Da natürlich nicht das ganze Orchester vor Ort sein konnte, gab es die Version für vier Hände am Klavier, gespielt von zwei Pianistinnen, deren Namen ich mir leider nicht gemerkt habe. Eine von Ihnen begleitete auch Markus Eiche bei seinen zwei kleinen Auftritten an diesem Vormittag. 

An dieser Stelle sei auch der Podcast auf der Seite der Bayerischen Staatsoper empfohlen, eingesprochen durch den Dramaturgen Rainer Kalitschek, der einen guten Einblick in das Werk und seine geschichtlichen Hintergründe gibt. Den entsprechenden Link findet ihr weiter unten in der Vorschau. 


Hier noch einmal die wichtigsten Termine der nächsten 8 Tage: 

Montag, 09.05.2016Orchesterhauptprobe Meistersinger

Donnerstag, 12.05.2016Generalprobe Meistersinger

Montag, 16.05.2016Premiere Meistersinger


Tipps rund um den Opernbesuch an der Bayerischen Staatsoper in München

Über die Besichtigung des Nationaltheaters, das unter anderem die Bayerische Staatsoper und das Bayerische Staatsballett beheimatet, werde ich in einem gesonderten Bericht erzählen. Hier geht es jetzt um einige persönliche u.a. auch kulinarische Tipps von mir rund um einen Opernbesuch in München.

Je nachdem wie lange der Aufenthalt in Bayerns Hauptstadt geplant ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich angenehm die Zeit zu vertreiben und dem geplanten Opernbesuch einen zusätzlichen attraktiven Rahmen zu geben. Entsprechende Links geben die notwendigen Informationen und weisen den Weg. Persönliche Fotoaufnahmen ergänzen den Eindruck und helfen möglicherweise bei der Auswahl. Über die Zusammenstellung muss natürlich jeder selbst entscheiden, ich kann hier nur einige Empfehlungen geben.

Zum einen gibt es natürlich die Möglichkeit die Stadt an sich zu besichtigen, die Sehenswürdigkeiten von München; ich setze hier den Link des offiziellen Stadtportals München hin, das alle wichtigen Informationen gibt rund um den Besuch in der bayerischen Hauptstadt. Dann kann jeder für sich auswählen, was ihm wichtig ist, was besonders interessant ist. 

Für die Menschen, die lieber ganz klassisch einen Reiseführer in Papierform in der Hand halten, sei der von Dumont empfohlen. Zumindest benutze ich diesen Reiseführer persönlich sehr gerne, da ich finde, dass er gut aufgebaut, übersichtlich gestaltet und mit vielen Tipps versehen ist, die man für den Städtebesuch gut verwenden kann. Gleichzeitig ist er nicht überladen und enthält, wie die meisten anderen Reiseführer anderer Anbieter, einen Stadtplan.

Meine ganz persönlichen Tipps sind ein Besuch des Viktualienmarktes, geöffnet von Montag bis Samstag von 7 Uhr morgens bis spätestens 20 Uhr abends. Hier lohnt es sich etwas Zeit zu nehmen, um die ganzen Stände mit dem vielseitigen und großen Angebot an Lebensmitteln zu sehen und auszutesten, eine kulinarische Reise quer durch die Welt. Es gibt sogar die Möglichkeit einer Führung, in der man sich einfach genüsslich von Stand zu Stand durchessen kann und dabei noch eine Menge erfährt und lernt. Hier ist der passende Link dazu.

An Kirchen nenne ich hier meine drei persönlichen Lieblingsorte; das ist zum einen die Theatinerkirche am Odeonsplatz. Die Gruft unter dem Chor ist bis heute Grablege der Wittelsbacher und in einer Kapelle des rechten Seitenschiffes stehen die Sarkophage des bayerischen Königspaares Max II. und Marie. Bevor man den Viktualienmarkt betritt, steht links eine der ältesten Kirchen Münchens, die Heiliggeistkirche. Die Spitalkirche wurde 1327 als erste Hallenkirche Münchens errichtet und Anfang des 18. Jahrhunderts barockisiert. Die dritte Kirche, die ich erwähnen möchte, ist St. Michael in der belebten Einkaufsstraße in der Münchner Innenstadt. 1583 legte Wilhelm V. der Fromme den Grundstein für die nördlichste Renaissancekirche nördlich der Alpen, die 1597 fertiggestellt wurde. Unter dem Chor befindet sich die Fürstengruft, in der neben anderen Mitgliedern des Wittelsbacher Hauses der Stifter Wilhelm V., Kurfürst Maximilian I. und König Ludwig II. ihre letzte Ruhe gefunden haben. (Quelle: Dumont Reiseführer, 3. akt. Auflage 2013)

Unbedingt sollte man sich Zeit nehmen und die Residenz besichtigen, Wohn- und Regierungssitz der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige. Eine Besichtigung dauert 2-3 Stunden. Zusätzlich kann man u.a. noch die Schatzkammer besuchen, die mit 1258 Exponaten zu den größten Europas zählt, sowie die Reliquienkammer, die mit 76 Objekten einen der größten profanen Reliquienschätze Europas birgt. (Quelle: Dumont Reiseführer 3. akt. Ausgabe 2013) Unter diesem Link kann man sich genau über die Besichtigungszeiten u.ä. informieren. Ein Konzert im wunderschönen Cuvilliés-Theater und natürlich eine Besichtigung sind eine weitere Empfehlung, die ich allen ans Herz lege. Auch darüber gibt es entsprechende Informationen auf der oben genannten Website. 

Das Nationaltheater in München werde ich, wie bereits erwähnt, gesondert abhandeln. Nach meiner gebuchten Führung am 15.5. werde ich hier meine Eindrücke weitergeben. Auch wenn ich das Nationaltheater schon mindestens zehnmal besichtigt habe, entdecke ich doch immer wieder neue Facetten, die mich überraschen. Jede Führung ist anders und besonders. Fest steht, dass der Platz vor dem Nationaltheater für mich zu einem der schönsten Plätze in München zählt. Nach der geplanten und gespannt erwarteten Umgestaltung wird sich das ganz sicher noch verstärken.

Direkt am Max-Joseph-Platz findet jedes Jahr zu den Opernfestspielen die Oper für Alle statt. Ein Erlebnis, auf das ich mich ganz besonders freue. Am 31.7. wird es dort eine Übertragung der Meistersinger von Nürnberg geben. Es ist die letzte Vorstellung und damit der Abschluss der Opernfestspiele. Einen entsprechenden Erlebnisbericht inklusive Fotos wird es im Anschluss auf meinem Blog zum Nachlesen geben. Hier der Link zur Bayerischen Staatsoper mit einigen Informationen.

Weitere Tipps: Der Odeonsplatz selbst, an dem die Theatinerkirche steht, ist auch ein wirklich schöner und am Abend stimmungsvoller Platz. Eingerahmt von Bauten unterschiedlichster Epochen, die aber allesamt italienische Vorbilder zitieren, ist der „südlichste Platz Münchens“ wie geschaffen für das Dolce Vita, dem man hier so gerne frönt. Der sich zwischen Residenz und Staatskanzlei erstreckende Hofgarten ist nicht nur die älteste Gartenanlage der Stadt, er ist auch der stimmungsvollste Ruheort inmitten von Verkehr und Einkaufsstraßen. Wenn die Boulespieler ihre Bälle werfen, wenn im Hofgartenpavillon Musik ertönt und man im Tambosi (tgl. 8:00 -1:00, Küche bis 23 Uhr) tafelt, dann fühlt man sich an Paris erinnert. (Quelle: Dumont Reiseführer 3. akt. Auflage 2013)

Hier kommen noch zwei Empfehlungen für Kunstliebhaber und solche, die es werden wollen: 

Die 1985 begründete Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung tritt mit viel beachteten publikumswirksamen Ausstellungen an die Öffentlichkeit. Das Ausstellungsprogramm umfasst alle künstlerischen Gattungen und reicht von der Frühzeit bis in die Moderne. Zur Zeit läuft dort vom 4.3.-3.7.2016 die Ausstellung Joaquin Sorolla - Spaniens Meister des Lichts. Ich selbst habe fest eingeplant sie mir anzuschauen, da ich schon im Fernsehen einen Bericht darüber gesehen habe, der mich sehr neugierig gemacht hat. Hier ist der passende Link dazu.

Die Alte Pinakothek in München: Sie enthält eine der bedeutendsten Sammlungen Deutschlands. Ihren Ruhm begründen u.a. der Passionszyklus von Rembrandt, Rogier van der Weydens Columba-Altar sowie 46 Bilder von Rubens und 25 Arbeiten von van Dyck. Heute gehören etwa 9000 Arbeiten zum Bestand des Museums, in dem nahezu alle großen Meister der europäischen Kunstgeschichte vertreten sind. (Quelle auch für die Kunsthalle: Dumont Reiseführer 3. akt. Auflage 2013)

Wer noch mehr über diese wunderbare Kunstsammlung wissen will, kann sich sowohl auf der Seite selbst informieren oder im Reiseführer nachlesen.

Jetzt kommen noch ein paar kulinarische Empfehlungen für den Besuch in München:

Einen Abstecher ins Traditionshaus Dallmayr gehört für alle Feinschmecker dazu und lohnt in jedem Fall. Das aus dem Delikatessengeschäft und Hoflieferanten Alois Dallmayr bestehende Unternehmen existiert seit dem Jahre 1700. Überregional bekannt durch den Kaffee, der noch heute täglich frisch geröstet in der Kaffeeabteilung verkauft wird, verbirgt sich hinter Dallmayr ein Delikatessengeschäft der Superlative. Hinter der vornehmen Fassade erstrecken sich noble Einkaufshallen, in welchen wie die aus der Fernsehwerbung bekannten blau beschürzten Bedienungen alle kulinarischen Wünsche erfüllen. (Quelle Dumont Reiseführer 3. akt. Auflage 2013) 

Man muss sagen, dass es schon recht nobel zugeht bei Dallmayr und man schon ahnt, wer sich die ganzen Delikatessen regelmäßig leisten kann, um sie dann stilvoll zu genießen. Aber keine Sorge, auch für den kleineren Geldbeutel ist etwas dabei, eine kleine Leckerei auf die Hand oder ein hübsches Mitbringsel für die Lieben zu Hause. Es ist einfach alles sehr schön anzusehen und es duftet überall ganz wunderbar. Die Lust am essen und genießen entsteht hier auf jeden Fall. Einfach mal vorbeischauen und reinschauen. Hier ist der Link

Wer noch einen Kaffee am Nachmittag genießen will, ein wenig „abgehoben“ und mit einem schönen Blick über München, dem sei das Café Glockenspiel ans Herz gelegt. Um die Ecke des Marienplatz im 5. Stock und mit einem einzigartigen Blick auf Figuren und Turm des Rathauses, dessen zweite Plattform auf 50m Höhe als Aussichtsplattform dient und Deutschlands größtes Glockenspiel beherbergt. Ein bisschen abseits vom Trubel kann man hier sowohl zur Kaffeezeit als auch am Abend eine kleine kulinarische Pause einlegen und draußen auf der kleinen Terrasse auch die Sonne genießen. Diese ist auch, vor allem im Sommer, mein Lieblingsplatz in diesem Café.

Und ganz zum Schluss, da mir eine besondere Freude, eines meiner Lieblingslokale in München und nur einen Katzensprung vom Nationaltheater entfernt, das Brenner. Es liegt wirklich unglaublich günstig und ermöglicht, ohne sich zeitlich abzuhetzen, einen Besuch vor oder nach der Opernvorstellung. Direkt gegenüber dem neuen Probengebäude am Marstallplatz ebenso wie dem Ticketcenter der Bayerischen Staatstheater ist das Restaurant in wenigen Gehminuten zu erreichen. Diesen Vorteil nutzen nicht nur die Opernbesucher, sondern auch die Künstler, die sich hier immer mit einer Mahlzeit stärken oder zwischendurch einen Espresso an der Bar trinken gehen oder einen leckere Süßigkeit aus der Kuchentheke genießen. Aber auch sonst ist das Brenner stets gut ausgebucht und ohne eine vorherige Reservierung, insbesondere an Wochen und Feiertagen, geht selten etwas. Zu Recht, das Restaurant hat eine fantastische Küche zu Preisen, die durch die Qualität der zubereiteten Speisen und den guten und aufmerksamen Service gerechtfertigt sind. Wer nur eine Kleinigkeit zu sich nehmen will oder oder nur etwas trinken möchte, der kann dieses im vorderen Bereich tun, der als Café und Bar dient. Im hinteren Bereich des Restaurants ist man gebeten, nicht nur ein Getränk zu bestellen. Die Speisen werden in der offenen Küche frisch zubereitet und verbreiten schon beim Betreten des Brenner einen angenehmen und appetitanregenden Geruch. Einen kleinen Abzug muss ich machen; zu den Hauptessenszeiten am Mittag und am Abend ist es leider manchmal etwas laut. Das liegt aber einfach daran, dass es sich vor allem im hinteren Bereich um einen großen Raum handelt, der zudem recht hohe Decken hat. Wen das nicht stört, der ist hier bestens aufgehoben und wird den Aufenthalt hier, ob nun mit oder ohne Opernbesuch, auf jeden Fall genießen. Ich fühle mich hier immer wohl und gut aufgehoben und freue mich schon auf meinen Besuch am kommenden Sonntag, wenn ich zur Premiere der Meistersinger nach München anreise. 

Hier kommt ein letzter Link und im Verlauf eventuell noch einige Fotos. Allerdings findet ihr die auch auf der offiziellen Website vom Brenner.

Hotelempfehlungen für den Aufenthalt in München

Ich habe auch noch einige Tipps für verschiedene Unterkünfte in München. Es handelt sich dabei um Empfehlungen für den höheren, mittleren und niedrigen Preisbereich. Es sind ganz unterschiedliche Varianten von Hotels, aber alle haben eins gemeinsam: sie liegen sehr zentral und drei davon in unmittelbarer Nähe zum Nationaltheater. Entscheiden muss natürlich jeder selbst.

www.hotel-falkenturm.de - www.hotelanderoper.de - www.motel-one.com - smart-stay.de - www.platzl.de


Das waren sie, meine persönlichen Tipps und Empfehlungen für einen gelungenen Aufenthalt rund um den Opernbesuch in München. Ich hoffe, ich konnte ein paar Anregungen geben, wie man sich die Zeit in Bayerns Hauptstadt so angenehm wie möglich vertreiben kann. Ich wünsche allen viel Spaß beim Austesten, Entdecken und Genießen.

Wir sehen uns! Liebe Grüße aus Hamburg! 


Gedanken zu Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg

Hamburg, 09.05.2016

Was ist Kunst? Was bedeutet Kunst? Braucht Kunst gewisse Regeln um zu funktionieren? Bedeutet Kunst unkonventionell und unabhängig zu sein? Ein Freigeist? Ein Erneuerer? Ist eine Gesellschaft ohne Regeln und Grenzen möglich? Was bedeutet Erneuerung? Bedeutet Erneuerung gleichzeitig, alle alten Traditionen und Regeln aufzulösen oder gar für immer zu löschen?

Wie gehen Traditionen, Regeln, Erneuerung und die Freiheit in der Kunst zusammen? 

Für mich ist Kunst = Freiheit und Freiheit, das in Worte zu fassen, was ich denke und fühle, und diese Worte, wenn mir danach ist, frei zu äußern und zu veröffentlichen, zum Beispiel in diesem meinem Blog. Aber ist diese Äußerung meiner Gedanken wirklich frei von allen Regeln, z.B. den Umgangsregeln in der Gesellschaft? Ich beleidige keinen Menschen und verletze niemanden, ich wahre eine gewisse Form, versuche mich klar und verständlich auszudrücken, keine Missverständnisse entstehen zu lassen. Aber ich muss auch damit rechnen, dass nicht jeder Mensch meine Gedanken verstehen und nachvollziehen kann. Ich muss damit rechnen anzuecken und bin bereit dazu. Und das trifft auch auf alle anderen Formen der Kunst zu, nicht nur auf die in Worten, die Dichtkunst, sondern ebenfalls auf die Musik, die Malerei, die gestaltende Kunst wie die Bildhauerei. Dieser Freiheit können wir folgen, ohne irgendwelche Grenzen zu respektieren. Aber um welchen Preis? Oder folgen wir unbewusst auch bestimmten Regeln, die allgemein in der Gesellschaft gelten? Ist es nicht doch eine Mischung aus der Freiheit, seine Kunst zu erschaffen, und trotzdem die Form zu wahren? Wenn es uns egal ist, was wir mit unserem Tun und Handeln bewirken, dann würden wir alles andere über den Haufen werfen und egoistisch und rücksichtslos unsere Gedanken, unsere Meinungen verbreiten; durch unsere Worte, durch die Kunst. Wenn wir aber ein bestimmtes Ziel haben, etwas erreichen wollen, positive Aufmerksamkeit, Anerkennung und einen Austausch mit unseren Mitmenschen, dann wird es notwendig sein, sich an bestimmte Regeln zu halten und nicht alles über Bord zu werfen, nur um der Kunst willen. 

Ein friedliches und geordnetes Zusammenleben in einer Gesellschaft erfordert nun einmal gewisse Richtlinien, einen Rahmen, in dem wir uns bewegen. Besser sollte hier und da die Möglichkeit bestehen, das manchmal etwas enge Korsett ein wenig zu lockern. 

Und noch eine Frage: Was bedeutet Tradition? Und wie beeinflusst sie unser Leben? In der Vergangenheit, in der Gegenwart, in der Zukunft. Wie wichtig sind Traditionen für und in der Gesellschaft? Für den einzelnen und für die Gemeinschaft. Bedeuten Traditionen nicht auch ein Stück weit Identität für den Menschen? Traditionen sind schön und wertvoll, geben Sicherheit und zeigen uns unsere Zugehörigkeit an; in der Familie, in unserem Heimatland, an dem Ort, an dem wir groß geworden sind. 

Liegt das Geheimnis nicht darin, alles miteinander zu verbinden? Die alten Traditionen, die bestehenden Regeln, das Neue, die Kunst, die Freiheit. Altes und Neues wächst zusammen und so kann etwas Wunderbares für die Zukunft entstehen. Wenn wir es zulassen und bereit sind Kompromisse einzugehen, dann wird dies möglich sein und es wird gut werden. 


Soweit meine ganz persönlichen Gedanken zur Thematik der Meistersinger von Nürnberg, so wie ich die Bedeutung des Inhalts für mich sehe. Meine Gedanken sind frei und ich lasse sie los, schreibe sie hier nieder. Danke für eure Aufmerksamkeit und viel Freude dabei, die eigenen Gedanken und dieses Werk zu entdecken und sich ein wenig treiben zu lassen.

Alle Infos über diese Oper findet Ihr im Opera Guide.  Dort gibt es das komplette Libretto zum Nachlesen. 

Weitere Seiten, vor allem für Wagner-Neulinge: Das Wagner-Portal stellt den Inhalt der Oper und das Libretto bereit sowie einige Hintergründe zur Entstehungsgeschichte dieses Werks. Wikipedia ergänzt alles recht gut und bringt weitere Informationen zu dieser Oper.

Zuletzt sei noch die Seite von Youtube empfohlen. Zu den Meistersingern von Nürnberg gibt es einige sehr schöne Ausschnitte, zum Teil auch Gesamtaufnahmen, wenn auch nicht immer ganz neu. Für Jonas-Kaufmann-Fans könnten die folgenden drei Links interessant sein: 

Ausschnitte Akt 1, Ausschnitte Akt 2, Ausschnitte Akt 3

Viel Vergnügen beim Stöbern, Hineinhören und Entdecken und natürlich bei der Vorfreude auf die kommenden Vorstellungen der Premieren-Serie an der Bayerischen Staatsoper in München.


Kurze Vorstellung der Künstler zu den ausgewählten Figuren

Hamburg, 09.05.2016

Wolfgang Koch ist Hans Sachs

Der ausgesprochen sympathische Bayer Wolfgang Koch verkörpert bei der Neuinszenierung der Meistersinger in München die Rolle des Hans Sachs, die er in der Vergangenheit schon viele Male gesungen und dargestellt hat. Somit ist er mit dieser Partie, mit dem Stück und der Musik sehr vertraut und in der Lage, den Charakter des Schustermeisters und Poeten besonders vielschichtig und differenziert herauszuarbeiten und auf der Bühne darzustellen. Bei der Premieren-Matinee am 8. Mai merkte man außerdem, wie genau und ausführlich sich der Opernsänger mit dem ganzen Stoff befasst hat und wieviel Kenntnis er über die Vorlage bzw. das Werk selbst hat. Wolfgang Koch ist ein Künstler mit sehr viel Tiefgang und einer intelligenten Rollengestaltung, durch die er eine große Authentizität mitbringt und dadurch auf der Bühne besonders glaubwürdig wirkt. Ich freue mich jetzt schon sehr, den 66-jährigen Bariton am 16. Mai zum ersten Mal in der Rolle des Hans Sachs zu erleben, und bin davon überzeugt, dass es ein unvergessliches Erlebnis wird.

Hier noch einige offizielle Informationen zu Wolfgang Koch: lewin-management.com und wikipedia.org.


Markus Eiche ist Sixtus Beckmesser

Nicht nur Kammersänger Jonas Kaufmann gibt sein Debüt (in dem Fall szenisch), sondern auch Bariton Markus Eiche, den ich zuletzt im vergangenen Sommer als Lescaut in Puccinis wunderbarer Oper Manon Lescaut erlebt habe, dort ebenfalls an der Seite des Münchner Tenors. Nun wird er zum ersten Mal die Rolle des Stadtschreibers Sixtus Beckmesser in Wagners Meistersingern verkörpern. Eine Rolle, die dem sympathischen Opernsänger sehr gut liegen sollte. Markus Eiche ist nicht nur mit einer warmen, kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme gesegnet, sondern ist ebenfalls ein wahrer Sängerdarsteller auf der Bühne. In dieser Partie kann er sich nicht nur gesanglich, sondern auch schauspielerisch ausleben. Die Figur des Stadtschreibers ist sicher eine reizvolle Partie mit vielen menschlichen Facetten, die ihm viele Möglichkeiten bietet sein Können zu zeigen. Ich bin gespannt auf seine Interpretation und freue mich schon sehr auf dieses Rollendebüt des sympathischen 46-jährigen, der in St. Georgen im Schwarzwald geboren wurde und seit 2012 eine eigene Gesangsklasse an der Züricher Hochschule für Künste hat.

Nachdem ich ihn auch bei der Premieren-Matinee am 8. Mai erleben durfte, hat sich die Vorfreude noch ein wenig mehr gesteigert. Ich bin mir hundertprozentig sicher, das wird einfach großartig!

Hier ist noch die offizielle Website des Opernsängers. Wikipedia ist eine gute Ergänzung.


Jonas Kaufmann ist Walther von Stolzing

Zehn Jahre(!) ist es jetzt her, dass der Münchner Tenor und Kammersänger Jonas Kaufmann die Rolle des Walther von Stolzing zum ersten und einzigen Mal sang, damals auch „nur“ konzertant. Genau gesagt, war das beim Festival in Edinburgh 2006. Seitdem hatte er das Stück nicht mehr angefasst, aber nicht, weil er es sich nicht zugetraut hätte, sondern weil es sich einfach nicht ergab (Wortlaut Jonas Kaufmann). Walther ist eine von Wagners leichteren Partien, aber sicher keine leichte. Nun ist es endlich soweit und der 46-jährige Bayer gibt sein szenisches Rollendebüt in seiner Heimatstadt. Auch bei diesem Künstler bin ich schon sehr gespannt auf seine Interpretation dieser Rolle und die Darstellung auf der Opernbühne. Das dürfte, wie immer bei Jonas Kaufmann, besonders spannend werden, auch überraschend und vor allem sehr glaubwürdig und nachvollziehbar. Eine differenzierte und intelligente Rollengestaltung mit viel Tiefgang ist wohl unbestreitbar eine besondere Gabe dieses Sängers. Die komödiantischen Aspekte dieses Werks und auch der zu singenden Partie selbst dürften dem sympathischen Münchner viel Freude bereiten und ihm die Gelegenheit bieten, eine andere Facette seines darstellerischen Könnens zu zeigen. Auf das Stimmliche gehe ich hier nicht ein; dass Jonas Kaufmann einer der besten und vielseitigsten Tenöre unserer Zeit ist, steht wohl außer Frage. Ob er sich zum jetzigen Zeitpunkt mit dieser Rolle stimmlich hundertprozentig wohlfühlt, vermag ich natürlich nicht zu sagen. In Anbetracht der Planungsphasen von fünf bis sechs Jahren im voraus ist dieser Aspekt nicht immer wirklich zu kalkulieren. Dass er stimmlich dazu in der Lage ist, diese Partie großartig zu singen, steht ebenfalls außer Frage. 

So bin ich auch sehr gespannt auf des Rollendebüt des Münchners als Walther von Stolzing in Wagners Meistersingern am 16. Mai. 

Der Link zur offiziellen Website des Opernsängers bzw. seiner Facebookseite.


Sara Jakubiak ist Eva Pogner

Über die Vita der jungen amerikanischen Sopranistin Sara Jakubiak habe ich zu meinem Bedauern nicht wirklich viele Hintergrundinformationen. Die Opernsängerin hat Gesang an der Yale University und am Cleveland Institute of Music studiert und gewann 2007 den Judith Raskin Memorial Award der Santa Fe Opera. Seit der Spielzeit 2014/15 ist sie Ensemblemitglied der Oper in Frankfurt. Auch die Sopranistin gibt bei der Meistersinger-Inszenierung in München ihr Debüt in der Rolle der Eva Pogner. Ich lasse mich jetzt einfach davon überraschen, die junge und hochgelobte Künstlerin, zu deren Repertoire u.a. die Elsa aus Lohengrin oder die Titelpartie aus Ariadne auf Naxos gehört, im Münchner Nationaltheater auf der Bühne zu erleben. 

Einen interessanten Link zu Sara Jakubiak habe ich doch noch gefunden.


Die Hauptpartien in Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg

Hamburg, 08.05.2016

Die Meister

Bei den Meistersingern verkörpern die Meister die alten Traditionen, die Vergangenheit, das manchmal etwas starre Regelwerk, aber ebenso eine Kontinuität durch die Jahrzehnte, Ehre und Anerkennung der Leistungen im Laufe des Lebens. Die Meister sind vielleicht etwas eingefahren und bequem, da sie ihre Komfortzone nicht verlassen möchten. „Das war schon immer so. Das ist gut so wie es ist“. Und Erneuerungen machen möglicherweise Angst, das Unbekannte, das Fremde bereitet Unbehagen. Die Herren sind nicht böse, sondern allenfalls etwas schrullig in ihren Ansichten und ihrem Auftreten. Ob sie bereit sind, im fortgeschrittenen Lebensalter noch einschneidende Änderungen zu akzeptieren oder auch nur kleine, das ist die Frage. Aber diese Männer verkörpern auch ein Stück weit eine Identität, einen Rahmen, in der die Gesellschaft, in der sie leben, existiert, ohne dass Chaos herrscht. Ein Vorankommen, die Entstehung von etwas Neuem gibt es allerdings auch nicht. Die Frage bleibt am Ende offen. Eine gewisse Neugier und durchaus Respekt und Anerkennung wurden geweckt. Aber ob das ausreicht für eine positive Veränderung? 


Hans Sachs, der Schuster und Lehrmeister von Walther von Stolzing

Hans Sachs ist für mich der Mittler zwischen allen Parteien sowie zwischen Tradition und Erneuerung. Er erkennt, dass eine Lockerung des starren Regelwerks notwendig ist. Unumgänglich, da die Zeit dafür gekommen ist. Er weiß aber auch um die alten Traditionen und auch, dass gewisse Regeln für das Zusammenleben unabdingbar sind, für den Frieden in der Gesellschaft. Damit eckt er an und ist bereit, auch außerhalb der Gruppe der Meister zu stehen. Er sitzt gewissermaßen „zwischen den Stühlen“. Er schätzt die alten Meister und weiß um die Wichtigkeit dessen, was sie vertreten und verkörpern. Gleichzeitig lernt er durch den jungen Ritter Walther von Stolzing, den er als Schüler unter seine Fittiche nimmt, die Freiheit, die von der Kunst ausgeht, die Freiheit der Gedanken, die Unabhängigkeit und den Mut, seine Gedanken und Worte frei zu äußern, ohne Angst vor den möglichen Konsequenzen. Einfach frei sein und unabhängig. Er erkennt das wahre, von der Natur gegebene Genie in Walther. Tief beeindruckt von dem jungen Mann, beschließt er, ihm dabei zu helfen, seine große Liebe zu erringen, und wagt zugleich den Versuch, die alten Traditionen und Regeln mit der Freiheit der Kunst zu verbinden und etwas Neues zu erschaffen. Der Kunst wird eine Bühne gegeben, in der sie sich entfalten und aufblühen kann, aber nicht unkontrolliert, sondern im Rahmen eines gelockerten Regelwerks und ohne dabei die alten Meister vor den Kopf zu stoßen. Und er hilft so Walther von Stolzing, die Hand seiner großen Liebe Eva zu gewinnen. 

Hans Sachs verzichtet am Ende zugunsten der wahren Liebe auf sein eigenes Glück. Er mahnt an, die Kunst zu ehren und zu achten, sie ist ein Stück der eigenen Identität, und die Regeln und Traditionen helfen alles zu kanalisieren und in eine geordnete, nachvollziehbare und lebhafte Form zu bringen. 


Sixtus Beckmesser, der Stadtschreiber

Sixtus Beckmesser, seines Zeichens Stadtschreiber, ist irgendwie die tragisch-komische Figur bei Wagners Meistersingern. Er ist auf der einen Seite eingefahren in seiner Denkweise, selbstverliebt und überheblich, hat aber meiner Meinung nach den Wunsch auszubrechen aus seinem auch zum Teil selbst angelegten zu engen Korsett. Er ist aber aus welchen Gründen auch immer – Feigheit, Bequemlichkeit oder einfach nur Gedankenlosigkeit – nicht in der Lage den Wandel zu vollziehen und sich auf den Weg der Erneuerung und Befreiung zu machen. So setzt er als amtierender Merker seine Macht ein und das bestehende Regelwerk unerbittlich durch. Er versucht, sich so auch seinen ärgsten Rivalen um die Hand von Eva vom Hals zu schaffen und seine Position weiter zu stärken und vor allen deutlich zu machen. Aber ist er wirklich in seiner Gemeinschaft geehrt und geachtet oder ist es nur die Macht, die er innehat durch das einflussreiche Amt des Stadtschreibers und die er für seine Zwecke nutzt? Sixtus Beckmesser ist ein intelligenter und vermutlich auch sehr gebildeter Mann, aber er ist nicht in der Lage dieses für sich im positiven Sinne zu nutzen und sich eine ehrliche Anerkennung und Achtung zu erarbeiten. Auf der anderen Seite ist er aber bereit, sich Evas wegen absolut lächerlich zu machen und blamiert sich am Ende vor den Meistern und allen Anwesenden bis auf die Knochen. Er verliert so sein Gesicht, vermutlich seine Position als Stadtschreiber und sein hochangesehenes Amt als Merker. In dieser Gemeinschaft ist er nun ein Ausgestoßener, der Verlierer. Ein Zurückkehren in die Gesellschaft ist kaum mehr möglich. Die Person des Sixtus Beckmesser ist förmlich zerstört. 

Warum geht er dieses Wagnis ein, nimmt diese Demütigung am Ende fast klaglos hin? Was ist er am Ende, „Täter“ oder „Opfer“? Wohl von beidem etwas. Hat er sein Schicksal am Ende selbst verschuldet oder waren es die nicht änderbaren äußeren Umstände? Werden die Regeln, die Traditionen, die er selbst so streng befolgt und unerbittlich durchgesetzt hat, ihm am Ende zum Verhängnis? 


Walther von Stolzing, der junge Ritter und Schüler von Hans Sachs

Walther von Stolzing ist das naturbegabte Genie, der ungeschliffene Rohdiamant, der gewissermaßen bearbeitet werden muss, bis er in vollem Glanz erstrahlen kann. Sein Geist ist noch etwas wild, ungezähmt.

Der junge Ritter verkörpert in dieser Oper die Erneuerung, die Freiheit, den Freigeist, Unabhängigkeit und Mut. Er will ausbrechen aus dem starren Regelwerk, handelt unkonventionell und ohne Angst vor Konsequenzen für sein Handeln und Tun. Er ist bereit, für seine wahre Liebe seine Gedanken und Wünsche und Träume vorbehaltlos preiszugeben und offenzulegen. Vor allen Menschen. Sein Geist ist frei, er ist mutig und unabhängig. Und er ist bereit, alles zu wagen, das größte Risiko einzugehen für die Frau, die er liebt und begehrt. Er ist ehrlich, offen und unbeirrt. Mag sein, dass er auch etwas naiv in seinem Denken, Handeln und Tun ist, insbesondere am Beginn seiner „Reise“. Aber auch Walther von Stolzing muss lernen, in erster Linie durch seinen Meister Hans Sachs, dass es notwendig ist, wenn man ein Ziel erreichen will, die Menschen ansprechen möchte, Kompromisse einzugehen. Er lernt ebenfalls, dass es keine Niederlage bedeutet, keine Schande ist oder die eigene Kunst schmälert, wenn man sich an gewisse Regeln hält, den Erfahrenen im Leben Respekt zollt und die lange bestehenden Traditionen ehrt. Die Mischung, die Verbindung ist es, was einen zu einem befriedigenden Ziel bringt. Ohne dabei andere Menschen zu verletzen oder sich untreu zu werden. Am Ende bringt dem jungen Ritter Walther von Stolzing dieses Einsehen und sein kluges Handeln die Hand der Frau, die er bedingungslos liebt. Was kann es Größeres geben. So siegen beide; die Liebe und die Kunst. Hand in Hand miteinander vereint. 

Aber besteht am Ende die Gefahr, dass durch die „Bearbeitung“, das Schleifen, das Lenken in geordnete Bahnen etwas von der Authentizität verloren geht? Bleibt das Ursprüngliche dabei auf der Strecke? 

Oder geht dabei gar ein Stück weit die eigene Identität verloren? Kann und darf man Kunst und Genie domestizieren? 


Eva Pogner, Tochter des Goldschmieds Veit Pogner und die große Liebe Walther von Stolzings

Sie liebt tief, vorbehaltlos und bedingungslos. Eva Pogner ist die große Liebe des jungen Ritters Walther von Stolzing und gleichzeitig die Tochter von Veit Pogner, Goldschmied und angesehener Meister im Kreise der Seinen. Eva ist bereit sich für ihre wahre Liebe über alle alten Traditionen und Regeln hinwegzusetzen und mit dem Mann ihrer Träume zu fliehen. Sie setzt geschickt ihre Weiblichkeit ein um über Hans Sachs an Informationen über den jungen Ritter zu kommen, ohne sich anfänglich Gedanken zu machen oder es zu merken, wie sehr der erfahrene Mann sie liebt und verehrt. Auch Eva erfährt am Ende, dass es manchmal besser ist, einen Kompromiss in Frieden einzugehen und letztendlich das erreichte Ziel zu genießen ohne dabei das Gefühl zu haben, dass etwas erzwungen wurde. Hans Sachs steht auch ihr selbstlos zur Seite und sorgt durch geschicktes Sagen und Handeln dafür, dass das zusammengeführt wird, was zusammengehört. Durch dieses selbstlose Handeln ist ihm die große Dankbarkeit und Zuneigung Evas sicher und er ist bereit damit auszukommen. Eva und ihre große Liebe Walther von Stolzing sind am Ende glücklich vereint und gehen Hand in Hand in eine gemeinsame Zukunft.


Dieses waren auch hier meine persönlichen Gedanken zu einigen dieser Figuren in Wagners Meistersingern. Leider ist es mir unmöglich auf alle Charaktere einzugehen, da dies den Rahmen meines Blogs und ebenso meine zeitlichen Kapazitäten sprengen würde. Ich bitte in diesem Punkt um Nachsicht. Selbstverständlich sind die anderen Figuren nicht unwichtiger als die hier erwähnten und besprochenen.

Zuerst war ich mir ohnehin nicht sicher, ob ich meine persönlichen Texte über Wagners Meistersinger in meinem Blog veröffentlichen sollte; ob ich wirklich inhaltlich alles richtig verstanden habe und meine Gedanken nachvollziehbar vermitteln kann. Nach der Premieren-Matinee vom 8. Mai bin ich nun ein wenig beruhigt und wage es einfach meine Worte zu veröffentlichen, ohne Angst anzuecken oder missverstanden zu werden. Ich nehme mir einfach die Freiheit der Kunst, aber ich habe sie in geordnete Bahnen gelenkt, bevor ich sie nun veröffentliche.


David Bösch inszeniert die Meistersinger von Nürnberg an der Bayerischen Staatsoper in München

Hamburg, 07.05.2016

Hier sind einige interessante Eindrücke aus der aktuellen Ausgabe 05/16 von Oper! Das Magazin. 

Eine Zusammenfassung

Zwar ist er (David Bösch) grundsätzlich einem Realismus nicht abhold, stets aber sind die Arbeiten Böschs von einer subtilen Poesie und Leichtigkeit geprägt – durchaus spielerisch, nicht verkopft. Das moderne Regietheater erfährt durch Bösch oftmals eine romanophile Durchlässigkeit und Färbung. Hier setzt die jetzige Meistersinger-Regie von Bösch an: Im Vergleich zum Holländer (den Bösch unlängst in Frankfurt inszeniert hat) sei es für ihn ein „großer Vorteil“ und eine Besonderheit, dass die Oper auch eine Komödie ist. „Der Holländer ist ein viel transzendenteres Stück, heute würde ich das sogar noch mehr betonen als vor meiner Arbeit an und mit dieser Oper“, betont Bösch im Gepräch. „Es ist eine Transzendenz, wie sie in den meisten Opern von Wagner vorkommt. Die Meistersinger sind wirklich eine Ausnahme, weil sie aus einem zu schaffenden, atmosphärischen Kosmos beginnen, bestehen und entstehen“. Zwar gebe es in ihr eine Gesellschaft, die man konzeptionell am Heute aufhängen könnte; es sei jedoch auch möglich, eine dörflich geprägte Gesellschaft zu zeichnen, die eine „spezifische Bühnenrealität“ habe. Denn für Bösch ist der gesellschaftliche Kontext in den Meistersingern „ganz real“ – mit ganz realen Figuren. „Die Meistersinger haben eine größere Leichtigkeit als der Holländer vom Sujet her, auch in den Dialogen und in der Handlungsführung.“ Es sei ein Werk mit „großen Gefühlen“ und „großen Fragen an die Kunst und die Politik“, die aber Wagner hier über eine Geschichte laufen lasse, die „weitreichend den Gesetzen der Komödie folgt - in den Figurenkonstellationen, auch den Figuren an sich, in den Situationen. Und dies im Grunde von Anfang an.“ Genau hier knüpft Böschs Regie an: Die komödiantische Seite des Werks soll herausgearbeitet werden, ohne die anderen Aspekte zu verdrängen; überdies eine dörfliche Gemeinschaft.

„Es gibt die Meister und die Lehrbuben, die etwas sind oder glauben, etwas zu sein. Und andererseits drei Leute, die sehr unterschiedlich an Kunst glauben – und sie glauben wirklich an die Kunst.“ So vertrete Beckmesser ein „wirkliches Ideal“ und habe im Grunde „hehre Ansprüche“. „Man kann das als veraltet und lächerlich ansehen, aber er ist ein tragisch-komischer Held. Er wagt sich hoch hinaus, auch in Liebesfragen, obwohl er dadurch Gefahr läuft, kritisiert zu werden und sich lächerlich zu machen. Das ist ein großer Akt, sehr bewundernswert.“ Auf der anderen Seite werfe Stolzing Fragen auf, so Bösch, „die einen als Künstler immer interessieren. Was passiert, wenn man die Naivität verliert? Gibt es so etwas wie Genie oder unbewusstes Schaffen? Und wenn ja: wie lange hält das? Wo endet also die Erweiterung der Fähigkeiten und wo beginnt die Domestizierung?“ Für Bösch ist dies ein „Konflikt zwischen Ideal und Tradition, auch mit dem Unbewussten, und daraus entsteht große Kunst. Oder geht etwas verloren, weil es eben nicht darum geht, auf einem Fest das schönste Lied zu singen und den Preis zu gewinnen? Es tangiert etwas „Höheres“, gewissermaßen „höhere Werte“, und die Frage ist, ob es durch derartige „Bagatellen“ letztlich verloren geht oder nicht.“ Und es sind nun soziale Typen, die Wagner laut Bösch in den Meistersingern zeichnet – was fast schon auf die altehrwürdige italienische Commedia dell'arte verweist. Gerade die Meister seien sehr individuell gezeichnet, so Bösch. „Es sind eben nicht alles Männer in grau, sondern sie haben eine Persönlichkeit – auch eine überspitzte. Dadurch wirken sie komisch, sind aber zugleich liebenswert, auch rührend in ihrer Schablonenhaftigkeit.“ Die große Herausforderung ist nun, einen „Gesamtzusammenhang“ zu schaffen, zumal die Figuren „toll beschrieben“ seien und sich „ganz großartig“ entfalten würden. 

Es steht fest, dass Bösch auch in den Meistersingern kein „Rezeptionstheater“ machen wird, um auf die sehr komplexe und komplizierte Wirkungsgeschichte einzugehen. Er verbindet nicht die wichtigsten Inszenierungen dieser Oper und stellt sie auf die Bühne, sondern möchte einmal mehr versuchen, bei der Geschichte zu bleiben – etwas zu enthüllen, das in den Figuren und dem Sujet selber angelegt ist. Wer allerdings eine „Werktreue nach Reclamheft“ erwartet, wird genauso enttäuscht: Das buchstabengetreue Inszenieren ist Böschs Sache ebenso wenig. 

Wer noch mehr wissen will über diese Inszenierung und das Regiekonzept von David Bösch, der sollte meinen Bericht von der Premieren-Matinee am 8. Mai lesen. Der ganze Artikel zu der Inszenierung der Meistersinger von David Bösch an der Bayerischen Staatsoper in München ist in der aktuellen Ausgabe von Oper! Das Magazin nachzulesen. Der Link zur Website des Magazins: http://www.oper-magazin.de/


Premiere am 16.05.2016 an der Bayerischen Staatsoper in München

Hamburg, 03.05.2016

Vorschau

Noch genau zwei Wochen, dann findet in München im Nationaltheater die Premiere der Meistersinger von Nürnberg statt.

Verantwortlich für diese Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper zeichnet Regisseur David Bösch, die musikalische Leitung hat GMD Kirill Petrenko. Die Partie des Hans Sachs übernimmt in München Wolfgang Koch, die des Sixtus Beckmesser Markus Eiche. In der Rolle der Eva wird die junge Sopranistin Sara Jakubiak zu sehen sein. Und sein gespannt erwartetes szenisches Rollendebüt gibt in dieser Neuinszenierung in seiner Heimatstadt Startenor Jonas Kaufmann.

Ich werde vorab schon einmal erste Eindrücke bei der Premieren-Matinee am 8. Mai sammeln und davon dann natürlich hier berichten. Ansonsten bin auch ich sehr gespannt, was mich bei der Premiere am 16. Mai im wunderbaren Nationaltheater erwarten wird. Wenn sich in zwei Wochen der Vorhang öffnet und die Vorstellung beginnt, wissen wir endlich mehr.

Tipp:

Wer am 16. Mai nicht in München dabei sein kann, hat die Möglichkeit, die Premiere live auf BR Klassik mitzuerleben. Hier ist schon einmal der entsprechende Link zur Website des Bayerischen Rundfunks: https://www.br-klassik.de/programm/radio/ausstrahlung-684858.html.